Monatsarchiv für April 2009

Asphaltlobby GSV: Ein ganz normaler Verein?

Mittwoch, den 29. April 2009

Im niedersächsischen Duderstadt hat sich heute ein Verein namens „Gesellschaft zur Förderung umweltgerechter Straßen- und Verkehrsplanung“ (GSV) zu seiner jährlichen Mitgliederversammlung getroffen – „still und unauffällig“, wie es in einer gemeinsamen Presseerklärung von LobbyControl, dem ökologisch orientierten Verkehrsclub VCD und einem Bündnis nordhessischer Umweltverbände heißt. „Die GSV ist eine Vorfeldorganisation der Asphalt- und Baulobby, um lokale Initiativen für mehr Straßen aufzubauen“, kritisiert Ulrich Müller von LobbyControl.

Nicht Umweltschützer werden also von der GSV unterstützt, wie es der Name vielleicht vermuten ließe, sondern Gruppen, die sich für Ortsumgehungen oder neue Autobahnen einsetzen. Solche Initiativen erhalten bei der GSV Rat für ihre Pressearbeit oder vorgefertigte Aufkleber und Plakate. Pensionierte Baubeamte erklären den Gruppen, wie sie am besten auf Genehmigungsverfahren Einfluss nehmen können. Sehr anschaulich ist die Arbeit des Vereins in einem Beitrag des ARD-Magazins Panorama von 1998 dargestellt.

Die Gründung oder Unterstützung von unverfänglich oder gar positiv klingenden Organisationen ist eine bewährte PR-Strategie. Unter anderem die Tabak- und Pharmaindustrie hat reiche Erfahrungen mit Schein-Bürgerinitiativen, im Englischen „Front Groups“ genannt. Die GSV schreibt auf ihrer Internetseite, sie sei als gemeinnützig anerkannt und arbeite „unabhängig von Parteien, Behörden sowie wirtschaftlichen Interessengruppen oder Einzelinteressen“. Nach Angaben von LobbyControl aber erhält der Verein einen Großteil seiner Finanzen von einer fast gleichnamigen „Fördergemeinschaft für umweltgerechte Straßen- und Verkehrsplanung“ (FSV) – und diese wiederum sei von Unternehmen der Bau- und Baustoffindustrie gegründet worden, etwa der Strabag oder dem Asphalthersteller Deutag.

Wir wollten das nicht so einfach glauben und haben heute mittag Klaus Wild angerufen, den Geschäftsführer der GSV. Wir erreichten ihn am Rande der Mitgliederversammlung auf seinem Mobiltelefon. In seinem Verein sitze nicht die Baulobby, betonte Wild, sondern „220 Bürgermeister und Landräte“.

Und woher bekommt der Verein sein Geld?

„Die GSV versucht ihr Geld überall einzutreiben“, so Wild, beispielsweise sei man „bei allen Oberlandesgerichten gelistet“ als einer der gemeinnützigen Vereine, die in Urteilen regelmäßig als Empfänger von Bußgeldern bestimmt werden.

Bekommen Sie auch Spenden?

„Wenn Sie ein Bürger sind, der sagt, wir wollen eine Ortsumgehung, dann sagen wir Ihnen, wo sie sich am besten hinwenden in der Sache; und wenn Sie uns dann hinterher 50 Euro spenden, dann freuen wir uns.“

In der Presseerklärung von LobbyControl und anderen Verbänden heißt es über die „Fördergemeinschaft für umweltgerechte …“

Wild unterbrach: „Mit der FSV haben wir nichts zu tun!“

Bekommen Sie kein Geld von der FSV?

„Das will ich Ihnen nicht sagen, das sind Vereinsinterna.“

Aber andere gemeinnützige Vereine wie Unicef veröffentlichen ganz selbstverständlich jedes Jahr detaillierte Finanzberichte!

