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FAZ: Panik verbreiten

Montag, den 16. März 2015

Seit Alters her gibt es Wahrheiten, die so unumstößlich sind, dass sich der Mensch an ihnen orientieren kann. Zum Beispiel: Die Erde dreht sich, Wasser ist nass, Liebe macht blind, Strom ist unsichtbar, tagsüber scheint die Sonne.

Insofern sorgen Ausnahmen von diesen unumstößlichen Wahrheiten stets für helle Aufregung. Zum Beispiel die partielle Sonnenfinsternis, die am kommenden Freitag – vormittags – bevorsteht. Die FAZ fragt aufgeregt:

sofi„Denn siehe, des Herrn Tag kommt grausam, zornig, grimmig, das Land zu verstören“, warnt FAZ-Autor Andreas Mihm der Prophet Jesaja, „die Sonne geht finster auf, und der Mond scheint dunkel“.

Die BILD wird etwas konkreter:

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Donnerwetter! Kann die das denn, die Sonnenfinsternis?

Offenbar. Schließlich berichtet die Hannoversche Allgemeine, wie sich die Feuerwehr auf die Katastrophe vorbereitet:

sofi4Ach du Heimatland! Was ist denn da bloß los?

Die FAZ schreibt:sofi1

Klingt logisch! Wenn sich am Freitag der Mond vor die Sonne schiebt, kommt keine Sonnenenergie mehr auf der Erde an. Die Sonnenfinsternis wird „auch in Südniedersachsen für die Dauer von 139,58 Minuten für teilweise Dunkelheit sorgen“, schreibt das Göttinger Tageblatt. Mehr als zwei Stunden kein Licht!

Aber lassen Sie uns bei der FAZ bleiben:

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wenn die Erzeugung plötzlich ausfällt, wie Autor Mihm weiter ausführt: „Die Folgen der Sonnenfinsternis betreffen nicht nur Deutschland, sondern auch Italien, Frankreich und die Beneluxstaaten.“ Europa im Dunkeln! Wegen der deutschen Energiewende!! Wegen des deutschen Einspeisevorrangs für Solarstrom, den es am Freitag plötzlich nicht mehr gibt!!!

Nun hat das Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme eine Untersuchung der Auswirkungen der partiellen Sonnenfinsternis auf die deutsche Stromversorgung vorgelegt. Ergebnis: Es gibt keine Auswirkungen. „Der konventionelle Kraftwerkspark und insbesondere die flexiblen Pumpspeicherwerke sind technisch in der Lage, diese zeitlichen Änderungen der Photovoltaikleistung auszugleichen“, schreiben die Forscher.

Eine Einschätzung, die sich übrigens mit der der FAZ deckt. Denn wer sich dort die Mühe macht, das Schreckensszenario des Autors zu verfolgen, stößt früher oder später auf folgende Aussage: Die Probleme für die Stromversorgung seien

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Danke an Andreas L. und Nicole K. für ihre Hinweise!


FAZ: EEG-Bashing auf dürftiger Datenbasis

Freitag, den 28. Februar 2014

Einerseits wollen wir hier kein neues Bildblog werden, also nicht ständig darauf schauen, was Journalistenkollegen so treiben. Andererseits gibt es dann Texte wie jenen von Andreas Mihm diese Woche in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, den wir nicht unbemerkt lassen können. Dies war die Aufmachung:

Ausriss mit Überschrift: " Ökostrom Regierungsberater wollen EEG abschaffen  25.02.2014  ·  Das wird Angela Merkel nicht gerne hören: Wissenschaftler raten, die Förderung von Ökostrom abzuschaffen. Sie helfe weder dem Klima, noch bringe sie technische Innovationen. Von Andreas Mihm "

Den Inhalt haben Sie sicherlich mitbekommen: Die bislang eher wenig bekannte „Expertenkommission Forschung und Innovation“ (EFI) hat in ihrem neuen Gutachten das Erneuerbare-Energien-Gesetz scharf kritisiert. Es sei sowohl klima- als auch technologiepolitisch sinnlos und gehöre deshalb abgeschafft. Starker Tobak, der es denn auch in so ziemlich jedes Medium schaffte und Meinungsredakteure (etwa Christoph von Marschall im Tagesspiegel) zu Hochform auflaufen ließ.

