Archiv des Schlagwortes ‘Air Berlin’

Air Berlin: Das Kerosinsparwunder und die Details

Donnerstag, den 4. Oktober 2012

Toll! 3,5 Liter auf 100 Kilometer sind doch wirklich gut! Vor allem, wenn es sich nicht um einen Kleinwagen handelt, sondern ein ausgewachsenes Flugzeug. Air Berlin, die (noch) von dem früheren Bahnchef Hartmut Mehdorn gemanagte Airline, wirbt gerade in großen Anzeigen mit der Ökoeffizienz ihrer Flugzeugflotte. Schlappe 3,5 Liter pro 100 Passagierkilometer schlügen bei Air Berlin spritmäßig zu Buche, heißt es. Damit sei die Fluggesellschaft so „ökoeffizient wie kein anderer Netzwerk-Carrier in Europa“. Super, denkt sich der von seinem schlechten grünen Gewissen geplagte Leser, da könnte man ja vielleicht doch wieder etwas öfter in den Flieger steigen.

Noch stolzer als auf den Kerosinverbrauch seiner Flotte ist Air Berlin offenbar auf ÖkoGlobe, den, wie es auf der dazugehörigen Homepage heißt,  „ersten internationalen Umweltpreis für Mobilität“. Wie, Sie haben auch noch nichts von dem Preis gehört? Das liegt vielleicht daran, dass er von drei Firmen mit sagenhafter Öko-Kompetenz finanziert wird, der Versicherung DEVK, dem TÜV Rheinland und dem Finanzverlag (u.a. Euro am Sonntag). Ins Leben gerufen wurde der Preis von dem Kölner Aktionskünstler HA Schult, der vor langer Zeit einiges Aufsehen erregte, als er auf das Kölner Stadtmuseum ein Auto mit goldenen Flügeln setzte, um, wie er erklärte, auf den „Fetisch Auto“ aufmerksam zu machen. Ach ja, Wikipedia erinnert uns daran, dass Schult 2009 für eine Fortsetzung von Angela Merkels Kanzlerschaft warb.

Nun, jenseits irgendwelcher Preise bemüht sich Air Berlin offenbar wirklich um Effizienz. Das hat auch die Klima-Ausgleichsagentur Atmosfair herausgefunden, in deren Umweltranking es Air Berlin dieses Jahr immerhin auf Platz 13 (von 125 Fluggesellschaften) schaffte. Im Internet listet Air Berlin eine ganze Latte ökologischer Maßnahmen auf: höhere Reiseflughöhe, größere Genauigkeit beim Landeanflug, Leichtbausitze zur Gewichtsverringerung und ein papierarmes Cockpit (Flugkarten und Bord-Handbücher werden auf Computern angezeigt). Außerdem sei die eigene Flugzeugflotte mit fünf Jahren viel jünger als die der meisten Konkurrenten (globaler Durchschnitt: 14 Jahre).

So weit, so gut. Allerdings gibt es da schon noch ein paar Details, die Air Berlin verschweigt. Denn gute Werbung lügt nicht, wie regelmäßige Leserinnen und Leser wissen, sondern lässt einfach Dinge weg. Zur Wahrheit der„ökoeffzienten“ Fliegerei gehört nämlich auch, dass sich Verbrennungsabgase von Flugzeugen in großer Höhe weitaus schädlicher aufs Klima auswirken als etwa solche von Autos am Boden. Und zwar deshalb, weil beim Fliegen unter anderem Kondensstreifen und Zirruswolken (Eiswolken) entstehen, die in viel beflogenen Regionen oft den ganzen Himmel bedecken können und verhindern, dass Wärme von der Erdoberfläche in den Weltraum zurückgestrahlt wird. Sie vergrößern somit den Treibhauseffekt, der durch die Verbrennung des Kerosins allein entsteht. Um die wirkliche Klimawirkung abzuschätzen, muss der Spritverbrauch von Flugzeugen deshalb mit dem sogenannten RFI-Faktor multipliziert werden. Atmosfair nimmt dafür die Zahl 2,7 an, laut Umweltbundesamt ist der gesamte „Strahlungsantrieb“ (Klimaeffekt) des Luftverkehr sogar drei bis fünf mal so groß sei wie der reine CO2-Effekt.

Aber eine derart komplizierte Erläuterung passt natürlich schlecht in eine Werbeanzeige.