„Ich will mich nicht mit Unicef vergleichen.“ Im weiteren Gespräch räumte Wild dann doch ein, dass seine Organisation Geld von der FSV bekommt – dieses mache aber nur „einen Bruchteil“ des eigenen Budgets aus. Die FSV sei im übrigen „ein ganz normaler Förderverein“ so wie fast jedes Gymnasium einen habe. Mit weiteren Fragen jedoch, riet Wild, möge man sich bitte direkt dorthin wenden.

Aber wo erreicht man denn die FSV? Eine Internetseite hat der Verein jedenfalls nicht.

Er könne später ein Telefonat führen, bot Klaus Wild an. Ein Vertreter des FSV werde dann sicherlich zurückrufen.

Wir haben bis kurz vor Mitternacht vergeblich drauf gewartet.

P.S.: Bei LobbyControl hat man sich über unser Gespräch mit dem GSV-Geschäftsführer sehr gewundert. Denn, so trägt die Kölner Organisation heute in ihrem eigenen Blog nach, Wild sei neben seiner GSV-Funktion auch „vertretungsberechtigtes Vorstandsmitglied der FSV“. Klaus Wild hätte uns also wohl – direkt nach dem Telefon – gleich selbst anrufen können.


Fiat: Klimaschutz kostet extra

Dienstag, den 28. April 2009

Ach, ist der süß! Wenn der kleine Fiat 500 mit seinen Kulleraugen-Scheinwerfern durch die Großstädte rollt, sind ihm die Sympathien sicher. Und weil es in Berlin, Hamburg und München so viele Ampeln gibt, bieten die Italiener jetzt eine Start-Stopp-Automatik an – bei stehendem Fahrzeug schaltet sich damit der Motor ab:

„Doppelt so viel Spaß“ für die Umwelt, die davon „hin & weg“ ist? Naja. Zwar sinken durch Start-Stopp die (offiziellen) Kohlendioxid-Emissionen von 119 auf 113 g/km. Aber das reicht gerade so, um die läppische EU-Hürde für das Jahr 2015 zu nehmen, die für das Leichtgewicht (940 kg) bei 114 g CO2/km liegt. Und leider ist die Start-Stopp-Automatik eine aufpreispflichtige Sonderausstattung. 2.000 Euro extra sind gegenüber dem Basismodell mit identischem Motor fällig. Zwar liefert Fiat dafür dann auch ein paar Gimmicks wie Leichtmetallfelgen oder Chromleisten. Doch 2.000 Euro sind echt happig – denn eine Start-Stopp-Automatik ist kaum mehr als eine simple Steuerungssoftware für den Anlasser. Doch die Marketing-Experten der Autokonzerne glauben, dass man damit bei ökobewussteren Kunden eine Menge Geld extra absahnen kann.

Die im Kleingedruckten der Fiat-Anzeige versprochenen 110 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer bekommt man bei Fiat dann aber immer noch nicht. Denn hierfür braucht der Wagen noch ein Automatik-Getriebe – wofür der Konzern weitere 900 Euro Aufpreis kassiert. Statt 11.000 Euro kostet solch ein Fiat 500 letztlich 13.900 Euro. Da macht Klimaschutz nur noch halb so viel Spaß.

P.S.: Mit dieser dreisten Preispolitik ist die italienische Marke nicht allein, fast alle Autohersteller fordern für ihre spritsparenden Modelle satte Zuschläge. Dabei sollten Dinge wie Leichtlauföle und rollwiderstandarme Reifen längst überall serienmäßig sein. Und dass eine Start-Stopp-Automatik nicht extra kosten muss, beweisen etwa BMW und Mini mit ihrer serienmäßigen Paket „efficient dynamics“. Die Konkurrenz dagegen lässt sich wohlklingende Namen wie „BlueMotion“ oder „Greenline“ gesondert bezahlen.


