Archiv des Schlagwortes ‘RWE’

RWE + Innogy: US-Wälder verfeuern

Freitag, den 28. April 2017

Wenn man sich im Internet bei „RWE Wissen“ über Biomasse informieren möchte, liest man Folgendes:

Einer Prognose des Verbandes der Netzbetreiber (VDN) zufolge wird der Anteil des aus Biomasse erzeugten Stroms in den nächsten fünf Jahren von derzeit rund 10 Milliarden auf mehr als 24 Milliarden Kilowattstunden steigen – ein enormes Wachstumspotenzial. Und damit gut für den Klimaschutz.

Der alte Kohle-Konzern RWE hatte ja seine Zukunft in der Innogy gesucht, wie der abgespaltene Konzernbereich sich jetzt nennt. Und dort wird Biomasse verbrannt:

Eine gute Sache, weil ja bei der Verbrennung von Biomasse nur so viel Kohlendioxid freigesetzt wird, wie die verbrannten Pflanzen während ihres Wachstums aufgenommen haben.

Zumindest theoretisch. Praktisch kommen noch jene Emissionen dazu, die der Antransport des Brennstoffs verursacht. Innogy betreibt in den USA die Firma Georgia Biomass, die eine jährliche Produktionskapazität von 750.000 Tonnen aufweist – das größte Holzpelletwerk der Welt. Nach Recherchen der US-amerikanischen Naturschutzorganisation Dogwood Alliance verkauft die Firma ihre Produkte auch nach Europa – an den Innogy-Mutterkonzern RWE.

Damit würden nicht nur in den USA alte Wälder abgeholzt werden. Der Transport nach Europa verursacht eben auch das, was durch die Biomasse eigentlich eingespart werden soll: Treibhausgase.

Erinnern Sie sich? Wir hatten uns hier zuletzt mit der Imagekampagne von Innogy befasst, enthalten ist darin auch folgendes Motiv:

Jedenfalls ist in Europa verbranntes Holz aus den USA weder nachhaltig noch normal – sondern allenfalls innogy!

Vielen Dank an Peter G. und das Denkhaus Bremen für den Hinweis


RWE: Die Welt innogyren

Sonntag, den 19. Februar 2017

Vielleicht gehören Sie ja auch zu den jenen, die derzeit folgende Werbe-Kampagne miterleben dürfen:

Es geht um RWE, diesen fehlgeleiteten und krisengebeutelten Kohlekonzern, der ja zuletzt die Reißleine gezogen hatte und sich aufspaltete – in einen vermeintlich guten Konzern und den bösen Rest. Seit 7. Oktober 2016 ist „innogy“ an der Börse notiert: Die gute Tochter ist zuständig für Netze, Übertragungsstationen, Vertrieb und – nun ja, wenn auch derzeit noch in sehr zartem Umfang – auch für die erneuerbaren Energien.

Zuletzt stieg innogy in den MDAX auf, 76,8 Prozent der Anteile gehören aber weiterhin der bösen Mutter RWE, dem Kohlekonzern, der jetzt noch kohlelastiger geworden ist, weil ja die Offshore-Windparks und das Biomasseheizkraftwerk Wittgenstein mit seinen 5 Megawatt Leistung hinübergewandert sind zu innogy.

Aber seien wir nicht so negativ, gucken wir erstmal, was innogy uns so zu bieten hat!

Nee, Leute, da kommt ihr zu spät! Solaranlagen war damals Geldanlage, als RWE noch voRWEg ging und die Erneuerbaren bekämpfte, wo es nur ging.  Wie lästerte doch gleich der damalige Chef von RWE – vor fast genau fünf Jahren? Solarenergie in Deutschland sei so sinnvoll „wie Ananas züchten in Alaska“! Und jetzt wollt ihr daraus eine Geldanlage für uns machen??

