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VDA: Neusprech für Klimakiller, Lektion 2

Montag, den 14. September 2009

Diese Woche beginnt in Frankfurt/Main die IAA, alle zwei Jahre trifft sich dort die Branche zum Schaulaufen. Und weil inzwischen nicht einmal die deutsche Autoindustrie mehr am Thema Klimawandel vorbeikommt, hat sie grad ihre Website „Unsere Autos“ runderneuert. Vor ein paar Wochen berichteten wir darüber und baten unsere LeserInnen, sich doch dieses Wunderwerk der Grünfärberei genauer anzuschauen. Hier also, pünktlich zur IAA, Teil 2 des „Neusprech für Klimakiller“.

Auf der Internetseite steht zum Beispiel:

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Übersetzung: „Es ist zwar schon zehn Jahre her, dass Volkswagen dieses – damals ziemlich teure – Öko-Auto auf den Markt brachte. Und bereits vor fünf Jahren wurde der Lupo 3L TDI wieder aus dem Programm genommen. In den letzten Jahren konzentrierte VW sich eher auf Spritschlucker wie Phaeton, Touareg und Tiguan. Aber mit dem Trick eines ‚Zeitstrahls‘ können wir dieses Versagen kaschieren und den Lupo präsentieren, als habe er gerade eben die Drei-Liter-Marke geknackt.“

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Übersetzung: „Die Zahl klingt schön, nicht wahr!? Und ist eine prima Ablenkung davon, dass die deutschen Autofirmen Emissionssenkungen auch besonders nötig haben. Unsere Fahrzeugpalette stößt nämlich deutlich mehr Kohlendioxid aus als die der ausländischen Konkurrenz. Fiat, Renault oder Toyota beispielsweise haben schon lange niedrigere CO2-Flottenwerte als Audi, BMW, Ford, Opel, Mercedes, VW oder gar Porsche. Dies zeigt auch immer wieder der Branchenvergleich der Umweltdachorganisation Transport&Environment.“

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Übersetzung: „In der Tat, niemand ist effizienter beim Verhindern strenger Klimavorschriften für Autos als der deutsche Lobbyverband VDA. Durch massiven Druck ist es etwa gelungen, die von der EU geplante Grenze von 120 Gramm pro Kilometer für Neuwagen ab 2012 zu verhindern. Dank bester Kontakte kämpfte sogar die Klima-, äh, Autokanzlerin Merkel ‚mit aller Härte‘ an der Seite von Audi, BMW & Co. gegen die Vorschläge von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas.“

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und weiter:

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Übersetzung: „Der letzte Satz ist völliger Quark. Wird aber keiner merken. Denn natürlich hat der Luftwiderstand Einfluss auf den Verbrauch und damit den CO2-Ausstoß, doch ‚die größten Reserven‘ liegen ganz woanders: zum Beispiel in kleineren Motoren – die gerade bei deutschen Herstellern üblichen PS-Zahlen braucht kein Mensch, und längst könnte es flotte Autos mit nur drei Zylindern geben. Vor allem aber beim Gewicht – doch das würde ein komplettes Umdenken der Branche bedeuten, die deutschen Firmen bauen offenbar am liebsten Straßenpanzer wie den VW Touareg.“

Doch am dreistesten ist wahrscheinlich dies:

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Übersetzung: „Wir präsentieren auf unserer Website ein bisschen technischen Schnickschnack, um von einer Riesensauerei abzulenken. Vor zwei Jahren, anlässlich der letzten IAA, versprachen wir zwar, auf Kohlendioxid als umweltfreundliches Kältemittel umzusteigen. Heute interessiert uns das nicht mehr. Statt das im Überfluss verfügbare, sichere, billige und klimaschonende CO2 bald in den Klimaanlagen unserer Autos einzusetzen, favorisieren wir gefährliche Chemikalien. Zum Glück bekommt das außer der Deutschen Umwelthilfe und einigen Journalisten des ARD-Magazins Kontraste (hier ihr Film) kaum jemand mit.“

