Monatsarchiv für August 2021

Stadtwerke Essen: Ziemlich unfreundlich

Donnerstag, den 19. August 2021

Preisfrage an die verehrte Leserschaft des Klima-Lügendetektors: Wann ist eine Handlung/ein Produkt klimafreundlich?

Laut Wörterbuch ist die

Jetzt werden sich die eingeweihten Leser vergackeiert vorkommen, schließlich ist das keine Preisfrage, sondern eine Binse. Tipps zum klimafreundlichen Leben gibt es zuhauf, etwa HIER (zum klimafreundlichen Essen), HIER (zum klimafreundlichen Reisen), HIER (zum klimafreundlichen Einkaufen) oder HIER (zu klimafreundlichen Produkten).

Um so erstaunlicher ist folgende Werbung der Stadtwerke Essen:

Wieso denn Erdgas? Und wieso Erdgas dem Klima zuliebe?

Die Stadtwerke Essen erklären:

Und dann erklären die Stadtwerke Essen in der Sommerausgabe ihres Magazins „Stadtgespräch“ Erdgas zum

Aber das stimmt doch gar nicht! Das ist doch glatt gelogen! Erdgas besteht vorwiegend aus Methan (CH4) und geringeren Mengen anderer Kohlenwasserstoffe (etwa Butan, Ethan, Ethen oder Propan). Wer Erdgas verbrennt, setzt dabei jede Menge Treibhausgase frei, die das Klima – siehe Definition – nicht positiv, sondern negativ beeinflussen!

Pro Kilowattstunde Strom entstehen – berechnet über den Lebenszyklus eines Gas-Kraftwerkes – 640 Gramm Kohlendioxid. Das ist zwar nur halb so viel, als wenn diese Kilowattstunde aus Braunkohle hergestellt werden würde (moderne GuD-Gaskraftwerke liegen sogar zwischen 410 und 430 Gramm je Kilowattstunde). Die Kilowattstunde aus einem Windkraftwerk verursacht aber nur maximal 16 Gramm Treibhausgas (durch die Herstellung der Anlage gerechnet auf die Betriebszeit).

Die Klimabilanz von Erdgas ist zudem umstritten, weil man nicht nur den Verbrennungsprozess betrachten sollte. Auf dem langen Weg von den Gasfeldern zu den Kraftwerken geht einiges an Erdgas verloren. Und Methan, der Hauptbestandteil, ist um ein Vielfaches klimaschädlicher als Kohlendioxid, trägt 25-mal stärker zur Erderwärmung bei. Auch die Art der Förderung spielt eine Rolle: Wird das Erdgas mittels Fracking-Verfahren gefördert, ist seine Klimabilanz möglicherweise genau so klimaschädigend wie die der Kohle, so eine Studie aus den USA.

Erdgas kann also seriös allenfalls als „klimafreundlicher als Braunkohle“ bezeichnet werden. „Klimafreundlich“ ist es auf alle Fälle keineswegs. Forscher warnen deshalb, jetzt in Erdgastechnik zu investieren. Vielleicht wird ja in wenigen Jahren Erdgas als Heizmittel ganz aus dem Verkehr gezogen?

Erdgas-Heizung als Investruine: Das verschweigen die Essener Stadtwerke lieber potenziellen Kunden. Ziemlich unfreundlich. Und glatt gelogen!

Vielen Dank an Marcus R. aus Essen für den Hinweis!