Monatsarchiv für März 2009

Mercedes-Benz: Die neue Ineffizienz-Klasse

Donnerstag, den 26. März 2009

Auf der Haube ein glänzender Stern, am Heck die rote Laterne – Mercedes ist unter den großen deutschen Automarken jene mit der miesesten Klimabilanz: Neuwagen stießen im vergangenen Jahr durchschnittlich 189 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus, weit mehr als Audi mit 176 g/km oder BMW mit 160 g/km (der Nischenhersteller Porsche liegt mit 284 g/km jenseits von Gut und Böse).

Nun aber verkünden die Stuttgarter mit stolz geschwellter Brust den Aufbruch in eine neue Zeit. Bei der neuen E-Klasse, dem Rückgrat der Mercedes-Verkäufe, stehe das „E“ ab sofort für „Effizienz“.

Effizienz, das ist Nutzen pro Aufwand. Tatsächlich holen die Ingenieure beim Modell E 250 CDI dank doppelter Turboaufladung aus 2.143 Kubikzentimetern Hubraum 204 PS heraus. Sie kommen damit auf rund 95 PS pro Liter Hubraum. Und mit einem Verbrauch von 5,3 Liter Diesel auf hundert Kilometer (und CO2-Emissionen von 139 g/km) ist Mercedes endlich in vernünftigen Größenordnungen angekommen.

Ein Blick auf den vermeintlich kleineren Bruder E 200 CDI zeigt aber, wo die wahre Chance gelegen hätte: Dieses Modell kommt auf „nur“ 136 PS – der Motor aber hat exakt denselben Hubraum wie der 250er (ihm fehlt nur der zweite Turbolader). Auch Verbrauchs- und CO2-Werte sind identisch. Hätten die Stuttgarter Ingenieure beim 200er denselben technischen Aufwand betrieben wie bei ihrem Spitzenmodell, wären sie mit einem viel kleineren Motor ausgekommen – bei derselben Turboaufladung müssten die 136 PS aus 1,4 Liter herauszuholen sein. Verbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß wären entsprechend geringer. Das wäre dann wirklich

gewesen. So aber wurde wieder einmal eine Technik (hier die Doppelaufladung des Diesels) nur benutzt, um mehr Leistung bei gleichem Verbrauch zu erzeugen. Echte Effizienz aber wäre: gleiche Leistung bei weniger Verbrauch.

Wahrscheinlich hat die Mutlosigkeit der Mercedes-Entscheider auch mit dem hierzulande immer noch verbreiteten Macho-Autojournalismus zu tun. Auto Bild etwa mokiert sich über den E 200 CDI, das sei ein Wagen für „Fahrer, die es nicht eilig haben“ – bei 215 km/h Spitzentempo und einer Beschleunigung von nur gut 10 Sekunden (0-100 km/h)! Doch für Autor Wolfgang König reicht dies gerade, um den Status einer „Wanderdüne“ abzulegen.

P.S.: Das Fachmagazin auto, motor und sport hat für seine aktuelle Ausgabe den E 250 CDI getestet. Statt der großspurig beworbenen 5,3 Liter Diesel flossen auf hundert Kilometern durchschnittlich 8,5 Liter durch die Einspritzpumpe – satte 62 Prozent mehr als in der Annonce. Selbst bei äußerst sanfter Fahrweise nahm der Mercedes noch 6 Liter – ein Aufschlag von 13 Prozent. Aber in der Anzeige steht ja auch nur „ab“ 5,3 Liter…


Saubere Kohle: Dies ist die Realität

Dienstag, den 24. März 2009

Vor ein paar Wochen haben wir in die USA geschaut und darauf, wie die dortige Kohleindustrie und der Kraftwerksbauer General Electric in Internet- und TV-Werbespots gut Wetter zu machen versuchen für „Clean Coal“.

