Monatsarchiv für November 2019

EnBW: Der Zukunft hinterherhinken

Dienstag, den 5. November 2019

Heute geht es um die Windkraft. Und um Deutschlands drittgrößten Energiekonzern EnBW. Denn die Windkraft wird – O-Ton der „Energie Baden-Württemberg“  – „von künftigen Generationen empfohlen“:

Toll, toll, toll!
Strom aus erneuerbaren Energien!!
EnBW, bislang Kohle- und Atom-Konzern, sagt:

Tatsächlich ist dies nicht die erste Wind-Anzeige, mit der die EnBW auf dem Klima-Lügendetektor landet. 2015 beispielsweise schaltete der Konzern seine Windkraftkampagne just in jener Woche, in der sein größtes Kohlekraftwerk ans Netz ging: Die Tochter GKM betreibt seitdem in Mannheim fünf Steinkohleblöcke, deren jüngste mindestens bis zum Jahr 2038 eine gigantische Treibhausfracht verursachen. 6,7 Millionen Tonnen sollen es im vergangenen Jahr gewesen sein, mehr als der Staat Benin in Westafrika mit seinen gut 10 Millionen Einwohnern insgesamt zu verantworten hat.

In diesem Sommer blockierten deshalb Aktivisten die Kohlezufahrt in Mannheim, um das Abschalten der Anlage zu fordern. Überwiegend junge Leute übrigens, denn von künftigen Generationen wird ja – wie EnBW selbst sagt – Windkraft empfohlen.

Lassen wir aber dieses kohledreckige Kapitel des Konzerns, es geht ja um die Windkraft! Auf den Konzernseiten lesen wir:

Donnerwetter: 45.000 Megawatt! Das ist fast 50-mal so viel Leistung, wie besagter Kohleblock 9 des Großkraftwerks in Mannheim als Bilanz ausweist.

Und, EnBW, welchen Beitrag habt ihr zu dieser Windkraft-Rally geleistet?

Moment mal: insgesamt 470 Megawatt? Das ist doch gerade einmal 1 Prozent! Ihr habt mit einem Prozent zum Windkraft-Ausbau an Land beigetragen, jener Technologie, die „von künftigen Generationen empfohlen“ wird?

OK, EnBW sucht jetzt neue Flächen für die Windenergie, und dann gibt es ja auch neue Projekte, die geplant sind, weiterhin verfolgt, konsequent vorangetrieben werden oder in Bauvorbereitung sind. Und EIGENTLICH ist es ja die Windkraft auf hoher See, mit der es EnBW vor ein paar Jahren schon einmal auf unsere Seiten schaffte. Offshore also.

Tatsächlich ist es auch die Offshore-Technik, die Gegenstand der neuen EnBW-Anzeigenkampagne ist: 100 Kilometer nordwestlich von Helgoland baut der Konzern endlich den Windpark Albatros (genehmigt im Juli 2006) und den Windpark Hohe See (ebenfalls bereits im Juli 2006 genehmigt), allerdings nur zur Hälfte, denn 49,9 Prozent steuert der kanadische Konzern Enbridge Inc. bei.

Bei EnBW heißt es nun: Windparks,

Noch nämlich ist es nicht so weit, es soll erst Ende 2019 kommerziell mit der Stromernte auf der Nordsee losgehen.

Manche mögen das als pingelig bezeichnen, aber dahinter steckt System: sich grüner machen, als man ist. Denn noch nicht mal nach mehr als 13 Jahren Planungs- und Bauzeit ist die Aussage des drittgrößten Energiekonzerns Deutschlands zu seinen neuen Windparks bezüglich der Empfehlung durch die künftige Generation richtig:

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