Archiv des Schlagwortes ‘VDA’

VDA: Neusprech für Klimakiller, Lektion 2

Montag, den 14. September 2009

Diese Woche beginnt in Frankfurt/Main die IAA, alle zwei Jahre trifft sich dort die Branche zum Schaulaufen. Und weil inzwischen nicht einmal die deutsche Autoindustrie mehr am Thema Klimawandel vorbeikommt, hat sie grad ihre Website „Unsere Autos“ runderneuert. Vor ein paar Wochen berichteten wir darüber und baten unsere LeserInnen, sich doch dieses Wunderwerk der Grünfärberei genauer anzuschauen. Hier also, pünktlich zur IAA, Teil 2 des „Neusprech für Klimakiller“.

Auf der Internetseite steht zum Beispiel:

vda_unsereautos09_5gr

Übersetzung: „Es ist zwar schon zehn Jahre her, dass Volkswagen dieses – damals ziemlich teure – Öko-Auto auf den Markt brachte. Und bereits vor fünf Jahren wurde der Lupo 3L TDI wieder aus dem Programm genommen. In den letzten Jahren konzentrierte VW sich eher auf Spritschlucker wie Phaeton, Touareg und Tiguan. Aber mit dem Trick eines ‚Zeitstrahls‘ können wir dieses Versagen kaschieren und den Lupo präsentieren, als habe er gerade eben die Drei-Liter-Marke geknackt.“

vda_unsereautos09_9kl

Übersetzung: „Die Zahl klingt schön, nicht wahr!? Und ist eine prima Ablenkung davon, dass die deutschen Autofirmen Emissionssenkungen auch besonders nötig haben. Unsere Fahrzeugpalette stößt nämlich deutlich mehr Kohlendioxid aus als die der ausländischen Konkurrenz. Fiat, Renault oder Toyota beispielsweise haben schon lange niedrigere CO2-Flottenwerte als Audi, BMW, Ford, Opel, Mercedes, VW oder gar Porsche. Dies zeigt auch immer wieder der Branchenvergleich der Umweltdachorganisation Transport&Environment.“

vda_unsereautos09_8kl

Übersetzung: „In der Tat, niemand ist effizienter beim Verhindern strenger Klimavorschriften für Autos als der deutsche Lobbyverband VDA. Durch massiven Druck ist es etwa gelungen, die von der EU geplante Grenze von 120 Gramm pro Kilometer für Neuwagen ab 2012 zu verhindern. Dank bester Kontakte kämpfte sogar die Klima-, äh, Autokanzlerin Merkel ‚mit aller Härte‘ an der Seite von Audi, BMW & Co. gegen die Vorschläge von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas.“

vda_unsereautos09_10kl
und weiter:

vda_unsereautos09_11kl

Übersetzung: „Der letzte Satz ist völliger Quark. Wird aber keiner merken. Denn natürlich hat der Luftwiderstand Einfluss auf den Verbrauch und damit den CO2-Ausstoß, doch ‚die größten Reserven‘ liegen ganz woanders: zum Beispiel in kleineren Motoren – die gerade bei deutschen Herstellern üblichen PS-Zahlen braucht kein Mensch, und längst könnte es flotte Autos mit nur drei Zylindern geben. Vor allem aber beim Gewicht – doch das würde ein komplettes Umdenken der Branche bedeuten, die deutschen Firmen bauen offenbar am liebsten Straßenpanzer wie den VW Touareg.“

Doch am dreistesten ist wahrscheinlich dies:

vda_unsereautos09_12kl

Übersetzung: „Wir präsentieren auf unserer Website ein bisschen technischen Schnickschnack, um von einer Riesensauerei abzulenken. Vor zwei Jahren, anlässlich der letzten IAA, versprachen wir zwar, auf Kohlendioxid als umweltfreundliches Kältemittel umzusteigen. Heute interessiert uns das nicht mehr. Statt das im Überfluss verfügbare, sichere, billige und klimaschonende CO2 bald in den Klimaanlagen unserer Autos einzusetzen, favorisieren wir gefährliche Chemikalien. Zum Glück bekommt das außer der Deutschen Umwelthilfe und einigen Journalisten des ARD-Magazins Kontraste (hier ihr Film) kaum jemand mit.“

Danke an Sabine P., Barbara M. und Gunhild P. für die Hinweise


VDA: Mit Neusprech für Klimakiller

Sonntag, den 16. August 2009

Ein Jahr ist es her, dass der Verband der Automobilindustrie (VDA) gemeinsam mit der Bild in patriotischem Schwarz-Rot-Gold  für „Unsere Autos“ trommelte. Ausgiebig haben die Lobbyisten seither an ihrer Propaganda-Website gearbeitet.
vda_unsereautos09_1gr

