RWE Innogy: Da stutzt sogar das Handelsblatt

Wir freuen uns sehr, wenn unsere Arbeit Früchte trägt. Noch mehr würden wir uns freuen, wenn sie gar überflüssig würde. Entweder weil es kein Greenwashing mehr gäbe. (Ha, ha!) Oder weil Kolleginnen und Kollegen in anderen Medien unsere Arbeit übernähmen und die kleinen und großen Lügen von vermeintlicher Klimafreundlichkeit hinterfragen.

Nun schreiben wir ja schon seit Jahren über RWE, über Märchenfilme und klimaskeptisches Geraune eines Spitzenmanagers, über Waldphantasien und Steinkohle-, äh, Pleitekraftwerke, über Schildkröten und „Stromlücken“-Angstmacherei des damaligen Konzernchefs Jürgen Großmann. (Erinnert sich noch jemand an die „Stromlücke“? Die wurde vor ein paar Jahren für den Fall des Atomausstieg prophezeit. Goldig, oder? Heute, mitten im Atomausstieg, gibts immer öfter Strom im Überfluss …) Und, und, und. Jedenfalls hat uns, wenn wir eben im Archiv richtig gezählt haben, kein Unternehmen seit unserer Gründung 2008 häufiger beschäftigt als RWE.

Inzwischen jedoch hat RWE offenbar erkannt, dass sich die Energiewende nicht mehr verhindern lässt – der Börsengang der peppigen Tochterfirma Innogy, in der unter anderem der alte Ökostrom-Ableger gleichen Namens aufgegangen ist, soll zum Befreiungsschlag werden. Für Innogy hat man sich von der Edel-Agentur Jung von Matt hat einen millionenschweren Markenauftritt auf die Beine stellen lassen. Diese schicke Kampagne aber ist selbst dem gewiss nicht industriefeindlichen Handelsblatt zu viel. Als „fast schon zynisch“ bezeichnete die Zeitung heute einen Slogan, den die RWE-Tochter am Düsseldorfer Flughafen aushängen ließ:

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Zur Erinnerung: Im Rheinland betreibt RWE noch immer reihenweise Braunkohlekraftwerke und -tagebaue – und will davon auch nach dem Neustart der grünen Tochter Innogy nicht lassen. Mehr als 80 Millionen Tonnen Kohlendioxid emittieren die RWE-Klimakiller pro Jahr, das sind sage und schreibe fast zehn Prozent des gesamten deutschen Treibhausgas-Ausstoßes!

Im Text des Handelsblatt-Kollegen Jürgen Flauger heißt es unter anderem:

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Besser hätten wir’s diesmal auch nicht aufschreiben können.

Danke an Sebastian M. aus Bad Neustadt für den Hinweis


 

Lauretana: Viel zu leicht nehmen

Regional produziert, ohne Einsatz von Dünger oder Pestiziden – Biolebensmittel sind gut für das Klima. Allerdings sind sie auch um einiges teurer, weshalb es in Bio-Supermärkten etlichen Lesestoff gibt, der beraten soll.

Zum Beispiel eve, das „Kundenmagazin für Naturkost und Naturkosmetik“. Dort gab es im Augustheft auf Seite 5 folgende Anzeige:

Lauretana

Lauretana ist ein „natürliches Mineralwasser“ – „ohne Kohlensäure“.  Mit dem stolzen Preis von 1,09 € pro Liter ist es ganz schön teuer. Aber es ist ja auch – Eigenwerbung – „das leichteste Wasser Europas“ mit nur 14 Milligramm Mineralstoffen pro Liter. Und obendrein klimaverträglich – weil es mit dem Zug nach Deutschland kommt.

Hä? Trinkwasser ist klimaverträglich, weil es mit dem Zug kommt?

Über die Herkunft des Wassers erfahren wir Folgendes:

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Abgefüllt wird das Wasser also in Graglia im Piemont, Italien. Von dort sind es 850 Kilometer Luftlinie bis in einen Berliner Bio-Supermarkt. Ein Straßentransport schlägt gar mit 1.060 Kilometern zu Buche.