Damals sah das Erneuerbare-Energien-Gesetz für kleine Dachanlagen eine Einspeisevergütung von 24,4 Cent je Kilowattstunde vor. Wer konnte, nutzte das – auch – als Geldanlage. In keinem Jahr der bundesdeutschen Geschichte wurde mehr in die Solarkraft investiert als 2012: Damals gingen Anlagen mit 7.600 Megawatt installierter Leistung neu ans Netz, zumeist kommunale oder Bürgeranlagen.

Zum Vergleich: Seit Januar 2017 gibt es 12,7 Cent je Kilowattstunde – gerade mal die Hälfte. Zu wenig, um als „Geldanlage“ für den „kleinen Mann“ zu taugen: So was gilt allenfalls noch für Großinvestoren, seitdem Solaranlagen per Ausschreibemodell finanziert werden müssen – übrigens auch auf Betreiben der neuen innogy-Vorständin Hildegard Müller, die bislang Staatsministerin im Kanzleramt und Cheflobbyistin war.

Zwar liegen die offiziellen Ausbau-Zahlen für 2016 noch nicht vor. Nach unseren internen Auswertungen dürften im vergangenen Jahr aber nicht einmal mehr 1.000 Megawatt Photovoltaik neu ans Netz gekommen sein – der schlechteste Wert seit 2008.

Also, liebe Leute: bittebitte KEINE Solaranlage mehr zur Geldanlage machen. Wer so was behauptet, kappt euch eure Rente.

Gibt es vielleicht noch etwas anderes, dass uns innogy in seiner Werbung bietet?

Ab wann das gilt? Bei dieser Frage wurde Günter Schabowski einst nervös. „Nach meiner Kenntnis ist das, also, gilt das sofort“, sagte der Sekretär für Informationswesen der DDR am 9. November 1989. Wie wir heute wissen, brachte diese kleine Unkoordiniertheit den ganzen schönen DDR-Kramladen zu Fall, die Leute trampelten die Mauer einfach nieder, weil „ab sofort“ jetzt „visafrei bis nach Hawaii“ galt.

Also, RWE: Nachhaltig wird jetzt normal? Ab wann gilt das? RWE sollte schleunigst den Wachschutz seiner Braunkohletagebaue verstärken! Könnte ja sein, dass die Klimaschützer die innogy-Kampagne wörtlich nehmen!! Werden die massenhaften Verfahren gegen die Tagebau-Besetzer jetzt eingestellt? Zahlt RWE jetzt seine Klimaschuld in Peru ab? Fragen über Fragen!

Zum Beipiel diese: Gibt es in der innogy-Kampagne wenigstens ein Motiv, das nicht glatt gelogen ist?

Vorsicht! Die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen warnt dringend vor diesem Angebot! Es ist nämlich deutlich teurer als das von echten Öko-Stromanbietern! Und eine Mogelpackung.

Genauso wie die ganze innogy-Werbung, die derzeit in der Stadt rumhängt.

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2017 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER.


Neues aus dem Fundus (VI): Nicht mehr voRWEg

Donnerstag, den 5. Januar 2017

Kennen Sie den noch?

Den Witz hatten sich schlaue Werbeköpfe im Sommer 2013 ausgedacht.

Gut ist auch der hier aus dem Jahr 2008:

Es gibt auf dem Klima-Lügendetektor unzählige VoRWEg-Geh-Witze (dieser stammt aus dem Jahr 2009).

Wir haben dafür sogar eine eigene Rubrik eingerichtet!

Damit könnte nun Schluss sein. Einerseits gibt es diese RWE so nämlich nicht mehr. Weil der Konzern immer nur hinterherhinkte, ist er in schwere wirtschaftliche Turbulenzen geraten und hat sich aufgespalten. Der moderne Teil, also der mit Windkraft und der Energiewende, nennt sich jetzt Innogy.

Der andere Teil, also der mit den alten Kohlemöhren, heißt immer noch RWE. Dessen neuer Vorstandsboss Rolf Martin Schmitz hat nun im Interview erklärt, dass er nicht mehr „voRWEg gehen“ will. „‚VoRWEg gehen‘ verwenden wir nicht mehr“, sagte Schmitz der Welt. Wäre ja auch blöd – mit Atomkraftwerken wie Gundremmingen im Portfolio, dessen Block B Ende dieses Jahres in Rente geht.