Nun versuchen vier große US-Umweltverbände mit denselben Mitteln zurückzuschlagen, denn gute Argumente sind wichtig, aber nicht allesUnter dem Motto „This is reality“ haben sie eine Website ins Netz gestellt und ebenfalls witzige Werbefilmchen produziert. Den vorerst letzten produzierten die Oscar-Preisträger Ethan and Joel Coen („No Country for Old Men“, „The Big Lebowski“ u.a.). „Wir sind begeistert“, so die Coen-Brüder in der Los Angeles Times, „Teil dieses wichtigen Projekts zu sein und eine andere Seite der Geschichte von der ’sauberen Kohle‘ zu zeigen.“

Hier ist der Spot:

„Es ist so sauber“, freut sich der Familienvater am Anfang des Spots. Darauf der gelackte Verkäufer: „Ist gewöhnliches ’sauber‘ für Ihre Familie sauber genug?“ Und überreicht das neue „Clean Coal Clean“, den neuen „Saubere Kohle-Reiniger“. Die Stimme aus dem Off erklärt: „Die Bezeichnung ‚Saubere Kohle‘ macht sich die wunderbare Stärke des Wortes ’sauber‘ zunutze – um es als sauberstes ’sauber‘ überhaupt erscheinen zu lassen.“ Und dann nochmal der Verkäufer: „Clean Coal wird unterstützt von der Kohleindustrie, der vertrauenswürdigsten Stelle in Sachen Kohle.“ – „In Wahrheit gibt es so etwas wie ’saubere Kohle‘ nicht“, schließt der Abspann.


EVO: Wirre Werbung für Elektroheizungen

Freitag, den 20. März 2009

Das ist Herr Barth. Herr Barth schreibt viele Briefe. Genauer gesagt bekommen viele Menschen in der ganzen Republik seinen Brief als Postwurfsendung. Zwei Seiten lang ist er, und oben drüber steht: „Warum Heizen mit Strom billiger ist“. Leider geht es im ganzen Brief dann nicht ein einziges Mal um Energiepreise – vielleicht, weil ein direkter Vergleich etwa mit Heizöl, Fernwärme oder Holzpellets in Wahrheit (jedenfalls in dieser Übersicht der Verbraucherzentrale NRW) zeigt, dass Strom extrem teuer ist. Eine möglicherweise billigere Anschaffung von Elektroheizern, so warnen Verbraucherschützer unisono, wird durch die hohen laufenden Kosten mehr als ausgeglichen.

Herr Barth preist in seinem Brief Teilspeicherheizungen der Firma EVO an – die mit „dem berühmten Speicherkern aus EVOLiT“! Wahnsinn, echt revolutionär, diese Mischung aus gutem alten Speckstein und Schamott! Unter Umwelt- und Verbraucherschützern ist EVO übrigens nicht für innovative Produkte berühmt, sondern für „sehr aggressive“ Werbung zugunsten von „Elektroheizungen, Nachtspeicheröfen, elektrische Radiatoren und andere Formen der Energieverschwendung“.

Werfen wir also einen Blick auf ein paar Passagen in Barths Brief:

Den ersten Satz, sorry, verstehen wir auch nach mehrmaligem Lesen nicht. Unter der im Brief angegebenen Telefonnummer haben wir Herrn Barth leider nicht erreicht, um ihn zu fragen, was er meint – eine nette Telefonistin bot uns lediglich die Zusendung eines EVO-Katalogs an. Am zweiten Satz stimmt lediglich, dass Strom verlustlos in Wärme umgewandelt werden kann – aber bei der Erzeugung des Stroms in den üblichen Atom- oder Kohlekraftwerken gehen in der Regel zwei Drittel der Energie als Abwärme verloren. Aus der Steckdose kommt nur etwa ein Drittel der Energie an, die im Kraftwerk verfeuert wurde – egal wie toll der Elektroheizkörper konstruiert ist, er bleibt immer Teil einer verschwenderischen Heiztechnologie. Und zum „vernünftigen Umgang mit Energie“ regen Stromöfen vielleicht wirklich an – weil sie im Betrieb so teuer sind.

