Archiv des Schlagwortes ‘Erneuerbare Energien’

Brigitte Zypries: Auf zu vier Prozent!

Sonntag, den 5. Februar 2017

Das kann Brigitte Zypries gar nicht gewollt haben! Oder vielleicht doch? Gerade eine Woche im Amt, feiert die neue Bundeswirtschaftsministerin die Energiewende schon als „unsere Erfolgsgeschichte“:

20 Seiten Erfolgsbilanz über 25 Jahre Klimaschutz in Deutschland (unter anderem als Beilage in der Süddeutschen Zeitung und der taz)!

Na, dann gucken wir doch mal, was die bisherige Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, zuständig für die Bereiche IT, Luft- und Raumfahrt, weiß, was wir nicht wissen:

Wow!

25 Jahre bundesdeutsche Klimaschutz-Politik, der Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft und der „kontinuierliche Ausbau der erneuerbaren Energien“ haben eine Treibhausgas-Reduktion von 27 Prozent gebracht! Das ist ja sogar mehr als 1 Prozentpunkt jedes Jahr!!!

Brigitte Zypries weiter:

Um unser Klimaziel zu schaffen, müssen wir jetzt lediglich noch 4 Prozentpunkte Treibhausgas pro Jahr einsparen. Also nur noch 4 Prozentpunkte jedes Jahr. Sozusagen JÄHRLICH 4 Prozentpunkte. Viermal mehr als zuletzt. (Eigentlich sogar 5 Prozentpunkte, denn wir wollen ja in den kommenden Jahren auch noch die treibhausgasarmen AKWs stillegen, in diesem Jahr den Block Gundremmingen B und 2019 das Atomkraftwerk Philippsburg.)

Denn obwohl die Energiewende ja so eine Erfolgsgeschichte ist – die Treibhausgasemissionen sind seit 2014 nur noch gestiegen!

4 Prozentpunkte Treibhausgas-Reduktion jährlich: Würden wir 2017 wirklich um 4 Prozentpunkte reduzieren, kämen wir auf minus 31 Prozent gegenüber 1990.

Minus 4 Prozentpunkte im Jahr 2018 würden Deutschland auf ein Reduktionsniveau von 35 Prozent bringen. Gelängen 2019 auch noch einmal 4 Prozentpunkte Reduktion, wäre das deutsche Klimaziel gerissen: Bis 2020 wären dann nur 39 Prozent der deutschen Emissionen eingespart. Obwohl doch 40 Prozent versprochen waren.

Die deutsche Energiewende wäre dann eben keine Erfolgsgeschichte, sondern die jahrelange Fortschreibung politischen Versagens. Sigmar Gabriel (SPD) hat sich dessen genauso schuldig gemacht wie Philipp Rösler, Rainer Brüderle, Karl-Theodor zu Guttenberg oder Michael Glos. Rein statistisch gesehen haben diese Herren jährlich 1 Prozentpunkt Treibhausgase eingespart.

Brigitte Zypries müsste ihre Anstrengungen vervierfachen, sollte

werden genauso wie das deutsche Klimaziel.

Nun: Geben wir ihr die Gelegenheit!

Herzlichen Dank für den Hinweis
an Wilfried C. aus Ulm und Konstanze B. aus Hof!


Sigmar Gabriel: Mit Sprache verstecken

Freitag, den 3. Juni 2016

Jedes Handwerk setzt Talente oder Tugenden voraus, die bestimmen, wie erfolgreich jemand seinen Beruf ausüben wird. Uhrmacher müssen zum Beispiel unglaublich geduldig sein, Klavierstimmer ein ausgezeichnetes Gehör besitzen, Bauern den Mutterboden lieben.

In der Politik ist eines dieser bestimmenden Talente die Sprache: Um für die eigenen Positionen zu werben, sind klug vorgetragene Argumente genauso hilfreich wie dafür, dem Wahlvolk politische Entscheidungen zu erklären und um sein Verständnis zu werben.

Insofern muss zu denken geben, was Bundesenergieminister Sigmar Gabriel (SPD) zum Ausbau der erneuerbaren Energien sagt:

„Das sind keine jungen Welpen mehr, die Welpenschutz brauchen, sondern das sind ziemlich flinke Jagdhunde, die jetzt am Markt in Ausschreibungen zeigen müssen, dass sie sich dem Wettbewerb stellen. Das ist, glaube ich, dringend nötig, denn am Ende des Tages wollen wir die effizienteste Form von Technologie und Standorten fördern und damit auch die kostengünstigste.“

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Sie verstehen den Gedankengang Welpenschutz – Jagdhund – Ausschreibung – effizienteste Form nicht?

Es geht um das neue EEG, das Erneuerbare-Energien-Gesetz: Am Mittwoch hatte sich die Regierung mit den Bundesländern getroffen, um über die strittigen Punkte zur neuen EEG-Novelle zu beraten. Das hatte ganz schön lange gedauert. Okay also, vielleicht war Sigmar Gabriel nicht mehr ganz frisch, als er mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und zwei Länderchefs die Kompromisse dem Wahlvolk vorstellte.

Aber Sigmar Gabriel ist der erste Bundesminister für Wirtschaft und Energie, bis dahin gab es entweder Bundeswirtschaftsminister oder Bundesminister für Wirtschaft und Technologie (und einmal ganz kurz einen für Wirtschaft und Arbeit). Insofern ist dem Politiker Gabriel also der Energiebereich offenbar besonders wichtig. Schalten wir also nochmal rein, in seine Argumentation ab Minute sieben:

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… „heute einen Prozess in Gang gesetzt haben, bei dem wir jedenfalls dadurch, dass wir die Infrastruktur und den Ausbau der Erneuerbaren in ein Verhälnis bringen, dafür sorgen, dass in Zukunft wir nicht steigende Kosten dadurch haben, dass wir zwar erneuerbaren Strom produzieren, den aber nicht an die Kunden bringen können und dann hinterher den Strom zweimal bezahlen – einmal für den, der den Strom produziert, und einmal für den, für den wir uns den Strom sozusagen von der Ersatzbank holen müssen, damit er am Ende die Versorgsorgungssicherheit garantiert …“

Verstehen Sie nicht?