Inzwischen präsentiert sie sich in so ausgefeiltem Neusprech, dass selbst George Orwell erblassen würde. Äußerst gekonnt werden da Aussagen über Fahrzeugsicherheit, Elektronikspielereien und Klimaschutz vermixt, um im Vorfeld der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt/Main das Bild einer wahren Öko-Industrie zu hinterlassen. Irgendwie scheinen die „Träger der Initiative“ – laut Website Audi, BMW, Bosch, Daimler, Ford, Opel, Porsche und Volkswagen – solche Tricks nötig zu haben.

Jedenfalls sind viele Aussagen der Website ohne Dolmetscher kaum zu verstehen:

vda_unsereautos09_3gr

Übersetzung: „Ein Glück, dass es auch andere Treibhausgase gibt neben Kohlendioxid und andere Klimasünder neben unseren Spritschleudern – sonst hätten wir kein Material für krude Vergleiche und schwer nachprüfbare Rechenspiele. Um die Verwirrung zu komplettieren liefern wir als Hintergrundinformationen zu dieser Aussage nicht etwa Grafiken über den CO2-Ausstoß ‚unserer Autos‘, sondern über Kohlenwasserstoff-Emissionen und andere Gifte – es fällt bestimmt keinem auf, wenn wir hier nur die Ergebnisse gesetzlicher Auflagen präsentieren.“vda_unsereautos09_2gr

Übersetzung: „Der hohe CO2-Ausstoß unserer Fahrzeugflotte – bei Audi waren es 2008 z.B. 176 g/km, bei Mercedes 188 g/km oder bei VW 166 g/km – beschämt uns so sehr, dass wir die einzelnen Zahlen nirgends auf diese Website gestellt haben. Denn dann würde jeder merken, dass wir mit dem Smart nur ein einziges 88-Gramm-Auto herstellen – das neben dem viel größeren Toyota Prius (89 Gramm) ziemlich alt aussieht.“
vda_unsereautos09_4gr

Übersetzung: „Garantiert bekommt niemand mit, dass mit dem ‚wir‘ in diesem Satz diesmal nicht die deutschen Autos gemeint ist, sondern sich die Aussage zur Treibhausgasreduktion auf die deutsche Gesamtbilanz bezieht. Dass Experten den Rückgang der Verkehrsemissionen vor allem auf die Wirkung der rot-grünen Ökosteuer (die wir vom VDA stets bekämpften) zurückführen und auf die Umstellung vieler Pkw auf effizientere Dieselmotoren, das erwähnen wir natürlich nicht.“
vda_unsereautos09_6gr
Übersetzung: „So richtig geht es zwar nicht voran mit der Forschung an den sogenannten ‚Biokraftstoffen der zweiten Generation‘. Wir machen trotzdem weiter Werbung damit – und sparen uns die Entwicklung wirklich verbrauchsarmer Autos. Obwohl viele Experten vor einer Überschätzung des CO2-Sparpotenzial von Biokraftstoffen warnen, schreiben wir 90 Prozent – mit den Wörtchen ‚bis zu‘ ist schließlich jedes noch so hochtrabende Versprechen irgendwie wahr.“

vda_unsereautos09_7grSo geht es weiter und weiter. Die Textakrobaten vom VDA verdrehen, verbiegen, lassen weg. Besonders phantasievoll waren sie bei einer kleinen Grafik, in der sie die weltweiten Verursacher von Kohlendioxid darstellen. Die Stromerzeugung liegt – dank dreckiger Kohlekraftwerke – mit großem Abstand auf dem Spitzenplatz, deutlich vor dem Straßenverkehr auf Platz 5. In der VDA-Illustration symbolisiert ein kleines Windrad den Energiesektor. Deutsche Autos, soll das wohl suggerieren, sind noch klimaschonender als Windkraftanlagen…

Wir wollen Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht mit weiteren Beispielen ermüden. Sondern zum Mitmachen aufrufen. Schicken Sie weitere Zitate von der Propaganda-Website des VDA und die zugehörige Übersetzung an: hinweise(at)klima-luegendetektor.de. Die drei „besten“ Einsendungen werden veröffentlicht – als Dank gibt es zudem je ein Exemplar des Buches zum Blog: „Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen“.

