Archiv des Schlagwortes ‘Elektromobilität’

Neues aus dem Fundus (V): Deutsche Psst!

Donnerstag, den 27. Oktober 2016

Och!
Bitte!!
Nicht schon wieder!!!

Das Magazin +3 ist ein Exot in der deutschsprachigen Presselandschaft. Es berichtet nicht, sondern stellt auf seinem Titelblatt drei Fragen. An die Leser, an Experten, an die Gesellschaft. Das Blog vollaufdiepresse.de urteilte, das Magazin würde „mit innovativen Ansätzen den Versuch eingehen, gesellschaftspolitische Debatten anzustoßen“.

Drei Fragen also an die Gesellschaft. Im Oktoberheft wird beispielsweise gefragt: „Welche Verantwotung haben Unternehmen?“

Interessant ist das Magazin natürlich auch für Antworten aus der Wirtschaft. Zum Beispiel für die Deutsche Post, die gleich eine ganze Seite buchte:

post

Stimmt: Die Deutsche Post hat zusammen mit der Universität Aachen (und ganz viel vom Steuerzahler finanziertem Fördergeld) ein elektromobiles Zustell-Auto entwickelt. Und: Stimmt auch, das fährt elektrisch. Aber fährt es auch 100 Prozent klimafreundlich?

Der Klima-Lügendetektor hat die Deutsche Post bei diesem Thema schon zweimal der glatten Lüge überführt. Denn folgender Zusammenhang ist nicht automatisch gegeben:

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100 Prozent Kohlendioxid-frei sind 100 Prozent elektrisch betriebene Fahrzeuge nur, wenn sie 100 Prozent Strom aus Erneuerbaren tanken. Damals hatte uns ein Leser aus München gebeten, doch einmal zu recherchieren, welchen Strom die Post eigentlich tankt. Ergebnis: sogenannten RECS-Strom.

RECS ist die Abkürzung für das Renewable Energy Certificate System, das in Deutschland unter anderem von den Kohlekonzernen Eon, RWE und Vattenfall mitbegründet wurde. Kritiker bezeichnen die Organisation als Greenwashing-Zentrale: Für jede in Skandinavien oder den Alpenländern gewonnene Kilowattstunde Strom bekommt der dortige Kraftwerksbetreiber ein Zertifikat, das er für etwa 0,05 Cent pro Kilowattstunde weiterverkaufen kann. Das bedeutet andersherum, dass jeder, der zum Strompreis zusätzlich noch 0,05 Cent pro Kilowattsunde draufzahlt, die gleiche Strommenge aus Atom- oder Kohlekraftwerken als „Ökostrom“ anpreisen darf.

„So wird aus konventionellem Strom Ökostrom“, beschreibt Thorsten Kasper, Energieexperte beim Verbraucher­zentrale Bundes­verband (VZBV), den Mechanismus. „Der Nutzen für die Umwelt ist gleich Null. In Skandinavien wird so viel Strom aus Wasserkraft gewonnen, dass mit den dazugehörigen Zertifikaten die gesamte bundesdeutsche Produktion von Atom- und Kohlestrom für Haushaltskunden zu Ökostrom umetikettiert werden könnte. Dieses System schafft aber keinen Anreiz für den Bau neuer umweltfreundlicher Anlagen. Unterm Strich wird weiterhin so viel konventioneller Strom produziert wie bisher.“

Der Chef der Deuschen Post, der Vorstandsvorsitzende Frank Appel, schrieb in seinem Blog 2013: „Es gilt nun, nicht nachzulassen, denn wir haben keine Zeit mehr, den Klimaschutz auf morgen zu verschieben.“ Nun: Fragen wir doch bei der Post einmal nach, ob sie inzwischen klimafreundlicheren Strom tankt. Wir müssen die Anfrage an die Pressestelle schriftlich stellen, schließlich ist das ein Detail, das von der Fachabteilung bearbeitet werden muss.

Hier die Antwort:

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Das ist nicht ganz befriedigend! Bedeutet „mit zertifiziertem grünen Strom“, dass die Post immer noch den RECS-Trick anwendet? Für 0,05 Cent aus Braunkohlestrom pseudogrünen Schwindelstrom macht? Woher stammt der elektromobile Strom der DHL?

Wir fragen also noch einmal nach. Diesmals schreibt die Pressestelle der Post:

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„Welche Verantwortung haben Unternehmen?“, fragt das Magazin +3 in besagter Oktoberausgabe.

Liebe Post: Bitte Psssst!


PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2016 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER.


VW: Nachhaltiger Betrug

Montag, den 21. September 2015

In der aktuellen Ausgabe des Spiegels findet sich auf Seite 9 folgende Anzeige:

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Es geht um den neuen VW Passat. Und um einen Witz.

Passend zur Anzeige hatte der Konzern – Motto: „Das Auto“ – nämlich am Wochenende bekannt gegeben, dass er lügt und betrügt. Manipulierte Abgaswerte in den USA: Die Wolfsburger Autobauer mussten eingestehen, dass sie ihre Messtechnik so programmiert hatten, dass die Abgaskontrollen beim normalen Fahren ausgeschaltet und bei Abgastests angeschaltet sind. Ergebnis: „Das Auto“ produziert viel mehr Dreck, als draufsteht.