Danke an Sabine P., Barbara M. und Gunhild P. für die Hinweise


VDA: Mit Neusprech für Klimakiller

Sonntag, den 16. August 2009

Ein Jahr ist es her, dass der Verband der Automobilindustrie (VDA) gemeinsam mit der Bild in patriotischem Schwarz-Rot-Gold  für „Unsere Autos“ trommelte. Ausgiebig haben die Lobbyisten seither an ihrer Propaganda-Website gearbeitet.
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Inzwischen präsentiert sie sich in so ausgefeiltem Neusprech, dass selbst George Orwell erblassen würde. Äußerst gekonnt werden da Aussagen über Fahrzeugsicherheit, Elektronikspielereien und Klimaschutz vermixt, um im Vorfeld der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt/Main das Bild einer wahren Öko-Industrie zu hinterlassen. Irgendwie scheinen die „Träger der Initiative“ – laut Website Audi, BMW, Bosch, Daimler, Ford, Opel, Porsche und Volkswagen – solche Tricks nötig zu haben.

Jedenfalls sind viele Aussagen der Website ohne Dolmetscher kaum zu verstehen:

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Übersetzung: „Ein Glück, dass es auch andere Treibhausgase gibt neben Kohlendioxid und andere Klimasünder neben unseren Spritschleudern – sonst hätten wir kein Material für krude Vergleiche und schwer nachprüfbare Rechenspiele. Um die Verwirrung zu komplettieren liefern wir als Hintergrundinformationen zu dieser Aussage nicht etwa Grafiken über den CO2-Ausstoß ‚unserer Autos‘, sondern über Kohlenwasserstoff-Emissionen und andere Gifte – es fällt bestimmt keinem auf, wenn wir hier nur die Ergebnisse gesetzlicher Auflagen präsentieren.“vda_unsereautos09_2gr

Übersetzung: „Der hohe CO2-Ausstoß unserer Fahrzeugflotte – bei Audi waren es 2008 z.B. 176 g/km, bei Mercedes 188 g/km oder bei VW 166 g/km – beschämt uns so sehr, dass wir die einzelnen Zahlen nirgends auf diese Website gestellt haben. Denn dann würde jeder merken, dass wir mit dem Smart nur ein einziges 88-Gramm-Auto herstellen – das neben dem viel größeren Toyota Prius (89 Gramm) ziemlich alt aussieht.“
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Übersetzung: „Garantiert bekommt niemand mit, dass mit dem ‚wir‘ in diesem Satz diesmal nicht die deutschen Autos gemeint ist, sondern sich die Aussage zur Treibhausgasreduktion auf die deutsche Gesamtbilanz bezieht. Dass Experten den Rückgang der Verkehrsemissionen vor allem auf die Wirkung der rot-grünen Ökosteuer (die wir vom VDA stets bekämpften) zurückführen und auf die Umstellung vieler Pkw auf effizientere Dieselmotoren, das erwähnen wir natürlich nicht.“
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Übersetzung: „So richtig geht es zwar nicht voran mit der Forschung an den sogenannten ‚Biokraftstoffen der zweiten Generation‘. Wir machen trotzdem weiter Werbung damit – und sparen uns die Entwicklung wirklich verbrauchsarmer Autos. Obwohl viele Experten vor einer Überschätzung des CO2-Sparpotenzial von Biokraftstoffen warnen, schreiben wir 90 Prozent – mit den Wörtchen ‚bis zu‘ ist schließlich jedes noch so hochtrabende Versprechen irgendwie wahr.“

vda_unsereautos09_7grSo geht es weiter und weiter. Die Textakrobaten vom VDA verdrehen, verbiegen, lassen weg. Besonders phantasievoll waren sie bei einer kleinen Grafik, in der sie die weltweiten Verursacher von Kohlendioxid darstellen. Die Stromerzeugung liegt – dank dreckiger Kohlekraftwerke – mit großem Abstand auf dem Spitzenplatz, deutlich vor dem Straßenverkehr auf Platz 5. In der VDA-Illustration symbolisiert ein kleines Windrad den Energiesektor. Deutsche Autos, soll das wohl suggerieren, sind noch klimaschonender als Windkraftanlagen…