Wir meinen: Ach, bitte nicht doch! Liebe RWE, macht weiter, „voRWEg gehen“ ist doch wirklich schick!!! Wollt ihr denn wirklich die Arbeit des Klima-Lügendetektors unnötig verkomplizieren?

Vielen Dank an Matthias B. aus Berlin für den Hinweis!


RWE Innogy: Da stutzt sogar das Handelsblatt

Donnerstag, den 15. September 2016

Wir freuen uns sehr, wenn unsere Arbeit Früchte trägt. Noch mehr würden wir uns freuen, wenn sie gar überflüssig würde. Entweder weil es kein Greenwashing mehr gäbe. (Ha, ha!) Oder weil Kolleginnen und Kollegen in anderen Medien unsere Arbeit übernähmen und die kleinen und großen Lügen von vermeintlicher Klimafreundlichkeit hinterfragen.

Nun schreiben wir ja schon seit Jahren über RWE, über Märchenfilme und klimaskeptisches Geraune eines Spitzenmanagers, über Waldphantasien und Steinkohle-, äh, Pleitekraftwerke, über Schildkröten und „Stromlücken“-Angstmacherei des damaligen Konzernchefs Jürgen Großmann. (Erinnert sich noch jemand an die „Stromlücke“? Die wurde vor ein paar Jahren für den Fall des Atomausstieg prophezeit. Goldig, oder? Heute, mitten im Atomausstieg, gibts immer öfter Strom im Überfluss …) Und, und, und. Jedenfalls hat uns, wenn wir eben im Archiv richtig gezählt haben, kein Unternehmen seit unserer Gründung 2008 häufiger beschäftigt als RWE.

Inzwischen jedoch hat RWE offenbar erkannt, dass sich die Energiewende nicht mehr verhindern lässt – der Börsengang der peppigen Tochterfirma Innogy, in der unter anderem der alte Ökostrom-Ableger gleichen Namens aufgegangen ist, soll zum Befreiungsschlag werden. Für Innogy hat man sich von der Edel-Agentur Jung von Matt hat einen millionenschweren Markenauftritt auf die Beine stellen lassen. Diese schicke Kampagne aber ist selbst dem gewiss nicht industriefeindlichen Handelsblatt zu viel. Als „fast schon zynisch“ bezeichnete die Zeitung heute einen Slogan, den die RWE-Tochter am Düsseldorfer Flughafen aushängen ließ:

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Zur Erinnerung: Im Rheinland betreibt RWE noch immer reihenweise Braunkohlekraftwerke und -tagebaue – und will davon auch nach dem Neustart der grünen Tochter Innogy nicht lassen. Mehr als 80 Millionen Tonnen Kohlendioxid emittieren die RWE-Klimakiller pro Jahr, das sind sage und schreibe fast zehn Prozent des gesamten deutschen Treibhausgas-Ausstoßes!

Im Text des Handelsblatt-Kollegen Jürgen Flauger heißt es unter anderem:

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Besser hätten wir’s diesmal auch nicht aufschreiben können.

Danke an Sebastian M. aus Bad Neustadt für den Hinweis


Gewerkschaft IG BCE: Immer schön desinformieren

Dienstag, den 28. Juni 2016

Es gibt Neues von der Energiewende:

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Erschienen ist diese Anzeige auf der letzten Seite des aktuellen RWE-Nachbarschaftsmagazins „hier. Im Kleingedruckten heißt es:

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Donnerwetter! „Der Ausbau der Erneuerbaren läuft schneller als geplant.“

Ob deshalb der Strom, den das abgebildete Windrad produziert, wieder vom abgebildeten Windrad verbraucht wird?