Zurück zum Witz: In der Anzeige publiziert VW folgende Zahlen

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Donnerwetter.
Das Zero-Emissions-Fahrzeug schafft 50 Kilometer!
50 von 1.000 Kilometern!!
Also sagenhafte 5 Prozent!!!
Klar, dass ein solch technologischer Durchbruch beworben werden muss!!!!!

Denn schließlich handelt es sich bei VW ja auch um den „nachhaltigsten Automobilkonzern der Welt“ !!!!!!!!!!!!!!!!!!

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Um den „nachhaltigsten Lügenkonzern der Welt“: Volkswagen ist hochoffiziell des Betruges überführt. „Das Auto“ emittiert in seiner Diesel-Ausgabe 40-mal mehr Stickoxide als in den USA zugelassen. Um das zu verschleiern, hat der Konzern schwer betrogen.

Im Klartext: Die Anzeige im Spiegel ist nicht nur peinlich, weil sie etwas als technologischen Fortschritt hochjubelt, das VW lieber beschweigen sollte. 5 Prozent elektrisch nach 1.000 fossilen Kilometern sind ein absoluter Witz in Zeiten des erklärten Klimaschutzes. Der Anzeige im Spiegel können wir auch nicht mehr glauben: Notfalls biegt sich VW auch noch die 5 Prozent zurecht.

Noch ist nicht abzusehen, ob sich die Konzernleitung im Sattel halten kann. Sicher ist aber, dass der Schaden „nachhaltig“ sein wird (an dieser Stelle können wir getrost auf Ausrufezeichen verzichten).

Danke an Kristina H. aus Berlin für den Hinweis


Mercedes: Lokal gelogen

Freitag, den 28. November 2014

Es gibt Anzeigen, die so dummdreist und offensichtlich lügen, dass sie für den Klima-Lügendetektor eine Beleidigung sind. Zum Beispiel folgende, die heute in der Welt erschienen ist:

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Naturschutz trifft Insassenschutz? Es geht um die neue B-Klasse „Electric Drive“ von Mercedes-Benz. „Der 132 kW/180 PS starke Elektro-Van sieht unspektakulär aus, eben wie eine B-Klasse vor dem aktuellen Facelift, und kostet ab 39.151 Euro“, schrieb das Handelsblatt.

180 PS!!! Eine solche Motorleistung schafft es, das B-Klasse-Geschoss in 7,9 Sekunden von Null auf 100 zu beschleunigen. Nirgendwo in der Natur gibt es eine vergleichbare Beschleunigung. Einfach weil das unnatürlich ist. Was hat das denn mit Naturschutz zu tun?

Und schwer ist das Mercedes-Teil! Allein die Lithium-Ionen-Batterieeinheit wiegt 200 Kilogramm, insgesamt bringt es die Nobelkarosse auf mindestens 1,7 Tonnen! Wer ein paar Extras eingebaut haben möchte, schafft es locker über zwei Tonnen.

Ein zwei Tonnen schweres Fahrzeug, um einen 70 Kilogramm schweren Menschen in 7,9 Sekunden von 0 auf 100 zu beschleunigen? Ist absolut unnatürlich, evolutionär nicht überlebensfähig weil unglaublich ineffizient. Eeeh, bitte, Merecedes: Was hat das denn mit Naturschutz zu tun?

In der Anzeige heißt es dazu:

meAußerdem steht da: „Gleichzeitig schützt der 100 % lokal emissionsfreie und 100 % elektrische Antrieb vor allem eines: die Umwelt.“

Im Internet behauptet Mercedes folgendes:

mNun hat die EU 2007 dankenswerterweise die Richtlinie „RL 70/220/EWG“ erlassen, mit der Autobauer verpflichtet werden, die wahren Verbrauchsangaben und somit auch die Emissionen zu veröffentlichen. Das steht dann unten im Kleingedruckten der Anzeige. „Die Verbrauchswerte beziehen sich auf die zur Markteinführung (11/2014) verfügbaren Motoren“, heißt es da bei Mercedes-Benz. Eine Reihe Motoren werden aufgeführt, und dann steht da:

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Das ist doch mehr als vom Gesetzgeber erlaubt! Ab 2015 dürfen die Neuwagen nur noch 130 Gramm je Kilometer ausstoßen, was einem Verbrauch von rund 5,5 Litern Benzin beziehungsweise 4,9 Liter Diesel je 100 Kilometer entspricht. Allerdings müssen die Autobauer dies als Durchschnittszielwert erreichen, und bei Mercedes folgen dann in der Anzeige für die anderen Motoren geringere Emissionswerte.

Ganz am Ende der Anzeige bringt es ein Motor sogar auf „0 g/km“. Das heißt allerdings nicht, dass das Auto kein Kohlendioxid erzeugt. Solange die Batterie an öffentlichen Ladestationen aufgeladen wird, so lange „tankt“ der Nutzer öffentlichen Strom. Nach den Daten der Arbeitsgruppe Energiebilanzen stammen mehr als vierzig Prozent des deutschen Stroms aus Kohlekraftwerken. Der „Insassenschutz“ befeuert also die Erderwärmung und zerstört somit die Natur.

Aber natürlich hat Mercedes gegen diesen Vorwurf vorgesorgt: In der Anzeige wird ja – siehe oben – nur behauptet, dass der Motor „lokal“ emissionsfrei ist.

Danke an Daniel B. aus Hamburg für den Hinweis.