Wir wollen Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht mit weiteren Beispielen ermüden. Sondern zum Mitmachen aufrufen. Schicken Sie weitere Zitate von der Propaganda-Website des VDA und die zugehörige Übersetzung an: hinweise(at)klima-luegendetektor.de. Die drei „besten“ Einsendungen werden veröffentlicht – als Dank gibt es zudem je ein Exemplar des Buches zum Blog: „Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen“.

Danke an Barbara M. aus Berlin für den Hinweis


Audi S4: Abrüstung in Trippelschrittchen

Dienstag, den 10. März 2009

Etwas Gutes hat die Krise – offenbar achten die deutschen Autokäufer endlich etwas stärker auf den Verbrauch. Die Hersteller von Kleinwagen fahren Sonderschichten, die rumänische Renault-Tochter Dacia und der tschechische VW-Ableger Skoda melden Rekordverkäufe. Bei Ford in Köln wurde die ankündigte Kurzarbeit abgesagt – weil sich die Modelle Ka, Fiesta und Fusion viermal so gut verkaufen wie vor einem Jahr.

Anders als Dacia, Ford und Skoda schaltet Audi derzeit teure Werbeanzeigen – zum Beispiel eine Doppelseite im aktuellen stern (Listenpreis: 112.800 Euro plus MwSt.):

Anscheinend ist man bei Audi hin- und hergerissen: Einerseits haben sich die Ingolstädter in den vergangenen Jahren so sehr auf sportliche Boliden festgelegt, dass ein ökologischer Kurswechsel ohne Schaden am Markenimage kaum möglich ist. Andererseits ist klar, dass es nicht mehr weitergeht wie bisher. Von Modellreihe zu Modellreihe hatten die Audi-Limousinen bei PS-Zahl, Fahrzeuggewicht, Geschwindigkeit und Leistung zugelegt. Am Ende dieses Rüstungswettlaufs standen beim S4 (der Sportversion der A4-Baureihe) 8-Zylinder-Ungetüme mit fast 350 PS und einem exorbitantem Kohlendioxid-Ausstoß von bis zu 321 Gramm pro Kilometer.

„Es ist ein Trugschluss zu meinen, die ganze Welt werde nur noch Kleinwagen fahren“, hatte Audi-Chef Rupert Stadler letzte Woche in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung gefrotzelt. Ein Kleinwagen ist der neue S4 wahrlich nicht. Und „weniger“ meint bei diesem Fahrzeug eine Kürzung um elf Pferdestärken (auf „nur“ noch 333 PS) und zwei Zylinder (auf sechs). Der großspurig beworbene Audi ist jetzt zwar zehn Kilogramm leichter als sein Vorgänger, mit gut 1,7 Tonnen aber immer noch 200 Kilogramm schwerer als ein S4 aus dem Jahr 1998.

Und der Spritverbrauch? Der Nach Audi-Angaben soll er um 3,6 auf 9,7 Liter pro hundert Kilometer gesunken sein – im Test der Zeitschrift auto, motor, sport allerdings schluckte der Wagen 14,1 Liter (deutlich mehr übrigens als der gleichfalls getestete und ebenso „sportliche“ BMW 335i). Zur Klimaschädlichkeit sagt das Kleingedruckte der Annonce

Klar, das ist weniger als beim Vorgänger – aber immer noch knapp das Doppelte des künftigen EU-Richtwerts von 120 Gramm Kohlendioxid. Dafür mit dem Wort „weniger“ zu werben – das ist, tja, frech? Jedenfalls ist es so, als würde ein Hersteller völlig überzuckerter Limonaden ein etwas kalorienreduziertes Getränk als Diät-Produkt anpreisen. Oder, um im oben schon einmal gewählten Rüstungsbild zu bleiben, als würde ein Staat sich für das Abwracken einiger Panzer loben – aber auch weiterhin eine waffenstarrende Armee unterhalten.