Diese Passage ist ähnlich wirr: Die Frage des Umweltnutzens von Elektroautos entscheidet sich nicht an den Ladeverlusten der Bordbatterien, sondern die Art und Weise der Stromerzeugung. Aber das haben sie mit Elektroheizungen gemein. – Weiter gehts:

Ja, ja, stimmt schon, Herr Barth. Aber warum erwähnen Sie nicht die Umweltschäden, die beim Uranabbau entstehen? Die Energie, die beim heute üblichen Import von Steinkohle aus Australien oder Südafrika aufgewendet wird? Die schwefeligen Abgasfahnen der Schiffsdiesel? Klar, Strom KANN überwiegend mit heimischen Energien erzeugt werden – derzeit ist dies leider vor allem Braunkohle, der dreckigste Energieträger überhaupt. Und, Herr Barth, wenn Sie schon Transportverluste thematisieren: Die derzeit in Deutschland üblichen Großkraftwerke führen dazu, dass Strom über weite Strecken geleitet werden muss – und dabei geht im Netz natürlich eine Menge Energie verloren.

Genau, Strom kommt jederzeit und überall einfach so aus der Steckdose. Die Zukunft liegt jedenfalls nicht in der Möglichkeit, den wertvollen Strom in ineffizienten Elektroheizungen zu verbraten.

Danke an Michael M. und Andreas S. für die Hinweise

P.S.: Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat EVO kürzlich wegen zweifelhafter Aussagen abgemahnt. In Broschüren hatte die Firma unter anderem behauptet, Strom sei „das einzige Medium welches sich zu 100 % in Wärme wandeln lässt“ oder „Elektrisch heizen ist nicht teuer“.


BMW & Mini: Einäugige Klima-Könige

Sonntag, den 15. März 2009

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein großer Autokonzern und haben ein Versprechen gebrochen. Was tun Sie? Genau, Sie brüllen mit großen Buchstaben drüber hinweg – in der Hoffnung, niemand werde sich an das Versprechen erinnern.

Die „BMW Group“, zu der die Marken BMW und Mini gehören, hat in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung gleich drei ganze Anzeigenseiten geschaltet. Auf zweien werden die Modelle des Konzerns präsentiert, die weniger als 140 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Und vorgeschaltet ist noch dieses Motiv:

Das klingt prima. Und tatsächlich hat BMW in den vergangenen Jahren angefangen, sich endlich ernsthaft um den Treibhausgas-Ausstoß seiner Autos zu kümmern. 2006 hatte der Konzern in einer Studie des Brüsseler Umweltdachverbandes Transport&Environment noch als Vorletzter abgeschnitten (nur DaimlerChrysler war damals noch schlechter). Seitdem konnten die Münchner vor allem durch ihr breit eingeführtes Spritspar-Paket „Efficient Dynamics“ die Emissionen deutlich reduzieren – laut Annonce auf 158 g/km.

Der Haken an dem Selbstlob: BMW hatte sich für 2008 eigentlich ein ganz anderes Ziel gesetzt. Gucken wir nochmal kurz in die „Freiwillige Selbstverpflichtung“, die der Konzern als Mitglied des Europäischen Autoindustrie-Verbandes ACEA 1998 feierlich unterzeichnete (um bindende EU-Vorschriften abzuwenden). BMW habe

ist dort zu lesen. Zu Deutsch: BMW werde jede Anstrengung unternehmen, das Ziel von 140 g/km bis 2008 zu erreichen. Den hehren Worten folgten dann jahrelang kaum Taten. Zu übermäßigem Stolz für letztlich erreichte 158 g/km haben BMW und Mini deshalb eigentlich keinen Grund. Aber klar, die Konkurrenz von Audi, Mercedes und VW steht in Sachen Klimaschutz noch mieser da. Und unter den Blinden ist der Einäugige bekanntlich König.