PS: Unser Leser Ulf R. aus Berlin merkt an, dass unsere Formulierung „Nirgendwo in der Natur gibt es eine vergleichbare Beschleunigung“ nicht stimmt. Libellen nämlich konnen sehr wohl so schnell beschleunigen. Hier der von Ihm empfohlene Fachartikel:
http://rsbl.royalsocietypublishing.org/content/early/2010/03/09/rsbl.2009.0915


Zeo2: Treibhausgas ist „Wurst“

Freitag, den 27. Juni 2014

„Der Wurst-Gurke-Konflikt“ heißt die Titelstory des „Magazins für Umwelt, Politik und Neue Wirtschaft“ – zeo2. Es geht um die Frage: „Wie viel Öko-Eifer verträgt die Liebe?“ – wie es im Untertitel heißt. Das trifft sich ganz gut, denn Manfred Kriener, taz-Mitbegründer und langjähriger Chef von zeo2, hat entweder zu wenig Liebe oder zu viel Öko-Eifer. Der zeo2-Chefredakteur ist offenbar kein zeo2-Chefredakteur mehr: „Liebe geht durch den Magen“ ist das Editorial der soeben erschienenen Ausgabe überschrieben. „Marcus Franken und Hanna Gersmann – Chefredaktion“ steht darunter. Neue Chefköchin bei zeo2 ist die ehemalige Leiterin des taz-Inlandsressorts Gersmann. Immer mehr junge Frauen lesen zeo2, heißt es im Editorial.

Unnötig zu erwähnen, dass unsere Redaktion das Magazin prima findet und der Erscheinung jedes neuen Hefts entgegenfiebert. In der „Wurst-Gurke-Konflikt“-Ausgabe geht es beispielsweise um Atmosfair, um Honig oder um den 2013er Riesling vom Weingut Peter Jakob Kühn. Und es geht um Elektromobilität:

Post 1

Es geht um die Post, die mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und weiteren Partnern ein Elektrofahrzeug entwickelt hat, das die Post klimafreundlich machen soll – den StreetScooter.

Toll! Jetzt geht es also endlich los mit dem Klimaschutz im Verkehrssektor? Zeo2-Hausautor Bernd Müllender ist losgezogen, um genau diese Frage zu beantworten und das Gefährt zu testen. Ab Seite 74 präsentiert zeo2 den Testbericht, Müllender ist ganz begeistert. „Testfahrt? Beifahren kann man in diesem Einsitzer höchstens als Brief. Aber ich darf, dankeschön, auf dem Postgelände selbst an Steuer.“ Elogenhaft seine Fahrtbeschreibung.

Super, zeo2, dann sagt doch mal, was das dem Klima bringt! Um das den Nicht-zeo2-Abonnenten (dringend nachholen!) zu erläutern: Entscheidend für das Klima ist bei der Elektromobilität der „getankte“ Strom. Moderne Benzinmotoren sorgen für weniger CO2 pro Kilometer als „strombetankte“ Motoren – zumindest wenn sie aus der Steckdose betankt werden. Denn da wird viel Kohlestrom geladen. Also, zeo2: Wie viel CO2 wird eingespart?

Antwort: po Äääh, Stopp.

Stopp!

Liebes zeo2-Fachmagazin: Der Strom kommt aus „erneuerbaren Quellen“?

Der Klima-Lügendetektor hatte sich im Mai mit genau dieser Frage befasst: Welchen Strom tankt eigentlich die Deutsche Post für ihr Modellvorhaben? Ergebnis: sogenannten RECS-Strom.

RECS ist die Abkürzung für das Renewable Energy Certificate System, das in Deutschland unter anderem von den Kohlekonzernen Eon, RWE und Vattenfall mitbegründet wurde. Kritiker bezeichnen die Organisation als Greenwashing-Zentrale: Für jede in Skandinavien oder den Alpenländern gewonnene Kilowattstunde Strom (zum Beispiel aus Wasserkraft) bekommt der dortige Kraftwerksbetreiber ein Zertifikat, das er für etwa 0,05 Cent pro Kilowattsunde weiterverkaufen kann. Das bedeutet andersherum, dass jeder, der zum Strompreis zusätzlich noch 0,05 Cent pro Kilowattsunde draufzahlt, die gleiche Strommenge aus Atom- oder Kohlekraftwerken als „Ökostrom“ anpreisen darf.

„So wird aus konventionellem Strom Ökostrom“, beschreibt Thorsten Kasper, Energieexperte beim Verbraucher­zentrale Bundes­verband (VZBV), den Mechanismus. „Der Nutzen für die Umwelt ist gleich Null. In Skandinavien wird so viel Strom aus Wasserkraft gewonnen, dass mit den dazugehörigen Zertifikaten die gesamte bundesdeutsche Produktion von Atom- und Kohlestrom für Haushaltskunden zu Ökostrom umetikettiert werden könnte. Dieses System schafft aber keinen Anreiz für den Bau neuer umweltfreundlicher Anlagen. Unterm Strich wird weiterhin so viel konventioneller Strom produziert wie bisher.“

Im Qualitätstest bei zeo2 bringt es die Post allerdings auf volle Punktzahl (5 Speichen). Jetzt stellt sich der „Wurst-Gurke-Konflikt“ für unsere Redaktion: Soll man zeo2 noch lieben? Oder ob so oberflächlichem Journalismus als „Gurkentruppe“ in die sechste Liga verbannen?