Doch die Faktengrundlage dieses EEG-Bashings war extrem dünn, und das konnte man schon beim Lesen des FAZ-Textes ahnen. Im Detail haben es die Kollegen von der Süddeutschen Zeitung („Vernichtung auf zwei Seiten“) und dem österreichischen Ökoenergie-Blog („Der ultimative Leitfaden für organisierte Desinformation bei der Energiewende“) ausgeleuchtet. Wir empfehlen beide Texte zur Lektüre und sparen uns alle weiteren Worte.

Nee, Moment, ein paar doch noch: Selbst Die Welt attestiert der „Expertenkommission“ eine „dürftige Datenbasis“. Da sind wir mit dem Springer-Blatt ausnahmsweise mal ganz einer Meinung!


Die FAZ: Aktuelles zur Wahl

Donnerstag, den 19. September 2013

Folgende Schlagzeile findet sich heute im Wirtschaftsteil der FAZ:

Energiewende: Keine Spur vom grünen Beschäftigungswunder. 19.09.2013 • Mit der Energiewende sind große Hoffnungen auf neue Arbeitsplätze verbunden. Doch bislang stehen die erneuerbaren Energien nicht einmal für ein Prozent aller Erwerbstätigen. Von SVEN ASTHEIMER

Die FAZ berichtet über eine Studie mit der Überschrift: „Green Jobs: Erlebt Deutschland sein grünes Beschäftigungswunder?“ Bitte beachten Sie das Fragezeichen am Ende des Studien-Titels, denn darüber wird noch zu reden sein!

Zu Wort kommt im Bericht von FAZ-Redakteur Sven Astheimer Studienautor Nico Pestel: „Ich glaube nicht, dass Green Jobs auf absehbare Zeit für ein Beschäftigungswunder sorgen werden“, sagt Pestel. Weiter heißt es in der FAZ, Pestel kritisiere vor allem, „dass es weder einen brauchbaren internationalen Standard für grüne Beschäftigung gibt noch eine solide Datenbasis, mit der Beschäftigungserfolge nachvollzogen werden können“.

Und dann steht da folgende Zwischenüberschrift:

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Um eine Vergleichsgröße zu bekommen: In der gesamten Automobilindustrie in Deutschland waren zum Anfang dieses Jahres 747.000 Menschen beschäftigt. Im Maschinenbau waren es 970.000 Beschäftigte, in der gesamten Braunkohlenwirtschaft nur noch rund 22.000 Menschen.

Zwei Millionen Erwerbstätige im Umweltschutz sind also eine ganze Menge, könnte man meinen, aber die FAZ schreibt unter Berufung auf Pestels Studie: Kein „grünes Beschäftigungswunder“ in Sicht.

Wir möchten die geneigte Leserschaft auf zwei wichtige Details hinweisen: „Aktuell“, heißt es im Ausriss ganz am Anfang und am Beginn des Teasers steht das heutige Datum: „19.09.2013″. Die Studie ist aber gar nicht aktuell: Der Klima-Lügendetektor hatte sich bereits vor vier Wochen mit Pestels Arbeit befassen müssen. Und war dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass Pestels Aussage, ein grünes Jobwunder bleibe aus, gar nicht gedeckt ist durch Pestels Arbeit. Dort heißt es am Schluss als Fazit:

 Somit bleibt die Frage, ob Deutschland sein „grünes Beschäftigungswunder“ erlebt, vorerst also noch offen."

Entweder haben FAZ-Redakteure wie Sven Astheimer nicht mehr genügend Recherchezeit, um eine zwölfseitige Studie erst einmal zu lesen, bevor sie darüber schreiben. Oder aber solche Journalisten wollen selbst gern ein bisschen Wahlkampf machen.