McDonald’s: (Energie-)Effiziente Werbemaßnahme

Donnerstag, den 23. April 2009

Heute eröffnet McDonald’s in Achim bei Bremen sein erstes energieeffizientes Restaurant. Laut Pressetext soll es als „weltweit einzigartiges Testlabor für alle anderen McDonald’s-Restaurants“ dienen. Um 12 Uhr werden die TV-Moderatoren Wigald Boning und Barbara Eligmann die installierten Öko-Technologien in Form einer Clever-Show präsentieren. Auf dem Dach der „EE-Tec“-Filiale prangen eine Fotovoltaikanlage zur Stromerzeugung, Solarkollektoren zur Warmwassergewinnung sowie ein Windrad mit dem gelben „M“, darüber hinaus kommen eine Geothermie-Wärmepumpe sowie diverse Energiespar-Technologien zum Einsatz. „Was sich im Praxistest bewährt, kann in weiteren McDonald’s Restaurants eingesetzt werden“, kündigt die Fastfood-Kette an.

Bravo, liebe McDonalds-Betreiber, ein beachtliches Projekt – aber so einfach kommt Ihr uns nicht davon. Wir hätten da noch ein paar Fragen:

1. Schön, dass Ihr in Achim eine Fotovoltaik-Anlage, Solarkollektoren und eine Wärmepumpe einem „Praxistest“ unterzieht – aber das haben doch schon Millionen vor euch getan! Bundesweit wollt Ihr in diesem Jahr 40 neue Filialen eröffnen. Warum wendet Ihr diese längst bewährten Technologien nicht gleich auch in den 39 anderen an?

2. Toll, dass Ihr in Achim einen „neu entwickelten Induktionsgrill“ testet, der „das Fleisch energieeffizient grillt“ – zu dumm nur, dass das Grillgut alles andere als energieeffizient erzeugt wurde. Laut Foodwatch trägt die Landwirtschaft zum Klimawandel genauso viel bei wie der Verkehr, und von allen Lebensmitteln hat ausgerechnet eure größte Spezialität mit Abstand die schlechteste Klimabilanz: das Fleisch von Methan rülpsenden Rindern! Warum habt Ihr eigentlich Euren einzigen vegetarischen Burger 2005 wieder aus dem Programm genommen? (Die Antwort wird vermutlich sein, dass er sich so schlecht verkauft hat. Aber mal ehrlich: Im Gegensatz zu vielen anderen Veggie-Burgern hat Euer „Gemüse-Mac“ wirklich fade geschmeckt – und der Name war auch nicht gerade appetitanregend.)

3. Danke, dass Ihr vorab so schöne Pressefotos verschickt habt – im Bild unten sticht da etwas ins Auge. Wenn es euch Ernst ist mit dem „weltweiten Vorbildcharakter“, warum ermuntert Ihr Eure Gäste nicht, energieeffizient zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu kommen? Musste es in Achim denn ausgerechnet wieder ein McDrive sein?


Braunkohle-Lobby: Sieben Seen voller Krokodilstränen

Dienstag, den 21. April 2009

Der Braunkohle-Lobbyverband DEBRIV hat die dritte Welle seiner groß angelegten Greenwashing-Kampagne mit sogenannten „Diskussionsbeiträgen“ gestartet. Diesmal darf Walter C. Steinbach, Präsident der Landesdirektion Leipzig, im farblich passenden Layout seinen Senf abgeben. Ihm ist ein besonders zynischer Beitrrag gelungen:

Steinbachs Argumentation lautet, es sei zwar bedauerlich, dass in der Region Leipzig in den vergangenen Jahrzehnten 24.000 Menschen ihre Heimat verlassen mussten, um dem Braunkohletagebau zu weichen, aber das sei ja quasi Geschichte: „Erst die politische Wende 1989 führte zu einem Umdenken. Die Braunkohleförderung ging von 60 auf 10 Millionen Tonnen pro Jahr zurück (…)“ Inzwischen transformiere sich der Südraum Leipzig „von einer Industrielandschaft in eine Industriekulturlandschaft mit hohem Freizeit- und Erholungswert.“ Bis 2015 sollen in dem Gebiet sieben Seen mit einer Gesamtwasserfläche von fast 35 Quadratkilometern entstehen. „Nach den teilweise schlimmen Folgen der früheren bergbaulichen Nutzung können die Menschen wieder hoffnungsvoll in die Zukunft blicken“, schreibt Steinbach.