Sollen sie auch gar nicht. Denn das ist die zweite Kunst, die Politiker mit der Sprache können müssen: Schwindeleien verstecken. Sigmar Gabriel spricht in der Passage nämlich mit „heute einen Prozess in Gang gesetzt“ den Netzausbau an, den er bereits 2009 „heute in Gang gesetzt“ hatte.

Damals hatte das Bundeskabinett das Energieleitungsausbaugesetz verabschiedet. Gabriel war damals Bundesumweltminister und sah in dem Gesetz einen „wichtigen Schritt für die überfällige Modernisierung des deutschen Elektrizitätsnetzes“. Durch das Gesetz sollten Plan- und Genehmigungsverfahren für besonders leistungsfähige Stromnetze beschleunigt werden.

Leider war das Gesetz so schlecht, dass es nicht voranging mit dem Netzausbau, weshalb die nächste Regierung dann 2011 das „Netzausbaubeschleunigungsgesetz Übertragungsnetz“ beschließen musste. Leider brachte das auch keinen Fortschritt beim Netzausbau, weshalb Gabriel im Juli 2015 – dann als Bundesenergieminister – der Energiewende ein „festes Uhrwerk“ geben musste: „Wir haben heute ein ziemlich großes Kind der großen Koalition geboren, deswegen hat es auch zweimal neun Monate gedauert“, sagte Gabriel zum Eckpunktepapier.

Was aber auch keine neuen Leitungen zur Folge hatte. Deshalb gibt es im neuen EEG nun neben den Ausschreibungen eine zweite große Veränderung, wie Gabriel bei Minute 9:50 sagt: „Eine Synchronisation vom Ausbau der Erneuerbaren mit dem Netzausbau.“

Im Klartext: Weil es die Politik nicht schafft, Platz für Erneuerbaren-Strom im Netz zu schaffen, wird jetzt der Ausbau von Sonne, Wind und Biomasse gedrosselt. Das soll am 8. Juni vom Bundeskabinett so beschlossen werden.

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2016 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER.


Neues aus dem Fundus (III): Seehofers Bremse

Sonntag, den 25. Oktober 2015

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) fordert eine Strompreisbremse. Er werde das Thema in Berlin auf die Agenda setzen, kündigte Seehofer via Süddeutsche Zeitung an. „Es kann nicht sein, dass der Strom an der Börse immer billiger wird und gleichzeitig der Staat mit seinen Maßnahmen dafür sorgt, dass der Strompreis für den Endverbraucher immer weiter steigt“, sagte der CSU-Chef. „Deshalb haben wir uns entschlossen, massiv für eine Strompreisbremse einzutreten.“

Strompreisbremse?

Da klingelt was bei uns! Lesen Sie mal:

 

»Im Handelsblatt erschien am Freitag ein Kommentar von Rainer Brüderle, der als Spitzenkandidat der FDP im Bundestagswahlkampf das liberale Zugpferd spielen soll.

Überschrift:

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Nein, es geht nicht um Jürgen W. Möllemann, den Brüderle zu dessen Lebzeiten nicht sonderlich mochte: Beim Vor-Vorgänger des aktuellen FDP-Zugpferdes war ja irgendwas mit der Reißleine, die nicht gezogen wurde, weshalb Möllemann einen ziemlich harten Aufprall mit dem Leben bezahlte.

Brüderle geht es nicht um Fallschirmflug, sondern um die Energiewende. „Der Bundesumweltminister warnt die Umweltminister der Länder zu Recht davor, dass die Kosten für die Förderung der Erneuerbaren ohne die Strompreisbremse ungebremst weiter steigen“, schreibt der einstige Wirtschaftsminister. Tausende Betriebe in Deutschland seien schon jetzt betroffen. „Die deutschen Energiepreise sind so hoch wie kaum irgendwo auf der Welt. Energieintensive Unternehmen verlagern bereits Arbeitsplätze ins Ausland.“

Weiter heißt es:

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Um Gottes Willen: Es geht ans Eingemachte! Unser Wohlstand ist bedroht, und zwar von den Wurzeln her! Und wer die Reißleine nicht zieht, endet erwiesenermaßen wie Jürgen W. Möllemann!

Keine Bange, liebe Leser, Rainer Brüderle lügt wie gedruckt. Tatsächlich nämlich sind die Strompreise in Deutschland derzeit so niedrig wie lange nicht mehr. Am Spotmarkt der Strombörse sank der Preis für eine Kilowattstunde im Mai auf durchschnittlich 3,2 Cent – den tiefsten Stand seit vier Jahren. Und auch im Termingeschäft ist Strom so günstig wie lange nicht: So war der Preis für Strom zur Lieferung im Jahr 2014 im April 2013 erstmals unter die Marke von vier Cent je Kilowattstunde gerutscht. Bereits heute kann am Terminmarkt Strom zu vier Cent bis zum Jahr 2019 gekauft werden. Zum Vergleich: Haushaltsstrom kostet im Bundesdurchschnitt 28,5 Cent je Kilowattstunde.

Damit hat Brüderle natürlich recht: Die Strompreise in Deutschland zählen zu den höchsten in Europa. Aber darunter leidet nicht die Industrie, wie der Spitzenliberale glauben machen will: Nach Paragraph 41 Abs. 3 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) müssen Unternehmen mit einem Stromverbrauch bis zu 1.000 Megawattstunden die komplette EEG-Umlage bezahlen. Firmen, deren Stromverbrauch 1.000 Megawattstunden übersteigt, zahlen lediglich zehn Prozent der EEG-Umlage. Wer zwischen 10.000 und 100.000 Megawattstunden verbraucht, muss nur noch ein Prozent der EEG-Umlage bezahlen, für jede weitere Megawattstunde über 100.000 Megawattstunden hinaus werden pauschal 0,05 Cent pro Kilowattstunde fällig.

1.000 Megawattstunden Jahresstromverbrauch – das ist übrigens so viel, wie 285 bundesdeutsche Musterpersonenhaushalte verbrauchen. Faktisch gibt es keinen Industriebetrieb, der so wenig Strom verbraucht. Das bedeutet: Faktisch genießen alle Industriebetriebe Ausnahmen. Und weil die Zahl der Erneuerbaren-Kraftwerke weiter zunimmt, zahlen Handel, Kleingewerbe und Haushalte für die Industriebetriebe mit.