Vielen Dank an Lukas W. aus Berlin für den Hinweis


PS: Seit zwei Jahren ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen Euros, um die Recherche auch 2013 unabhängig zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


FAZ: Klimaquatsch mit Dieter Ameling

Mittwoch, den 7. August 2013

Dinosaurier sterben zu sehen, macht schon ein bisschen traurig. Aber so ist halt das Leben: Ändert sich die Welt, müssen Arten sich anpassen – oder weichen. Man sollte bloß achtgeben, dass sie nicht noch irgendetwas zerdeppern, wenn sie verzweifelt im Todeskampf um sich schlagen …

Dieter Ameling war einmal ein wichtiger Wirtschaftslenker. Er war lange Jahre Manager bei Thyssen, Krupp und Saarstahl. Er war Präsident des Stahlwirtschaftsverbandes und Mitglied im Bundesverband der Deutschen Industrie. Man könnte noch viele Sätze über Dieter Ameling schreiben, die das Wörtchen „war“ enthalten. Aktiv werden kann er heute, so scheint es, fast nur noch beim Klimaesoterik-Verein EIKE, der Ameling auf seinen Konferenzen sprechen lässt. Nächste Woche feiert Dieter Ameling jedenfalls seinen 72. Geburtstag, und heute hat ihm die Frankfurter Allgemeine Zeitung ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk gemacht: Sie hat (wieder mal) einen Artikel von ihm gedruckt.

Zeitungsausriss mit Überschrift: "Freispruch für CO2 - Revision der Energiewende"

Der Inhalt lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Die Energiewende ist zu teuer und ruiniert die arme deutsche Wirtschaft, die noch stärker ins Ausland flüchten wird, wenn die grünen Chaoten weitermachen wie bisher. Das kann man natürlich so sehen, nicht umsonst steht über dem Artikel „Standpunkt“ – die FAZ-Redaktion kennzeichnet den Text also als Meinungsbeitrag. Trotzdem sollten gewisse journalistische Standards gelten. Westhalb man das zwar konservative, gleichwohl seriöse Blatt schon fragen muss: Sollten Redakteure nicht auch auf Meinungstexte einen kritischen Blick werfen? Und zumindest grobe sachliche Fehler oder Irreführungen verhindern. Okay, der Text stand auf den Wirtschaftsseiten der FAZ, aber Fakten prüfen, das sollte man auch dort können. Oder?

Als Startrampe für seine Suada hat sich Ameling nämlich ein paar Sätze gebastelt, die vorgeben, etwas über die Klimawissenschaft auszusagen. Schauen wir sie uns einzeln an:Ausriss mit Zitat: "Der renommierte Meteorologe Hans von Storch hat jüngst im "Spiegel" sehr klar bekannt, dass eine Erderwärmung seit 15 Jahren nicht mehr stattfindet."

Korrekt an dem Satz ist, dass Hans von Storch ein „renommierter Meteorologe“ ist und dem Spiegel kürzlich ein Interview gegeben hat. Doch hat er – wie sich hier nachlesen lässt – eben nicht „sehr klar bekannt, dass eine Erderwärmung seit 15 Jahren nicht mehr stattfindet“. Das wäre auch Quatsch. Diese Worte hat nur die Spiegel-Redaktion in ihrer Titelei zum Interview gewählt. Korrekt ist, dass die weltweite Durchschnittstemperatur an der Erdoberfläche in den vergangenen 15 Jahren weniger stark gestiegen ist als in den Jahrzehnten zuvor. Doch jeder Wissenschaftler – so auch von Storch – weiß, dass diese sogenannte Erdmitteltemperatur nur ein Indikator für die Erderwärmung ist. Und dass ein 15-Jahres-Zeitraum zu kurz ist, um verlässliche Aussagen über Klimatrends zu treffen – dafür nimmt man in der Regel 30 Jahre. Bei allen kürzeren Zeitspannen überlagern natürliche Klimaschwankungen den Langfristtrend. Und langfristig ist der Trend weiterhin klar, die Erde erwärmt sich. Nur eben, zugegeben, an der Erdoberfläche in den vergangenen 15 Jahren langsamer als zuvor und auch weniger stark, als es Klimamodelle vermuten ließen. Es lohnt ein genauer Blick auf die Worte, die von Storch im Interview wählte: Er sprach von „Stagnation“ der Erderwärmung oder von „Pause“ – aber eben nicht davon, wie Ameling, dass diese „nicht mehr stattfindet“.

Weiter im FAZ-Text: Ausriss mit Zitat: "Die Mittelwerte der Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigen sogar einen Rückgang der Temperaturen, und das, obwohl die Kohlendioxidwerte (CO2) weiterhin von Jahr zu Jahr gleichmäßig steigen."