Wir erfahren mehr beim „Innovationsforum Energiewende“:

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„Thermische Kraftwerke“ – vulgo Fossilkraftwerke – besitzen „mittelfristig“ im zukünftigen Energie-Mix „weiterhin einen hohen Stellenwert“? Aber wieso denn? Die Bundesregierung will doch „mittelfristig“ ganz aus der Kohleverstromung aussteigen? Nach dem Klimaschutzplan 2050 strebt sie bis zum Jahr 2030 „eine Halbierung der Emissionen der Stromerzeugung“ gegenüber 2014 an, die Verbrennung von Kohle soll demnach „deutlich vor 2050″ beendet werden.

Klar: Das geht nur mit dem Ausbau der Erneuerbaren. Zuletzt war der ja enorm ins Stocken geraten, unter anderem deshalb waren die bundesdeutschen Emissionen nicht so gesunken, wie es notwendig wäre, um das regierungsamtliche Klimaziel zu schaffen. Die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) bietet leider keinen Grund zur Hoffnung auf Korrektur. Und klar: Speicher und Netzausbau sind die Geschwister des Ausbaus der Erneuerbaren! Aber was hat das mit Kohlekraftwerken zu tun, die „mittelfristig im zukünftigen Energie-Mix … weiterhin einen hohen Stellenwert besitzen werden“?

Worum es den Anzeigenschaltern geht?

Stöbern wir doch noch einmal auf den Seiten des „Innovationsforums Energiewende“:

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Beim „Innovationsforum Energiewende“ handelt es sich also gar nicht um ein „Innovationsforum Energiewende“, sondern um einen Lobbyarm der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Die ist bekanntlich erklärter Gegner der Energiewende und versucht nun ihre Interessen durchzusetzen mit

Desinformationskampagnen.

 

Herzlichen Dank an Udo H. aus Düren für den Hinweis!


Neues aus dem Fundus (IV): Das vorhergesagte RWE-Drama

Mittwoch, den 17. Februar 2016

„Energiekonzern spielen“ war früher (also kurz nach unserer Kindheit) sehr beliebt. Man gewann immer. Zum Beispiel, wenn man die RWE-Spielkarte gezogen hatte: 2010 brachte allein die Dividende für die Aktie 8,14 Prozent Rendite

Nun hat die RWE heute ihre Geschäftszahlen für das Jahr 2015 vorgelegt. Und: Ätschätschätsch – wer sich früher immer die RWE-Spielkarte ermogelt hatte, ist jetzt der Looser. Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern musste 2015 nämlich einen Verlust in Höhe von 200 Millionen Euro verbuchen. Dividende nun: 0,00 Euro. Rendite nun: 0,0000 Prozent …

Sie fragen sich, wie so etwas (in so extrem kurzer Zeit) passieren konnte? Ganz hinten im Hinterkopf erinnert uns das an eine Sache aus dem Jahr 2008.

Wir zitieren einmal uns selbst:

RWE-Chef Jürgen Großmann hat dolle Sachen angekündigt. So will der Essener Stromriese in den kommenden Jahren viel etwas Geld in erneuerbare Energien stecken, beispielsweise in Windkraftprojekte oder Biomasse-Kraftwerke. Energieeffizienz ist laut Großmann ebenso eine der zentralen „Herausforderungen“ – eine eigene Tochtergesellschaft für dieses Feld soll entstehen, der Universität Dortmund hat der Konzern kürzlich für eine halbe Million Euro eine Professur für Energieeffizienz gestiftet.

Fast hätten wir RWE dieses Engagement abgekauft. Denn auch mit der Dienstleistung Energiesparen kann ein Konzern ja gutes Geld verdienen. Und nun das: Für seine Kunden hat RWE einen fast 100 Seiten dicken „Energiekatalog 2009″ aufgelegt. Dass das Unternehmen sich darin selbst feiert – klar. Dass man Atomkraftpropaganda unterbringt („Kernenergie hilft, die Erneuerbaren in der Grundlast abzusichern“, heißt es etwa – was völliger Humbug ist, denn in Wahrheit taugen unflexibel laufende Reaktoren eben NICHT als Ergänzung von schwankender Wind- oder Solarenergie), o.k. – auch das war nicht anders zu erwarten. Doch dann, auf Seite 59 des Katalogs, preist RWE Nachtspeicherheizungen an – und das sogar in der Rubrik „Energie sparen“!