Johannes B. Kerner: Kein gutes Beispiel

Freitag, den 13. März 2009

Johannes B. Kerner hat gestern eine „ökologisch verträgliche Sendung“ zum Thema Klima gemacht und ist damit laut ZDF-Internetseite „mit gutem Beispiel“ vorangegangen. Das Catering war „Bio, aus der Region und jahreszeitgemäß“, und als besonderen Clou schaltete die Studiotechnik nach zehn Minuten die Studiobeleuchtung auf Neonröhren um, womit der Energieverbrauch angeblich auf ein Zweihundertstel des Üblichen sank.

Kerner wirkte fortan, ebenso wie seine Gäste, etwas bläulich. Mit Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, dem Klimaforscher Mojib Latif und dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer plauderte der nette Talkmaster dann darüber, was jeder Einzelne für den Klimaschutz tun kann – zum Beispiel Ökostrom beziehen, über Atmosfair die Klimaschäden von Flugreisen kompensieren und weniger Fleisch essen, weil für den Anbau von Soja als Futtermittel Regenwälder in Südamerika abgeholzt werden.

Eine schöne Idee, solch eine Sendung zu machen! Deshalb nur ein kleiner Hinweis: Wenn Kerner das mit dem Klima auch nur ein bisschen ernst nimmt und einigermaßen glaubwürdig sein möchte, möge er doch künftig darauf verzichten, sein ohnehin ordentliches ZDF-Gehalt mit Werbung für ökologisch fragwürdige Firmen und Produkte aufzustocken, wie zum Beispiel für

- Air Berlin, Deutschlands zweitgrößte Fluglinie, das die Einbeziehung des klimaschädlichen Luftverkehrs in den Emissionshandel ebenso ablehnt wie Angebote an seine Passagiere, zumindest freiwillig einen Teil der beim Flug entstehenden Klimaschäden zu kompensieren,

- den Geflügelwursthersteller Gutfried, der an seine Puten Soja verfüttert, das vermutlich nicht in Deutschland angebaut wird (es stamme aus „deutschen Futtermühlen“, versichert Gutfried auf seiner bunten Firmenhomepage, aber angebaut und geerntet wird es sicher ganz woanders)

oder

- das Tafelwasser Bonaqa vom Coca-Cola-Konzern. Dieses aber ist gewöhnliches Leitungswasser der regionalen Wasserwerke, das von dem Konzern lediglich in zentralen Anlagen in Plasteflaschen gefüllt und mit dieselverschwendenden Liefer-Lkw zum Kunden gebracht wird, der dafür dann teures Geld bezahlt – weshalb das Manager-Magazin Bonaqa als „großen Schmu“ bezeichnet.


Audi S4: Abrüstung in Trippelschrittchen

Dienstag, den 10. März 2009

Etwas Gutes hat die Krise – offenbar achten die deutschen Autokäufer endlich etwas stärker auf den Verbrauch. Die Hersteller von Kleinwagen fahren Sonderschichten, die rumänische Renault-Tochter Dacia und der tschechische VW-Ableger Skoda melden Rekordverkäufe. Bei Ford in Köln wurde die ankündigte Kurzarbeit abgesagt – weil sich die Modelle Ka, Fiesta und Fusion viermal so gut verkaufen wie vor einem Jahr.

Anders als Dacia, Ford und Skoda schaltet Audi derzeit teure Werbeanzeigen – zum Beispiel eine Doppelseite im aktuellen stern (Listenpreis: 112.800 Euro plus MwSt.):

Anscheinend ist man bei Audi hin- und hergerissen: Einerseits haben sich die Ingolstädter in den vergangenen Jahren so sehr auf sportliche Boliden festgelegt, dass ein ökologischer Kurswechsel ohne Schaden am Markenimage kaum möglich ist. Andererseits ist klar, dass es nicht mehr weitergeht wie bisher. Von Modellreihe zu Modellreihe hatten die Audi-Limousinen bei PS-Zahl, Fahrzeuggewicht, Geschwindigkeit und Leistung zugelegt. Am Ende dieses Rüstungswettlaufs standen beim S4 (der Sportversion der A4-Baureihe) 8-Zylinder-Ungetüme mit fast 350 PS und einem exorbitantem Kohlendioxid-Ausstoß von bis zu 321 Gramm pro Kilometer.