Brüderle führt in seinem Beitrag sogar aus, für wie viele Anlagen die „Kleinen“  mitzahlen müssen: „Zwischen Flensburg und Konstanz stehen heute mehr als 23.000 Windindustrieanlagen. Viele sind höher als der Kölner Dom. Mehr als 1,3 Millionen Solaranlagen sind in Deutschland auf Feldern und Dächern installiert“, schreibt Brüderle. Mehr als 7.200 Biogasanlagen seien in den letzten Jahren gebaut worden.

„Nun könnte man sagen, das alles ist berechtigt, weil es uns unabhängig mache von fossilen Energieträgern und der Kernenergie“, argumentiert Brüderle. Und weil es dem Klimaschutz diene. Der Spitzenliberale weiter: „Aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir feststellen, dass wir mit der bisherigen Energiepolitik keines der Ziele erreicht haben und so auch nicht erreichen werden. Wind und Sonne sind keine zuverlässigen Energielieferanten.“

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Aber gern, Herr Brüderle: Lassen Sie uns ehrlich sein! Dass Deutschland im vergangenen Jahr wieder mehr Kohle verfeuert hat, liegt an der FDP. Gern nämlich würde die EU-Kommission ihren Zertifikatehandel reparieren. Dummerweise scheiterte das auch am Veto des deutschen Wirtschaftsministers Philipp Rösler. Deshalb ist Braunkohle heute derat billig, dass klimafreundlichere Kraftwerke wie die Gaskraftwerke stillstehen.

In seinem Handelsblatt-Kommentar verspricht Brüderle: „Direkt nach der Bundestagswahl wird sich die christlich-liberale Koalition gemeinsam mit den Ländern an eine grundlegende Reform des EEG-Gesetzes machen müssen.“ Was für ihn nichts anderes bedeutet als den ganzen Öko-Schnickschnack abzuschaffen.

Voraussetzung ist natürlich, dass die Wähler für die FDP nicht „die Reißleine“ ziehen. Andererseits: Reißleine ziehen kann der FDP womöglich das Möllemann-Schicksal ersparen.«


PS: Der mittlerweile in Vergessenheit geratene ehemalige Politiker Rainer Brüderle ist seit März 2015 Vorstandsvorsitzender des Bundes der Steuerzahler in Rheinland-Pfalz. Vielleicht lässt sich für den zukünftigen Ex-Ministerpräsidenten Horst Seehofer etwas Passenderes finden?


Eon: Professionelle 0,00613 Prozent

Donnerstag, den 8. Oktober 2015

Eon entdeckt jetzt die Solarkraft.

„Bei uns gibt’s ja immer mehr Solaranlagen“, sagt ein von dieser Entwicklung sichtlich überraschter Bartträger namens „Herr Koch“ im neuen Eon-TV-Clip. Um dann zu fragen: „Aber wer sorgt dafür, dass die auch nach Jahren noch in Form sind?“

Dann folgt jene viereckige Sprechblase, in die schon Julia Weiß, die fotogene Anna Kuhn, der coole Paul Wagner und, und, und … im Eon-Werbeformat gesprochen haben: „Sagt mal Eon: Packt ihr das an?“

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Leider versäumt es Eon, die „Packt-Ihr-das-an“-Frage zu beantworten. Der Sprecher sagt stattdessen: „Schon heute erzeugen die Solaranlagen in Deutschland grünen Strom für 20 Millionen Menschen“. Die Frage war doch aber: „Eon: Packt ihr das an?“

Also muss der Klima-Lügendetektor ran!

Photovoltaikanlagen speisten im Jahr 2014 insgesamt 32,8 Terawattstunden Solarstrom ins öffentliche Netz ein. Eine Terawattstunde, das sind eine Milliarde Kilowattstunden. Wie das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ermittelte, stieg die Sonnenstromproduktion gegenüber dem Vorjahr damit um 1,8 Terawattstunden – 5,9 Prozent mehr. Insgesamt wurden 2014 in der Bundesrepublik 521 Terawattstunden Strom produziert, die Sonnenkraftwerke trugen also 6,3 Prozent bei.

Ob das tatsächlich, wie von Eon behauptet, für 20 Millionen Menschen reicht – das ist zu bezweifeln. Erstens muss man von der produzierten Strommenge den Exportüberschuss abziehen. Der lag 2014 bei einem neuen Rekord: 34 Terawattstunden. Das meiste dieses Stroms ging nach Polen, den Niederlanden und Tschechien. Rechnerisch hätten also auch 20 Millionen Polen, Niederländer oder Tschechen mit grünem Strom verorgt werden können. Welcher Strom nämlich physikalisch tatsächlich exportiert wurde, dass kann niemand wirklich sagen. Es könnte auch Strom aus Solaranlagen sein.

Zweitens ist der Pro-Kopf-Stromverbrauch für einen Zwei-Personen-Haushalt ein ganz anderer als für einen Vier-Personen-Haushalt. Deshalb gibt es keine seriöse Angabe zum Stromverbrauch von – sagen wir – einer Million Deutscher. Eon ist bei seinen „20 Millionen Menschen“ wohl eher grob mit dem Schätzdaumen vorgegangen.

Die entscheidende Information aber unterdrückt der Eon-Werbeclip geschickt: Unterstellen wir Eons Behauptung einmal, dass Solaranlagen in Deutschland grünen Strom tatsächlich für 20 Millionen Menschen erzeugen. Weil aber Eon die solare Wende eben nicht angepackt hat, trägt der Atom- und Kohlekonzern so gut wie nichts dazu bei – aus Mangel an eigenen Solaranlagen. „Sagt mal Eon: Wieviel Solarkraft habt ihr eigentlich?“

„Aus Wettbewerbsgründen veröffentlichen wir unsere genauen Installationszahlen nicht“, erklärt ein Eon-Sprecher dem Klima-Lügendetektor. Immerhin gibt es eine Liste mit Referenz-Projekten, die fast alle erst seit letztem Jahr am Netz sind. Dachanlagen auf Autohäusern zum Beispiel mit einer installierten Maximal-Leistung von 29 Kilowatt, die 28.000 Kilowattstunden im Jahr produzieren kann. Oder auf Firmendächern, wo 150.000 Kilowattstunden im Jahr produziert werden sollen. Die installierte Eon-Referenzleistung zusammengerechnet ergibt eine Jahres-Stromproduktion von 2.010 Megawattstunden. Damit trug Deutschlands größter Stromkonzern mit 0,00613 Prozent zur deutschen Solarstromproduktion bei.

