Monatsarchiv für Mai 2016

Deutsche Bahn: Die Verantwortung vergessen

Donnerstag, den 26. Mai 2016

Die Deutsche Bahn hat sich ein neues Klimaziel gegeben: „Bis 2020 wollen wir unsere spezifischen CO₂-Emissionen, also pro Personen- und Tonnenkilometer, unserer weltweiten Verkehre um 30 % im Vergleich zu 2006 senken“, heißt es bei der Bahn. Und zur Begründung:

DB

„Auch die DB ist hier in der Verantwortung“: Die Bahn klärt uns auch auf, wie sie das Klima-Ziel erreichen will. „Unsere wichtigen Stellhebel zur Reduktion von CO₂ sind, mehr moderne und energieeffizientere Fahrzeuge einzusetzen, die Auslastung zu optimieren, energieeffiziente Fahrweise in allen Verkehren und der Einsatz erneuerbarer Energien. Den Ökostromanteil im Bahnstrommix wollen wir bezogen auf die DB eigenen Transporteure bis 2020 auf 45 Prozent erhöhen.“

Ohnehin ist die Bahn ja bereits eine Klimaschutz-Institution. Während ein Bahnreisender pro Personenkilometer im Fernverkehr 45 Gramm Kohlendioxid verursacht, sind es bei einem Flugreisenden 231 Gramm je Kilometer – mehr als das Fünffache. Bahnfahren ist damit eine der klimafreundlichsten Fortbewegungsarten, lediglich der Reisebus ist für noch weniger Kohlendioxid verantwortlich.

Neben dem Klima-Vorteil hat Bahnfahren aber auch noch andere. Zum Beispiel in den Nachtzügen. Deutschlandradio Wissen beschreibt deren andere Vorteile so:

  • Die Bahnfahrer können ohne Umsteigen lange Strecken zurücklegen,
  • sie kommen morgens ausgeschlafen an
  • und haben eine Nacht Hotelkosten weniger.

Also eine Win-win-win-win-Situation. Für den Geldbeutel, den Nachtschlaf, die Mobilität und das Klima.

Nun hat die Bahn aber bekannt gegeben, ihre Nachtzüge zum Jahresende stillzulegen.

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Wer am nächsten Morgen also in Amsterdam, Rom, Zürich oder Warschau sein will oder muss, dem bleibt künftig nur das Flugzeug.

Halt! Stopp! Schnell nochmal zurückgespult!

Erstens: Reisen mit dem Nachtzug hat ausgeruhte Reisende zur Folge. Zweitens: Fliegen ist mehr als fünfmal so klimaschädlich wie eine Nachtzugreise. Drittens – und hier zitieren wir gern die Bahn noch einmal: „Der Klimaschutz ist eine der größten Herausforderungen, denen die Menschheit gegenübersteht.“

Wir meinen: Die DB ist hier auch mit ihren Nachtzügen in der Verantwortung.


PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2016 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER.


Energiewende: Nichts als Werbung

Freitag, den 20. Mai 2016

An dieser Stelle müssen wir an die Bundestagsdebatte zu den deutschen Klimazielen am 13. November 2014 erinnern. Andreas Jung, Bundestagsabgeordneter der CDU aus Konstanz, sagte damals:

„Wir haben in Deutschland fraktionsübergreifend dieses Ziel formuliert und für gut geheißen: Bis 2020 den CO2-Ausstoß gegenüber 1990 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Das ist Ausdruck unserer besonderen Verantwortung, die wir haben als ein großer Emittent, als der größte Emittent innerhalb der Europäischen Union. Das ist Ausdruck unserer Vorreiterrolle, und unsere Botschaft ist klar: Es gibt kein Vertun, dieses Ziel gilt und es muss erreicht werden. Und deshalb werden wir beim Klimaschutz noch einmal einen Zahn zulegen. Wir werden noch einmal eine Schippe drauflegen.“

Anderthalb Jahre später stellt das Bundeswirtschaftsministerium nun seine „Schippe“ vor:

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Es geht um den „Schlafenden Riesen“ Gebäudesanierung – diesen Ausdruck gebrauchte Jungs Partei- und Fraktionskollege Thomas Bareiß, der „Beauftragte für Energiepolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion“, ebenfalls in einer Bundestagsdebatte: 40 Prozent aller deutschen Treibhausgase entstammen dem Gebäudebereich.