Danke an Daniel S. aus Hamburg für den Tipp


Deutsche Post: Besser Psst!

Donnerstag, den 19. Dezember 2013

„Der Journalist“ heißt die Fachzeitschrift für Journalistinnen und Journalisten: Wer Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband DJV ist, bekommt sie einmal im Monat kostenlos. Alle anderen zahlen 12 Euro pro Ausgabe. Immerhin 39.966 Exemplare werden laut IVW-Analyse monatlich verkauft. Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern, kurz IVW, ermittelt, wie oft ein Medium tatsächlich über die Ladentheke geht.

„83 Prozent der Journalist-Bezieher sind hauptberuflich als Redakteur, Volontär, Ressortleiter, Bildjournalist, Chefredakteur oder für Spezialbereiche (Umbruchredakteur, Agenturredakteur, Online-Redakteur) tätig“, heißt es in den Mediadaten des Fachblatts. Man kriegt sie also alle – die Medienschaffenden, die Meinungsmacher, die Menschen der Nachrichten und der Magazine. Garantiert jedenfalls alle, die gewerkschaftlich im DJV organisiert sind.

In der aktuellen Ausgabe finden also die Journalistinnen und Journalisten des Landes folgende Anzeige (39.966 gedruckte Mal):

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„DEUTSCHE PSST“, haben sich die Werber ausgedacht. Und die DEUTSCHE POST hat dafür 8.740,00 Euro ausgegeben – netto, wie der Blick in die Anzeigenpreisliste zeigt.

Aber klar, wenn die Deutsche Post sie damit alle kriegt, die MedienMagazinMeinungsMacher, dann ist das möglicherweise gut investiertes Geld. Oder vielleicht doch nicht? Im Kleingedruckten heißt es:

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Na also: „Wow!“, „Hey!“ und „Toll!“ Endlich wird einmal ein Bereich unseres Lebens emissionsfrei. Zwar nur im Testversuch mit den „StreetScooters“, aber neben „CO2-frei“ obendrein auch noch „leise“ – also PSST!

Bekanntermaßen ist Elektromobilität fürs Klima nur so gut wie der „getankte“ Strom. Der Klima-Lügendetektor hatte sich im Mai mit genau dieser Frage befasst: Welchen Strom tankt die Deutsche Post für ihr Modellvorhaben? Ergebnis: sogenannten RECS-Strom.

RECS ist die Abkürzung für das Renewable Energy Certificate System, das in Deutschland unter anderem von den Kohlekonzernen Eon, RWE und Vattenfall mitbegründet wurde. Kritiker bezeichnen die Organisation als Greenwashing-Zentrale: Für jede in Skandinavien oder den Alpenländern gewonnene Kilowattstunde Strom bekommt der dortige Kraftwerksbetreiber ein Zertifikat, das er für etwa 0,05 Cent pro Kilowattsunde weiterverkaufen kann. Das bedeutet andersherum, dass jeder, der zum Strompreis zusätzlich noch 0,05 Cent pro Kilowattsunde draufzahlt, die gleiche Strommenge aus Atom- oder Kohlekraftwerken als Ökostrom anpreisen darf.

„So wird aus konventionellem Strom Ökostrom“, beschreibt Thorsten Kasper, Energieexperte beim Verbraucher­zentrale Bundes­verband (VZBV), den Mechanismus. „Der Nutzen für die Umwelt ist gleich Null. In Skandinavien wird so viel Strom aus Wasserkraft gewonnen, dass mit den dazugehörigen Zertifikaten die gesamte bundesdeutsche Produktion von Atom- und Kohlestrom für Haushaltskunden zu Ökostrom umetikettiert werden könnte. Dieses System schafft aber keinen Anreiz für den Bau neuer umweltfreundlicher Anlagen. Unterm Strich wird weiterhin so viel konventioneller Strom produziert wie bisher.“

„CO2-frei für Sie unterwegs“, behauptet die DEUTSCHE POST. Nun ist das Handwerkszeug der Journalisten die Recherche. Wir glauben deshalb, dass der versuchte Betrug auffliegen wird. Und raten den Werbern besser zum „PSST!“

Vielen Dank an Marco E. aus München für den Hinweis!


Joschka Fischer (Grüne): Gelogenes „Statement“

Montag, den 2. Dezember 2013

Hans-Christian Ströbele (74) war jüngst einfach mal nach Moskau gefahren, um sich mit Edward Snowden über den NSA-Überwachungsskandal zu unterhalten: Snowden sei bereit, deutschen Vertretern Auskunft über Art und Umfang der Bespitzelung zu erteilen. Ströbele, der bündnisgrüne Abgeordnete, ist bekannt dafür, dass er mit dem Fahrrad aus Berlin-Kreuzberg täglich in den Bundestag kommt. Auch Wahlkampfauftritte oder Außentermine unternimmt der Grüne per Bicycle. Aber Moskau war natürlich zu weit für eine Radpartie.