Aber Lauretana kommt ja mit dem Zug nach Deutschland!

Jetzt wird es rätselhaft: Graglia verfügt nämlich über keinen Eisenbahnanschluss. Selbst wenn wir dieses kleine Detail einmal vernachlässigen: Was bittschön ist daran klimaverträglich, in den italienischen Bergen abgefülltes Trinkwasser hunderte Kilometer durch die Gegend zu fahren?

Der Bahntransport ist es jedenfalls nicht, die Deutsche Bahn will laut eigenem Beschluss aus dem Jahr 2011 ihren Grünstrom-Anteil bis 2018 auf gerade mal 28 Prozent erhöhen. Grün ist bei der Deutschen Bahn allenfalls die Bahncard: Durch einen Rechentrick wird suggeriert, dass, wer mit ihr fährt, klimafreundlich unterwegs ist. Wieso also ist Lauretana klimafreundlich?

Den Hinweis liefert vielleicht das folgende Zeichen oben in der Anzeigenecke:

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Nein, leider hilft das auch nicht weiter! Ein Label „Focus CO₂“ ist der Redaktion unbekannt. Und bei Google findet sich unter dem Begriff nur:

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Wir konstatieren: Lauretana hat die Behauptung „klimaverträglich“ viel zu leichtfertig benutzt. Das passt vielleicht zum leichten Wasser, nicht aber zur Klimabilanz des Unternehmens: Davon erfahren wir nämlich nichts.

Die Stiftung Warentest warnt übrigens vor Wasser wie dem von Lauretana: „In bestimmten Situationen kann sehr mineralstoffarmes Wasser gefährlich werden.“ Wer stark schwitzt, verliere nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Mineralstoffe. Trinken sei wichtig, um den Wasserverlust auszugleichen. Stiftung Warentest: „Zugleich müssen aber auch je nach Anstrengung neben Kohlenhydraten Natrium, Kalium, Chlorid und Magnesium wieder zugeführt werden. Wer sich dann eine Apfelschorle mit einem besonders mineralstoffarmen Mineralwasser mischt, bleibt auf der Strecke.“

Genauso wie der Klimaschutz bei Lauretana!

Herzlichen Dank an Steffi R. aus Berlin für den Hinweis!

PS: Unsere Leser Christof H. weist darauf hin, dass „Europas leichtestes Wasser“ mit dem LKW aus Graglia zum 9 Kilometer entfernten LKW-Bahnhof nach Biella transportiert wird. Lauretana selbst verweist auf den „Kombinationsverkehr, bei dem LKWs auf Zügen gefahren werden“, was „eine unerreicht klimaschonende Form des Transports“ sei. Ein vollbeladener LKW von 30 Tonnen würde so auf einer Strecke von 600 Kilometern (nach Hamburg) 1 Tonne Kohlendioxid verglichen mit anderen Transportarten sparen!

Oder aber gar nicht erst entstehen, wenn man den örtlichen Sprudel kauft oder das Trinkwasser aus der Leitung nutzt.


 

Naturstrom: Falsche Vergebung versprechen

Seit Anfang 1993 spielt der Schauspieler Wolfgang Bahro bei der RTL-Soap Gute Zeiten, schlechte Zeiten mit. In der Rolle des intriganten Rechtsanwalts Prof. Dr. Dr. Hans-Joachim „Jo“ Gerner ist er damit der zweitdienstälteste Akteur von GZSZ, wie die wochentäglich im Vorabendprogramm ausgestrahlte Serie unter Fans genannt wird.

Jetzt geht Wolfgang Bahro in die Kirche:

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Und zwar in eine katholische Kirche, denn Bahro strebt dem Beichtstuhl zu. „Pater, ich habe gesündigt!“

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Der Pater macht einen GZSZ-Witz und sagt dann: „Was kann denn schon so schlimm sein, mein Sohn?“

„Es ist noch viel schlimmer, als Sie denken“, sagt der Schauspieler. Bahro bekennt, immer noch Kohle- und Atomstrom zu beziehen. Die Aufregung in der Kirche ist entsprechend groß!