Der Satz mag, bei wohlwollender Auslegung, stimmen – aber er geht am Thema vorbei. Man weiß nicht recht, was Ameling mit „Mittelwerten der Daten des Deutschen Wetterdienstes“ meint, vermutlich die Temperaturdaten der letzten 15 Jahre (sie sind zum Beispiel hier dargestellt, siehe Seite 12). Aber erstens gilt auch hier, dass die letzten 15 Jahre wenig aussagen über langfristige Klimatrends. Und zweitens sagen Temperaturdaten nur für Deutschland noch weniger über die Entwicklung des Weltklimas. Wir nehmen an, dass der Deutsche Wetterdienst (DWD) die Daten besser deuten kann als der Ex-Stahlmanager Ameling. Und der DWD betonte erst im Mai: „Auch in Deutschland lag die Mitteltemperatur im Jahr 2012 mit 9,1 Grad Celsius (°C) erneut deutlich über dem vieljährigen Mittel von 8,2 °C. Das Jahr 2012 war damit kein Rekordjahr, aber das 16.-wärmste seit 1881. Nach Auswertungen des DWD waren 24 der vergangenen 30 Jahre in Deutschland zu warm. In diese drei Jahrzehnte fielen zugleich 9 der 10 wärmsten Jahre der inzwischen 132-jährigen Zeitreihe des nationalen Wetterdienstes.“ Am Klimawandel bestehe jedenfalls kein Zweifel:

Was aber schließt Ameling aus seinen ersten beiden Sätzen?Ausriss mit Zitat: "Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen steigenden CO2-Gehalten der Luft und dem dadurch bedingten Temperaturanstieg existiert also nicht."

Der Satz ist streng genommen korrekt. Aber in diesem Zusammenhang trotzdem völlig irreführend. Denn niemand, jedenfalls kein Klimawissenschaftler, hat jemals behauptet, dass es einen „unmittelbaren Zusammenhang zwischen steigenden CO2-Gehalten der Luft und dem dadurch bedingten Temperaturanstieg“ gebe. Vielleicht glaubt Klein-DieterFritzchen, dass es einen linearen und direkten Zusammenhang gibt. Aber jeder Klimatologe weiß, dass das Klimasystem der Erde kompliziert ist: Dass es neben Kohlendioxid natürlich weitere Klimafaktoren gibt, etwa Methan, die Sonne oder Aerosole in der Atmosphäre, die das CO2 überlagern können. Dass Temperaturanstiege zeitlich versetzt stattfinden können. Dass die Energie im Klimasystem beständig umgewälzt wird und gigantische Wärmemengen in der Tiefsee „verschwinden“ können (dies ist eine mögliche Erklärung, warum an der Erdoberfläche der Temperaturanstieg momentan eher schwach ausfällt). Und so weiter. Dass 15 Jahre CO2-Anstieg in 15 Jahren linearem Temperaturanstieg münden, erwartet jedenfalls niemand. Außer vielleicht Dieter Ameling. Der weiter schreibt:Ausriss mit Zitat: "Von Storch vermutet, dass in den Klimamodellen der Klimaforscher ein fundamentaler Fehler steckt und die Vorhersagen korrigiert werden müssen."

Autsch, wieder eine Verfälschung des Spiegel-Interviews. Hans von Storch kritisiert darin zwar eine Reihe von Fachkollegen (wie er es übrigens oft und gern tut). Von Storch sagt auch, dass etwas mit den bisherigen Klimamodellen nicht stimmen könne (genau deshalb forscht die weltweite Wissenschaftscommunity ja weiter dran). Von Storch sagt wörtlich: „Wenn das so weitergehen sollte [mit der Stagnation des Lufttemperaturanstiegs], müssten wir uns spätestens in fünf Jahren eingestehen, dass mit den Klimamodellen etwas fundamental nicht stimmt.“ Haben Sie es gemerkt? Er sagt „in spätestens fünf Jahren“. Und selbst das würde, so von Storch, nicht bedeuten, dass es keinen Klimawandel gibt, sondern lediglich, dass er langsamer verläuft oder natürliche Klimaschwankungen stärker sind als gedacht. Auf die Interviewfrage, ob „die Theorie der globalen Erwärmung insgesamt auf dem Spiel“ stehe, antwortet von Storch: „Das glaube ich nicht. Wir haben weiterhin überzeugende Hinweise auf einen menschengemachten Treibhauseffekt.“