Danke an Barbara M. aus Berlin für den Hinweis


ARD Plusminus: Lautsprecher der Autolobby

Mittwoch, den 6. Mai 2009

Arme deutsche Industrie! Auch ihr oberster Lobbyist, Matthias Wissmann, kann einem echt leidtun. Nie darf der Vorsitzende des Verbands der deutschen Autoindustrie (VDA) sich äußern, ohne Kritik zu ernten. Alle hacken auf ihm rum. Greenpeace macht böse Kampagnen. Und in Berlin werden insbesondere die guten, deutschen Limousinen nachts abgefackelt. Zwar hat Greenpeace mit den vermutlich linksautonomen Brandstiftern nichts zu tun – aber beides ist echt voll gemein, oder?

Im ARD-Magazin „Plusminus“ widerfuhr Audi, BMW, Mercedes & Co. gestern abend endlich einmal Gerechtigkeit. „Feindbild: Luxusklasse-Autos“, war der Titel des fünfeinhalb Minuten langen Beitrags. Einer der Autoren war übrigens Sebastian Hanisch, Redakteur beim Bayerischen Rundfunk, der uns schon im letzten Jahr mit einem Propagandastück für die Kohlelobby aufgefallen war. Blöd nur, dass auch diesmal wieder einiges verkehrt war an dem Beitrag – und an den Aussagen des Ex-Verkehrsministers Wissmann sowieso.

Die bedauernswerten deutschen Hersteller müssten den Kohlendioxid-Ausstoß ihrer Neuwagen-Flotten auf Druck der EU auf 120 Gramm pro Kilometer senken, heißt es in dem Beitrag. Falsch. Auf massiven Druck der deutschen Autolobby wurden gewichtsabhängige Grenzwerte erlassen – für die deutschen Hersteller mit ihren überschweren Autos liegen sie deshalb teils deutlich über den bejammerten 120 Gramm.

Zutreffend weist Plusminus darauf hin, dass von der umweltpolitisch zweifelhaften Abwrackprämie am stärksten die Hersteller von Kleinwagen profitieren. Was völlig unterschlagen wird: Durch das Dienstwagenprivileg werden teure deutsche Oberklasse-Limousinen mit hunderten Millionen von Euro subventioniert – auch lange nach Ablauf der einmaligen „Umweltprämie“.

Die ARD-Journalisten machen sich Wissmanns These zu eigen, dass in Deutschland (wegen hoher Lohnkosten) keine Kleinwagen gebaut werden können. Doch das widerlegen Opel mit dem Corsa und Ford mit Fiesta und Fusion. Auch vielverkaufte und relativ teure Kompaktwagen wie VW Golf oder die 1er BMW werden profitabel in Bayern, Sachsen oder Niedersachsen montiert.

Der Hinweis auf den Umzug der Produktion kleiner Autos in die Slowakei ist pure Heuchelei. Die deutschen Geländewagen von Audi Q7 über Porsche Cayenne bis VW Touareg laufen ebenfalls dort vom Band. Auch die Klimaschweine Mercedes ML und BMW X5 werden nicht in Deutschland gebaut. Luxusautos erhalten also keineswegs Arbeitsplätze zwischen Rhein und Neiße.

Selbst die immer gleiche Mär von Innovationen, die nur über die Oberklasse bis zum Kleinwagen finden, wird durch Wiederholung nicht wahrer. Ein paar Beispiele für die umgekehrte Entwicklungsrichtung: Fiat hat die Common-Rail-Einspritzung für den Diesel erfunden, die inzwischen von Mercedes in der S-Klasse übernommen wurde. Frontantrieb und Quermotor gab es zuerst im britischen Mini. Die Heckklappe, heute selbstverständlich, wurde im französischen Renault 16 geboren. Und ein Hybridauto wird nur von Kunden der Luxusklasse bezahlt? Toyota Prius und Honda Insight beweisen das Gegenteil. Wenn nächstes Jahr der japanische Mitsubishi iMiEV kommt, ist es übrigens wieder ein Kleinwagen und wieder einer aus dem Ausland, der als Erster vollelektrisch fährt.

Besonders kritikwürdig ist die Rolle des ersten Programms der ARD. Dass es der Bayerische Rundfunk aus dem Mutterland von Audi und BMW ist, der diesen Plusminus-Beitrag produzierte, dürfte kein Zufall sein. Nach der penetranten Autoschleichwerbung in den Tatort-Krimis des benachbarten SWR (Sitz von Mercedes und Porsche) wollte man offenbar nicht hintenanstehen. Die Leidtragenden könnten die Arbeiter in der Produktion sein: Wenn die Innovationskraft von Audi, BMW, Mercedes & Co. in Sachen Klimaschutz weiter so schwach bleibt, werden davon mehr Arbeitsplätze vernichtet als von jeder Finanzkrise.

