Monatsarchiv für August 2008

RWE & Angela Merkel: Halbwahrheiten in Hamm

Freitag, den 29. August 2008

Gute Laune herrschte heute offenbar in Hamm in Westfalen:

Die RWE AG, Europas größter Verursacher von Kohlendioxid und Deutschlands zweitgrößter Stromerzeuger, legte den Grundstein für zwei Kohlekraftwerks-Blöcke mit je 800 Megawatt Leistung. Neben NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) und RWE-Chef Jürgen Großmann war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angereist – „sehr bewusst“, wie sie erklärte, weil sie „die Modernisierung von Kohlekraftwerken unterstützen“ wolle.

In ihrer Rede hatte sie kleine Seitenhiebe auf die Profite von RWE & Co. und die Windkraftfeinde in ihrer eigenen Partei versteckt, aber die Hauptbotschaft lautete: Das Land brauche „effiziente, moderne Kohlekraftwerke“, damit es nicht „zu einer Verknappung von Strom kommt“. Letzteres droht zwar entgegen aller Angstmacherei der Energieversorger gar nicht, wie erst vergangene Woche eine Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums ergab. Trotzdem behauptete Merkel, „die Ablehnung neuer Kraftwerksbauten“ sei „nicht nur wirtschaftspolitisch kontraproduktiv, sondern sie ist auch umwelt- und klimapolitisch kontraproduktiv“. Doch ob diese Aussage stimmt, kommt u.a. auf die Zahl und die Größe der „neuen Kraftwerksbauten“ an.

RWE würdigte das Ereignis jedenfalls mit einer ausführlichen Presseerklärung, und daraus übernahm die Bundesregierung auf ihrer Internetseite wortgleich eine geschickt formulierte Irreführung:

Der letzte Satz stimmt nämlich nur, sofern man das Wörtchen „bei“ nicht im Sinne von „während“, sondern von „falls“ versteht. In Wahrheit aber will RWE in Hamm künftig fast dreimal so viel Kohlestrom erzeugen wie bisher. Die beiden Blöcke A und B aus dem Jahr 1962/63, die stillgelegt werden sollen, verfügen über je 152 Megawatt Leistung – die neuen Blöcke D und E dagegen sind mit je 800 MW mehr als siebenmal so groß.

Deshalb wird der RWE-Standort Hamm/Westfalen statt derzeit etwa drei Millionen Tonnen Kohlendioxid bald circa neun Millionen Tonnen des Klimagases emittieren. Das neue Kraftwerk stößt also nicht 2,5 Millionen Tonnen weniger, sondern etwa sechs Millionen Tonnen mehr Kohlendioxid aus. Möglicherweise liegt das Plus sogar noch höher, weil RWE nach Informationen des BUND den ebenfalls bereits 40 Jahre alten Block C in Hamm mit 284 MW auch nach Inbetriebnahme der neuen Blöcke weiterlaufen lassen will.

Wie die Pressestelle von RWE trotzdem behaupten kann,

bleibt deren Geheimnis.

P.S.: Nicht nur am Standort Hamm, auch konzernweit fällt die Klimabilanz des Kraftwerkserneuerungsprogramm von RWE laut einer BUND-Studie negativ aus. Derzeit plant RWE den Neubau von sechs Kohleblöcken mit 6390 MW und einem CO2-Ausstoß von 39 Millionen Tonnen, vom Netz gehen sollen im Gegenzug zwar 17 alte Blöcke, die zusammen aber lediglich auf 2830 MW und 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid kommen.


Airbus: Wie 275 Tonnen sich in heiße Luft auflösen

Donnerstag, den 28. August 2008

„Greenwashing“ in vollendeter Form gibt es jetzt auf der englischsprachigen Airbus-Website zu bewundern: Der Flugzeughersteller zeigt seinen Riesenjet A380 als luftige und grüne Silhouette – und verspricht eine „natürlichere Art zu fliegen“.

Der Inhalt der Kampagne lässt sich kurz zusammenfassen: Der A380 sei komfortabler und leiser als andere Flugzeuge und emittiere – pro Passagier und Kilometer – 17 Prozent weniger CO2. Und stehe besser da als so manches Auto.