Da wirkt der weitere – tja, soll man dazu Argumentationsstrang sagen? – mehr als lächerlich: Ausriss mit Zitat: "Es ist höchste Zeit für einen Freispruch des CO2 mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen: Revision der CO2-Einsparziele. Klimaschutz durch CO2-Reduktion ist nicht möglich. Das Klima kann man nicht schützen. Klimawandel gibt es, solange die Erde sich dreht. Revision der Energiewende mit dem Schwerpunkt "Totaler Stopp für den Ausbau der erneuerbaren Energien". Der Ausstieg aus der Kernenergie soll dabei nicht revidiert werden. Revision der überzogenen CO2-Grenzwerte für die Automobilindustrie."

Für einen „Freispruch des CO2″ gibt es nicht den geringsten Grund, jedenfalls keinen wissenschaftlichen. Alles, was auf den folgenden gut drei Zeitungsspalten noch folgt, kann Herr Ameling ja gern glauben. Er kann auch gern eine „Revision der Energiewende“ fordern. Und weiter auf die fossilen Dinosauriertechnologien setzen, mit denen er groß geworden ist. Aber er kann seine Meinungen nicht aus dem Stand der Klimaforschung ableiten.

P.S.: Hans von Storch hat sich nun auf seinem eigenen Blog „Die Klimazwiebel“ zu Wort gemeldet und Ameling „Frechheit“ vorgeworfen.


FAZ: Prominenter Platz für Klima“skeptiker“

Mittwoch, den 9. März 2011

Herrje, heute sind die sogenannten „Klimaskeptiker“ im deutschen Bürgertum angekommen. Dieter Ameling, einst Chef der Wirtschaftsvereinigung Stahl und inzwischen Berater des bizarren Jenaer Klima“skeptiker“-Vereins EIKE, darf im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter der Überschrift „Das Klima kann man nicht schützen“ zusammenfassen, was die Gemeinde so glaubt.

Schon früher als Industrielobbyist griff Ameling gern Klimaschutz-Instrumente wie den EU-Emissionshandel an. Von ihm ist zudem überliefert, dass er seinen Dienstwagen, einen 7er BMW, gern schnell fuhr, nämlich „zehn Prozent unter Höchstgeschwindigkeit“, was doch „ein guter Kompromiss“ sei. Und nun, im Ruhestand, zieht der Herr durch die Lande (unter anderem sprach er vergangenen Dezember auf einer „Skeptiker“-Tagung in Berlin) und versucht, dem Klimaschutz jegliche Grundlage zu entziehen – indem er auf eine vermeintlich wackelige wissenschaftliche Faktenbasis verweist. Nichts an Amelings Artikel ist neu oder spannend – neu ist lediglich, dass ein seriöses Blatt wie die FAZ ihm so viel Platz für so viel Quatsch einräumt.

Der Text ist eine Sammlung ebenso altbekannter wie längst widerlegter Thesen der „Klimaskeptiker“, allerdings rhetorisch durchaus geschickt aufbereitet. So schreibt Ameling beispielsweise:

Die Aussage ist ja durchaus korrekt. Nur dient sie Ameling dazu, den erdgeschichtlichen mit dem heutigen Klimawandel gleichzusetzen. Dabei vollzieht sich die gegenwärtige Erwärmung viel schneller als frühere, und vor allem ist sie nachweislich durch den Menschen verursacht. Amelings These ist zwar eingängig, aber ein Fehlschluss: Mit derselben Logik könnte man bestreiten, dass es Brandstifter gibt, nur weil es schon immer auch natürliche Waldbrände gab.

Dasselbe rhetorische Muster findet sich in diesem Satz:

Streng genommen stimmt auch er. Allerdings ist unter (seriösen) Forschern nur strittig, ob – salopp gesagt – der menschliche Einfluss groß, sehr groß oder sehr, sehr groß ist.