Seit Jahren streitet die Politik, wie dieses Potenzial für den Klimaschutz endlich zu heben wäre. Zuletzt hatte die Große Koalition versprochen, die energetische Sanierung von Ein- und Zweifamilienhäusern mit einem Steuerbonus anzukurbeln. Dummerweise war das am Veto des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) im vergangenen Jahr gescheitert.

Tatsächlich will die Regierung 80 Prozent der heute im Gebäudesektor eingesetzten Wärme bis ins Jahr 2050 einsparen – durch die energetische Sanierung.

Dafür gibt es also jetzt die „neue Schippe“:

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Nanu: Wer Heizkosten spart, kann mehr für Fernreisen – bis ins All – ausgeben?

Wenn Sie sich jetzt fragen, was die Reisekosten mit den Treibhausgasen zu tun haben: Darum geht es hier gar nicht! Schauen Sie mal!

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Die Auflösung: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat gerade eine neue Kampagne für mehr Energieeffizienz im Gebäudebereich gestartet. Es gibt ein bisschen Geld und viel Öffentlichkeitsarbeit.

Damit ist Gabriel in bester Gesellschaft. Seine Ministerkollegin Barbara Hendricks (SPD), zuständig für das Bauressort, hat vor zwei Jahren auch schon mal eine neue Kampagne für mehr Energieeffizienz im Gebäudebereich gestartet. Es ging um „Piekse für den schlafenden Riesen“ – die Ministerin erklärte damals: „Wir brauchen für das Erreichen unserer Klimaziele eine Sanierungsrate von 2,5 Prozent des jährlichen Gebäudebestandes.“

Tatsächlich aber sank die Sanierungsrate seitdem unter ein Prozent. Offensichtlich fällt der Politik außer Werbung für die Energiewende nichts ein.

„Werbung für mehr Effizienz allein reicht nicht“, sagt die energiepolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Julia Verlinden. Die Kampagne komme spät, außerdem sei sie nicht genug mit tatsächlichen Anreizen und Maßnahmen unterfüttert. Die klimapolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Eva Bulling-Schröter, vermutet hinter Gabriels Vorstoß gar ein Ablenkungsmanöver: „Während die Große Koalition beim Ausbau der erneuerbaren Energien im Stromsektor mit der umstrittenen Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gerade voll auf die Bremse tritt, präsentiert der Vizekanzler neue Förderprogramme für Energieeinsparung und kündigt eine breite Öffentlichkeitskampagne an.“

Danke an Percy V. aus Berlin für den Hinweis!


Betonwirtschaft: Die falsche Antwort auf die Frage

Dienstag, den 3. Mai 2016

Ist Bauen mit Beton nachhaltiges Bauen?

Gute Frage. Und eine extrem wichtige – wie der Verein Deutscher Zementwerke (VDZ) auf seiner Seite Beton.org klarmacht:

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Weiter heißt es: „Der Verein Deutscher Zementwerke (VDZ) ist der wirtschaftspolitische Zusammenschluss der deutschen Zementhersteller.“ Als solcher „vertritt er seine Mitglieder im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Zu den Arbeitsschwerpunkten zählen insbesondere die industrie- und baupolitischen Herausforderungen.“ Also auch der Klimaschutz.

Um zur selbst gestellten Frage zurückzukommen:

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Entschuldigung: Die Frage ging doch aber ganz anders! Der Verband wollte wissen:

Ist Bauen mit Beton nachhaltiges Bauen?

Wenn man das Karlsruher Institut für Technologie fragt – immerhin ein nationales Forschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft – muss die Antwort so lauten:

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Die Südwest Presse aus Ulm hat berechnet, dass das drei- bis viermal so viel ist, wie der gesamte weltweite Flugverkehr zu verantworten hat.

Teile der Zementwirtschaft haben sich – anders als die „Betonkopf-Lobbyisten“ vom Verein Deutscher Zementwerke – des Problems angenommen und sich an die Entwicklung von Alternativen gemacht. Eine heißt „Celitement“ – und die ist nur für halb so viel Kohlendioxid verantwortlich, wie herkömmlicher Zement verursacht.

Für wirklich nachhaltiges Bauen empfiehlt das Umweltbundesamt übrigens Holz. Mit diesem Baustoff wird nämlich Kohlendioxid für die Lebensdauer des Gebäudes „zwischengelagert“. Und danach kann es weiterverwendet werden. Ist gut für die Umweltbilanz, zumindest wenn das Holz aus nachhaltiger Bewirtschaftung stammt.

Herzlichen Dank an Josefine L. aus Bonn für den Hinweis!