„Es ist ein Trugschluss zu meinen, die ganze Welt werde nur noch Kleinwagen fahren“, hatte Audi-Chef Rupert Stadler letzte Woche in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung gefrotzelt. Ein Kleinwagen ist der neue S4 wahrlich nicht. Und „weniger“ meint bei diesem Fahrzeug eine Kürzung um elf Pferdestärken (auf „nur“ noch 333 PS) und zwei Zylinder (auf sechs). Der großspurig beworbene Audi ist jetzt zwar zehn Kilogramm leichter als sein Vorgänger, mit gut 1,7 Tonnen aber immer noch 200 Kilogramm schwerer als ein S4 aus dem Jahr 1998.

Und der Spritverbrauch? Der Nach Audi-Angaben soll er um 3,6 auf 9,7 Liter pro hundert Kilometer gesunken sein – im Test der Zeitschrift auto, motor, sport allerdings schluckte der Wagen 14,1 Liter (deutlich mehr übrigens als der gleichfalls getestete und ebenso „sportliche“ BMW 335i). Zur Klimaschädlichkeit sagt das Kleingedruckte der Annonce

Klar, das ist weniger als beim Vorgänger – aber immer noch knapp das Doppelte des künftigen EU-Richtwerts von 120 Gramm Kohlendioxid. Dafür mit dem Wort „weniger“ zu werben – das ist, tja, frech? Jedenfalls ist es so, als würde ein Hersteller völlig überzuckerter Limonaden ein etwas kalorienreduziertes Getränk als Diät-Produkt anpreisen. Oder, um im oben schon einmal gewählten Rüstungsbild zu bleiben, als würde ein Staat sich für das Abwracken einiger Panzer loben – aber auch weiterhin eine waffenstarrende Armee unterhalten.

Danke an Christian B. aus Leipzig für den Hinweis


Luftfahrtstandort Hamburg: Fasziniert schweigen

Freitag, den 6. März 2009

Unter dem Motto Faszination Fliegen bietet eine „Initiative Luftfahrtstandort Hamburg“, ein Zusammenschluss von Unternehmen wie Airbus und Lufthansa sowie Behörden und Hochschulen in der Hansestadt, derzeit wieder eine Vorlesungsreihe für Kinder an.

Folgende Themen stehen in diesem Jahr auf dem Programm:

  • „Warum und wie fliegt ein Flugzeug?“
  • „Wie steuere ich ein Flugzeug?“
    und
  • „Woraus besteht ein Flugzeug?“

In der Ankündigung zur Vorlesung „Wie lebe ich in 10.000 Metern Höhe“? heißt es:

Wir finden die Idee, Kindern die Welt des Fliegens zu erklären, richtig klasse! Allerdings fehlen doch noch einige spannende Vorlesungsthemen, zum Beispiel:

Als weiterführendes Angebot würde bestimmt auch folgendes Thema die jungen Hamburgerinnen und Hamburger faszinieren:

Der Ankündigungstext könnte dann so lauten:

„Immer mehr Kinder werden zu Klimaflüchtlingen. Sie reisen mit den Eltern oder manchmal auch allein durch die weite Welt, weil immer mehr und schwerere Flut- und Dürrekatastrophen ihre Heimat zerstört haben. Allerdings reisen sie nicht mit dem Flugzeug, weil sie dafür kein Geld haben. Während andere Menschen Spaß haben und sich auf ihre nächste Flugreise freuen, müssen sie sich in einer ungewohnten Umgebung zurechtfinden, in der es ganz anders ist als zu Hause. Wir erklären, wie das alles zusammenhängt!“