So geht das über insgesamt fünf FAZ-Spalten. Das perfide an Amelings Text ist, dass man für jeden Satz ein Vielfaches an Platz bräuchte, um ihn richtigzustellen. Genau dies ist der strategische Nachteil, den Klimatologen in der öffentlichen Debatte gegenüber „Skeptikern“ haben: Deren Thesen sind meist prägnant und kurz – ernsthafte Forscher hingegen formulieren kompliziert und langatmig. Aber weiter im Text:

Über all die natürlichen Klimafaktoren, die Ameling hier nennt, zerbricht sich die Wissenschaft seit Jahrzehnten den Kopf – dass sie in der öffentlichen Diskussion kaum eine Rolle spielen, hat einen einfachen Grund: Diese Faktoren können den in den letzten Jahrzehnten beobachteten Temperaturanstieg auf der Erde einfach nicht erklären. Am beliebtesten unter Klima“skeptikern“ ist der Verweis auf die Sonne. Diese ist tatsächlich ein wichtiger Klimafaktor – aber er wird in jüngster Zeit immer mehr durch menschliche Einflüsse überlagert, etwa den anthropogenen CO2-Ausstoß oder die Vernichtung der Regenwälder. Im übrigen ist die Sonnenaktivität gerade auf einem historischen Tiefpunkt – und trotzdem war 2010 eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Messungen.

Ein letztes Beispiel:

Mag ja sein, dass man in der Wirtschaft nur in Vier-Jahres-Rhythmen denkt – beim Klima aber geht es um längere Trends, mindestens um 30-Jahres-Zeiträume. Und langfristig betrachtet schmilzt das arktische Meereis dramatisch. Das von Ameling erwähnte Jahr 2007 war ein historischer Tiefststand – dass darauf ein paar Jahre folgten, die zwar weniger katastrophal waren, liegt in der natürlichen Variationsbreite. Doch selbst in diesen „besseren“ Jahren war der Eispanzer auf dem Nordmeer kleiner als im langjährigen Mittel.

Am Schluss seines Textes fordert Ameling,

Das ist keine schlechte Idee – weshalb sie auch schon viele Leute vor ihm hatten. George W. Bush beispielsweise ließ 2001 den Dritten Sachstandsbericht des Weltklimarats von der US-Akademie der Wissenschaften überprüfen – sie bestätigte die Befunde. Im vergangenen Jahr schaute sich der Weltverband der Akademien, das InterAcademy Council, im Auftrag der UN den IPCC genauer an – Ergebnis: Die Arbeit ist im Grundsatz in Ordnung, allerdings sollte das Management und die Kommunikation des Weltklimarats verbessert werden. Wenn Ameling nun noch einmal eine Überprüfung verlangt, ist das Motiv durchschaubar: Jede Verzögerung beim Klimaschutz bedeutet beispielsweise für die Stahlwirtschaft, dass sie länger Profite auf Kosten des Klimas machen kann.


Dong Energy in der FAZ: Getarnte Propaganda

Dienstag, den 7. Juli 2009

Heute hat der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) eine 28-seitige „Sonderveröffentlichung“ zum Thema „Klimaschutz & CCS“ beigelegen. Die als Informationsblatt getarnte PR-Broschüre enthält eine Mischung von redaktionellen Artikeln und „Gastbeiträgen“ verschiedener Firmen. Zum Beispiel darf sich die Daimler AG über den „Weg zum emissionsfreien Fahren“ auslassen. An anderer Stelle – unter der unauffälligen Überschrift „Regional und saisonal einkaufen“ – wird netterweise beschrieben, wie unser Lügendetektor Grünfärbereien von Unternehmen entlarvt.

Nun denn, schreiten wir also wieder zur Tat: Ein großer Teil der Beilage behandelt das Thema CCS – also die umstrittenen Technologien zur Abscheidung und unterirdischen Endlagerung von Kohlendioxid, die (irgendwann einmal) Kohlekraftwerke klimaverträglicher machen sollen. Da gibt es, merkwürdig, gleich zwei Interviews mit Charles Nielsen von Dong Energy und außerdem noch einen längeren Gastbeitrag dieses dänischen Unternehmens. Dessen Charmeoffensive in Deutschland hat einen Grund: Dong möchte in Lubmin bei Greifswald ein 1500-Megawatt-Kohlekraftwerk bauen, das jährlich sieben Millionen Tonnen CO2 ausstoßen wird – und dagegen regt sich Widerstand. Ein weiterer Klimakiller ist in Emden geplant.