Auf einer ganzen Seite werden dort die falschen Argumente ausgebreitet, die Hersteller von Stromheizungen so gern bemühen: „Effizient und nahezu vollständig wandelt die Elektrospeicherheizung Strom in Wärme um“, heißt es etwa. Was streng genommen sogar stimmt – aber eben verschweigt, dass die vorherige Elektrizitätserzeugung durch Umwandlung von Wärme in Strom in den von RWE bevorzugten Kohlekraftwerken extrem ineffizient ist. „Die Elektro-Speicherheizung ist das Heizsystem der kurzen Wege“, schreibt RWE weiter, es entstehe „kein Verteilungsverlust, denn die Wärme wird dort erzeugt, wo sie verbraucht wird.“ Auch das ist Käse, denn bevor die Wärme in der Nachtspeicherheizung entsteht, ist der Strom aus den RWE-Kraftwerken oft über weite Strecken dorthin transportiert worden – mit entsprechenden Leitungsverlusten.

Aber wir brauchen hier gar nicht viele Worte zu machen. RWE weiß nämlich selbst, worauf Umwelt- und Verbraucherschützer immer wieder hinweisen – dass nämlich Elektroheizungen ineffizient, klimaschädlich und außerdem teuer sind. Auf seiner eigenen Internetseite bietet der Stromkonzern einen „Heizsystem-Vergleich“. Und dort ist zu der – im Energiekatalog so hochgelobten – Elektro-Speicherheizung dies zu lesen:

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen – erstmals in der Geschichte des Klima-Lügendetektors können wir RWE voll und ganz zustimmen! Dass der Konzern trotzdem versucht, den Leserinnen und Lesern seines „Energiekatalogs“ unwirtschaftliche und ökologisch problematische Heizungen anzudrehen, kann man wohl nur als versuchte Ankurbelung des Stromabsatzes erklären.


RWE: Ist das wirklich die kehRtWEnde?

Mittwoch, den 2. Dezember 2015

Also, echt, dass wir das noch erleben dürfen! Diese Titelschlagzeile der Süddeutschen Zeitung heute:

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RWE? War das nicht der Konzern, dessen Vorstandschef noch vor dreieinhalb Jahren lästerte, Solarenergie in Deutschland sei so sinnvoll „wie Ananas züchten in Alaska“? Ja, Jürgen Großmann hieß dieser Herr. Der wie ein Bulldozer für die alten Energien kämpfte – und es schaffte, dass Angela Merkels schwarz-gelbe Regierung 2010 den rot-grünen Atomkonsens kündigte. Der viele Milliarden in Kohlekraftwerke versenkte und maßgeblich für die heutige Existenzkrise bei RWE verantwortlich ist. Ende 2008 notierte die RWE-Aktie bei knapp hundert Euro, vor einer Woche waren es noch gut zehn Euro.

Die Lage des Unternehmes ist zu traurig, als dass wir uns Schadenfreude erlauben. Großmanns Nachfolger Peter Terium versucht seit 2012, die Scherben zusammenzukehren, er muss sparen, Unternehmensteile verkaufen, Leute entlassen. Nun, endlich, will er offenbar das Ruder herumreißen und auf das Geschäft mit klimaschonender Energie setzen. Wie ernsthaft er das tut, werden wir genau verfolgen – und beispielsweise gucken, wie es mit dem geplanten Braunkohle-Monster BoA plus im rheinischen Niederaußem weitergeht. Zweifellos hat Terium einen langen Weg vor sich – im vergangenen Jahr lag der Erneuerbaren-Anteil an der RWE-Stromversorgung bei gerade fünf Prozent.

Wir wünschen jedenfalls viel Erfolg bei der kehRtWEnde!