Joseph Martin Fischer (65) – genannt „Joschka“ – ist jüngst einfach mal nach Leipzig gefahren, um sich von BMW.TV filmen zu lassen. BMW baut in Leipzig sein neues Elektromodell i3, und Joseph Martin Fischer sagt: „Ich hätte geglaubt, nicht so früh in einem solchen Auto zu sitzen.“ 

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Wir wissen jetzt nicht, wie spät es gerade war, als die Aufnahmen entstanden. Der Moderator jedenfalls säuselt: „Der Traum für den ehemaligen Außenminister wurde wahr: Als einer der ersten Kunden holte er sich im Rahmen einer Betriebsversammlung in Leipzig seinen BMW i3 ab.“

Werksleiter Milan Nedeljkovic sagt: „Ich konnte sein Leuchten in den Augen sehen: Gerade als Vertreter einer grünen Welt war es für ihn etwas Besonderes, in diesem Fahrzeug zu sitzen.“

Was bis hierher einfach nur peinlich war, wird jetzt zur Lüge: „Vorreiter für komplett emissionsfreies Fahren zu sein, ist für Joschka Fischer nicht nur Ehrensache“, sagt der Erzähler, äh, Moderator. „Es ist ein Statement“, echot Fischer.

Es ist Quatsch, Herr Fischer! Solange die Erneuerbaren lediglich 25 Prozent zum deutschen Stromverbrauch beitragen, so lange ist Ihr „emissionsfreies Fahren“ – Ihr „Statement“ – eine Lüge. Solange Sie an öffentlichen Ladestationen Ihren BMW i3 aufladen, so lange tragen Sie zur Erderwärmung bei. Und solange Sie Autos promoten, die von sich behaupten: „Mit einer Leistung von 170 PS und seinem hohen Drehmoment von 250 Nm … sorgt der elektrische Antrieb … für ein spritziges Fahrvergnügen. Von 0 auf 60 km/h beschleunigt der BMW i3 Concept in unter vier Sekunden, die 100 km/h sind in weniger als acht Sekunden erreicht“ – so lange machen Sie sich des plumpen Greenwashings einer überholten Welt schuldig.

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Der BMW i3 ist ein Auto, das „auch noch Spaß macht!“, sagt der Außenminister a.D. in dieser Zeigefinger-Szene oben. In dem Film verrät Joseph Martin Fischer, dass er seit 13 Jahren in Berlin lebt. „Ich fahr pro Tag nicht mehr als 100 Kilometer, ich brauch da keinen so großen Wagen wie den 5er oder so.“

„Keinen 5er oder so“ in Berlin, jener Stadt, die wie kaum eine andere mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen ist. Keinen 5er BMW (je nach Baujahr und Modell zwischen 140 g/km CO2 und 357 g/km CO2) in der Fahrradstadt Berlin. Die Familie Fischer kommt auch ohne 5er BMW aus, nun aber mit einem BMW i3 – na, Gott sei Dank! Hoffentlich fährt der emissionsschwindelnde Joseph Martin Fischer in Berlin nicht den emissionsfreien Hans-Christian Ströbele irgendwo mal über den Haufen.

PS: Seit mehr als zwei Jahren ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen Euros, um die Recherche auch 2014 unabhängig zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


Deutsche Post: Ein Trick namens RECS

Donnerstag, den 23. Mai 2013

Die Zeiten, in denen die Deutsche Post noch die Deusche Post war, sind längst vorbei. Heute heißt die Deutsche Post DHL und ist nicht mehr einfach nur der Arbeitgeber für die Postboten, sondern – Eigenwerbung – „der weltweit führende Post- und Logistikkonzern“.

Auch die Zeiten des klimafreundlichen Briefes sind längst vorbei: Statt mit dem Dienstfahrrad kommt Christel heute mit dem Dienstauto, statt der Sortierwaggons der Deutschen Bahn sind heute Lkw und energiehungrige Sortierautomaten im Einsatz. Aber natürlich hat sich das Problem der Erderwärmung auch bis zum weltweit führenden Post- und Logistikkonzern Deutsche Post DHL herumgesprochen. Deshalb schreibt der Vorstandsvorsitzende Frank Appel in seinem Blog:

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Es geht um das Förderprojekt „CO2-freie Zustellung“: Gefördert vom Bundesumweltministerium, hat die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen mit weiteren Partnern ein Elektrofahrzeug entwickelt, das die Post klimafreundlich machen soll – den StreetScooter. Die Post hat nun 79 solcher Elektroautos bestellt, um „bis Jahresende“ am Unternehmenssitz Bonn und in dessen Umgebung die Brief- und Paketzustellung erstmals elektromobil auszuprobieren. In der Pressemitteilung der Post heißt es: „Anschließend sieht das Pilotprojekt vor, bis 2016 die Zahl auf 141 Elektrofahrzeuge zu erhöhen, die dann pro Jahr über 500 Tonnen CO2 einsparen werden.“

Toll! Jetzt geht es also endlich los mit dem Klimaschutz im Verkehrssektor? Scheinbar, zumindest wenn man der AutoBild und Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) Glauben schenken will:

Früher Kutsche, heute Bus: ADAC-Postbus ab November 2013 – Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sagte, er erhoffe sich von dem Projekt "einen Startschuss für eine breite Innovationswelle in der Logistik insgesamt". Es sei auch ein Signal an die Automobilindustrie. "Auch im Verkehr brauchen wir die Energiewende." Es sei Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen. Dieses Ziel gilt aber als ambitioniert. Bisher gibt es nur ein paar Tausend E-Autos auf den Straßen. Die Elektroautos sind vergleichsweise teuer, dies liegt vor allem an der teuren Batterie. – CO2-freier DHL-Transporter StreetScooter: Los geht's im Sommer 2013. Bis 2016 soll die Testflotte 150 Elektroautos umfassen.

