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Taz: Gegen den Klimaschutz stinken

Donnerstag, den 5. März 2015

Die taz, diese von uns so geliebte, bewunderte und manchmal gehasste taz.die tageszeitung, hat mit einer Stromwechselkampagne vor 15 Jahren den persönlichen Klimaschutz erfunden. „Licht an“, hieß eine Kampagne, die unser Schwesterportal klimaretter.info gemeinsam mit der taz und anderen Partnern 2007 auf die Titelseite deutscher Medien hob. Immer wieder schreiben taz-Autoren wichtige Bücher über den „Tatort Klimawandel“, „Das Strompreiskomplott“ oder die „Glücksökonomie“.

Aber dann es gibt auch tazler, die überhaupt nicht einverstanden sind mit dem Klimaschutz. Zum Beispiel Friedrich Küppersbusch, dessen Moderation der WDR-Politiksendung ZAK in den 1990er Jahren Kultstatus einbrachte. Seit 2003 ist er jeden Montag in der taz vertreten mit seiner Interview-Kolumne:

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An diesem Montag ging es Küppersbusch auch um Klimaschutz. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte überraschend die im Dezember beschlossene steuerliche Abschreibung der energetischen  Gebäudesanierung kassiert – „angeblich, um den Handwerkerbonus nicht zu gefährden“, wie die taz-Frager formulieren: „Ist er der Held des kleines Mannes?“

„Immerhin ist Horst, die lose Kanone, jetzt prima isoliert“, antwortet Küppersbusch, dessen Markenzeichen es ist, immer sehr witzig zu sein in seinen Kolumnen-Antworten. Beim Blick hinter die Fassade sei der Deal allerdings

küpper2Zack!

Dann ist Bundesumweltministerin Barbara Hendricks dran, die „schüchtern“ „tremoliert “, „Energieeinsparung fange bei Dach und Heizkeller an“. Dabei verteile Hendricks

küpper3„Die Hauswende“.  Zack, zack, zack!

Jetzt nimmt Küppersbusch Anlauf fürs Finale.

Hier die Zeitlupe. „Kurz: Seehofer 

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Stinkstoffindustrie! Hihi!! Zack, das sitzt. Und: Bloß gut, keine Milliardensubventionen!

Das sitzt? Liebe taz, hallo Friedrich Küppersbusch, das ist natürlich lustig daher-Sprüche-geklopft. Aber leider zusammentremolierter Unsinn.

Styropor ist erstens nämlich nur EIN Dämmstoff für die Gebäudesanierung: Es gibt Mineralwolle, Steinwolle, Glaswolle, Baumwolle, Wärmedämmverbundsysteme aus Kork oder Hanf, Polyurethan-Hartschaum, Holzfasern oder Zellulose. Styropor? „Von rund 30 Millionen Kubikmetern Dämmstoffen, die pro Jahr verarbeitet werden, entfällt … der Löwenanteil auf Glas- und Steinwolle“, erfährt man beim Institut für Wohnen und Umwelt in Darmstadt. Richtig wäre bei Küppersbusch also am ehesten ein „Durchmarsch der Glas- und Steinwoll-Lobby“ gewesen.

Die Bundesregierung hat zweitens 1,3 Millionen Euro zur drei Millionen Euro billigen Hauswende-Kampagne dazugegeben: Der andere Teil kommt vom Industrieverband Haus-, Energie- und Umwelttechnik, vom Verband Fenster + Fassade, vom Bundesverband Flachglas, von vielen weiteren Partnern und AUCH von Wärme-Dämmverbänden, die neben der Holzfaser-Industrie, den Hanfbauern oder Hartschaum-Herstellern unter anderem AUCH die Styropor-Konzerne vertreten. Warum sollte Hendricks eine Broschüre, deren größter Einzelfinanzier die Bundesregierung ist, bittschön nicht verteilen sollen?