Das ist natürlich nicht der Rede wert. Und trotzdem werden – werbetechnisch – daraus „Solarprofis“:

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Ifo-Institut: Die Sinn-Wende ins Nichts

Sonntag, den 9. Februar 2014

Wäre es politisch nicht so widersinnig, könnte man annehmen, Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts, hat jetzt bei seinem energiepolitischen Bruder im Geiste, Oskar Lafontaine, abgeschrieben: Während der Ex-Chef der Linken die wechselnden Kräfte von Wind und Sonne benutzt, um das Leben seines rheinischen Braunkohlestroms bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag zu verlängern, setzt der marktgläubige Sinn noch eins drauf:

Deutschland befinde sich „auf dem großen Irrweg“, kanzelt Sinn in einem Interview mit dem Manager-Magazin die erneuerbare Energiewende ab und preist die abgehalfterte Atomkraft.

Die wesentlichen Thesen des Interviews hatte Sinn bereits Tage zuvor auf einem Symposium der Handelskammer für München und Oberbayern verkündet. Dieser Text wurde alsbald auf einschlägigen neoliberal eingestellten Portalen wie „Politically Incorrect“ verbreitet. Sinn soll auch an einem Buch mit dem Titel Energiewende ins Nichts arbeiten, das demnächst erscheinen soll.

Neu ist das alles nicht. Die Süddeutsche Zeitung hatte schon im Sommer 2010 getitelt:

In den dreieinhalb Jahren seitdem hat aber auch Sinn ein bisschen dazugelernt. Die platte Rhetorik von 2010 – Atomstrom sei eine „grüne“ Technologie, weil kein CO2 entstehe – bekommt man nicht mehr serviert. Dafür wird nun tiefer in die energiepolitische Kiste gegriffen.

Wer sich auskennt, bemerkt die Parallele zwischen Lafontaine und Sinn sofort. Beide wollen im Kern schöne neue Grundlastkraftwerke bauen, die für Sinn den „höherwertigen“ Strom erzeugen. Denn Wind- und Sonnenstrom sind nach seiner Lesart „minderwertig“, weil sie „zufällig“ kämen. Genauso gut könnte man selbstverständlich Atomstrom als „minderwertig“ betrachten, weil der zwischen den Spitzenzeiten nicht abgeregelt werden kann und nachts überhaupt nicht gebraucht wird.

Sinns andere Pro-Atom-“Argumente“, die ihm sein Thinktank aufgeschrieben hat, sind längst widerlegt. So geißelt er mit der Behauptung, weltweit seien 64 neue Atomkraftwerke im Bau und knapp 500 in der Planung, den deutschen Verzicht auf die „Zukunfts“-Technologie.

Tatsächlich aber ist der Anteil von Atomstrom am gesamten Aufkommen seit Jahren rückläufig und seit 2010 auch die absolute Menge an Atomstrom, wie der im Juli 2013 vorgestellte World Nuclear Industry Status Report 2013 nüchtern feststellt: „Der Anteil der Kernkraft an der weltweiten Stromerzeugung sank stetig von einem historischen Höchststand von 17 Prozent im Jahr 1993 auf etwa zehn Prozent im Jahr 2012.“

Weltweit sind 190 Atomkraftwerke und damit rund 45 Prozent älter als 30 Jahre. Sie müssen in absehbarer Zeit abgeschaltet werden. Mit dem Ersatz kommt die Atomindustrie nicht hinterher, denn die Neubaupläne beschränken sich meist auf die Angabe „im Bau“. Aber real passiert relativ wenig, wie der Report klarstellt: “Im Jahr 2012 wurden nur drei Reaktoren in Betrieb genommen, aber sechs geschlossen, und in der ersten Hälfte des Jahres 2013 ging nur einer ans Netz, während vier Stilllegungsbeschlüsse gefasst wurden – alle in den USA.“

In einem Punkt kann Sinn im Manager-Magazin allerdings seinen Glauben an die Marktökonomie nicht verhehlen:

Lassen wir den markt entscheiden. Wir sind doch nicht in einer Zentralplanungswelt, wo Politiker über Technik entscheiden, das muss der Markt machen. Wir müssen nur darauf achten, dass die externen Schäden in der Kostenrechnung der Unternehmen richtig abgebildet werden, was für Atomkraftwerke heißt, dass sie eine Haftpflichtversicherung brauchen

Leider, Herr Sinn, hat man die Atomkraft nicht den reinen Marktkräften überlassen. Dann hätte sich, wie man aus der Frühgeschichte des AKW-Baus inzwischen weiß, niemals ein Unternehmen auf diese nicht versicherbare Energiequelle eingelassen. Von 1950 bis 2008 summierte sich in der Bundesrepublik die staatliche Förderung der Atomkraft auf fast 165 Milliarden Euro, wie eine Greenpeace-Statistik zeigt:

Tabelle: Staatliche Förderung der Atomkraft in Deutschland

Bei einer ausreichenden Haftpflicht wäre Atomstrom sofort unwirtschaftlich. Dann würde die Kilowattstunde aus dem AKW um 1,79 Euro (!) kosten – und wäre damit deutlich teurer als Strom aus anderen Energiequellen.

Eine besondere zahlentechnische Kostbarkeit von Sinn im Manager-Magazin, an der sich zweifellos einige Experten müde gerechnet haben, ist diese:

Um vier Siebtel des Wind- und Sonnenstroms des Jahres 2011 für sich genommen zu verstetigen, wären mindestens 400 Pumpspeicherkraftwerke durchschnittlicher Größe erforderlich, wir haben aber nur 35 in Deutschland. Diese würden fast 100 Milliarden Euro kosten.