Absolut betrachtet aber verbraucht der 275-Tonnen-Koloss 1700 Liter Kerosin auf 100 Kilometer. Pro Kopf und Kilometer entspricht das etwa einer DC-3, die im Jahr 1935 ihren Erstflug hatte (in Deutschland auch als Rosinenbomber bekannt). Die A380 repräsentiere „veraltete Technik im Großformat“, kritisiert denn auch Werner Geiß vom VCD. Und der europäische Umweltverband Transport & Environment bilanziert, die Effizienzgewinne der letzten Jahrzehnte hätten gerade mal den Mehrverbrauch beim Umstieg von der Propellermaschine aufs Düsenjet wettgemacht.

Der von Luftfahrtunternehmen gern gezogene Vergleich des Treibstoffverbrauchs mit Autos führt komplett in die Irre: Denn Flugzeuge emittieren neben Kohlendioxid noch andere klimaschädigende Stoffe wie Stickoxide, Rußpartikel und Wasserdampf, und die Abgase schädigen das Klima in Flughöhe rund dreimal stärker als am Boden. Der Pro-Kopf-und-Kilometer-Klimaeffekt des A380 entspricht dem eines Autos mit einem Verbrauch von knapp zehn Litern – und noch schlechter wird die Bilanz, wenn das Flugzeug nicht voll und das Auto mit mehr als nur dem Fahrer besetzt ist. Zudem wird der A380 auf Langstrecken eingesetzt, konkurriert also gar nicht mit dem Auto.

Schon im Jahr 2000 war die Luftfahrtbranche laut Transport & Environment weltweit für vier bis neun Prozent des menschengemachten Treibhauseffekts verantwortlich. Der Anteil wird aber nach allen Prognosen kräftig steigen, denn die Branche wächst so rasant, dass alle Effizienzgewinne binnen kürzester Zeit durch das Wachstum zunichte gemacht werden. Wenn es so weiter geht, berechnete das britische Tyndall Centre on Climate Change, wird der Flugverkehr in der EU im Jahr 2050 bis zu vier Fünftel der Menge an Treibhausgasen emittieren, die ganz Europa dann insgesamt noch ausstoßen darf.

P.S.: Die Pro-Kopf-Rechnung ist übrigens auch davon abhängig, wie der Käufer das Flugzeug bestuhlt. Der saudische Prinz al-Walid, der erste private Käufer des A380, will ihn sich als „fliegenden Palast“ einrichten. Käme er auf die Idee, damit alleine auf Reisen zu gehen, würde er es auf einen Pro-Kopf-Verbrauch von 1,5 Tonnen auf 100 Kilometer bringen.


Audi: Vorsprung durch Werbung

Montag, den 25. August 2008

In der Unternehmensspitze von Audi greift man gern zu markigen Worten, wenn es um Klimaschutz geht: „Sollen wir künftig alle Trabi fahren?“, antwortete Ex-Audi-Chef Martin Winterkorn einmal, als er nach seinen PS-Boliden gefragt wurde. Und der jetzige Vorstandsvorsitzende, Rupert Stadler, versuchte die Verantwortung zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes auf andere abzuwälzen mit den Worten, das Klimagas kenne ohnehin „keine Landes- und Industriegrenzen“. Im übrigen sei nicht Audi schuld, sondern die Physik, dass man die eigene Selbstverpflichtung aus dem Jahr 1998 (zur Senkung der Flotten-Emissionen auf 140 g/km Kohlendioxid bis 2008) um Längen verfehlt.

Doch selbst in Ingolstadt weiß man, dass Ausreden allein nicht mehr genügen in Zeiten wie diesen – und hat deshalb eine millionenschwere Werbekampagne gestartet. Sehr geschickt wird darin – Schritt 1 – Sparsamkeit oder Emissionssenkung umdefiniert in Effizienzsteigerung. Um – Schritt 2 – alle möglichen Neuentwicklungen als Effizienzfortschritt zu präsentieren. So lag der Süddeutschen Zeitung am Wochenende ein 16-seitiger Sonderdruck bei. In perfekter Gestaltung wurden da aerodynamische Karosserien gezeigt und neue Getriebe gepriesen, der erste Audi-Hybrid aus dem Jahr 1989 wird ebenso vorgeführt  wie der – zweifellos tolle – Dieselmotor TDI.

Der Haken: Audi hat sich mehr als ein Jahrzehnt lang darauf konzentriert, durch immer bulligere Autos das einst betuliche Image einer Rentnerkutsche abzulegen – entsprechend sahen Modellpolitik und Werbung (Motto: „Vorsprung durch Technik“) aus. Die bessere Effizienz der Motorentechnik wurde weniger genutzt, um den absoluten Verbrauch zu senken, sondern eher um die PS-Zahlen zu steigern und immer größere und schwerere Autos immer schneller zu machen. Dementsprechend sieht eine Studie des BUND Audi als Schlusslicht unter den deutschen Automobilherstellern bei der Erreichung der Klimaschutzziele.