Horst Seehofer blockiert drittens nicht die „Stinkstoffindustrie“, sondern das deutsche Klimaziel. Wohngebäude sind für 40 Prozent des deutschen Energieverbrauchs und ein Drittel des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Zwei von drei Gebäuden sind energetisch sanierungsbedürftig, weil sie vor der Einführung der Wärmeschutzverordnung 1977 errichtet wurden. Zuletzt war die energetische Sanierungsrate aber immer nur rückläufig, ohne einen Impuls aus der Politik wird Deutschland sein Klimaziel für 2020 nicht schaffen. In ihrem Aktionsprogramm hatte die Bundesregierung im Dezember deshalb verabredet, dass die energetische Gebäudesanierung nun doch endlich durch einen steuerlichen Anreiz angekurbelt werden soll. Jahrelang hatte die Politik über dieses Instrument gestritten, das 2012 schließlich am SPD-dominierten Bundesrat scheiterte. Und jetzt stellt sich Horst Seehofer quer.

Es ist gerade enorm schick, auf den Klimaschutz im Gebäudesektor einzudreschen: Schließlich ist es die „Stinkstoff“-Industrie, die das letzte sichere Geschäft der Atom- und Kohle-Konzerne zu zerstören droht: Die fossile Überversorgung der taz- und Küppersbusch-und-Co-Heizungen.

Danke an Serena K. aus Berlin für den Hinweis!


Zeo2: Treibhausgas ist „Wurst“

Freitag, den 27. Juni 2014

„Der Wurst-Gurke-Konflikt“ heißt die Titelstory des „Magazins für Umwelt, Politik und Neue Wirtschaft“ – zeo2. Es geht um die Frage: „Wie viel Öko-Eifer verträgt die Liebe?“ – wie es im Untertitel heißt. Das trifft sich ganz gut, denn Manfred Kriener, taz-Mitbegründer und langjähriger Chef von zeo2, hat entweder zu wenig Liebe oder zu viel Öko-Eifer. Der zeo2-Chefredakteur ist offenbar kein zeo2-Chefredakteur mehr: „Liebe geht durch den Magen“ ist das Editorial der soeben erschienenen Ausgabe überschrieben. „Marcus Franken und Hanna Gersmann – Chefredaktion“ steht darunter. Neue Chefköchin bei zeo2 ist die ehemalige Leiterin des taz-Inlandsressorts Gersmann. Immer mehr junge Frauen lesen zeo2, heißt es im Editorial.

Unnötig zu erwähnen, dass unsere Redaktion das Magazin prima findet und der Erscheinung jedes neuen Hefts entgegenfiebert. In der „Wurst-Gurke-Konflikt“-Ausgabe geht es beispielsweise um Atmosfair, um Honig oder um den 2013er Riesling vom Weingut Peter Jakob Kühn. Und es geht um Elektromobilität:

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Es geht um die Post, die mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und weiteren Partnern ein Elektrofahrzeug entwickelt hat, das die Post klimafreundlich machen soll – den StreetScooter.

Toll! Jetzt geht es also endlich los mit dem Klimaschutz im Verkehrssektor? Zeo2-Hausautor Bernd Müllender ist losgezogen, um genau diese Frage zu beantworten und das Gefährt zu testen. Ab Seite 74 präsentiert zeo2 den Testbericht, Müllender ist ganz begeistert. „Testfahrt? Beifahren kann man in diesem Einsitzer höchstens als Brief. Aber ich darf, dankeschön, auf dem Postgelände selbst an Steuer.“ Elogenhaft seine Fahrtbeschreibung.

Super, zeo2, dann sagt doch mal, was das dem Klima bringt! Um das den Nicht-zeo2-Abonnenten (dringend nachholen!) zu erläutern: Entscheidend für das Klima ist bei der Elektromobilität der „getankte“ Strom. Moderne Benzinmotoren sorgen für weniger CO2 pro Kilometer als „strombetankte“ Motoren – zumindest wenn sie aus der Steckdose betankt werden. Denn da wird viel Kohlestrom geladen. Also, zeo2: Wie viel CO2 wird eingespart?

Antwort: po Äääh, Stopp.

Stopp!

Liebes zeo2-Fachmagazin: Der Strom kommt aus „erneuerbaren Quellen“?