„Ich freue mich, dass Bonn hier eine Vorreiterrolle einnimmt“, sagt Jürgen Nimptsch, Oberbürgermeister der Stadt Bonn. Und der Oberbürgermeister zeichnet im Werbefilm der Deutschen Post (am Ende der Pressemeldung) schon mal die globale Dimension auf: „Wenn man das alles mal zusammenrechnet – CO2-freie Zustellung aller Briefe und Pakete durch die Deutsche Post, deutschlandweit oder möglicherweise sogar weltweit –, das wäre ein ganz erklecklicher Beitrag zum Klimawandel.“

Ups, da ist offenbar ein Fehler passiert! Meinte der Herr Oberbürgermeister vielleicht einen ganz erklecklichen Beitrag GEGEN den Klimawandel?

Beitrag ZUM Klimawandel oder GEGEN den Klimawandel – entscheidend für die Antwort ist natürlich die Frage: Woher kommt eigentlich der Strom, den die Post-Flotte tankt? Bekanntlich ist der Nutzen fürs Klima davon abhängig, ob der getankte Strom auch tatsächlich in Grünstromkraftwerken – möglichst neu gebauten – produziert wird. „Wir beziehen unseren Ökostrom von den Stadtwerken Bonn“, erklärt eine Post-Sprecherin. Allerdings gebe es für die 79 Elektrofahrzeuge noch keine konkrete Zahlen – „wie viel Strom die Fahrzeuge benötigen, ist zum Teil auch Inhalt des Pilotprojektes“, so die Sprecherin.

Nicht sehr aufschlussreich, aber vielleicht können die Stadtwerke Bonn – immerhin eines der grünsten kommunalen Elektrizitätsunternehmen in Deutschland – über den Liefervertrag mehr Auskunft geben. Veronika John, Sprecherin der Stadtwerke, bedauert: „Wir geben über Kundenverträge keine Auskunft.“ Das verwirrt jetzt ein bisschen. Schließlich ist in der Unternehmensphilosophie der Spruch von Walter Fisch „Tue Gutes und rede darüber!“ so etwas wie eine Binsenweisheit. Natürlich kennt auch Veronika John den Spruch, weshalb sie dann doch wenigstens ein bisschen mehr sagt: „Die Post bezieht auch schon für ihre Konzernzentrale Strom von uns.“ Einen ähnlichen Vertrag habe auch das UN-Klimasekretariat, das bekanntlich ebenfalls in Bonn sitzt. Und dann sagt die Stadtwerke-Sprecherin: „Es handelt sich um sogenannte RECS-Zertifikate.“

RECS ist die Abkürzung für das Renewable Energy Certificate System, das in Deutschland unter anderem von den Kohlekonzernen Eon, RWE und Vattenfall mitbegründet wurde. Kritiker bezeichnen die Organisation als Greenwashing-Zentrale: Für jede in Skandinavien oder den Alpenländern gewonnene Kilowattstunde Strom bekommt der dortige Kraftwerksbetreiber ein Zertifikat, das er weiterverkaufen kann. Zahlen die Stadtwerke Bonn dafür etwa 0,05 Cent pro Kilowattsunde, dürfen sie die gleiche Strommenge aus Atom- oder Kohlekraftwerken der Deutschen Post DHL als Ökostrom verkaufen.

„So wird aus konventionellem Strom Ökostrom“, beschreibt Thorsten Kasper, Energieexperte beim Verbraucher­zentrale Bundes­verband (VZBV), den Mechanismus: „Der Nutzen für die Umwelt ist gleich Null. In Skandinavien wird so viel Strom aus Wasserkraft gewonnen, dass mit den dazugehörigen Zertifikaten die gesamte bundesdeutsche Produktion von Atom- und Kohlestrom für Haushaltskunden zu Ökostrom umetikettiert werden könnte. Dieses System schafft aber keinen Anreiz für den Bau neuer umweltfreundlicher Anlagen. Unterm Strich wird weiterhin so viel konventioneller Strom produziert wie bisher.“

Wie schrieb doch gleich Post-Vorstandschef Fank Appel in seinem Blog:

Mehr Klimaschutz erfordert, ausgetretene Pfade zu verlassen und neuen Ideen Raum zu geben. Einzelne Unternehmen können dazu viel beitragen – und tun es auch.

Die Deutsche Post trägt leider dazu noch nichts bei. Insofern hatte Bonns Oberbürgermeister Recht mit seiner Aussage. Als erklecklichen Beitrag GEGEN den Klimawandel darf das Post-Engagement jedenfalls nicht gewertet werden!


Eon: Mit Drecksstrom sofort durchstarten

Montag, den 29. Oktober 2012

Hier also ein weiteres Motiv der aktuellen Eon-Kampagne, diesmal aus der Oktober-Nummer der ADAC Motorwelt, mit einer Auflage von mehr als 13 Millionen Stück immerhin Deutschlands größter Zeitschrift:

Okay, es war ja zu erwarten, dass sich auch Eon irgendwann mit dem hippen Thema Elektromobilität schmücken will – wie zuvor schon die Konkurrenz von RWE oder Vattenfall. Deutschlands größter Energieversorger schreibt also:

