VW: Rasen für den Klimaschutz
Sonntag, den 30. August 2009Klar, die Annonce soll eine Provokation sein: „Ändern Sie nicht Ihren Fahrstil, ändern Sie Ihr Auto“, lautet der Claim der Annonce, mit der Volkswagen beispielsweise im Stern und im Focus für seinen neuen Golf GTD geworben hat. Dabei ließen sich gerade im Raserland Germany allein durch vernünftigeres Autofahren eine Menge Treibhausgase einsparen – das Bundesverkehrsministerium spricht von einer möglichen Senkung des Spritverbrauchs um bis zu 25 Prozent, um fünf Millionen Tonnen pro Jahr könnte der deutsche Kohlendioxid-Ausstoß so insgesamt sinken.
Volkswagen aber glaubt auch im Jahr 2009 noch, Werbung fürs Rasen machen zu müssen. In der Annonce brettert der Golf Turbodiesel eine malerische Küstenstraße entlang. Sein 170-PS-Motor verbrauche „kombiniert nur 5,3 l/100 km“, versprechen die VW-Werber. „Und das bei einer möglichen Höchstgeschwindigkeit von 222 km/h“.
Nur: Bei flotter Fahrweise schluckt der Renndiesel locker 8,5 Liter auf hundert Kilometer, wie es in einem Testbericht der Auto, Motor und Sport heißt. Der angegebene Kohlendioxid-Ausstoß von 139 Gramm pro Kilometer ist dabei illusorisch. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hält die Annonce deshalb für „falsch und irreführend“ und hat beim Landgericht Braunschweig eine Einstweilige Verfügung wegen Verstoßes gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb beantragt. Die Werbung sei „der zynischste Beitrag aller Autobauer zur aktuellen Klimadebatte“, schimpft DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. „Volkswagen suggeriert, dass ein geringer Spritverbrauch bei 222 km/h Höchstgeschwindigkeit möglich sei.“ Statt auf eine zukunftsfähige Modellpolitik setze der Wolfsburger Konzern „auf suggestive Falschaussagen“, um den Kunden übermotorisierte Autos aufzuschwatzen, die „bei der beworbenen lustbetonten Fahrweise“ dem Klima unnötig viel schadeten.
VW habe zuvor die Unterschrift unter eine Unterlassungserklärung verweigert, so die DUH. Die Kunden wüssten, habe die Antwort des Konzerns gelautet, dass sich offizielle Verbrauchsangaben nicht auf die Höchstgeschwindigkeit bezögen – und würden die Werbung schon richtig verstehen.
Was den Aufruf zum Rasen betrifft, hat Volkswagen da sicherlich recht.




Und um dies anzuprangern, hat die finanziell nicht so schlecht ausgestattete Klima-Allianz ein Plakat veröffentlicht: „Wanted: Wiesbadens erste Klimaflüchtlinge“. Darauf sehe man die Köpfe von sechs Politikern, die vor „dem Dialog mit den Bürgern“ flöhen. Dumm nur: Abgebildetet ist (Mitte, unten) auch die Bundestagsabgeordnete Ute Granold von der Mainzer CDU. Die hat sich in der Vergangenheit jedoch weder für das Kohlekraftwerk ausgesprochen 




So geht es weiter und weiter. Die Textakrobaten vom VDA verdrehen, verbiegen, lassen weg. Besonders phantasievoll waren sie bei einer kleinen Grafik, in der sie die weltweiten Verursacher von Kohlendioxid darstellen. Die Stromerzeugung liegt – dank dreckiger Kohlekraftwerke – mit großem Abstand auf dem Spitzenplatz, deutlich vor dem Straßenverkehr auf Platz 5. In der VDA-Illustration symbolisiert ein kleines Windrad den Energiesektor. Deutsche Autos, soll das wohl suggerieren, sind noch klimaschonender als Windkraftanlagen…