Der Klima-Lügendetektor hatte sich im Mai mit genau dieser Frage befasst: Welchen Strom tankt eigentlich die Deutsche Post für ihr Modellvorhaben? Ergebnis: sogenannten RECS-Strom.

RECS ist die Abkürzung für das Renewable Energy Certificate System, das in Deutschland unter anderem von den Kohlekonzernen Eon, RWE und Vattenfall mitbegründet wurde. Kritiker bezeichnen die Organisation als Greenwashing-Zentrale: Für jede in Skandinavien oder den Alpenländern gewonnene Kilowattstunde Strom (zum Beispiel aus Wasserkraft) bekommt der dortige Kraftwerksbetreiber ein Zertifikat, das er für etwa 0,05 Cent pro Kilowattsunde weiterverkaufen kann. Das bedeutet andersherum, dass jeder, der zum Strompreis zusätzlich noch 0,05 Cent pro Kilowattsunde draufzahlt, die gleiche Strommenge aus Atom- oder Kohlekraftwerken als „Ökostrom“ anpreisen darf.

„So wird aus konventionellem Strom Ökostrom“, beschreibt Thorsten Kasper, Energieexperte beim Verbraucher­zentrale Bundes­verband (VZBV), den Mechanismus. „Der Nutzen für die Umwelt ist gleich Null. In Skandinavien wird so viel Strom aus Wasserkraft gewonnen, dass mit den dazugehörigen Zertifikaten die gesamte bundesdeutsche Produktion von Atom- und Kohlestrom für Haushaltskunden zu Ökostrom umetikettiert werden könnte. Dieses System schafft aber keinen Anreiz für den Bau neuer umweltfreundlicher Anlagen. Unterm Strich wird weiterhin so viel konventioneller Strom produziert wie bisher.“

Im Qualitätstest bei zeo2 bringt es die Post allerdings auf volle Punktzahl (5 Speichen). Jetzt stellt sich der „Wurst-Gurke-Konflikt“ für unsere Redaktion: Soll man zeo2 noch lieben? Oder ob so oberflächlichem Journalismus als „Gurkentruppe“ in die sechste Liga verbannen?

Danke an Daniel S. aus Hamburg für den Tipp


Arbeitsplätze: Der Ausfall eines Boomausfalls

Mittwoch, den 21. August 2013

Die Energiewende gilt gemeinhin als ein Zukunftsprojekt, auch auf dem Arbeitsmarkt. Aber jetzt kommt raus:

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Es geht um eine Studie, die das „Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit“ (IZA) aus Bonn vorgelegt hat. Die Welt titelt:

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Und die taz, ursprünglich für kritischen Journalismus bekannt, zitiert Studienautor Nico Pestel, stellvertretender IZA-Programmdirektor für Umwelt und Beschäftigung:

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„Von interessierter Seite“ – na, das ist ja mal ein Ding! Welche könnte das wohl sein?

Das „Institut zur Zukunft der Arbeit“ selbst zum Beispiel: Präsident ist der ehemalige Chef der Deutschen Post, der Steuerhinterzieher Klaus Zumwinkel. Alleiniger Gesellschafter des privaten Think-Tanks ist die Deutsche Post-Stiftung. Was überaus praktisch ist: Zumwinkel ist auch Chef der Deutschen Post-Stiftung, die er übrigens selbst geschaffen hat – damals, als er noch steuerhinterziehender Chef der Deutschen Post war. Das heißt: Klaus Zumwinkel IST sozusagen die „Zukunft der Arbeit“.

Zumwinkel zur Seite steht ein anderer Klaus Z.: Als Direktor des Instituts fungiert Klaus F. Zimmermann. Der hatte das rennomierte Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) neoliberal gegen die Wand gefahren. Lobbypedia schreibt über ihn: Zimmermann habe „mit allen Mitteln und einem autokratischen Führungsstil versucht, das ehemals keynesianisch ausgerichtete DIW in ein neoliberal orientiertes Forschungsinstitut umzuwandeln.“ Deshalb ist auch nicht verwunderlich, dass Zimmermann jetzt beispielsweise mit der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ zusammenarbeitet, einer neoliberalen Lobbyorganisation, die hier auf dem Lügendetektor schon wegen ihrer Attacke gegen die Energiewende aufgefallen ist.