P.S.: Die Luftfahrt-Initiative veranstaltet jetzt auch einen Mal- und Bastelwettbewerb Wie würde euer ‚grünes’ Flugzeug aussehen? Ein „grünes“ Flugzeug? Was soll das sein? Und warum tauchen auf der zugehörigen Internetseite Wörter wie Klimawandel und Umweltschutz nirgends auf? Auf Nachfrage lud uns ein Sprecher zum nächsten Vortrag ein und erklärte, das „Weiterentwicklungsprogramm des Luftfahrtclusters in Hamburg und der Strategie des ‚neuen Fliegens‘“ beziehe sich „auch auf die Zunahme des Flugverkehrs und die Reduzierung der Emissionen“. Die Idee der Vorlesungsreihe für Kinder sei „ein Zeichen dafür, dass der Luftfahrtstandort Hamburg die Probleme der Luftfahrtindustrie bewusst behandelt.“ Toll.


Genfer Autosalon: The same procedure …

Dienstag, den 3. März 2009

… as every fair. Die Autoindustrie sieht sich durch Klimakollaps, Ressourcenknappheit und Wirtschaftskrise bedroht – und sie tut: nichts. Wie ein verängstigtes Tier stellt sich ein ganzer Wirtschaftszweig tot, statt mit zukunftsfähigen Produkten sein Überleben zu sichern.

Aber der Reihe nach. Jedes Jahr trifft sich die Branche zum Autosalon in Genf, jedes Jahr gibt es reihenweise Ankündigungen grüner Autos. Aber jedes Jahr ist es dasselbe, wenn man genauer hinschaut: Volkswagen hat heute am Vorabend der Messe in Genf seinen neuen Polo präsentiert. Ein Massenauto wie dieses ist für die deutsche Klimabilanz wirklich relevant. Und, was macht VW? Die Wolfsburger zelebrieren wieder mal den Grundfehler der Branche: Statt technologische Fortschritte zur Senkung von Emissionen und Verbrauch zu nutzen, wird die Leistung bei gleichem Verbrauch gesteigert. Am Ende steht beispielsweise der neue Polo TSI, auf dessen offizielle 129 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer VW auch noch stolz ist. Dabei liegt dieser Wert nicht nur über dem EU-Ziel für 2012 und der ab Juli hierzulande geltenden Schwelle für die Kfz-Steuerbefreiung (beide 120 g CO2/km), sondern der TSI steht auch noch schlechter da als der Basis-Polo (128 g CO2/km). Ganz davon abgesehen, dass der neue Polo heute etwa so groß und schwer ist wie einst der Golf. Ach so, der neue Spar-Polo BlueMotion (87 g/km) wurde in Genf erst als „Studie“ präsentiert – lieferbar ist er erst in einem Jahr.

Dasselbe Prinzip findet sich bei den Hybridautos aus deutscher Produktion. Die gibt es zwar noch nicht zu kaufen, sie werden der Presse aber bereits zur Probefahrt gestellt. Beispiel Porsche Cayenne und VW Touareg: Hier wird der alte Motor in der Leistung gesteigert und mit einem Elektromotor kombiniert. Das Ergebnis sind fast 400 PS insgesamt, die über 2,5 Tonnen Ballast noch schneller fortbewegen können. Ein Downsizing in allen Bereichen – also die gezielte Reduktion von Gewicht, Fahrzeuggröße und Motorleistung – findet nicht statt.

Dasselbe gilt für Elektroautos, die in Genf gar in einem „grünen Pavillon“ gefeiert werden: Energie ist und bleibt ein knappes Gut. Selbst mit Strom aus Wind oder Sonne wird es darum niemals sinnvoll sein, zwei Tonnen Blech im Renntempo auf ICE-Geschwindigkeit zu beschleunigen. Bei vielen ihrer elektrischen Visionen wiederholt die Autoindustrie ihre Fehler – unnötig groß, schwer und stark. Ändert sich das nicht bis zur Serienproduktion, bleiben Elektroautos das, was sie jetzt sind: ein Feigenblatt fürs grüne Gewissen und ein Ablenkungsmanöver zur Vertuschung der klimakillenden Bestseller vom laufenden Montageband.