P.S.: Auf unserem Lügendetektor, übrigens, kriegen alle Autohersteller ihr Fett weg, nicht nur die von Luxuskarossen.


VW: Grüne Werbung, graue Realität

Samstag, den 11. Oktober 2008

„VW ist grün!“ tönte Konzernchef Marin Winterkorn diese Woche auf dem Pariser Autosalon. Als Beleg führte er u.a. die neuen BlueMotion-Sparvarianten von Golf und Passat an, die nur 99 bzw. 101 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer ausstoßen sollen.

Auf demselben Showabend in der französischen Hauptstadt protzte der VW-Konzern mit einem neuen, viertürigen Lamborghini samt Zehn-Zylinder-Motor, einem 1000-PS-Bugatti und natürlich dem künftigen Golf GTI, der es auf 240 km/h Spitzengeschwindigkeit und 178 g/km co2-Ausstoß bringt. Man habe „die sauberste Flotte“, behauptet Volkswagen jedenfalls. Aber erkundigt man sich in der Presseabteilung, wie hoch denn der co2-Ausstoß der wirklich verkauften Autos ist, antwortet die Sprecherin kühl, diese Daten gebe man nicht heraus.

Aus gutem Grund, wie man nach Lektüre des neuen Greenpeace Magazin vermuten kann. Dort wurden – just ebenfalls diese Woche – Details der Klimabilanz der deutschen Automarken veröffentlicht, über die diese ebenso ungern sprechen wie ihr Lobbyverband VDA. Demnach sieht die Realität zum Beispiel in Wolfsburg etwas anders aus: Der co2-Ausstoß der verkauften Neuwagenflotte von VW ist in den vergangenen fünf Jahren nicht etwa gesunken, sondern deutlich gestiegen – von 162,5 g/km im Jahr 2002 auf 166,7 g/km 2007.

Zwar hat VW inzwischen eine Reihe relativ klimaschonender Autos im Angebot; aber verkauft werden bisher offenbar eher die fetten Sport-Geländewagen Touareg oder der PS-Protz Golf GTI als der vernünftige Polo oder die sparsamen BlueMotion-Motorvarianten. Was auch daran liegen dürfte, dass in der Werbung – wie gerade wieder in Paris – meist die Spritschleudern im Vordergrund stehen. Kein Wunder: An großen Autos verdienen die Unternehmen pro Stück erheblich mehr als an kleinen.


Daimler & RWE: Elektro-Autos mit Drecksstrom

Freitag, den 5. September 2008

Schick sieht er aus, der grau-weiße Smart, den Daimler-Chef Dieter Zetsche zusammen mit Jürgen Großmann, dem Vorstandsvorsitzenden von RWE, heute in Berlin präsentierte. Matthias Wissmann, der Chef der Autolobby VDA, war ebenfalls ins feine Grand Hotel Esplanade gekommen. Ach so, die Kanzlerin natürlich auch, denn es gab ja einen wichtigen Foto-Termin in Sachen Klima.

Im kommenden Jahr soll nämlich in der Hauptstadt ein Projekt namens „e-mobility Berlin“ starten, das in den Presseerklärungen der beiden Firmen als

und

gepriesen wurde. Hundert Daimler-Fahrzeuge der Marken Smart und Mercedes-Benz mit Elektroantrieb sollen bis 2010 auf die Straßen kommen, RWE steuert 500 Strom-Zapfsäulen bei.

Wow, tolle Sache! Solch ein RWE-Elektro-Smart hat dann doch sicherlich einen erheblich niedrigeren co2-Ausstoß als ein konventioneller Smart, oder?

Schau‘n wir mal: Laut Daimler stößt ein handelsüblicher Smart cdi mit Dieselmotor (Werbeslogan: „co2-Champion“) pro gefahrenem Kilometer 88 Gramm Kohlendioxid aus. Die Elektro-Smarts, die seit einigen Monaten bereits in London unterwegs sind, kommen nach Unternehmensangaben mit den 15 Kilowattstunden (kWh) Strom, die die Bordakkus speichern können, etwa 115 Kilometer weit. Pro hundert Kilometer ergibt das einen Verbrauch von etwa 13 kWh.