So bleibt die Suggestion, Flugzeuge seien nicht schlimmer fürs Klima als ein total ökoeffizientes Auto. Dass ist natürlich Quatsch, zumal mit dem Flugzeug viel weitere Strecken zurückgelegt werden als mit einem Kleinwagen: Schickte man ein Auto mit Durchschnittsverbrauch von 3,5 l/100 km auf die 6.380 Kilometer weite Reise nach New York und zurück, käme sowieso ganz schön was zusammen an Abgasen. Inklusive RFI-Faktor ermittelt der Atmosfair-Ausgleichsrechner sogar 4.260 Kilogramm CO2-Äquivalentdas „klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen“ liegt bei gerade mal 3 000 Kilogramm.


Mehdorn/Air Berlin: Hoffentlich nicht Alzheimer

Freitag, den 2. März 2012

Früher war Hartmut Bahnchef Mehdorn ganz auf Linie von Angela Merkel (CDU). „Fliegen muss teurer werden“, hatte Bundesumweltministerin Merkel in einem Bild-Interview 1997 erklärt: „Wir machen das Auto zum Umwelt-Buhmann und vergessen die katastrophalen Auswirkungen durch den zunehmenden Luftverkehr.“

Das sah Hartmut Bahnchef Mehdorn früher genauso: Die Luftfahrtgesellschaften seien von steuerlichen Belastungen „vollständig befreit“, sagte der Bahnmanager 2008 im Interview mit der Leipziger Volkszeitung. Und weiter:

In der Tat: Die Bahn muss Mehrwertsteuer zahlen, die Fluglinien bei allen Flügen ins Ausland aber nicht. Die Bahn muss Treibstoffsteuer zahlen, die Airlines auf Kerosin aber nicht. Die Bahn muss Ökosteuer abführen, die Fluglinien aber nicht. Sogar geklagt hatte die Bahn gegen diesen „verkehrs- und klimapolitischen Unsinn“ vor dem höchsten Gericht der Europäischen Union. Die Richter entschieden aber, dass die geltende Steuerbefreiung nicht gegen EU-Recht verstößt. Mehdorn musste eine schwere Niederlage hinnehmen.

Bekanntlich hat sich die Rechtslage aber mittlerweile geändert: Kanzlerin Angela Merkel führte im vergangenem Jahr die Luftverkehrsabgabe ein. Alle Flugzeuge, die in Deutschland starten und landen, zahlen je nach Entfernung pro Passagier acht, 25 oder 45 Euro. „Fliegen muss teurer werden“, weshalb Deutschland auch den Klima-Plänen Brüssels zustimmte: Seit Januar 2012 sind die Airlines zudem auch noch zur Teilnahme am Emissionshandel verpflichtet.

Bekanntlich hat sich auch das Beschäftigungsverhältnis von Hartmut Bahnchef Mehdorn geändert. Nach einem Datenskandal musste Mehdorn 2009 das „Bahnchef“ aus seinem Namen streichen. Im vergangenen Herbst heuerte Mehdorn bei Deutschlands zweitgrößter Fluglinie Air Berlin an. Nun sagt er zum Thema „Fliegen muss teurer werden“ in der Berliner Morgenpost :


Weiterhin war zu lesen:


Dass es Mehdorn ernst mit seinem „Kampf“ meint, machte er am Tag danach deutlich: Gemeinsam mit Lufthansa-Chef Christoph Franz  und dem Präsidenten des Luftverkehrsverbandes Klaus-Peter Siegloch trat er vor die Hauptstadt-Presse, um zu lobbyieren. Der Tagesspiegel titelte am Freitag:

Der Ex-Harmut Bahnchef Mehdorn holt sich zur Verstärkung jene, die er einst bekämpft hat?

Natürlich, der Mann ist schon alt, Ende Juli wird er siebzig Jahre. Air Berlin-Kunden sei aber gewünscht, dass Mehdorn nicht an einer dieser fiesen Alterskrankheiten wie Demenz oder Alzheimer leidet. Oder ist Hartmut Mehdorn einfach nur eine neue Illustration der alten Volksweisheit: „Wes‘ Brot ich fress, dess‘ Lied ich sing“?

P.S.: Seit Anfang Oktober ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2012 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


Johannes B. Kerner: Kein gutes Beispiel

Freitag, den 13. März 2009

Johannes B. Kerner hat gestern eine „ökologisch verträgliche Sendung“ zum Thema Klima gemacht und ist damit laut ZDF-Internetseite „mit gutem Beispiel“ vorangegangen. Das Catering war „Bio, aus der Region und jahreszeitgemäß“, und als besonderen Clou schaltete die Studiotechnik nach zehn Minuten die Studiobeleuchtung auf Neonröhren um, womit der Energieverbrauch angeblich auf ein Zweihundertstel des Üblichen sank.