Für die Menschen in Heuersdorf am südlichen Rand des Tagebaus Schleenhain muss das wie Hohn klingen. Hoffnungsvoll blickt dort niemand in die Zukunft, vielmehr ist die Stimmung unglaublich trostlos. Denn in diesen Tagen reißen Baufahrzeuge alles nieder, was von dem Dorf noch übrig ist, die letzten Bewohner müssen ihre Häuser verlassen. Und das alles nur, weil unter ihrem Heimatort rund 50 Millionen Tonnen Braunkohle liegen. Dass sie ihr mehr als 700 Jahre altes Dorf aufgeben müssen, damit das Kraftwerk Lippendorf viereinhalb Jahre lang mit Brennstoff versorgt werden kann, empfinden die Heuersdorfer als Verbrechen. Ob ihre Ortschaft nun in der DDR oder im Freistaat Sachsen abgebaggert wird, ist für sie nebensächlich.

Steinbachs Beitrag endet wie eine Drohung: „Um diese Entwicklung nicht zu gefährden, hält der Freistaat Sachsen im Rahmen seines Energieprogramms an der heimischen Braunkohle auch zukünftig fest.“ Nach den derzeitigen Plänen soll der Tagebau noch bis 2040 wachsen.

PS: Braunkohle ist der klimaschädlichste Energieträger überhaupt. Vor diesem Hintergrund ist auch der in der Anzeige besonders hervorgehobene Satz interessant, die Landschaft um Leipzig bekomme „ein ganz neues Gesicht“: Tatsächlich weren für den Norden Sachsens bis Ende des Jahrhunderts ein Rückgang der sommerlichen Niederschläge um 30 Prozent und deutlich steigende Temperaturen prognostiziert. Sachsen droht zu versteppen.


VW Phaeton: Nur 17,1 Liter Benzinverbrauch!

Freitag, den 17. April 2009

„VW ist grün“, verkündete Volkswagen-Chef Martin Winterkorn letzten Herbst auf dem Pariser Automobilsalon. Die Phaeton-Limousine ist das „Spitzenmodell“ von VW, und da dachten wir kurz, der Wagen sei vielleicht auch in punkto Klimaschutz spitze. Naja, war nur so ’ne Idee.

Jedenfalls flatterte uns vor ein paar Tagen der neue Phaeton-Prospekt auf den Schreibtisch. Exquisit ist das Ding – wie der Phaeton. Dickes, schneeweißes Hochglanzpapier, aufwändig bedruckt. „Herzklopfen, Bauchkribbeln, Adrenalin“, verspricht die Werbebroschüre, sie schwärmt von „stilvollem Design, edlen Materialien, einem großzügigen Raumkonzept“. Eine ganze Doppelseite zeigt den Phaeton durch einen Wald fahrend – aber damit soll entgegen der üblichen Werbe-Bildsprache nicht die Umweltfreundlichkeit der Limousine illustriert werden, sondern die Verwendung von Wurzelholz und „edelstem Leder“ in ihrem Innenraum.

Auf Seite 26, wo es um die Motoren geht, kommen dann zumindest kurz Verbrauchs- und CO2-Werte zur Sprache. Dem Sechs-Zylinder-Benziner wird ein „geringer Kraftstoffverbrauch“ bescheinigt – bei 11,7 Litern pro hundert Kilometer im Durchschnitt und gar 17,1 Litern in der Stadt eine kühne Behauptung. Die Zwölf-Zylinder-Variante mit 450 PS schafft es übrigens auf 21,4 Liter (und 348 Gramm CO2-Ausstoß). Zur dann doch etwas maßvolleren Dieselvariante dichten die VW-Werbetexter:

Wie bitte? „Höchste Umweltverträglichkeit“ und „ein reines Gewissen“. Immerhin stößt selbst dieser sparsamste Phaeton laut Prospekt noch 239 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer aus. Das ist glatt das Doppelte der 120-Gramm-Schwelle, ab der künftig wegen Umweltfreundlichkeit hierzulande keine Kfz-Steuer mehr gezahlt werden braucht.