Um klimaschonender als ein Diesel-Smart zu sein, dürfte der Strom für den Elektro-Smart demnach allerhöchstens mit 677 Gramm Kohlendioxid pro kWh zu Buche schlagen. Denn Elektroautos sind zwar „lokal emissionsfrei“; wie klimafreundlich sie aber insgesamt sind, entscheidet sich bei der Erzeugung des „getankten“ Stroms. Fährt ein Elektro-Smart mit Ökostrom, ist er tatsächlich eine feine Sache. Selbst mit dem deutschen Durchschnittsstrom wäre er noch ein – kleiner – Gewinn fürs Klima. Pro kWh hierzulande erzeugten Stroms wurden 2007 nämlich laut Umweltbundesamt rund 600 Gramm co2 emittiert – damit käme ein E-Smart auf etwa 78 g/km Kohlendioxid-Ausstoß.

Daimler zeigt auf seiner Internetseite das Foto eines Elektro-Smart, der vor einem Windrad steht – doch Projektpartner RWE hat im vergangenen Jahr lediglich 2,4 Prozent seines gesamten Stromes mit regenerativen Quellen erzeugt. Dagegen stammte 2007 mehr als ein Drittel des RWE-Stroms aus der besonders klimaschädlichen Braunkohle. Auf Anfrage mochte die Pressestelle nicht verraten, wieviel Kohlendioxid im Unternehmen pro Kilowattstunde anfällt. Der RWE-Geschäftsbericht für 2007 aber enthält alle Daten (S.61ff.), um den Wert selbst zu errechnen: Bei 216 Milliarden kWh erzeugtem Strom fielen 187 Millionen Tonnen des Klimagases an – pro Kilowattstunde stieß RWE also 866 Gramm Kohlendioxid aus. Der RWE-Elektrosmart kommt folglich auf co2-Emissionen von 113 Gramm pro gefahrenem Kilometer – etwa 30 Prozent mehr als beim selben Fahrzeug mit Dieselmotor.

Falls es Daimler ernst meint mit der Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes, hätte sich das Unternehmen kaum einen schlechteren Partner für das Projekt „e-mobility Berlin“ aussuchen können als RWE. Doch PR-mäßig hat sich die Berliner Veranstaltung für beide Unternehmen gelohnt. Dutzende Medien berichteten. Und Die Welt titelte besonders schön: „Daimler und RWE starten Klima-Smart in Berlin“.

P.S.: Noch negativer würde übrigens die co2-Bilanz des Elektro-Smart ausfallen, wenn man nur den Strom berücksichtigt, den RWE die nächsten 40 jahre in seinem neuen Braunkohle-Kraftwerk Neurath (Werbeslogan: „Klimavorsorge mit Hightech“) erzeugen will. Schätzungsweise werden dort pro kWh 950 Gramm emittiert (genaue Zahlen möchte das Unternehmen nicht nennen), das ergäbe dann sogar 124 Gramm pro gefahrenem Kilometer.


Harald Wolf (Linkspartei): der Erfinder des Klima-Katalysators

Montag, den 11. August 2008

Harald Wolf, Berliner Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen, hat der Berliner Morgenpost von heute ein Interview gegeben. Er spricht sich darin gegen das Kohlekraftwerk aus, das Vattenfall in der Hauptstadt plant. Er fordert, dass die Energieversorger den Kunden ein bestimmtes Grundbudget an billigem Strom liefern sollten – wer mehr verbrauchen will, müsste dann erheblich mehr zahlen. „Dieser Vorschlag verbindet eine soziale und eine ökologische Komponente.“ Außerdem schlägt Wolf, der für Die Linke im rot-roten Senat sitzt, einen „Klimascheck“ vor: Jeder Steuerzahler solle 500 Euro vom Staat erhalten, um davon Produkte zu kaufen, die Kohlendioxid sparen.

Das mögen ja alles prima Ideen sein, aber eins hat der Senator übersehen. Denn neben modernen Kühlschränken schlägt er „einen Katalysator für das Auto“ als Klimaschutzmaßnahme vor, die mit dem Scheck finanziert werden könnte.

Doch erstens sind Katalysatoren seit mehr als zehn Jahren Standard, es gibt heute kaum noch Autos ohne.