Kerner wirkte fortan, ebenso wie seine Gäste, etwas bläulich. Mit Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, dem Klimaforscher Mojib Latif und dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer plauderte der nette Talkmaster dann darüber, was jeder Einzelne für den Klimaschutz tun kann – zum Beispiel Ökostrom beziehen, über Atmosfair die Klimaschäden von Flugreisen kompensieren und weniger Fleisch essen, weil für den Anbau von Soja als Futtermittel Regenwälder in Südamerika abgeholzt werden.

Eine schöne Idee, solch eine Sendung zu machen! Deshalb nur ein kleiner Hinweis: Wenn Kerner das mit dem Klima auch nur ein bisschen ernst nimmt und einigermaßen glaubwürdig sein möchte, möge er doch künftig darauf verzichten, sein ohnehin ordentliches ZDF-Gehalt mit Werbung für ökologisch fragwürdige Firmen und Produkte aufzustocken, wie zum Beispiel für

- Air Berlin, Deutschlands zweitgrößte Fluglinie, das die Einbeziehung des klimaschädlichen Luftverkehrs in den Emissionshandel ebenso ablehnt wie Angebote an seine Passagiere, zumindest freiwillig einen Teil der beim Flug entstehenden Klimaschäden zu kompensieren,

- den Geflügelwursthersteller Gutfried, der an seine Puten Soja verfüttert, das vermutlich nicht in Deutschland angebaut wird (es stamme aus „deutschen Futtermühlen“, versichert Gutfried auf seiner bunten Firmenhomepage, aber angebaut und geerntet wird es sicher ganz woanders)

oder

- das Tafelwasser Bonaqa vom Coca-Cola-Konzern. Dieses aber ist gewöhnliches Leitungswasser der regionalen Wasserwerke, das von dem Konzern lediglich in zentralen Anlagen in Plasteflaschen gefüllt und mit dieselverschwendenden Liefer-Lkw zum Kunden gebracht wird, der dafür dann teures Geld bezahlt – weshalb das Manager-Magazin Bonaqa als „großen Schmu“ bezeichnet.


Lufthansa & Co: "umweltschonende Flugzeuge"

Dienstag, den 11. März 2008

Preisfrage: Was ist ein „umweltschonendes Flugzeug“?

a.) ein Flugzeug, dessen Abgase nicht mehr zum Treibhauseffekt beitragen

b.) ein Flugzeug, das die Klimaschäden durch den Luftverkehr insgesamt senkt

c.) oder ein Flugzeug, das lediglich weniger Abgase ausstößt als ältere Flugzeuge

Na ja, wenn wir so fragen, können Sie sich die „richtige“ Antwort sicherlich denken. Jedenfalls können Sie sich denken, was der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) auf der am Wochenende zu Ende gegangenen Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin als großen Fortschritt gefeiert hat: dass nämlich die deutschen Airlines „neue, umweltschonende Flugzeuge“ kaufen. „Die Investition in moderne Technik stellt für uns eine wichtige Säule im Umweltschutz dar, um auf dem direkten Weg Emissionen einzusparen“, so BDF-Geschäftsführerin Tanja Wielgoß auf der ITB. Für insgesamt 20 Milliarden Euro haben demnach Lufthansa, Air Berlin & Co derzeit neue Flugzeuge bestellt.

Für das Klima ist das eigentlich eine Hiobsbotschaft – denn die Fluggastzahlen wachsen seit Jahren dramatisch, sowohl in Deutschland als auch weltweit. Schon heute trägt die Luftfahrtbranche mit bis zu neun Prozent zum weltweiten Treibhauseffekt bei (zwar liegt ihr Anteil am globalen CO2-Ausstoß nur bei etwa drei Prozent, wie Flug-Lobbyisten gern schönrechnen, aber in den oberen Schichten der Atmosphäre richten die Flugzeugabgase etwa dreimal so viel Klimaschaden an wie am Boden).

Kürzlich hat Airbus seine Marktprognose nach oben korrigiert: In knapp 20 Jahren werde sich demnach der weltweite Flugverkehr verdreifachen, mehr als 24.000 neue Flugzeuge würden dann benötigt. Gleichzeitig kündigt Airbus an, dass man bis 2020 den Kohlendioxid-Ausstoß pro Passagier halbieren wolle.

Zweite Preisfrage: Um wieviel Prozent wird unterm Strich in diesem Zeitraum die ABSOLUTE Klimabelastung durch den Flugverkehr steigen - mit „umweltschonenden Flugzeugen“?