100 Milliarden würden natürlich nicht die 35 bestehenden Pumpspeicherwerke kosten, sondern die 365, die nach Sinnscher Lesart noch nötig wären. Das aber ist eine Milchmädchenrechnung. Denn es ist klar, dass es in Deutschland schlicht an den natürlichen Voraussetzungen fehlt, um hunderte neue Pumpspeicherwerke zu bauen. Die Kosten sind also rein fiktiv. Sinn ficht das nicht an – Hauptsache, eine beeindruckende Zahl kommt heraus. Und vor allem sei es, schlussfolgert er messerscharf, billiger, ein paar AKW zu bauen als die ganzen Pumpspeicherwerke (und Windkraftanlagen). So einfach ist das!

Vor nicht einmal zwei Jahren war Sinns Welt übrigens noch deutlich zukunftsfroher gestrickt. Auf die leicht tendenziöse Frage, auf welche Technologien man sich angesichts des CO2-Problems, der Versorgungssicherheit und der Energiekosten konzentrieren solle, antwortete er in einem Interview mit der Zeitschrift Energiewirtschaftliche Tagesfragen:

Auf den Atomstrom, und man sollte die Kernfusion vorantreiben. Da sehe ich die größten Gewinnmöglichkeiten. Zwar ist der Weg lang und steinig, aber am Ende winkt die endgültige Überwindung des Energieproblems.

Mit Atomstrom und demnächst mit der Kernfusion, glaubt Sinn, lässt sich das Energieproblem „endgültig“ überwinden.

Und die Erde ist eine Scheibe!

PS: Die Arbeit des Klima-Lügendetektors wird seit Sommer 2011 von seiner Leserschaft finanziert. Noch aber fehlt Geld, um die Recherche auch 2014 unabhängig zu leisten. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


Nordrhein-Westfalen: Waahnsinns-Boom

Mittwoch, den 7. November 2012

Nordrhein-Westfalen ist noch immer Deutschlands Kohleland und die SPD in weiten Teilen noch immer die Partei der Kohlekumpel. Aber die Zukunft gehört ja bekanntlich den Erneuerbaren. Deshalb sind Nachrichten wie die folgende aus Deutschlands größtem Bundesland besonders willkommen:

Das interessiert uns natürlich, weshalb wir gern mehr lesen: „Im vorigen Jahr konnte der Wirtschaftszweig der Zukunftsenergien ein deutliches Plus bei Umsätzen, Stromerzeugung und bei den Beschäftigten erzielen. Dies geht aus der jährlichen Erhebung des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) im Auftrag des Umweltministeriums hervor.“

Der Untersuchung zufolge ist der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Nordrhein-Westfalen von 2010 zu 2011 um mehr als 20 Prozent gestiegen. Den größten Zuwachs binnen Jahresfrist verbuchte die Photovoltaik – mit satten 82 Prozent. Die Windenergie wuchs um knapp ein Drittel, die Biomasse immerhin um sechs Prozent. In der Studie ist dann auch folgende beeindruckende Grafik zu finden:

Wirklich toll! 23 Prozent mehr Grünstrom binnen eines Jahres! Das kann sich sehen lassen. Der bündnisgrüne Umweltminister Johannes Remmel sagt dazu: „Nordrhein-Westfalen setzt so ein Signal für die erfolgreiche Bewältigung der Energiewende.“ Sehr gut! Man nickt begeistert, wenn man das Fazit des Umweltministeriums liest: „Die Branche der Erneuerbaren Energien in Nordrhein-Westfalen boomt weiter.“

Kurze Nachfrage noch: Wie hoch ist eigentlich zurzeit der Anteil der Erneuerbaren an der Gesamtstromerzeugung in NRW? Nur mal so zum Vergleich mit anderen Bundesländern. In der Studie steht das nämlich nicht drin. „Die Zahl liegt uns nicht vor“, erklärt ein Sprecher Remmels gegenüber dem Klima-Lügendetektor. Immerhin kann er mit einem Recherchetipp dienen: „Versuchen Sie es bei der Energieagentur NRW!“

Doch dort wird die Recherche auch nicht fündig. „Am besten Sie wenden sich ans Institut direkt. Ans Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien“, erklärt ein Sprecher der Energieagentur.

Beim Institut druckst ein Mitarbeiter etwas verschämt herum. Ja, die Zahlen seien bekannt, in der Studie aber bewusst nicht genannt worden. Er sagt: „Wenn Sie sich aktuelle Zahlen zur Gesamtstromerzeugung des Landes NRW besorgen und diese dann den Zahlen der regenerativen Energien gegenüberstellen, können Sie Ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen“. NRW sei ein Kohle-Land, „das machen diese Zahlen deutlich“. Der Mitarbeiter verweist schließlich an seinen Institutsdirektor, der bestimmt gern die Zahlen und den Sachverhalt erläutere.

Wir ersparen Ihnen hier die Ausführungen des Institutschefs. Hilfreicher ist eine Erhebung des Bundesverbandes der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): Mit Ausnahme der Stadtstaaten und des Saarlandes hinkt demnach kein anderes Bundesland bei der Energiewende so weit hinterher wie Nordrhein-Westfalen:

 Rechte Spalte: Durchschnitt Deutschland ohne die große Wasserkraft und ohne Biomasseanlagen, die nicht durchs EEG gefördert werden.

Während bundesweit in den ersten drei Quartalen dieses Jahres bereits 26 Prozent Strom aus Erneuerbaren stammen, sind es in Nordrhein-Westfalen gerade einmal 8 Prozent. Sicherlich kann man Johannes Remmel dies nicht allein ankreiden. Der Vorgänger-Regierung unter Jürgen Rüttgers (CDU) waren zwischen 2005 und 2010 die Erneuerbaren herzlich egal. Aber davor regierten ja die Grünen schon einmal zehn Jahre lang in NRW mit. Ganz so unschuldig am schlechten Tabellenplatz scheint Remmels Partei also nicht zu sein.

„Die Branchenzahlen 2011 zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind“, hatte der Umweltminister bei der Vorstellung des IWR-Reports Anfang der Woche erklärt. Richtiger wäre gewesen, Remmel hätte gesagt: „Wir müssen aufholen, damit wir uns nicht irgendwann in zehn Jahren umschauen und um uns herum ist eine schöne neue Energiewelt entstanden und wir bleiben letztlich auf unseren alten Kohlekraftwerken sitzen.“ Aber das sagte der Minister nicht bei der Präsentation der landeseigenen Branchenzahlen, sondern als es in der vergangenen Woche darum ging, den andernorts rasanten Ausbau der Erneuerbaren besser zwischen den Bundesländern abzustimmen. Als es um’s Verteilen der Pfründe ging.