Und zweitens erhöht ein Drei-Wege-Katalysator – streng betrachtet – sogar den Kohlendioxid-Ausstoß eines Autos: Er filtert zwar Schadstoffe wie Kohlenmonoxid, Stickoxid oder giftige Kohlenwasserstoffe aus den Abgasen von Otto-Motoren, wandelt sie aber in chemischen Reaktionen um, zum Beispiel in Kohlendioxid. Ein Kat, der ohne großen Energieaufwand Kohlendioxid auffängt und damit auch dem Klima hilft, der muss erst noch erfunden werden – was aber ähnlich schwer sein dürfte wie die Konstruktion eines perpetuum mobile.

Mit seinem „Klimascheck“ sollte Wolf – wenn überhaupt – eher den Kauf von kleinen Fahrzeugen mit niedrigem Kohlendioxid-Ausstoß fördern, wie es die französische Regierung seit Dezember 2007 tut. Eine Maßnahme übrigens, für die Paris damals von der deutschen Autolobby (VDA) mit ihrer Spritfresser-Modellpalette wüst beschimpft wurde…


Matthias Wissmann (VDA): Lieber Stau als S-Bahn

Sonntag, den 20. Juli 2008

„Sattelt die Fahrräder – Auslaufmodell Auto?“, lautete das Thema der Anne-Will-Sendung heute abend. Auf einem der dunkelroten Stühle saß Matthias Wissmann, Ex-Bundesverkehrsminister, jetzt Präsident des Auto-Hersteller-Verbandes VDA und ein gewiefter Lobbyist. Er tat seinen Job und redete das Auto schön, leider mit einer falschen Anekdote: Es sei „praktisch unmöglich“, klagte Wissmann, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad das Fernsehstudio zu erreichen, in dem die Sendung aufgezeichnet wurde.

Eine Recherche im Internet-Routenplaner ergibt, dass man mit dem Auto aus Berlin-Mitte (Friedrichstraße) bis zum Studio nach Adlershof 29 Minuten braucht – tagsüber bei Stau kann es sehr leicht sehr viel länger dauern. Die Online-Auskunft der Verkehrsbetriebe BVG berechnet (je nach Verbindung) 39 oder 44 Minuten – nähme man für die letzten Meter vom S-Bahnhof Adlershof bis zum Studio das Rad, ginge es sogar noch schneller. Außerdem spricht für die Bahn (wenn man nicht wie Wissmann einen Chauffeur hat), dass man da die Fahrzeit sinnvoll nutzen und etwa Zeitung lesen kann.

Leider widersprachen weder Anne Will, noch die anderen Gäste Bärbel Höhn (Grüne), Christine Haderthauer (CSU), Waldemar Hartmann (Sportreporter) und Franz Alt (Umweltpublizist) dem Lobbyisten. Vermutlich waren sie auch alle mit dem Auto ins Studio gekommen.

Danke an Günter B. für den Hinweis


Audi, BMW & Co: Das sind nicht `unsere Autos´

Samstag, den 5. Juli 2008

Seit mindestens hundertfünfzig Jahren kennen Politiker in aller Welt diese erfolgversprechende Strategie: Wenn man von hausgemachten Problemen ablenken, seine Macht sichern oder andere Interessen bemänteln will, dann ziehe man einfach die nationalistische Karte. In der – wie sich gezeigt hat, häufig begründeten – Hoffnung, das Volk werde schon drauf reinfallen.

Nun haben die deutschen Autokonzerne den Klimawandel so gründlich verschlafen, dass es selbst der Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion kritisiert. Andere Hersteller bauen längst die gefragteren Wagen. Der deutsche Branchenverband VDA versucht nun, mit einer PR-Kampagne und halbseitigen Zeitungsannoncen dagegenzuhalten.

unsereautos_gr.jpg
Die Internetseite zur Kampagne hat die hübsche Adresse www.unsere-autos.de, und auch das schwarz-rot-goldene Logo appelliert an das Nationalgefühl der Autokäufer.

unsereautos_kl.jpgAuf der Homepage und in der Bild-Zeitung stellt die deutsche Autobranche ihre – vergleichsweise wenigen – klimaschonenden Modelle vor. Bei einem Preisausschreiben sind fünf Autos zu gewinnen, außerdem 500 Testfahrten plus Tankgutscheine. „Dank neuester Technologien aus deutschen Entwicklungsabteilungen sind unsere neuen Autos besonders effizient, spritsparend und umweltfreundlich“, heißt es im Kleingedruckten der Zeitungsannonce.