Klingt gut, oder? Aber lesen Sie die drei Zeilen bitte nochmal. Fällt Ihnen etwas auf? Der Konzern verspricht dort – streng genommen – nicht „CO2-freies Fahren“, sondern nur die Möglichkeit dazu.  Wer nämlich wirklich „sofort durchstarten“ will, wer dafür bei Eon ein Elektroauto bucht und den normalen Eon-Strommix tankt, der fährt alles andere als „CO2-frei“. Unter der Rubrik „Rechtliche Veröffentlichungspflichten“ heißt es nämlich auf der Firmenwebsite lediglich: „ Im Jahr 2030 werden wir 36 Prozent unseres Stroms in Erneuerbare-Energien-Anlagen produzieren.“ Und: „Bereits ab 2015 stehen uns über 10.000 Megawatt Windkraftkapazitäten zur Verfügung.“

Ja, ja, liebe Eon-Leute, aber wie hoch ist der Öko-Anteil am Eon-Strom heute?? Die Antwort hängt ab vom Wohnort des Kunden. Würde der freundlich lächelnde Paul Wagner aus der Annonce zum Beispiel in 22769 Hamburg wohnen, dann wären es (neben dem Anteil gesetzlichem EEG-Stroms) schlappe 4,2 Prozent – pro Kilowattstunde würden dann 453 Gramm CO2 freigesetzt. Wohnte Herr Wagner in 69221 Heidelberg, läge die Quote Eon-eigenen Ökostroms bei 7,1 Prozent (CO2-Emission pro kWh dort: 438 Gramm). Neben etlichen Atommeilern betreibt nämlich Eon einen großen Kohlekraftwerkspark – und steckt am hessischen Standort Staudinger oder im nordrhein-westfälischen Datteln sogar noch weitere Milliarden in neue CO2-Schleudern. Wer bei Eon einfach und sofort losfahren will, tut das also mit ziemlichem Drecksstrom.

Man muss ein Weilchen suchen, um auf der Firmen-Website reinen „Eon-Ökostrom“ zu finden ( zum Beispiel hier, dann ganz runterscrollen und auf „Ökostrom“ klicken) . Und da steht dann:

Nun sind Wasserkraftwerke nicht schlecht, und tatsächlich kann man den dort erzeugten Strom „CO2-frei“ nennen. Den Haken an Eons Wasser-Strom aber haben wir an dieser Stelle schon mehrfach erklärt, zum Beispiel 2008 oder 2009. Kurzgesagt ist das Problem, dass die meisten Anlagen schon einige Jahrzehnte alt sind. Und wenn ein Elektroauto-Kunde diesen Wasserstrom bucht, dann wird er aus dem ohnehin mageren Öko-Anteil des Eon-Strommixes herausgelöst: „Paul Wagner“ würde auf dem Papier tatsächlich „CO2-freie“ Elektrizität für sein Elektroauto kriegen – er würde aber im Gegenzug bei den anderen Eon-Kunden fehlen, ihr Energiemix würde im selben Maße dreckiger. Unterm Strich haben Umwelt und Klima deshalb gar nichts davon, wenn ein neues Elektroauto mit Strom aus alten Wasserkraftwerken fährt.

Liebe Leute von Eon, wirklich durchdacht ist diese „Lösung für CO2-freies Fahren“ also nicht!


Elektroautos: Jetzt auch mit Bleifuß

Dienstag, den 4. September 2012

Sauberer Motorsport? Die Formel E soll’s richten. Mit rein elektrisch betriebenen Rennwagen – daher das „E“ –, die ab 2014 ganz offiziell um einen Weltmeisterschafts-Titel rasen sollen. Von einer Zukunftsvision für die Motorindustrie für die nächsten Dekaden spricht die Formula E Holdings (FEH). Das Konsortium internationaler Investoren einigte sich am 27. August mit der FIA über die Lizenzierung der kommerziellen Rechte des neuen, ach so sauberen Rennens:

„Diese spektakuläre Serie wird sowohl Unterhaltung als auch eine neue Gelegenheit bieten, die Werte der FIA wie saubere Energie, Mobilität und Nachhaltigkeit mit einer breiten Öffentlichkeit zu teilen“, verkündet stolz Jean Todt, Präsident des Internationalen Automobilverbands FIA, der mächtigen Regelbehörde der Formel 1. Saubere Energie? Nachhaltigkeit? Als „Werte“ des Vollgas-Freaks von der FIA?? Bislang stand der Verband eher für ungebremsten Rennwahnsinn. Geschätzter Verbrauch eines Formel 1-Wagens: 50 bis 80 Liter auf 100 Kilometer.

Doch um diese gewohnten Boliden geht es in der Formel E nicht. Wer denkt, die Elektro-Renner würden die regulären Spritrenner ersetzen, hat sich zu früh gefreut. Nicht mal auf den Formel 1-Kursen sollen sie fahren, sondern weltweit „im Herzen großer Metropolen“. Mit Spitzengeschwindigkeit von 240 Stundenkilometern! Berlin hat deshalb schon für die anvisierte Straße des 17. Juni abgewunken: Zu hoch sei das Sicherheitsrisiko.

Nach ersten Demonstrationsfahrten im kommenden Jahr sollen 20 Piloten ab 2014 in zehn Teams um den WM-Titel kämpfen. „Das ist ein großartiger Tag und eine starke Botschaft an die Motorsport-Gemeinde“, sagte FIA-Präsident Todt anlässlich der Unterzeichnung der Lizenzvereinbarung. Eine Botschaft, die vor allem junge Großstädter erreichen soll. „Die neuen Veranstaltungen bieten eine großartige Möglichkeit, um die jüngere Generation zu begeistern“, so Todt. Die Frage ist: Wofür begeistern?