Dong verkündet in seinem „Gastbeitrag“: „Heute basiert die konzerneigene Energieerzeugung auf 15% erneuerbarer und 85% konventioneller Energie. Dieses Verhältnis will der Konzern auf den Kopf stellen.“ Erst beim Lesen der nächsten Sätze stellt sich heraus, dass das Unternehmen dabei neben Windenergie auch CCS-Kohlekraftwerke im Sinn hat, also keineswegs 85 Prozent erneuerbare Energien plant – obwohl dies gerade im windigen Dänemark durchaus möglich wäre.

Der Artikel mündet in unverhohlener Werbung für das geplante Kraftwerk Lubmin: Die Region könne „eine Menge Vorteile daraus ziehen“. Es entstünden „zirka 140 zukunftsorientierte langfristig sichere Arbeitsplätze.“ Dumm nur, dass am gleichen Tag der WWF eine Studie zum Kohlekraftwerk Lubmin veröffentlicht hat, die vor den ökonomischen Risiken des Projekts warnt: Weil für den CO2-Ausstoß des Kohlekraftwerkes im Rahmen des Emissionshandels zukünftig voraussichtlich jährliche Kosten von 140 bis 280 Millionen Euro anfallen, drohe das Kraftwerk zu einer Investitionsruine zu werden. Die Kohleabhängigkeit des Unternehmens werde sich mit dem Kraftwerk von 57 auf 65 Prozent erhöhen. Achso: Die Erzeugung derselben Menge Strom aus erneuerbaren Energien brächte sicherlich viel mehr Jobs.

Illustriert ist der Dong-Gastbeitrag mit einer Computersimulation, die das geplante Kraftwerk in Lubmin „mit Fullsize-CCS-Anlage“ zeigt. Hm. Leider steht in den Sternen, ob es solch eine Anlage zur CO2-Abscheidung in Lubmin jemals geben wird. Und das nicht nur, weil das CCS-Gesetz der Großen Koalition gescheitert ist, sondern weil darüber hinaus völlig unklar ist, ob CCS jemals wirtschaftlich machbar sein wird. In einem aktuellen Hintergrundpapier stellt das Umweltbundesamt fest, es sei „derzeit unklar, ob CCS eine Option zur großtechnischen CO2-Emissionsminderung und damit eine bedeutende Maßnahme des Klimaschutzes werden kann“.

Auch in den scheinbar neutralen Redaktionsbeiträgen der FAZ-Beilage aus dem „Reflex Verlag“ – die vor sachlichen Fehlern nur so strotzen – taucht Dong übrigens immer wieder auf. So ist unter der Zeile „Lösung CCS-Technologie“ zu lesen: „Auch wenn die Entwicklung noch in vollem Gang ist, gibt es bereits CCS-Kraftwerke wie das dänische Kohlekraftwerk Esbjerg, die eine Prozesskette mit CO2-Abtrennung realisiert haben.“ Eine Seite später erfährt man dann allerdings in einem anderen Text, dass es sich dabei nur um eine Pilotanlage handelt, in der „stündlich eine Tonne CO2“ abgeschieden wird. Wer aber wissen will, wie viel das ist, muss schon im Internet recherchieren: Da erklärt Dong-Mitarbeiter Charles Nielson: „Obwohl die Anlage in Esbjerg die größte in Betrieb befindliche Pilotanlage ist, werden nur 0,5 Prozent der Rauchgase im Kraftwerk aufgefangen.“

Schließlich thematisiert der Artikel, scheinbar kritisch, auch die zu erwartenden Probleme bei der unterirdischen Ablagerung von Kohlendioxid. Er endet mit den Sätzen: „Umweltbundesamt und das Fraunhofer-Institut sind der Meinung, dass es eine totale Dichtigkeit nicht geben kann. Eine mögliche Leckagerate von weniger als 0,1 Prozent sei aber grundsätzlich als unbedenklich einzustufen.“ Das sollte machbar sein?

Leider wurde eine Null vergessen. Das Umweltbundesamt fordert in Wahrheit, dass jährlich maximal 0,01 Prozent, also ein Zehntausendstel des gespeicherten Kohlendioxids austreten dürfen – und stellt fest: „Selbst niedrige Leckageraten können den Nutzen für den Klimaschutz in Frage stellen.“