Danke an Christian B. aus Leipzig für den Hinweis


Audi, BMW & Co: Das sind nicht `unsere Autos´

Samstag, den 5. Juli 2008

Seit mindestens hundertfünfzig Jahren kennen Politiker in aller Welt diese erfolgversprechende Strategie: Wenn man von hausgemachten Problemen ablenken, seine Macht sichern oder andere Interessen bemänteln will, dann ziehe man einfach die nationalistische Karte. In der – wie sich gezeigt hat, häufig begründeten – Hoffnung, das Volk werde schon drauf reinfallen.

Nun haben die deutschen Autokonzerne den Klimawandel so gründlich verschlafen, dass es selbst der Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion kritisiert. Andere Hersteller bauen längst die gefragteren Wagen. Der deutsche Branchenverband VDA versucht nun, mit einer PR-Kampagne und halbseitigen Zeitungsannoncen dagegenzuhalten.

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Die Internetseite zur Kampagne hat die hübsche Adresse www.unsere-autos.de, und auch das schwarz-rot-goldene Logo appelliert an das Nationalgefühl der Autokäufer.

unsereautos_kl.jpgAuf der Homepage und in der Bild-Zeitung stellt die deutsche Autobranche ihre – vergleichsweise wenigen – klimaschonenden Modelle vor. Bei einem Preisausschreiben sind fünf Autos zu gewinnen, außerdem 500 Testfahrten plus Tankgutscheine. „Dank neuester Technologien aus deutschen Entwicklungsabteilungen sind unsere neuen Autos besonders effizient, spritsparend und umweltfreundlich“, heißt es im Kleingedruckten der Zeitungsannonce.

In der Tat haben die deutschen Autobauer mittlerweile eine Reihe von Fahrzeugen im Angebot, die weniger als 140 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer ausstoßen. Aber besonders eifrig beworben und nach wie vor am häufigsten verkauft werden Modelle mit größeren und deshalb klimaschädlichen Motoren. Und den Wert von 140 g/km hatten sich die Konzerne vor zehn Jahren in einer Selbstverpflichtung nicht für einzelne Autos gesetzt, sondern für ihre gesamte Neuwagenflotte. Seit klar ist, dass sie dieses Ziel um Längen verfehlen, ist von dem einstigen Versprechen kaum noch die Rede.

Wir fragten beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg, wie denn die aktuellen Zahlen aussehen für die deutschen Automobilhersteller. Daten für 2007, hieß es bedauernd, existierten nicht. Aber auch für die vorherigen Jahre gebe es nichts, weil man amtlicherseits nur einen Durchschnittswert für Neuzulassungen ermittle – eine Aufschlüsselung nach einzelnen Marken sei brisant und deshalb politisch nicht gewollt.

Zumindest für das Jahr 2006 aber können wir hier die Zahlen liefern. Durch ein Versehen wurde nämlich im vergangenen Jahr auf der Internetseite der EU-Kommission kurzzeitig eine mehr als 700-seitige Tabelle veröffentlicht, die detailliert Auskunft gibt über den Ausstoß der europäischen Fahrzeugflotten der vergangenen Jahre. Sie kursiert seitdem in Fachkreisen. Für die Marken, die ihre Autos in der Kampagne „Unsere Autos“ anpreisen, ergeben sich daraus diese Zahlen (in der Annonce von links nach rechts): Ford – 157 g/km, Audi – 188 g/km, Mercedes Benz – 192 g/km, Volkswagen – 172 g/km, BMW – 187 g/km, Opel – 161 g/km. Einzig die Marke Smart (ganz rechts) hat mit einem Wert von 119 g/km die Klima-Selbstverpflichtung der Autoindustrie erfüllt. Ausgerechnet diese Autos aber werden nicht in Deutschland, sondern im französischen Lothringen gebaut.