PS: Mittlerweile hat das Umweltministerium aus Nordrhein-Westfalen doch noch Zahlen für 2011 gefunden und uns zugeleitet. Demnach deckten grüne Kraftwerke im vergangenen Jahr 7,3 Prozent des NRW-Stromverbrauches.


Strompreisanstieg: Ein Drittel von dem Drittel

Mittwoch, den 17. Oktober 2012

Was für ein Durcheinander! Am Montag hatten die vier Netzbetreiber die EEG-Umlage für das Jahr 2013 bekanntgegeben. Seitdem herrscht wilder Aufruhr in der Republik:

Diese Schlagzeilen stammen aus der Welt, aus der taz und der Berliner BZ. Tatsächlich nämlich steigt die EEG-Umlage im kommenden Jahr von 3,59 auf 5,277 Cent. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung heißt es:

Um in die Debatte ein wenig Licht zubringen: Der Strompreis steigt NICHT wegen der Umlage zur Förderung von Ökostrom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz – kurz EEG-Umlage. Das Öko-Institut hat gerade eine Untersuchung der Strompreisentwicklung vorgelegt. Ergebnis: Allein die Einkaufskosten für Kohle, Uran, Erdgas und Co. – die sogenannten Brennstoff-Kosten – verteuerten den Strompreis in den letzten zehn Jahren um sieben Cent pro Kilowattstunde. Derzeit werden nur 27 Prozent unseres Stromes aus kostenlosem Wind oder kostenlosen Sonnenstrahlen gewonnen. Der Rest muss immer teurer in Russland, Kolumbien oder Australien eingekauft werden.

Andere Fremd-Kosten wie die Netzkosten kommen hinzu: Vattenfall beispielsweise hat gerade angekündigt, dass die sogenannten Netzentgelte zum Jahresende in Berlin von bisher 4,91 Cent auf 5,10 Cent je Kilowattstunde, in Hamburg von 5,17 Cent auf 5,33 Cent je Kilowattstunde steigen werden. Kosten, die mit den Erneuerbaren direkt nichts zu tun haben.

Richtig formuliert müsste es also heißen: Der Strompreis steigt NICHT NUR, sondern auch wegen der EEG-Umlage.

Aber diese Umlage zur Förderung von Ökostrom steigt wiederum NICHT NUR wegen des Ausbaus der erneuerbaren Energien: 58 Prozent der diesjährigen Steigerung haben mit Sonne, Wind und Co. gar nichts zu tun.

Da ist zunächst der sogenannte „privilegierte Letztverbrauch“– die Befreiung von der EEG-Umlagen-Zahlung. In diesem Jahr waren das 813 Betriebe, denen dieses Privileg zugestanden wurde (die Liste vom März benennt 734 von ihnen): Statt der EEG-Umlage zahlten die Unternehmen mit mehr als 10.000 Megawattstunden Stromverbrauch pro Jahr lediglich einen Symbolbetrag von 0,05 Cent je Kilowattstunde.

Dann aber kam Röslers FDP und senkte diese Grenze um das Zehnfache (nachzulesen in § 41 des EEG): auf nur noch 1.000 Megawattstunden. Das ist so viel, wie 285 deutsche Vierpersonenhaushalte durchschnittlich im Jahr verbrauchen. 2013 werden deshalb nicht 813 Firmen privilegiert, sondern 2.023. Weil die nicht mehr zahlen, müssen alle anderen Haushalte die Kosten des jeweiligen Nachbarunternehmers mittragen: Die EEG-Umlage wird derart um 20 Prozent oder 0,34 Cent je Kilowattstunde teurer.

Die zweite große Kostensteigerung geht auf das Konto des zusammengebrochenen EU-Emissionshandels. Innerhalb eines Jahres hatte sich der Preis je Tonne CO2 auf sieben Euro nahezu halbiert – und hat damit auch den Strompreis auf Talfahrt geschickt. Damit hatte vor einem Jahr niemand gerechnet – ergo diese Eruption auch nicht in die EEG-Umlage für dieses Jahr eingepreist.

Weil sich die Höhe der EEG-Umlage aber aus der Differenz des Strompreises an der Börse und den festgelegten Einspeisetarifen berechnet, sorgten die tiefen Börsenpreise dafür, dass in diesem Jahr viel mehr Umlage notwendig wird, als vor Jahresfrist gedacht. Das EEG-Umlagenkonto war bereits im September sechsstellig im Minus: 20 Prozent der EEG-Umlage im kommenden Jahr dienen nur dazu, um diesen Fehlbetrag auszugleichen – 0,34 Cent je Kilowattstunde. Und damit so etwas nicht noch einmal passiert, beschlossen die Netzbetreiber eine sogenannte Liquiditätsreserve: Die schlägt mit 18 Prozent oder 0,30 Cent je Kilowattstunde zu Buche.

Richtig formuliert müsste es also heißen: Die EEG-Umlage steigt NICHT NUR wegen dem Ausbau der Erneuerbaren, sondern auch – ein bisschen. 29 Prozent des Anstiegs – oder 0,49 Cent je Kilowattstunde – entfallen immerhin auf den rasanten Zubau neuer Sonnenkraftwerke, bis zum September waren bereits knapp 5.300 Megawatt Leistung neu installiert. Der Ausbau von Windkraft, Wasserkraft, Biomasse oder Geothermie verteuert die EEG-Umlage insgesamt nur um etwa 6 Prozent  – 0,1 Cent je Kilowattstunde.

Vom Öko-Institut in einer Grafik visualisiert, sieht das dann in etwa so aus (wobei weder Stromsteuer, Netzentgelte noch Vertriebkosten berücksichtigt sind und in den 44 Prozent „Deutsche Energiewende“ auch noch etwa 7 bis 9 Prozent Kraft-Wärme-Kopplungs-Umlage enthalten sind):

Fassen wir zusammen: Die EEG-Umlage wird zu einem Drittel AUCH wegen des Ausbaus der erneuerbaren Energien teurer, Strom wird zu einem guten Drittel AUCH wegen des Anstiegs der EEG-Umlage teurer. Genau genommen ist aber ein Drittel von einem Drittel die ganze Aufregung nicht wert.