In der Tat haben die deutschen Autobauer mittlerweile eine Reihe von Fahrzeugen im Angebot, die weniger als 140 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer ausstoßen. Aber besonders eifrig beworben und nach wie vor am häufigsten verkauft werden Modelle mit größeren und deshalb klimaschädlichen Motoren. Und den Wert von 140 g/km hatten sich die Konzerne vor zehn Jahren in einer Selbstverpflichtung nicht für einzelne Autos gesetzt, sondern für ihre gesamte Neuwagenflotte. Seit klar ist, dass sie dieses Ziel um Längen verfehlen, ist von dem einstigen Versprechen kaum noch die Rede.

Wir fragten beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg, wie denn die aktuellen Zahlen aussehen für die deutschen Automobilhersteller. Daten für 2007, hieß es bedauernd, existierten nicht. Aber auch für die vorherigen Jahre gebe es nichts, weil man amtlicherseits nur einen Durchschnittswert für Neuzulassungen ermittle – eine Aufschlüsselung nach einzelnen Marken sei brisant und deshalb politisch nicht gewollt.

Zumindest für das Jahr 2006 aber können wir hier die Zahlen liefern. Durch ein Versehen wurde nämlich im vergangenen Jahr auf der Internetseite der EU-Kommission kurzzeitig eine mehr als 700-seitige Tabelle veröffentlicht, die detailliert Auskunft gibt über den Ausstoß der europäischen Fahrzeugflotten der vergangenen Jahre. Sie kursiert seitdem in Fachkreisen. Für die Marken, die ihre Autos in der Kampagne „Unsere Autos“ anpreisen, ergeben sich daraus diese Zahlen (in der Annonce von links nach rechts): Ford – 157 g/km, Audi – 188 g/km, Mercedes Benz – 192 g/km, Volkswagen – 172 g/km, BMW – 187 g/km, Opel – 161 g/km. Einzig die Marke Smart (ganz rechts) hat mit einem Wert von 119 g/km die Klima-Selbstverpflichtung der Autoindustrie erfüllt. Ausgerechnet diese Autos aber werden nicht in Deutschland, sondern im französischen Lothringen gebaut.

P.S.: Natürlich finden wir es prima, dass die deutschen Automobilhersteller endlich auch Werbung für klimafreundliche Fahrzeuge machen.


Audi: Kombi mit Düsenjet-Verbrauch

Mittwoch, den 27. Februar 2008

Auf der Internetseite von Audi findet sich an prominenter Stelle das Kapitel „CO2-Emissionen und Umweltschutz“. „Vorsprung durch Technik verpflichtet“, variiert dort der Autohersteller seinen bekannten Werbeslogan, und das gelte „insbesondere beim Thema CO2″. Auch in Ingolstadt ist das Thema Klimaschutz also bekannt.

Das hindert den Hersteller nicht daran, diese Woche im „Spiegel“ doppelseitig für den neuen RS 6 Avant zu werben, einen Kombi mit der Optik einer schnittigen Familienkutsche.

„Der stärkste Audi, der je in Serie gebaut wurde“, erfährt man dort, „besitzt ein 5,0-Liter-V10-Biturbo-Aggregat mit Benzindirekteinspritzung FSI“. Und er verbraucht 14 Liter auf 100 Kilometer (20,4 Liter innerorts) – ergibt beim CO2-Ausstoß volle 333 Gramm pro gefahrenem Kilometer. Damit ist dieser neue Audi-Kombi klimaschädlicher als jeder Jaguar und jeder Alfa, wie ein Blick in den aktuellen CO2-Leitfaden des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) zeigt, und sogar als die riesigen Q7-Geländewagen von Audi.

In Ingolstadt arbeitet man also mit übermotorisierten Ungetümen fleißig am Scheitern der EU-Klimaschutzziele, während der Lobbyverband VDA sich müht, die schleppenden Fortschritte seiner Mitglieder bei der CO2-Minderung als Erfolg zu verkaufen. Denn nicht nur beim aktuellen CO2-Ausstoß seiner Flotte schneidet Audi besonders schlecht ab. Eine Vergleichsstudie des Europäischen Verbands für Verkehr und Umwelt (T&E) vom Oktober 2006 zeigt, dass sich die Autos der Marke auch bei der CO2-Reduktion in der Schlussgruppe finden: Zwischen 1997 und 2005 schaffte Audi gerade mal eine Minderung von 13 Prozent.

In seiner Hochglanzannonce zeigt Audi den RS 6 Avant übrigens auf einer Flughafenstartbahn. Was den Verbrauch angeht, passt das ja.