P.S.: Natürlich finden wir es prima, dass die deutschen Automobilhersteller endlich auch Werbung für klimafreundliche Fahrzeuge machen.


Ford: Die tun was – für den Klimawandel

Montag, den 18. Februar 2008

Seit einer Woche läuft auch hierzulande die spektakuläre Naturdokumentation Unsere Erde in den Kinos. „Fünf Jahre Produktionszeit“ haben die Macher nach eigenen Angaben auf die „atemberaubende Schönheit unserer Erde“ verwendet – und der Streifen ist von größter Aktualität: „Würden wir diesen Film in 10 oder 20 Jahren drehen“, sagt Regisseur Alastair Fothergill, „könnten wir viele dieser außerordentlichen Bilder gar nicht mehr einfangen.“ Weil dann das entsprechende Objekt zerstört oder ausgerottet sei.

Zum Glück aber, so die Macher, wachse das weltweite Bewusstsein für die Zerbrechlichkeit unseres Planeten. Und deshalb brachten sie „Unterstützer“ mit ins Kino: unter anderem die BBC, den Öko-Energieversorger Naturstrom, die kanadische Eisenbahn VIA Rail und Ford. Ford? Der US-Autobauer nutzt den Film, um seine Internetseite www.dienaechstegeneration.de bekanntzumachen. Als Einstieg werden da zu lieblicher Musik Fotos von Tier-Embryos gezeigt – ein Eisbärchen zum Beispiel.

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Beworben werden damit die „Flexifuel“- Modelle der Firma. Unter diesem Label vertreibt Ford Fahrzeuge, die neben konventio- nellem Benzin auch Bio-Ethanol tanken können. „Der Klimawandel stellt eine der größten Heraus- forderungen der Menscheit dar“, heißt es auf der Ford-Homepage. Und tanke man Bio-Ethanol, so das Unternehmen, stoße ein Fahrzeug „erheblich weniger CO2 aus als ein Fahrzeug, das mit Super-Kraftstoff betrieben wird“. Das aber ist schlicht falsch – in der Pauschalität jedenfalls –, denn immer mehr Studien (siehe zum Beispiel hier, hier, hier und hier) warnen, dass bei der Herstellung von Bio-Ethanol häufig so viel Energie und Düngemittel eingesetzt werden, dass der CO2-Spareffekt gegenüber Treibstoff aus Erdöl verloren geht.

Außerdem hat Ford ein Klimaproblem im Inneren seiner Autos: Massiv sträubt sich der Konzern dagegen, in seinen Klimanlagen das derzeit eingesetzte Kältemittel R 134a zu ersetzen. Ein Kilogramm des fluorhaltigen R 134a (chemisch: Tetrafluorethan) heizt die Atmosphäre 1.430 mal stärker auf als die gleiche Menge Kohlendioxid. Bereits vor zehn Jahren wurde deshalb mit der Entwicklung von klimaschonenden Alternativen begonnen – heute ist es möglich, Kohlendioxid als Kältemittel (Handelsname: R744) zu verwenden. Der Verband der deutschen Auto-Hersteller (VDA) verpflichtete sich im vergangenen Herbst, künftig auf diese Technologie zu setzen. Doch Ford versucht in Brüssel mit „Informationen“ die Funktionstüchtigkeit der Alternativen beim Gesetzgeber zu diskreditieren. „Aufhalten wird Ford die Umstellung nicht können“, sagt Eva Lauer, Projektleiterin „Klimafreundliche Kühlung“ der Deutschen Umwelthilfe. „Aber sie versuchen, Zeit zu gewinnen und schnell noch Profit zu schlagen.“