P.S.: Seit einem Jahr ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen Euros, um die Recherche auch 2013 finanzieren zu können. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


Eon: Die Windkraft-Hochstapler

Freitag, den 27. April 2012

Seit einiger Zeit läuft das nächste Motiv der Eon-Kampagne „Energie der Zukunft“ – nach der fotogenen „Anna Kuhn“ haben die Casting-Experten der Werbeagentur nun einen gemütlich wirkenden Mann als Protagonisten ausgewählt, Herrn „Stefan Rehm“. Sonst gibt es wenig Neues in der Zeitungsannonce. „Ihr gestaltet also die Zukunft der Energie. Redet Ihr nur, oder macht Ihr auch was“, legt Eon seinem Herrn Rehm in den Mund. Um darauf zu antworten: „Hallo Herr Rehm, wir bauen den Windpark ‚Amrumbank West‘. Für noch mehr grünen Strom.“ Ah, es geht also um dasselbe Eon-Windprojekt in der Nordsee, das Eon schon beim letzten Mal beworben hat.

Aber, Moment. Im Dezember in der „Anna Kuhn“-Annonce hieß es im Kleingedruckten:

Bei Herrn Rehm steht da nun:

Witzig, oder? Aber wir wollen hier gar nicht auf der Vermehrung der versorgten Menschen herumreiten, sondern auf dem Wörtchen

Die Formulierung „weitere 700.000 Menschen in Deutschland“ klingt nämlich so, als würde Eon schon heute eine größere Menge Leute hierzulande mit Windstrom versorgen. Auf der Kampagnenwebsite heißt es denn auch vollmundig „Windparks: 100 in Betrieb“. Klickt man sich dann weiter auf die Landkarte mit den Standorten, dann wird sofort klar, dass der größte Teil von Eons Windrädern im Ausland steht.

Nur 13 Windrädchen haben wir auf dieser Eon-Karte gezählt. Und dann die Pressestelle gefragt, ob das denn so stimme und wann die Anlagen errichtet wurden und wieviele Menschen Eon bisher damit versorgen kann. Die Antworten kamen – nunja, wir würden sagen – etwas zögerlich und lückenhaft. Man verwies lediglich, das aber sehr freundlich, auf ein online veröffentlichtes Eon-Papier namens „Facts&Figures“.

Darin finden sich – neben interessanten Infos wie der, dass Eon im kleinen Dänemark mehr Erneuerbare-Energien-Anlagen besitzt als im Heimatmarkt Deutschland – Tabellen mit den hiesigen Windkraftanlagen (Seite 28/29). Liest man die Liste durch, dann finden sich darauf etliche Standorte mit bloß 2, 3 oder 4 Megawatt, darunter zum Beispiel der „Windpark Breitling“. Schaut man sich dessen Details in einer Windkraft-Datenbank an, dann wird klar, dass es sich hier um eine einzige Windkraftanlage handelt. Schräg, was Europas größter Stromversorger unter „Windpark“ versteht.

Aber darauf wollten wir eigentlich gar nicht hinaus. Sondern auf Eons bisherige Windkraftkapazität in Deutschland. Sie beträgt laut dieser Liste sage und schreibe 226 Megawatt. Zum Vergleich: Das Kohlekraftwerk Scholven, das Eon in Gelsenkirchen betreibt, hat eine Kapazität von 2.200 MW – ein einziges von Eons Steinkohlekraftwerken ist zehnmal so groß wie alle Windkraftanlagen, die der Konzern bisher in Deutschland betreibt.

Aber zurück zur Eon-Annonce und dem Windpark Amrumbank West. Der wird nach Unternehmensangaben, wenn er wie geplant 2015 ans Netz geht, eine Kapazität von 288 MW haben. Nicht dass uns jemand missversteht, wir finden das Projekt ganz großartig. Aber es wird auf einen Schlag deutlich mehr Windstrom erzeugen, als Eon bisher in ganz Deutschland zustande bringt. Dies mit den Worten zu bewerben, man habe bald „noch mehr grünen Strom“ bzw. grünen Strom für „weitere“ 700.000 Menschen, finden wir dann doch ziemlich hochstaplerisch.


Eon: Die Zukunft ist schon fast zehn Jahre alt

Mittwoch, den 28. Dezember 2011

Anna Kuhn ist wieder da. Beziehungsweise ein weiteres Motiv der Eon-Kampagne, in der sich der Atom-, äh, Energiekonzern mit dem Gesicht einer jungen Frau als zukunftsfähiger Stromversorger zu präsentieren sucht. Die Annonce, die zu Weihnachten beispielsweise in der Süddeutschen Zeitung oder im Berliner Tagesspiegel erschien, setzt den künstlichen Dialog aus dem ersten Motiv fort. Wie die von Eon versprochene „Zukunft der Energie“ denn „konkret“ aussehe, lautet diesmal die Frage. Antwort: „Hallo Frau Kuhn, zum Beispiel so: Wir bauen den Windpark ‚Amrumbank West‘ in der Nordsee.“

Amrumbank West? Amrumbank West? Klingt irgendwie bekannt …

Genau, das ist einer jener Windparks vor der deutschen Nordseeküste, über die seit mehr als zehn Jahren geredet wird. Bereits im Jahr 2000 wurde der Antrag für das Projekt gestellt, Eon hat es 2002 vom niedersächsischen Windkraftpionier Ingo Rennert übernommen. Seitdem, schreibt der Konzern in einem „Factsheet“ zu Amrumbank West, treibe man die Entwicklung des Windparks voran.

Nunja, besonders erfolgreich war Eon damit nicht. Bereits im Juni 2004 erteilte das zuständige Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie die Genehmigung, also vor geschlagenen siebeneinhalb Jahren. Im April 2005 wurde ein Messpfahl errichtet, unter anderem für Winddaten. Und dann passierte – erstmal nichts. Eon sagt, der Grund dafür lag in technischen Schwierigkeiten – und in der Tat hatte nahezu die gesamte Windkraftbranche unterschätzt, welche Herausforderung der Schritt vom Land aufs Meer ist. Doch gerade Eon ist in Fachkreisen seit Jahren nachgesagt worden, diverse Offshore-Projekte aufzukaufen und dann zu bremsen. Ziel sei, so der Verdacht, die profitablen Atom- und Kohlekraftwerke vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen. Tatsächlich hat der Konzern früher gern gegen die Windkraft polemisiert. Und vor zwei Jahren gab Eon selbst  zu, Windparks aus Renditegründen lieber im Ausland zu bauen.