Die „Meilensteine der Audi-Technik“, die in der SZ-Beilage auf einer Doppelseite ausgebreitet werden, haben denn auch wenig mit wirklichen Klimaschutz-Fortschritten zu tun.

Im Jahr 2003 zum Beispiel wird da der neue „Audi TT 3.2 quattro“ als „Meilenstein“ vermerkt – mit einem Kohlendioxid-Ausstoß von 224-227 g/km. Für 2006 ist der Sieg eines Audi R10 mit Zwölf-Zylinder-Motor „beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans“ vermerkt (Verbrauchs- oder Emissionswerte verschweigt man hier lieber).

Dem Jahr 2008 ordnet Audi in der Werbung ein „Produktfeuerwerk“ zu. Hier wird auch der neue A4 groß herausgestellt – doch der ist gar nicht effizienter geworden, wie ein genauer Blick auf dieses meistverkaufte Audi-Modell zeigt: Die Unternehmenshomepage gibt für die aktuelle Variante mit Zwei-Liter-TDI-Motor einen Verbrauch von 4,4 bis 6,9 Liter Diesel an und einen Kohlendioxid-Ausstoß von 139 g/km. Nicht schlecht. Aber schon der erste A4 vor 13 Jahren war ähnlich sparsam. Die Werte sind wegen zwischenzeitlich geänderter Testnormen zwar nicht direkt vergleichbar, aber für den Audi A4 1.9 TDI von 1995 wurden 3,7 bis 6,0 Liter Verbrauch genannt. Es sieht aus, als trete Audi in Wahrheit eher auf der Stelle.


AVIA: Pack das Klima in den Tank!

Mittwoch, den 20. August 2008

Eigentlich sollte es sich längst herumgesprochen haben, dass der Umstieg auf Agrosprit keine Lösung des Klimaproblems ist: Immer mehr Experten warnen vor den Nebenwirkungen. Bundesregierung und EU überdenken längst ihre einst vorbehaltlose Unterstützung. Die Tankstellenkette AVIA hingegen wirbt noch immer damit – und stellt auf ihrer Internetseite zum Beispiel eine Filiale auf eine Waldlichtung mit possierlichem Eichhörnchen:

Basis der Werbung ist vor allem die Einführung eines „neuen CO2-optimierten Kraftstoffs“ namens „AVIA Super E10″ im Herbst 2007 – konventionellem Super-Benzin mit zehnprozentiger Beimischung von Agroethanol, dem Fünffachen des an anderen Tankstellen Üblichen. Dieser Sprit sei nicht nur billiger als normales Super, so das Unternehmen, er reduziere den Kohlendioxidausstoß eines Autos (bei einem Verbrauch von sieben Litern) um 15 Gramm pro hundert Kilometer.

Auf Nachfrage räumt ein AVIA-Sprecher ein, dass dieser Wert nur grob kalkuliert ist: Die Treibhausgas-Emissionen aus der aufwändigen Herstellung des beigemischten „Bioethanols“ sowie aus dem düngemittelintensiven Anbau des Vorprodukts Getreide wurden nicht berücksichtigt. Bei einer Betrachtung der Gesamtbilanz aber ist der Umweltnutzen von Agrotreibstoffen oft ernüchternd, wie erst kürzlich eine Studie der OECD feststellte. Gerade „Bioethanol“ aus Getreide, wie AVIA es verwendet, wird darin (auf Seite 91) ein „signifikant niedrigerer“ Klimaeffekt als anderen Alternativen bescheinigt.

Und wenn man einen wirklich umfassenden Blick auf Agrotreibstoffe wirft, entpuppen sie sich schnell als grünfärberisches Ablenkungsmanöver von Auto- und Ölindustrie: Statt sparsame Fahrzeuge zu entwickeln oder wirkliche Alternativen zu den derzeitigen Mobilitätsgewohnheiten, propagieren sie den einfachen Wechsel zu einem neuen Brennstoff. Dass der Durst der globalen Autoflotten das Hungerproblem verschärfen könnte und auch gar nicht genügend Süßwasser für den Spritboom zur Verfügung stehen dürfte, wischt man mit Verweis auf Agrotreibstoffe der zweiten Generation vom Tisch – doch die lassen bisher auf sich warten. Für den Klimaschutz ist es ohnehin glatte Verschwendung, Biomasse in ineffizienten Fahrzeugmotoren zu verbrennen. Erheblich mehr Treibhausgase ließen sich einsparen, wenn damit Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) betrieben würden – sie erzeugen hocheffizient zugleich Strom und Wärme und könnten klimakillende Kohlekraftwerke ersetzt. Diese Art der energetischen Verwendung von Biomasse favorisiert nicht nur der bundesdeutsche Sachverständigenrat für Umweltfragen, sondern auch die UN-Energieagentur.