Aber genug der Personalien, zurück zu den Überschriften: Die beruhen auf einer 12-seitigen Arbeit (plus Quellenvermerken). Nicht, dass Autor Nico Pestel eigene Zahlen erhoben hätte. Zusammengetragen hat er lediglich Daten, die „bereits mehrfach im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMU) und des Umweltbundesamtes“ erhoben wurden, wie es auf Seite 4 der Studie heißt.

Pestel kommt auf Seite 6 seiner Arbeit zu dem Schluss, dass sich die Zahl der

Beschäftigten zur Herstellung und zum Betrieb von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien zwischen 2004 und 2012 von etwa 160.000 auf rund 380.000 mehr als verdoppelt (+135%).

Plus 135 Prozent in nur acht Jahren! Insgesamt, so heißt es in der Studie, umfasste der Markt für Umwelttechnologie in Deutschland im Jahr 2011 „etwa 300 Milliarden Euro, was einem Anteil am BIP von etwa 11 % entspricht“. 1,4 Millionen Menschen finden hier mittlerweile Lohn und Brot, etwa ein Drittel im Bereich der Energieeffizienz, führt die Studie aus. Bis 2025 soll „der Markt in Deutschland auf 674 Milliarden Euro wachsen, … was insbesondere dem Ausbau erneuerbarer Energien zugeschrieben wird“, heißt es auf Seite 8.

2025 sollen dann schon 2,4 Millionen Menschen in der Umweltbranche tätig sein. Um eine Vergleichsgröße zu bekommen: In der gesamten Automobilindustrie Deutschlands waren zum Anfang dieses Jahres 747.199 Menschen beschäftigt, im Maschinenbau waren es 970.000, in der gesamten Braunkohlenwirtschaft nur noch 22.424 Menschen.

Kein Job-Boom durch die Energiewende also – wie von der Lausitzer Rundschau, der Welt oder der taz behauptet?

Studienautor Nico Pestel beantwortet diese Fragen so: Erstens sei die Zuordnung einzelner Jobs zum grünen oder nicht grünen Bereich „sehr diffizil“. Es fehlen genaue Definitionen dafür, was grün und was nicht grün ist. Zweitens seien die Entwicklungen auf dem grünen Arbeitsmarkt von der Umwelt- und Energiepolitik der Zukunft abhängig – was sofort klar wird, wenn man sich den Wahlkampf um die Energiewende anschaut. Drittens schließlich, so der Autor, müssten auch negative Effekte bedacht werden, wie etwa in der Braunkohle, wo immer weniger Menschen arbeiten.

Geschenkt, Herr Pestel! Was ist denn nun aber mit dem Jobboom und der Energiewende? Die Antwort steht im letzten Satz:

Somit bleibt die Frage, ob Deutschland sein „grünes Beschäftigungswunder“ erlebt, vorerst also noch offen.

Aber bis dort hin haben die Kollegen von der Welt, der taz und der Lausitzer Rundschau offenbar die Studie nicht gelesen.

Danke an Georg E. aus München für den Hinweis


Taz: Dachschaden bei Tschernobyl

Montag, den 18. Februar 2013

In ihrer heutigen Ausgabe berichtet taz, die tageszeitung über einen „Dachschaden in Tschernobyl“.

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Es geht um ein Kernthema der als links geltenden tageszeitung: Die Atomkatastrophe in der Ukraine hat die taz einst überhaupt erst zur taz gemacht – ähnlich wie die Grünen zu den Grünen.  Thea Rosie, die damals als „Säzzerin“ der taz arbeitete, erinnerte sich an den täglichen Strahlen-Kompass, den die taz 1986 nach dem GAU veröffentlichte. „Nach Tschernobyl hatten wir eine tägliche Rubrik auf der Seite 2, den ‚Strahlen-Kompass‘. Als Service für die Leserinnen und Leser. Das war eine umfangreiche Liste über die Becquerel-Werte in Milch, Tee, Nüssen, Wildfleisch und allen möglichen Pilzarten.“