RWE: Die Kandidaten für den Klimaschutz-Preis

Dienstag, den 27. Oktober 2015

Deutschlands zweitgrößter Stromkonzern RWE hat einen Klimaschutz-Preis ausgelobt:

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Im Aufruf heißt es: „Bürger, Vereine, Institutionen und Firmen können zeigen, wie sie vor Ort mit konkreten Projekten die Umwelt schonen und sich für den Klimaschutz einsetzen.“

Also los! Hier sind unsere „starken Ideen für Umwelt und Klima“, die wir dem verehrten Preisgericht vorschlagen:

Erstens: Die Gemeinde Keyenberg schlägt vor, das Umsiedlungsprogramm von RWE zu stoppen. Die im Jahre 893 erstmals urkundlich als cheyenburghc erwähnte Ortschaft steht auf Braunkohle, dem klimaschädlichsten aller Energieträger. Deshalb soll Keyenberg verschwinden, RWE will die 826 Einwohner der Gemeinde abbaggern.

Rohbraunkohle besteht zu 55 Prozent aus Wasser, zu 5 Prozent aus nicht brennbaren Bestandteilen und zu 40 Prozent aus Kohle. Beim Verfeuern einer Tonne Kohle in einem Braunkohlekraftwerk entsteht etwa eine Tonne Kohlendioxid, wenn Förderung und Transport einbezogen werden – so viel wie bei keinem anderen Energieträger.

Eine „starke Idee für Umwelt und Klima“ wäre also, die Abbau-Pläne zu beenden: Ab kommendem Jahr soll es losgehen mit der Umsiedlung von Keyenberg, noch ist es also nicht zu spät. Und seitdem bekannt geworden ist, dass die Braunkohlekraftwerke jetzt sowieso Schritt für Schritt abgeschaltet werden müssen, hat der Vorschlag gute Chancen für den RWE-Klimaschutzpreis 2015!

Zweiter Preis-Vorschlag: Die Gemeinde Niederzier schlägt vor, aus den Resten des Hambacher Forsts ein Klimaschutz-Denkmal zu errichten. Ursprünglich war der Wald nahe dem Ort Hambach 5.500 Hektar groß, schon der heilige Arnold von Arnoldsweiler hatte den Bürgewald im 8. Jahrhundert umritten. Jetzt sollen die Bäume dem Tagebau Hambach weichen, wiederum, um eine zukunftslose Energieversorgung noch ein bisschen weiterbetreiben zu können.

Dagegen hatten immer wieder Klimaschützer protestiert, bei Wind und Wetter Bäume besetzt, um RWE zur Vernunft zu bringen. Jetzt – so die Begründung des Preisvorschlages – könnte sich RWE bedanken bei den Aktivisten: Jawohl, eure Argumente waren die richtigen, wir von RWE haben uns geirrt – und das dokumentieren wir mit dem Klimaschutz-Denkmal Hambacher Forst. Chapeau!

Vorschlag Nummer drei für den RWE-Klimaschutzpreis 2015: Die Stadt Grevenbroich schlägt vor, das RWE-Kohlekraftwerk Neurath dichtzumachen. Mit 33,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr ist es die größte Treibhausgas-Quelle in der Bundesrepublik, und schön sieht die Dinosaurier-Technologie nun auch nicht aus. Geld lässt sich mit den Kohlekraftwerken sowieso nicht mehr verdienen, eine „gute Idee“ und „vorbildliche Aktion aus dem lokalen und regionalen Umfeld“ – wie in der Ausschreibung gefordert – und „für die Öffentlichkeit sichtbar“ wäre das Abschalten allemal. Ein heißer Kandidat für den RWE-Klimaschutzpreis!

Es gibt logischerweise noch viele andere Vorschläge, die RWE berücksichtigen sollte! Ein Umschulungsprogramm der Gemeinde Jüchen beispielsweise, bei dem ehemals fossile Kraftwerksmitarbeiter zu Solarinstallateuren ausgebildet werden. Oder Bürgersolaranlagen wie die in Köln-Brück, die jenen Strom produziert, mit dem ein „Energieversorger“ wie RWE seine Kunden eigentlich heute schon zukunftstauglich versorgen sollte.