Jedenfalls glänzte Eon bei der Offshore-Windkraft und beim Projekt Amrumbank West bisher vor allem durch Ankündigungen:

2004avisierter Baubeginn für Amrumbank West: 2008

2006Eon kündigt an, bei der Offshore-Windkraft „die führende Rolle“ zu übernehmen bis 2011 in deutschen Gewässern Anlagen mit 500 MW Leistung zu errichten

2008der zuständige Eon-Manager wird mit den Worten zitiert: „Endlich geht es los“

2010Eon terminiert die „endgültigen Inbetriebnahme“ von Amrumbank West „bis spätestens 2014″

2011„ab 2015″, so die aktuelle Ankündigung, soll der Windpark Strom ins Netz einspeisen

Doch nicht einmal darauf will sich Eon in der Zeitungsannonce festlegen. Dort heißt es:

Wow, „in wenigen Jahren“! Der Konzern wirbt also mit einem Projekt, das er bereits seit einem Jahrzehnt in Arbeit hat und dessen Fertigstellung nicht genau feststeht. Hatte die Frau Kuhn in der Annonce nicht nach etwas „Konkretem“ gefragt??

P.S.: Sie fragen sich, was aus Eons Ankündigung von 2006 geworden ist? Bis heute ist bloß der Windpark „Alpha Ventus“ am Netz – und dessen 60 MW muss sich der Konzern auch noch mit Vattenfall und EWE teilen. Aus einst versprochenen 500 MW wurden also lediglich 20 MW. Für die „Energie der Zukunft“ wünschen wir Eon mehr Erfolg.


Eon: Schminke für die klägliche Ökobilanz

Montag, den 28. November 2011

Hübsche Frauen, so scheint man bei Eon zu glauben, gehen immer. Und so nutzt der Atom-, äh, Energiekonzern nun eine junge Dame mit großen Augen und dunklen Haaren als Gesicht seiner neuen Kampagne „Energie der Zukunft“. Am Wochenende war es beispielsweise in der Süddeutschen Zeitung zu sehen.

Angeblich heißt die Frau Anna Kuhn, und als Frage an den Konzern haben ihr die flotten Jungs von Eons Werbeagentur Serviceplan in den Mund gelegt: „Wie geht’s mit Energie jetzt weiter? Macht mal eine klare Ansage, Eon.“ Die Antwort: „Hallo Frau Kuhn, wir gestalten die Zukunft der Energie. Damit sie sauberer wird und bezahlbar bleibt.“ Soweit, so platt. Kleingedruckt geht es dann weiter:

Acht Milliarden Kilowattstunden – klingt ordentlich. Und manche Leser machen bestimmt schnell diese Kopfrechnung: „Bedarf von über fünf Millionen Menschen“ bei einer deutschen Gesamtbevölkerung von gut 80 Millionen – Donnerwetter! Doch bei dieser Milchmädchenrechnung fällt beispielsweise der kompette Stromverbrauch der deutschen Industrie unter den Tisch, und der ist gigantisch.

Also: Wieviel sind acht Milliarden Kilowattstunden wirklich?

Insgesamt wurden 2010 hierzulande 628,1 Milliarden kWh Strom erzeugt. Der so großspurig beworbene Eon-Ökostrom macht also gerade einmal 1,27 Prozent des deutschen Stroms aus.

Von der deutschen Gesamterzeugung stammten 2010 immerhin 102,8 Milliarden kWh aus Erneuerbaren Quellen. Das heißt, dass der Marktanteil von Eon beim Ökostrom schlappe 7,8 Prozent beträgt (insgesamt liegt er mindestens doppelt so hoch). Anders ausgedrückt: 92,2 Prozent des deutschen Ökostroms kommen nicht von Deutschlands größtem Energiekonzern!

Drittens hätten wir die acht Milliarden Kilowattstunden gern mit Eons inländischer Stromerzeugung verglichen. Im Geschäftsbericht ist die Zahl aber nicht separat ausgewiesen, dort gibt es nur Daten für das Zentraleuropa-Geschäft. Wir fragten deshalb die Eon-Pressestelle, bekamen aber bisher keine Antwort. Deshalb müssen wir uns auf eine Studie stützen, die Greenpeace im Frühjahr über die Investitionen der vier Energieriesen in Erneuerbare Energien veröffentlicht hat. Demnach erzeugte Eon im Jahr 2009 in seinen deutschen Kraftwerken insgesamt 111,4 Millarden kWh. Der grüne Anteil am Eon-Strommix liegt also lediglich bei rund 7 Prozent. Zum Vergleich: Im deutschen Durchschnitt sind es bereits rund 20 Prozent!

Die Greenpeace-Studie erlaubt noch einen genaueren Blick: Der größte Teil des Eon-Ökostroms, nämlich 6,8 Milliarden kWh, stammte aus teilweise jahrzehntealten Wasserkraftwerken. Die sogenannten „neuen Erneuerbaren Energien“, also in den letzten Jahren installierte Windräder, Solarparks oder Biomassekraftwerke, lieferten 1,1 Milliarden kWh – also ein jämmerliches Prozentchen des gesamten Eon-Stroms.

Deutschlands größter Energiekonzern hinkt bei Erneuerbaren Energien in Wahrheit also weit, weit hinterher. Jetzt rächt sich, dass Eon auch nach dem rot-grünen Atomkonsens von 2001 stur auf Atom- und Kohlekraft gesetzt hat. 6.000 Arbeitsplätze muss das Unternehmen nun allein in Deutschland streichen. Und die miese Ökobilanz mit hübschen Frauengesichtern überschminken. Klar, inzwischen steckt auch Eon Milliardensummen in Erneuerbare Energien. Aber laut der Greenpeace-Studie fließt immer noch rund das Doppelte in nukleare oder fossile Kraftwerke. Die Worte

und

müsste der Konzern in seiner Werbung ehrlicherweise streichen.