Der Kunde könne vom Phaeton „viel erwarten“, schreibt VW auf der Firmenwebsite. Ja, genau: viel CO2-Ausstoß.

P.S.: Zumindest ein klitzekleines, wirklich umweltfreundliches Detail am Phaeton sprang beim Blättern im Prospekt ins Auge. Der bordeigene Kühlschrank (dessen Strombedarf leider den Spritverbrauch zusätzlich in die Höhe treibt) ist offenbar mit Glas-Pfandflaschen gefüllt – und die sind bekanntlich im Vergleich zu Getränkedosen oder Einwegflaschen deutlich klimaschonender.


RWE: Eiskalte Imagepflege

Freitag, den 10. April 2009

Die von der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt konzipierte Imagekampagne für RWE treibt seltsame Blüten – neuerdings auch Eisblumen. Der Essener Energiekonzern ließ im März elf Mitarbeiter für zwei Wochen in die Antarktis reisen – und präsentiert deren Selbsterfahrungstrip nun unter dem Motto „VoRWEg gehen und sich aktiv für den Klimaschutz engagieren“ auf einer eigens eingerichteten Internetseite.

screenshot - schiff im eismeer mit rwe-slogan 

Wow, die auserwählten RWEler durften an einer „Leadership Expedition“ mit Robert Swan teilnehmen, nach eigenen Angaben „einer der führenden Motivationstrainer der Welt“. Swan lief als erster Mensch zu Fuß zum Nordpol und zum Südpol, er engagiert sich seit Jahren für den Schutz der Antarktis und gründete das Projekt 2041. Dessen Name bezieht sich auf das Jahr, in dem der Antarktisvertrag ausläuft, der den Kontinent vor Ausbeutung und Umweltzerstörung schützen soll. Regelmäßig bietet Swan Expeditionen nach King George Island nahe der Antarktischen Halbinsel an, auf denen die Teilnehmer unter anderem für die Themen Recycling, Ressourcenschonung und Klimaschutz sensibilisiert werden sollen.

Dabei plagen den charismatischen „Polarforscher und Umweltführer“ offenbar keinerlei Berührungsängste. Zu seinen Sponsoren zählen neben Coca-Cola der Ölkonzern BP – und eben RWE. Die Mitarbeiter des Konzerns beziehungsweise dessen englischer Tochter bauten an Swans Feldstation zwei kleine Windräder auf. Im Gegenzug lobt der Klimamahner seine Gönner per Videobotschaft in höchsten Tönen: „Wie auch RWE hatten wir die Wahl: Wir hätten den herkömmlichen, den bekannten Weg gehen können (…). Aber nein: Wie RWE haben wir uns entschlossen, etwas zu wagen und anders zu agieren als andere. Die RWE-Mitarbeiter vertreten ein führendes Unternehmen der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen und Kernenergie. Nun weitet RWE seine Vorreiterrolle auf das Gebiet der erneuerbaren Energien aus.“ Dann erklingt ein Popsong: „Wir haben nur eine Chance, lass sie uns ergreifen. Wir haben nur eine Chance die Welt zu retten.“

Ausgerechnet RWE! Der dreckigste Stromversorger Deutschlands, der bei Erzeugung jeder Kilowattstunde durchschnittlich 816 Gramm CO2 freisetzt. RWE ist zudem größter CO2-Verursacher Europas und baut derzeit nahe Düsseldorf die größte CO2-Schleuder des Kontinents. Solche neuen Kraftwerke laufen übrigens weit über das Jahr 2041 – hohe Treibhausgasemissionen werden mit solchen Projekten über Jahrzehnte zementiert. Führende Klimaforscher fordern deshalb ein Kohlemoratorium, der Nasa-Klimaexperte James Hansen nannte neue Kohlekraftwerke kürzlich Todesfabriken.

Aber was haben denn nun die RWE-Mitarbeiter in der Antarktis gemacht? In einem Blog berichteten sie von Begegnungen mit Seeleoparden und bedankten sich artig bei Robert Swan.