Wir aber reichen mit den geschilderten Kandidaten unsere drei Favoriten für das Jahr 2015 ein. Und sind gespannt, wer die 5.000 Euro Preisgeld gewinnen wird.

RWE-Jury: Bitte übernehmen Sie!

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Danke an Timo aus Bonn für den Hinweis!


In eigener Sache: Ein Tag zu Greenwashing

Sonntag, den 27. September 2015

Eine dolle Nachricht ist es, die das Magazin hier (Untertitel: „Das Nachbarschaftsmagazin von RWE Power“) meldet. Auf Seite 5 der Ausgabe 2/2015 wird über die Gründung einer neuen „Bürgerinitiative“ berichtet, ihr Name: „Unser Revier – unsere Zukunft – An Rur und Erft“.

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Die Gruppe „versteht sich als ‚Allianz für Realismus und Sachlichkeit‘ in der Energiepolitik“, ist dort zu lesen. „Konstruktiv und kreativ“ wolle man sich „in die gesellschaftspolitische Diskussion um die Zukunft der Braunkohle und des Reviers einbringen“. Auf dem zugehörigen Foto sind sieben Herren zu sehen, die meisten schon etwas älter und in Jackett. Sie halten Schilder, auf denen zum Beispiel steht: „Kohle sichert Existenzen“. Es geht hier nämlich um eine Pro-Braunkohle-Initiative.

hier

Das Magazin hier und diese „Bürgerinitiative“ kamen am Samstag auf einer Tagung an der Berliner Humboldt-Universität zur Sprache. Veranstaltet von Lobbycontrol, Robin Wood und unserem Mutterportal klimaretter.info im Rahmen der Linken Medienakademie (LiMA), ging es darum, wie Konzerne gesellschaftlichen Protest zu „managen“ versuchen, um unbequemer Kritik an ihrer Unternehmenspolitik die Spitze zu nehmen. Grünfärberei, wie sie uns auf diesem Blog seit 2008 beschäftigt, ist dabei eine Strategie. Die Gründung von Tarninitiativen (im Englischen „Astroturfing“ genannt) eine weitere.

Einen Tag lang wurden offene oder verdeckte Konzernstrategien beleuchtet – aber auch mögliche Reaktionsmöglichkeiten von Medien, Zivilgesellschaft und NGOs. Insgesamt gab es fast 20 Vorträge, Diskussionsrunden und Workshops. So schilderte Kollege Christian Fuchs vom Investigativressort der Zeit seine Recherchen über Tarn-Bürgerinitiativen (zum Beispiel die Pro-Atom-Truppe „Bürger für Technik“). Lobbycontrol stellte einige der wichtigsten PR-Agenturen in diesem Feld vor (etwa Burson Marsteller oder Ketchum Pleon). Evelyne Lubbers von Spinwatch berichtete, wie (vor allem in Großbritannien) Umweltgruppen im Auftrag von Unternehmen unterwandert und ausspioniert werden. Es wurde darüber diskutiert, wie man mit Kohlebefürwortern umgeht oder mit Leugnern des Klimawandels, ob sich (echte) Bürgerinitiativen auf „Dialog“-Angebote von Unternehmen einlassen sollten wie etwa beim Großprojekt Stuttgart 21. Und, und, und.