„Wir sehen keinen Grund, nicht weiterhin hinter dem Produkt zu stehen“, erklärt dagegen der AVIA-Sprecher. Dass Bundesumweltminister Sigmar Gabriel im April 2008 die breite Markteinführung von „Bioethanol“ stoppte, führt er auf eine Kampagne von ADAC und Automobilherstellern zurück. Dabei boten die unsicheren Daten zur Verträglichkeit des Alternativsprits für ältere Autos Gabriel nur den willkommenen Anlass zum Ziehen der Notbremse; ausdrücklich erklärte er damals, die Nutzung von Agrosprit müsse generell „im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsanforderungen an die Nutzung von Biomasse überprüft werden“.

AVIA interessiert das offenbar nicht – aber vielleicht geht es dem Unternehmen ja auch weniger um den Klimanutzen als ums eigene Renommee: Am Umsatz der insgesamt 800 deutschen AVIA-Stationen hat „Super E10″ nur einen minimalen Anteil. „Mehrere 10.000 Tankungen“, heißt es, habe es nach dem Start des Produkts gegeben, und inzwischen sei der Verkauf auch noch „deutlich eingebrochen“. Die grüne Werbung mit Wald und Eichhörnchen läuft trotzdem weiter.

Danke an Sascha B. für den Hinweis


Stromlücke (6): Michael Glos biegt Studie zurecht

Mittwoch, den 13. August 2008

Das Bundeswirtschaftsministerium hat diese Woche routinemäßig seinen „Monitoring-Bericht zur Versorgungssicherheit im Bereich der Elektrizitätsversorgung in Deutschland“ vorgelegt, zu dem es alle zwei Jahre verpflichtet ist. Ebenso routiniert nutzte Minister Michael Glos (CSU) den Anlass, um mal wieder vor einer „Stromlücke“ und höheren Strompreisen zu warnen – und daraus abgeleitet den Atom-Ausstieg in Frage zu stellen und noch mehr neue Kohlekraftwerke zu fordern. Der Bild war das gar eine Meldung auf Seite 1 wert, samt Ausrufezeichen und dem Wort „Alarm“:

Und wie das halt so ist, plapperten die anderen Medien – von stern.de bis Reuters - die Botschaft nach; einzig die Kollegin von zeit.de scheint vor Niederschrift ihres Textes auch einen Blick in den „Monitoring-Bericht“ selbst und die zugrundeliegende 186-seitige Experten-Studie geworfen zu haben und titelte zutreffend: „Keine Angst vorm Stromausfall!“ In dem Gutachten dreier Forschungsinstitute steht nämlich wenig, was Glos‘ Warnungen rechtfertigt – und im Punkt Atom-Ausstieg sogar genau das Gegenteil.

Detailliert rechnen die Experten darin vor, wieviel neue Kraftwerkskapazitäten hierzulande bis 2020 notwendig werden und fassen dann – etwas umständlich vielleicht – zusammen:

Gegenwärtig haben, das wird aus der Studie deutlich, die Energiekonzerne erheblich mehr Neubauten von Steinkohlekraftwerken in Planung oder bereits in Bau, als zur Deckung des zu erwartenden Bedarfes notwendig sein wird. Es sei jedenfalls kein Problem, so die Forscher auf Seite 66 ihrer Studie, dass in den letzten Monaten einige Projekte u.a. wegen lokaler Proteste aufgegeben wurden:

Am Interessantesten aber ist, was Glos‘ Gutachter zum Thema Investitionssicherheit schreiben:

Michael Glos ist also entweder dumm oder dreist, wenn er – mit Verweis auf exakt diese Studie! – erneut den Atomausstieg öffentlich in Frage stellt. Und das Wirtschaftsministerium macht seine eigenen Gutachter zu Idioten, wenn es in der Presseerklärung zum „Monitoring-Bericht“ behauptet, „alle rationalen Gründe“ sprächen „für eine Verlängerung der Kernkraftwerkslaufzeiten“.