CDU/CSU: Zahlentricks für die Autolobby

Freitag, den 22. Februar 2008

Dieser Text kommt mehr als zwei Wochen zu spät – aber so lange brauchte es, um einer wundersame Presseerklärung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auf den Grund zu gehen (bzw. zu kommen): Unter der Überschrift „EU-Klimapolitik darf Innovationen nicht verhindern“ meldete sich am 6. Februar der bayerische Abgeordnete Dr. Hans-Peter Friedrich zu Wort, der für Verkehr zuständige Vize-Chef der Unionsfraktion. In der Erklärung stellte sich Friedrich vehement an die Seite des Auto-Branchenverbands VDA, der sich am selben Tag mit zweifelhaften Zahlen als Klimavorreiter präsentiert und die Klimaschutz-Pläne der EU scharf angegriffen hatte.

„Unbestritten waren die deutschen Automobilhersteller in der Vergangenheit technologisch führend bei der Entwicklung von Fahrzeugtechnik zur Reduktion von Treibhausgasen“, schrieb Friedrich. Das aber ist nicht nur nicht unbestritten, sondern ziemlich verkehrt. Zwar sind die deutschen Hersteller innovativ, sie haben aber ihre Ingenieurskunst in der Vergangenheit für alles Mögliche eingesetzt (z.B. Geschwindigkeit, Leistungssteigerung, Sicherheit) – doch nur zuallerletzt zur Reduktion des Treibhausgas-Ausstoßes ihrer Autos. Seit Jahren rangieren deshalb deutsche Hersteller in Klimaschutz-Ranglisten weit hinten.

„Auf diese Weise“, so der Abgeordnete Friedrich weiter, „hat die deutsche Automobilindustrie dazu beigetragen, dass Deutschland das einzige Land in der EU ist, das die CO2-Emissionen in den zurückliegenden acht Jahren gesenkt hat, und zwar um 20 Mio. Tonnen, die ausschließlich auf den Individualverkehr entfallen.“

Dieser Satz ist nun vollkommen falsch. Die zuständige Fraktionsreferentin bekennt auf Nachfrage freimütig, man habe die Zahl ungeprüft aus einem Papier des Verkehrsministeriums übernommen. Auch drei Anrufe bzw. eine Woche später kann sie die 20 Millionen Tonnen immer noch nicht aufschlüsseln. Nachfragen beim Verkehrsministerium bleiben ebenfalls einige Tage lang unbeantwortet. Schließlich verweist man dort auf Daten des Umweltbundesamtes.

Die UBA-Daten zum Kohlendioxid-Ausstoß im Straßenverkehr zeigen tatsächlich einen Rückgang. Die beeindruckende Zahl von 20 Millionen Tonnen kommt aber nur zustande, wenn man den Vergleichzeitraum auf acht Jahre festlegt – also den aktuellen Ausstoß mit dem des Jahres 1999 vergleicht. 2000 nämlich sanken die Kohlendioxid-Emissionen schlagartig – in jenem Jahr trat die rot-grüne Ökosteuer in Kraft, was erstmals seit dem Wirtschaftswunder den Benzinabsatz in der Bundesrepublik zurückgehen ließ. Dass seitdem der CO2-Ausstoß durch Pkw weiter leicht sinkt, führen die Experten des Umweltbundesamtes vor allem auf die Zunahme von Autos mit sparsamen Dieselmotoren zurück.

Der Pkw-Bereich, auch das zeigt ein genauer Blick auf die UBA-Daten, ist nur für knapp neun Millionen Tonnen CO2-Reduktion verantwortlich – also weniger als die Hälfte der von der CDU/CSU gepriesenen Minderung. Viel stärker (nämlich um 13,2 Mio. Tonnen) sanken seit 1999 die Emissionen durch schwere Lkw (über 3,5 t). Die Laster aber kann man nun wirklich nicht dem „Individualverkehr“ zurechnen.

Fassen wir zusammen: Die von der Union zum Lob von Audi, BMW & Co. angeführte CO2-Minderung stammt erstens nur zu weniger als der Hälfte wirklich von Pkws. Und er hat zweitens weniger mit der Innovationskraft der deutschen Autohersteller zu tun als mit der rot-grünen Ökosteuer und dem Trend zu mehr Diesel-Pkw.

„Es wäre fatal“, schließt Hans-Peter Friedrich seine Presseerklärung, „wenn die geplante Verordnung der EU dazu führen würde, dass ausgerechnet der Innovationsfähigkeit der deutschen Automobilhersteller durch eine falsche EU-Politik der Boden entzogen würde.“ Es wäre fatal, schließen wir, wenn man Presseerklärungen der CDU/CSU-Fraktion ungeprüft glauben würde.