Um die Erderwärmung und deren Verursacher ging es offenbar nur oberflächlich. Kostprobe: „Heute haben wir die Lösungen für den Klimawandel diskutiert und die Rolle, die Politiker, Unternehmen und wir alle haben, wenn wir von unserer Abhängigkeit vom CO2-intensiven Leben loskommen wollen. Dann sind wir wieder mit den Schlauchbooten raus…“

Danke an H. für den Hinweis


AutoBild Greencars: Werbeblatt für Klimasäue

Dienstag, den 7. April 2009

Für alle, die an „blitzsaubere Autos voller Technik-Faszination“ glauben, gibts jetzt AutoBild Greencars. Nach dem Vorbild von Schwesterblättern wie AutoBild Sportscars versucht der Axel-Springer-Verlag nun also ein Heft für Fahrer mit grünem Herz. Leider ist das Blatt aber nur Ausweis der Untätigkeit der Autohersteller – und der doch sehr begrenzten Öko-Kompetenz von AutoBild.

Da macht sich etwa Redakteurin Margret Hucko zur Lautsprecherin der deutschen Autoindustrie, indem sie die EU-Vorgaben zum künftigen Kohlendioxidausstoß verbiegt. Diese seien für

Das ist gleich zweifacher Quatsch. Denn der Grenzwert, den einzelne Hersteller erreichen müssen, bemisst sich dank des Drucks der deutschen Autolobby am Leergewicht der Fahrzeuge – mit der Folge, dass Produzenten kleiner Autos deutlich unter den EU-Zielwert von 120 g/km kommen müssen. Die sogenannten „Premium-Marken“ wie Audi, BMW und Mercedes mit ihrer Ausrichtung auf große und schwere Autos dürfen dagegen deutlich mehr emittieren. Und für Porsche gibt es sogar ein Sondergesetz, wonach der Sportwagenbauer seinen exorbitanten Flottenverbrauch (284 g/km im Jahr 2008) bis 2015 nur um ein Viertel senken muss. Quatsch ist auch, dass VW bloß auf Diesel zu setzen bräuchte – beim derzeitigen Angebot zu großer und zu schwerer und ineffizienter Autos wird das nie ausreichen.

Kompletter Blödsinn ist auch dieser Versuch, die Klimaschweinerei durchs Porsche-Fahren kleinzureden:

Erstens müsste es „Rindfleisch“ heißen, denn die Methanausdünstungen von Wiederkäuern tragen am meisten zur Treibhauswirkung der Tierzucht bei. Zweitens sollte jemand mit wirklich grünem Herz natürlich beides vermeiden: zuviel Fleisch und zu große Autos.

Wie wenig ernst es AutoBild meint, zeigen auch die Testberichte. Erdgasautos werden dort als Öko-Alternative gepriesen, dabei sind sie allenfalls eine Scheinlösung: Fahren mit Gas senkt zwar die CO2-Emissionen schlagartig um 25 Prozent, aber damit versuchen sich viele Autohersteller nur um die Entwicklung von wirklich sparsamen Modellen herumzudrücken. Auch Fahrzeuge, die neben Benzin Ethanol-Gemische (E85) vertragen, gelten der Redaktion undifferenziert als Umweltschoner – trotz zweifelhafter Klimabilanz, hohem Wasser- und Pestizidverbrauch beim Anbau und schlimmen Arbeitsbedingungen etwa auf brasilianischen Zuckerrohrplantagen.

Selbst für die scheinheiligen Geländewagen mit Hybridantrieb oder Start-Stopp-Automatik findet AutoBild Greencars lobende Worte. Trotz satter 185 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer bekommt etwa der Mercedes ML 450 Hybrid das grüne Blättchen aufgepappt.

Ensprechend grotesk sieht die Empfehlungsliste für „alle aktuellen Sparmodelle“ aus – hier ein Ausriss für BMW-Modelle (CO2-Werte in der rechten Spalte):

Alle diese „Sparmodell“ emittieren mehr als 200 Gramm Kohlendioxid!

