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RWE: Ein neuer Versuch der Grünfärberei

Kein Unternehmen hat uns seit unserem Start 2008 so oft beschäftigt wie der Kohleriese RWE. Wenn Sie hier klicken [1], sehen Sie alle Texte mit dem Schlagwort „RWE“ – und Sie können dann seitenlang durchs Archiv blättern. (Was Sie dort dann lesen können, ist teilweise wirklich bizarr, versprochen!)

Heute ist uns in der Süddeutschen Zeitung wieder eine Annonce des Energieversorgers aufgefallen:

[2]

… steht da in riesigen Lettern. Und weiter:

[3]

Ach, nee, stopp! Da war uns jetzt beim Hochladen der Ausrisse die Hand auf der Maus ausgerutscht – diese beiden stammten aus einer RWE-Annonce in der Süddeutschen vom April 2008 [4]. Damals versprach RWE, künftig voll auf Klimaschutz zu setzen. Voll ganz doll, echt. Wurde irgendwie nichts draus …

Nun hat RWE erneut eine Werbeoffensive gestartet. Von der Edel-Agentur Scholz & Friends [5] ließ man sich (wieder mal) einen neuen Markenauftritt designen, Anlass ist die Übernahme der Erneuerbaren-Sparte von Ex-Konkurrent Eon [6]. So also sah heute tatsächlich die RWE-Annonce in der Süddeutschen aus:

[7]

Man investiere Milliarden und setze nun wirklich voll auf Erneuerbare, lautet die Botschaft. Echt, ganz ehrlich! „Klimaneutral bis 2040″ sei das Ziel der „neuen RWE“.

Wie verlogen auch diese Kampagne ist und wie schlapp das 2040-Ziel, das brauchen wir hier gar nicht aufzuschreiben – das haben heute zwei Kollegen von taz und FAZ in seltener Einhelligkeit getan. Wir zitieren im Folgenden einige Passagen aus den Texten von Ingo Arzt [8] und Helmut Bünder [9]. Sie können sich ja den Spaß machen und raten, welche Zitate aus dem links-alternativen und welche aus dem konservativ-wirtschaftsfreundlichen Blatt stammen:

Heuchlerische Pläne“ +++ „Peinliche Öko-Propaganda“ +++ „RWE feiert sich dafür, dass man jetzt auf Ökoenergien macht. Dabei ist der Konzern viel zu spät dran und zerstört weiterhin Dörfer für die Kohle“ +++ „Durch den selbst ausgerufenen Aufstieg in die Ökoliga wird zunächst auch kein neues Windrad und keine neue Solaranlage aufgestellt – RWE übernimmt nur Vorhandenes und erzeugt weiterhin den meisten Strom aus Kohle. Außerdem kündigt [RWE-Chef] Schmitz zwar 1,5 Milliarden Euro Investitionen in Ökoenergien im Jahr an, allerdings kaum in Deutschland.“ +++ „Der Versorger tut nur das, was die Politik ihm vorschreibt, keinen Deut mehr. Und deshalb wird RWE auch fleißig weiter Kohle verbrennen, solange man den Konzern lässt: also exakt bis 2038, dem bisher angepeilten Endjahr für den Kohleausstieg in Deutschland. Da gehört schon einiges an Chuzpe dazu, den ihm aufgezwungenen Wandel zur neuen grünen Strategie zu erklären.“ +++ „Ein großes Opfer ist der Kohleausstieg für RWE ohnehin nicht: In Deutschland kassiert er dafür Milliardenentschädigungen, in den Niederlanden 2,9 Milliarden Euro Förderung, um Kohlemeiler auf Biomasse umzurüsten. Die groß angekündigte Umstellung ist eine Anpassung an politische, gesellschaftliche und ökonomische Realitäten. Der Wandel wurde über Jahre von Umweltverbänden, Politikern, Wissenschaftlern und all denen, die für die Energiewende auf die Straße gingen, erkämpft. Gegen den Widerstand von RWE-Managern, die sich jetzt feiern lassen.“ +++ „Zum Klimawandel trägt der Essener Energiekonzern weiter erheblich bei. … Die peinliche Öko-Propaganda sollten sich die RWE-Strategen besser sparen.“

Besser hätten wir’s auch nicht formulieren können.