Befragt, ob der Strahlenchronistin damals nicht angst und bange war, antwortete Thea Rosie: „Klar, weil die Atomkatastrophe, die ja nicht zu sehen, zu hören, zu riechen war, dort täglich sichtbar gemacht wurde. Dazu kommt, dass ich in dieser Zeit besonders aufmerksam sein musste. Mein Kind war gerade acht Monate alt.“ Der Strahlen-Kompass, ein Service, den viele Leser damals schätzten: Die Abo-Auflage kletterte um 75 Prozent auf 37.000 Exemplare.

Und heute? In der vergangenen Woche war das Dach der Maschinenhalle am Reaktor 4 eingestürzt, jenem Atomreaktor, der 1986 explodierte.  Sechs Tage später ist nun am Montag darüber in der taz zu lesen: Einsturz wegen der Schneemassen. „Vor Ort sind bereits Rettungskräfte und die Miliz im Einsatz. Sie räumen den Schnee, sind mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Die Strahlenbelastung ist im Normbereich“, wird der Chef des Unterausschusses des Parlaments der Ukraine zur Beseitigung der Folgen der Katastrophe von Tschernobyl zitiert.

Hallo, taz: Aufwachen!

Erstens ist nicht Schnee die Einsturz-Ursache gewesen, wie der Kraftwerksdirektor gegenüber Reuters erklärte. Im Film sagt er hier bei Minute 0:25: „Es war kein Schnee. Auf dem Dach lag kein Schnee! Die Bruchstellen lagen vielmehr an alten Bauteilen.“

Zweitens ist die Einsturzstelle nicht irgendwo, sondern hier, direkt am Sarkophag, wo es noch sehr viel mehr alte Bauteile gibt:

taz-neu

Und an der Stelle soll also die Strahlenbelastung „im Normalbereich“ sein? Hat man denn etwa die verstrahlten Klumpen, die 1986 hier das Dach der Maschinenhalle zertrümmerten, mittlerweile weggeräumt? Strahlt es in Tschernobyl denn überhaupt noch? Hat es je gestrahlt?

Dankenswerterweise veröffentlichte der Kraftwerksbetreiber Chernobyl Nuclear Power Plant aussagefähige Fotos von der Unglücksstelle:

Tschernobyl

Interessant sind die gelben Verstrebungen links am Bildrand: Die halten nämlich ein Dach. Ursprünglich war der Sarkophag für 25 Jahre ausgelegt, die alte Ummantelung ist 27 Jahre später also längst baufällig. „Beim Bau musste damals in Kauf genommen werden, dass die alten Stützenkonstruktionen nicht zuverlässig waren“, sagt Alexander Borowoi vom russischen Kurtschatow-Institut, dem früheren Zentralhirn der sowjetischen Atomindustrie. Die Konstruktion steht also wackelig auf einer Ruine. „Die Explosion und der Brand hatten das Material ja stark angegriffen“, so Borowoi. “Die Festigkeit des Fundaments konnte wegen der gewaltigen Strahlungsfelder nicht überprüft werden.“

Daher also die „alten Bauteile“, auf die sich der Kraftwerksdirektor bezieht. Zudem wurden bereits Ende der 1990er Jahre tausende Haarrisse in der alten Hülle lokalisiert – das 2006 errichtete Dach soll helfen, Regenwasser vom Inneren des Reaktors abzuhalten. Klar ist aber: Wo etwas von außen nach innen dringen kann, dringt es auch anders herum.

Von der anderen, wesentlich öfter fotografierten Seite sieht das Dach übrigens so aus:

 RS3248_reaktor

Die rechte gelbe Dachstrebe ist auf dem Foto davor die linke.  Ganz schön komisch, so ein nachträglich aufgestelltes Hilfsdach neben einem gerade eingestürzten Maschinenhausdach. Wo es doch darum gehen sollte, Atomstrahlung dauerhaft einzuschließen!

Huhu, taz? Muss man da nicht nochmal recherchieren?