Zum Schluss noch ein Gesundheits-Tipp an AutoBild-Reporter Claudius Maintz: Der hat sich fotografieren lassen, wie er am Auspuff eines BMW Hydrogen 7 schnüffelt. Lieber Kollege, das sollten Sie besser nicht tun! Dieser Prototyp, den die Münchner gern zu Showzwecken nutzen, verbrennt den getankten Wasserstoff nämlich nicht in einer Brennstoffzelle, sondern in einem umgerüsteten Zwölfzylinder. Und dabei entsteht nicht nur Wasserdampf, sondern auch atemwegsschädigendes Stickoxid.

Aber dass es mit Sachkompetenz in der AutoBild Greencars nicht so weit her ist, hatten wir ja schon verstanden. Im übrigen gehört der ökologische Gedanke nicht in eine irgendeine Sonderausgabe, sondern ins vielhunderttausendfach verkaufte Standard-Heft!


RWE: „Fundierte Zweifel“ am Klimawandel

Mittwoch, den 1. April 2009

RWE ist ein verantwortungsbewusstes Unternehmen. Sagt RWE. Deshalb kümmert sich RWE echt ganz doll um die Minderung seines Treibhausgasausstoßes. Sagt RWE. Und damit die Öffentlichkeit das glaubt, investiert Europas größter Kohlendioxid-Verursacher viele Millionen in seine Werbung.

Doch wenn sie unter sich sind, dann reden die Leute von der Kohleindustrie – so scheint es – ganz anders. Matthias Hartung ist Vorstandsmitglied der RWE Power AG und dort zuständig für „Braunkohlengewinnung, -stromerzeugung und -veredelung“. Im Mai vergangenen Jahres hielt er auf dem 40. Delegiertentag des Rings Deutscher Bergingenieure in Essen einen sogenannten Festvortrag. Die Rede wurde im Juli 2008 in der Zeitschrift des Verbandes nachgedruckt. Dort kann man deshalb nachlesen, was Hartung im Kreise seiner Kohlekumpel zum Klimawandel sagte:

Der Anstieg des Ausstoßes von CO2 wird mit einer Veränderung des Weltklimas in Verbindung gebracht, von der jedenfalls eine Mehrheit der mit dem Thema befassten Wissenschaftler wohl überzeugt ist. Ich will an dieser Stelle die durchaus fundierten Zweifel an der These, dass die gemessenen Veränderungen des Klimas vorwiegend vom Menschen verursacht sind, nicht diskutieren. Das wäre ein eigener Vortrag. Es ist aber wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, dass es solche Zweifel gibt und vielleicht ganz andere Zusammenhänge zum Klimawandel führen. Das muss man sich vor allem dann vergegenwärtigen, wenn man abwägt, welcher Aufwand eigentlich angemessen ist, um den Klimawandel zu stoppen, wie es heißt. Es könnte ja sein, dass weltweit hunderte von Milliarden Dollar oder Euro ausgegeben werden, um Techniken und Verbrauchsgewohnheiten zu ändern, und am Ende stellt man fest: Das Klima wandelt sich weiter, weil wir die Ursache nicht richtig erkannt haben. Aber das wäre, wie gesagt, ein eigener Vortrag.

Gern hätten wir gewusst, welche „fundierten Zweifel“ am menschengemachten Klimawandel Matthias Hartung denn meint. Wie seine persönliche Abwägung dessen, was in Sachen Klimaschutz „eigentlich angemessen ist“, denn ausfällt. Oder wie dieser kaum verhohlene Klimaskeptizismus eines RWE-Spitzenmanagers zu den grünen Imagekampagnen der Kohlelobby und des Unternehmens passt. Die RWE-Pressestelle in Essen erklärte aber lediglich, man möge den Vortrag bitte „nicht zu ernst nehmen“. Man gehe „schon davon aus, dass der Klimawandel durch CO2 verursacht wird“. Wolle aber doch festhalten: „Es hat niemand den hundertprozentigen Beweis.“

Klar. Nun verstehen wir auch besser, warum RWE immer noch munter Kohlekraftwerke baut.

Danke an ein Mitglied des RDB für Überlassung der Zeitschrift