Harald Wolf (Linkspartei): der Erfinder des Klima-Katalysators

Montag, den 11. August 2008

Harald Wolf, Berliner Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen, hat der Berliner Morgenpost von heute ein Interview gegeben. Er spricht sich darin gegen das Kohlekraftwerk aus, das Vattenfall in der Hauptstadt plant. Er fordert, dass die Energieversorger den Kunden ein bestimmtes Grundbudget an billigem Strom liefern sollten – wer mehr verbrauchen will, müsste dann erheblich mehr zahlen. „Dieser Vorschlag verbindet eine soziale und eine ökologische Komponente.“ Außerdem schlägt Wolf, der für Die Linke im rot-roten Senat sitzt, einen „Klimascheck“ vor: Jeder Steuerzahler solle 500 Euro vom Staat erhalten, um davon Produkte zu kaufen, die Kohlendioxid sparen.

Das mögen ja alles prima Ideen sein, aber eins hat der Senator übersehen. Denn neben modernen Kühlschränken schlägt er „einen Katalysator für das Auto“ als Klimaschutzmaßnahme vor, die mit dem Scheck finanziert werden könnte.

Doch erstens sind Katalysatoren seit mehr als zehn Jahren Standard, es gibt heute kaum noch Autos ohne.

Und zweitens erhöht ein Drei-Wege-Katalysator – streng betrachtet – sogar den Kohlendioxid-Ausstoß eines Autos: Er filtert zwar Schadstoffe wie Kohlenmonoxid, Stickoxid oder giftige Kohlenwasserstoffe aus den Abgasen von Otto-Motoren, wandelt sie aber in chemischen Reaktionen um, zum Beispiel in Kohlendioxid. Ein Kat, der ohne großen Energieaufwand Kohlendioxid auffängt und damit auch dem Klima hilft, der muss erst noch erfunden werden – was aber ähnlich schwer sein dürfte wie die Konstruktion eines perpetuum mobile.

Mit seinem „Klimascheck“ sollte Wolf – wenn überhaupt – eher den Kauf von kleinen Fahrzeugen mit niedrigem Kohlendioxid-Ausstoß fördern, wie es die französische Regierung seit Dezember 2007 tut. Eine Maßnahme übrigens, für die Paris damals von der deutschen Autolobby (VDA) mit ihrer Spritfresser-Modellpalette wüst beschimpft wurde…


N24: Falsche Nachrichten zur Atomkraft

Dienstag, den 5. August 2008

Berlin Hauptbahnhof, Gleis 8, heute, 9:16 – Auf einer jener Werbetafeln, die Reisende neuerdings auch mit bewegten Bildern belästigen, meldet der Nachrichtensender N24:

Zwei Fehler – um nicht Lügen zu sagen – verstecken sich darin. Haben Sie die bemerkt?

1. Klar, die Überschrift: Nochmal 40 Jahre Reaktorlaufzeit – das will trotz aller Atomseligkeit seines Vorsitzenden Erwin Huber nicht mal CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos. Eine Expertengruppe in seinem Haus, so meldete es heute der Tagesspiegel, schlage eine Verlängerung der Gesamtlaufzeit UM acht Jahre AUF dann vierzig Jahre vor.

2. Deutschland importiert keinen Strom, deshalb kann sich da auch nichts verdoppeln. Zwar sind die deutschen Elektrizitätsnetze mit denen der Nachbarländer verbunden, immer wieder fließt – je nach Bedarf – Strom über die Grenzen hin und her. Aber unterm Strich ist Deutschland ein Stromexporteur. Seit 2003 liegen die Stromaus- über den -einfuhren, wie aus einer Broschüre des Statistischen Bundesamtes (siehe S. 14) oder Grafiken der Deutschen Umwelthilfe hervorgeht. Im vergangenen Jahr konnten die deutschen Energiekonzerne nach Angaben des Focus 14 Terawattstunden Strom im Ausland zu Geld machen, das entspreche der „Jahresleistung von vier bis fünf Großkraftwerken“. Und das, obwohl mehrere deutsche Atomkraftwerke über Monate stillstanden.

Trotzdem ventilieren die Stromriesen immer und immer wieder das Wort „Stromlücke“ – obwohl regierungsamtliche Berechnungen belegen, dass eine solche nicht droht. E.on, RWE, Vattenfall & Co. versuchen so Akzeptanz zu schaffen für neue Kohlekraftwerke oder längere Laufzeiten für ihre hochprofitablen Akw. Und der „Nachrichtensender“ N24 macht mit.