Zurück zur Pro-Braunkohle-Initiative, die bei uns im Juni bereits Thema war. An ihrem Beispiel demonstrierte Ulrich Müller von Lobbycontrol, wie man Tarnorganisationen auf die Spur kommt. Man sollte sich Jahresberichte (soweit existent) ansehen, Geldflüsse erkunden oder schauen, ob verwendete Kontaktadressen oder Telefonnummern schon mal anderweitig aufgetaucht sind. Oder man kann sich die beteiligten Personen anschauen. Und da fällt dann bei „Unser Revier – unsere Zukunft“ gleich ein RWE-Betriebsrat auf. Und ein zweites Vorstandsmitglied war für Müller sogar ein alter Bekannter: Thomas Mock, Mitarbeiter eines großen Aluminiumkonzerns, und schon vor Jahren in einer Anti-Windkraft-Gruppe namens „Bundesverband Landschaftsschutz“ aktiv, der enge Verbindungen zur Industrie vorgeworfen wurden. Zur Erklärung heißt es von solchen Personen, das Engagement sei natürlich streng privat und werde aus eigener Tasche finanziert.

Mitschnitte einiger Vorträge gibt es hier, außerdem ist ein Tagungsband geplant.


RWE: Den Feind ins eigene Haus holen

Dienstag, den 23. Juni 2015

hier: heißt das „Nachbarschaftsmagazin“ von RWE Power, also jener Tochtergesellschaft, in der das Kraftwerksgeschäft gebündelt ist. Und hier war „hier„ – „Das Magazin für unsere Nachbarn im Rheinischen Braunkohlenrevier“, wie es im Untertitel heißt – schon einmal zu Gast auf unserem Lügendetektor.

Aber jetzt will ja auch RWE bei der Energiewende mitziehen, in der aktuellen Ausgabe präsentiert das Nachbarschaftsmagazin nichts geringeres als die

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Es geht um den Strukturwandel, die Arbeit der Gesellschaft „Innovationsregion Rheinisches Revier“, das „Innovationszentrum Kohle“, in dem an der „Kohle von morgen“ geforscht wird. Es geht um ressourcenschonendes Bauen, um den Fotowettbewerb „Rekultivierung“ und den Windpark auf der Königshovener Höhe.

RWE baut dort auf einer rekultivierten Fläche des Tagebaus Garzweiler neun weitere Windkraftanlagen mit einer Leistung von jeweils 3,2 Megawatt auf. Die ersten zwölf Windkraftanlagen laufen schon, das Investitionsvolumen …

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Allerdings könnte diese Partnerschaft bei RWE jetzt einen Knacks bekommen. Auf Seite 5 des Nachbarschaftsmagazins wird nämlich folgendes vermeldet:

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… beteiligen, wie es im Text heißt.

Der Knackpunkt: Die neuen „Bürgerinitiative“ heißt zukunftsfroh im Untertitel „Unser Revier – unsere Zukunft – An Rur und Erft“. Die „Bürgerinitiative“versteht sich als „Allianz für Realismus und Sachlichkeit“ in der Energiepolitik, und wolle „Konstruktiv und kreativ“ sich in die gesellschaftspolitische Diskussion „um die Zukunft der Braunkohle und des Reviers einbringen“.  Aber die „Bürgerinitiative pro Braunkohle“ ist eben keine „Allianz für Realismus und Sachlichkeit“. Sondern ein – drücken wir es vorsichtig aus – mit RWEs Geschäftsinteressen sehr verbundener Verein.

Im Vorstand sitzt, das erfahren wir im Text auch, der Alu-Lobbyist und Anti-Windkraft-Anwalt Thomas Mock, der bereits seit Jahren anwaltlich überall in Deutschland gegen Windeergieanlagen vorgeht. Mock spricht von „Verzweiflung von Menschen, deren gesamte Lebensplanung von Windrädern über den Haufen geweht wird“, das ARD-Politmagazin Monitor bezeichnete Mock bereits 2004 als einen, der überall auftaucht, wo Lobbyarbeit gegen Windkraft gefragt ist.

Tja, liebe „Nachbarn“ von RWE Power: Könnte sein, dass es nun doch nichts wird mit der „Zukunft im Revier“ und den „zuverlässigen und nachhaltigen Partnerschaften“! Statt Strukturwandel, Innovation und Windkraft gibt’s dann weiter nur aus der Erde gebuddelten Kohledreck.

Vielen Dank an Udo H. aus Düren für den Hinweis!