Monatsarchiv für August 2021

CDU: Jobs vernichten

Sonntag, den 29. August 2021

Vor Monatsfrist hatten wir die SPD mit ihren Wahlkampf-Lügen auf dem Klima-Lügendetektor. Das hier aber schlägt dem Fass den Boden aus:

Da steht auf einem Wahlplakat der CDU doch tatsächlich:

Klima schützen.
Jobs schaffen.

Aber liebe CDU, ihr seid doch die Partei, die gerade die ganzen Jobs in der Solarwirtschaft abgeschafft hat! Es war euer Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), der 2012 den solaren Ausbau deckelte und die EEG-Umlage so stark zusammenstreichen half, dass die deutsche Solarwirtschaft nahezu komplett in die Pleite getrieben wurde. Von den einst 150.000 Arbeitsplätzen der Branche sind noch 50.000 übrig, wie die Internationale Organisation für erneuerbare Energien (IRENA) ermittelte (Seite 10).

Und ihr seid als CDU doch die Partei, die dann auch Hand an die Windkraftwirtschaft angelegt hat! Es war 2013 euer Koalitionsbeschluss mit der FDP, jetzt auch noch die Windkraft zu deckeln, also den Ausbau zu begrenzen! Mit durchschlagendem Erfolg: 2019 wurden in Deutschland lediglich 325 neue Windräder ans Netz geschaltet, so wenige pro Jahr wie in den letzten 20 Jahren nicht mehr.

Jobs schaffen?
Klima schützen?

Ist es nicht der CDU-Spitzenkandidat, der als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen den Bau von Windrädern massiv einschränkt? Armin Laschets Baugesetz erlaubt Gemeinden in NRW, einen Mindestabstand von 1.000 Metern von Windrädern zu Wohnsiedlungen einzufordern – wobei drei Häuser bereits als Wohnsiedlung gelten, was neue Windräder im dicht besiedelten Land praktisch unmöglich macht.

Auch im vergangenen Jahr 2020 stockte der Windkraftausbau massiv. Und das wird so weitergehen: Die Zahl der neu genehmigten Windräder ging etwa im Saarland, in Bayern, Hessen, Sachsen und Baden-Württemberg seit 2015 um 75 bis 100 Prozent zurück – alles unionsgeführte Länder, sieht man einmal von BaWü ab, wo die CDU als Juniorpartner der Bündnisgrünen das zuständige Wirtschaftsministerium leitet.

Auf den Wahlkampf-Seiten der CDU heißt es:

Oder noch anders zusammengefasst: Durch eure Weigerung, die Energiewende voranzubringen, vernichtet ihr von der CDU Jobs und würgt den Klimaschutz ab.

P.S.: Die Arbeit des Klima-Lügendetektors ist seit vielen Jahren leserfinanziert. Noch aber fehlen uns einige Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2021 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


Stadtwerke Essen: Ziemlich unfreundlich

Donnerstag, den 19. August 2021

Preisfrage an die verehrte Leserschaft des Klima-Lügendetektors: Wann ist eine Handlung/ein Produkt klimafreundlich?

Laut Wörterbuch ist die

Jetzt werden sich die eingeweihten Leser vergackeiert vorkommen, schließlich ist das keine Preisfrage, sondern eine Binse. Tipps zum klimafreundlichen Leben gibt es zuhauf, etwa HIER (zum klimafreundlichen Essen), HIER (zum klimafreundlichen Reisen), HIER (zum klimafreundlichen Einkaufen) oder HIER (zu klimafreundlichen Produkten).

Um so erstaunlicher ist folgende Werbung der Stadtwerke Essen:

Wieso denn Erdgas? Und wieso Erdgas dem Klima zuliebe?

Die Stadtwerke Essen erklären:

Und dann erklären die Stadtwerke Essen in der Sommerausgabe ihres Magazins „Stadtgespräch“ Erdgas zum

Aber das stimmt doch gar nicht! Das ist doch glatt gelogen! Erdgas besteht vorwiegend aus Methan (CH4) und geringeren Mengen anderer Kohlenwasserstoffe (etwa Butan, Ethan, Ethen oder Propan). Wer Erdgas verbrennt, setzt dabei jede Menge Treibhausgase frei, die das Klima – siehe Definition – nicht positiv, sondern negativ beeinflussen!

Pro Kilowattstunde Strom entstehen – berechnet über den Lebenszyklus eines Gas-Kraftwerkes – 640 Gramm Kohlendioxid. Das ist zwar nur halb so viel, als wenn diese Kilowattstunde aus Braunkohle hergestellt werden würde (moderne GuD-Gaskraftwerke liegen sogar zwischen 410 und 430 Gramm je Kilowattstunde). Die Kilowattstunde aus einem Windkraftwerk verursacht aber nur maximal 16 Gramm Treibhausgas (durch die Herstellung der Anlage gerechnet auf die Betriebszeit).

Die Klimabilanz von Erdgas ist zudem umstritten, weil man nicht nur den Verbrennungsprozess betrachten sollte. Auf dem langen Weg von den Gasfeldern zu den Kraftwerken geht einiges an Erdgas verloren. Und Methan, der Hauptbestandteil, ist um ein Vielfaches klimaschädlicher als Kohlendioxid, trägt 25-mal stärker zur Erderwärmung bei. Auch die Art der Förderung spielt eine Rolle: Wird das Erdgas mittels Fracking-Verfahren gefördert, ist seine Klimabilanz möglicherweise genau so klimaschädigend wie die der Kohle, so eine Studie aus den USA.

Erdgas kann also seriös allenfalls als „klimafreundlicher als Braunkohle“ bezeichnet werden. „Klimafreundlich“ ist es auf alle Fälle keineswegs. Forscher warnen deshalb, jetzt in Erdgastechnik zu investieren. Vielleicht wird ja in wenigen Jahren Erdgas als Heizmittel ganz aus dem Verkehr gezogen?

Erdgas-Heizung als Investruine: Das verschweigen die Essener Stadtwerke lieber potenziellen Kunden. Ziemlich unfreundlich. Und glatt gelogen!

Vielen Dank an Marcus R. aus Essen für den Hinweis!