Die Formel E solle dem Thema Elektromobilität einen neuen Kick und mehr Emotionalität verleihen, betont Burkhard Göschel, Chef der Electrical New Energy Championship Comission (ENECC). Göschel hat im Auftrag der FIA die Formel E-Rennserie erarbeitet. Elektroautos eignen sich aufgrund ihrer noch geringen Batterieleistung vor allem für Städte. Doch gerade die hier lebende „jüngere Generation“ ist vergleichsweise wenig autoaffin. Gerade in Großstädten hat das Smartphone das Auto längst als Statussymbol abgelöst, wie Verkehrsforscher betonen. Und das ist auch gut so, schließlich bieten Städte genügend andere klimafreundliche Fortbewegungsmittel wie Fahrrad, Bahn oder Bus, die die Straßen weit weniger verstopfen als der motorgetriebene Individualverkehr.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) bezweifelt denn auch, dass die Formel E-Wagen junge Menschen dazu animieren, scharenweise Elektroautos zu kaufen. „Dafür sind noch viel zu wenige auf dem Markt und die sind viel zu teuer“, sagt VCD-Sprecherin Anja Smetanin. „Das gilt erst recht für Rennautos!“

„Der Ressourcenhunger der Menschen ist ungebrochen“, dichten die Initiatoren der Formel E. „Wir müssen einen neuen, nachhaltigeren Kurs für die Zukunft aufzeigen.“ Nach den Worten von FEH-Vorstandschef Alejandro Agag „schafft die Formel E die Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung rund um das Elektroauto und ein zentrales Element für die Zukunft unserer Städte“.

Aber, Moment! Die größten „Baustellen“ beim Elektroauto sind Preis und Stromherkunft. Denn die Wagen sind nur dann ein ökologischer Fortschritt, wenn sie nicht mehr mit Atom- und Kohlestrom fahren. Wie aber die Formel E zu günstigeren Elektroautos und sauberem Strom beitragen will, bleibt Alejandro Agags Geheimnis.

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Lexus: Vielleicht vier Kilometer emissionsfrei

Donnerstag, den 5. Juli 2012

Anfang dieses Jahres waren nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe exakt 4.541 elektrisch betriebene Pkw in Deutschland zugelassen. Aber das soll sich ändern, und zwar rasant – jedenfalls wenn es nach dem „Regierungsprogramm Elektromobilität“ geht, das die Bundesregierung im Mai 2011 beschlossen hat. Das Ziel von Angela Merkels Kabinett: bis 2020 (also in siebeneinhalb Jahren) mindestens eine Million Elektroautos auf die deutschen Straßen zu bringen, 2030 sollen es sogar sechs Millionen sein.

Ein großes Wachstumspotenzial also, und darauf stellen sich die Autobauer – respektive ihre Werbestrategen – ein. Zum Beispiel Toyota mit seiner Edelmarke Lexus. Versprochen wird in der aktuellen Kampagne:

Wie es sich für das Bewerben eines Luxusgutes geziemt, bedienen sich die Werber feinster Luxus-Werbeprosa: „Erleben Sie außergewöhnliche Dynamik und Effizienz! Der zukunftsweisende Vollhybridantrieb – die Kombination aus Benzin- und Hochleistungs-Elektromotor – begeistert mit atemberaubenden 254 kW (345 PS)“. Soweit die „Emotion“.

Und dies sind die Aussagen zu den Emissionen: „… bei einem kombinierten Normverbrauch ab 5,9 l/100 km*“ Außerdem:

Schließlich das Fazit: „Dazu erwarten Sie eine Premium-Ausstattung und technologische Innovationen, die beweisen: Der neue Lexus GS 450h ist eine Klasse für sich.“

Phantastisch, oder? So ein „spritziger Schlitten“! Mit doppelt so viel PS wie beispielsweise der BMW-Öko-Konkurrent i3! Und das absolut lautlos und emissionsfrei!

Seit 2007 gilt in der EU die Richtlinie „RL 70/220/EWG“, mit der Verbrauchsangaben der Autohersteller normiert und  Unternehmen verpflichtet werden, diese vergleichbaren Ergebnisse in ihrer Werbung  zu veröffentlichen. Als erfahrene Leserinnen und Leser ist Ihnen sicherlich aufgefallen, dass Lexus bei den Verbrauchs- und Emissionsangaben das Wörtchen „ab“ untergebracht hat, außerdem zwei Fußnoten, gekennzeichnet mit * und **. Und in Fußnoten steckt ja oft das Wichtigste. So auch diesmal:

Ein Sternchen führt im Kleingedruckten zur Angabe: „CO2-Emissionen kombiniert: 145-137 g/km“. Aber das ist ja, huch, deutlich mehr als jene 130 Gramm Kohlendioxidemission je Kilometer, die die EU ab 2015 als Grenzwert für die Toyota-/Lexus-Neuwagenflotte gesetzt hat?  Richtiger müsste der Slogan also wohl heißen: „VIEL EMISSION UND EMOTION“.

Aber MomentMomentMoment, das ist noch nicht alles! Da sind ja auch noch die zwei Sternchen. Hierzu heißt die Auflösung:

Großartig: Lexus glänzt mit einer Werbeaussage, die höchstens 4.000 Meter weit stimmt…

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