Aber natürlich weiß der Pater Rat! Er schiebt ein Buch durch den Beichtstuhl, in dem ein Tablet-Rechner liegt …

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… und sagt: „Wechsle einfach zu einem echten Ökostromanbieter, dann sind dir alle deine Umweltsünden vergeben!“

Echt jetzt? Wirklich alle?

Bekannt ist, dass Wolfgang Bahro in den Spandau Arcaden in Berlin einkauft, die mit perfektem Shopping-Vergnügen locken – nicht aber mit fair gehandelten oder regionalen Biowaren. Bekannt ist, dass Bahro Kaffeemaschinen testet – und deren Kauf frenetisch empfiehlt. Bahro verführt bereits 17-Jährige zum Autofahren. Bekannt ist auch, dass Wolfgang Bahro Star-Wars-Fan istGerüchteweise soll Bahro sogar einen Aston Martin DB7 fahren – Kohlendioxid-Ausstoß ab mindestens 350 Gramm je Kilometer. Um nur einige der offensichtlichen Umweltsünden von Bahro aufzuzählen.

Im Streifen heißt es – nicht aus Bahros Mund, sondern aus dem Mund eines Naturstrom-Sprechers:

„Naturstrom – so schnell bist du von deinen Umweltsünden befreit!“

Wir bekennen an dieser Stelle, selbst zu viel zu fliegen (und manchmal vergessen wir atmosfair), noch nicht überall Energiesparlampen in der Redaktion reingeschraubt zu haben, viel zu viel Fleisch in der Woche zu essen und immer noch nicht zu einer Ökobank gewechselt zu sein.

Aber hey: Wir sind ja Kunden von einem echten Ökostromanbieter. Warum also auf den Urlaubsflug verzichten? Naturstrom sagt doch: Hallelulja!

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PS: Klar, liebe Naturstromer – Werbung ist immer mit Zuspitzung und Augenzwinkern verbunden. Das verstehen wir. Wer sich – und seinen Kunden – aber mehr als nur das schnelle Geschäft von seinem Tun und seinem Werbespot verspricht, der sollte nicht so plump argumentieren von Ökosünden befreien!

Vielen Dank an Henriette W. aus Hamburg für den Tipp!


 

Wikipedia: Nicht ganz richtig informieren

Sie wissen nicht, was „Vereinigtes Schleenhain“ ist? Früher hätten Sie bei Bedarf vermutlich zu einem Lexikon gegriffen. Aber dank Wikipedia sind diese Zeiten natürlich längst vorbei. Sie gehen also online und werden schnell fündig. „Vereinigtes Schleenhain“ ist ein Tagebau des Unternehmens MIBRAG in der Leipziger Tieflandsbucht, in dem Braunkohle für das Kraftwerk Lippendorf abgebaggert wird.

Ist das nicht klasse? Fünf Klicks und Sie wissen Bescheid!

Oder vielleicht doch nicht? Im Wikipedia-Eintrag zu „Vereinigtes Schleenhain“ findet sich folgende Passage:

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Scheußliche Formulierung: „Für Devastierung vorgesehene Orte“. Devastierung bedeutet „plattmachen“, „zerstören“, „abbaggern“. Die Orte Pödelwitz und Obertitz sollen also der Kohle zum Opfer fallen?

„Dafür gibt es rechtlich keine Grundlage“, sagt Gerd Lippold, der energiepolitische Sprecher der Bündnisgrünen im Sächsischen Landtag. Gesetzesgrundlage ist einerseits der Braunkohlenplan zum Betrieb des Tagebaus und andererseits das sogenannte Heuersdorf-Gesetz, dass 2004 vom Landtag verabschiedet worden ist.

Das sehen nicht nur die Grünen auf den Oppositionsbänken so, sondern auch die Schwarz-Roten an der Regierung. „Der Tagebau ‚Vereinigtes Schleenhain‘ kann nicht auf im Braunkohleplan nicht ausgewiesene Gebiete ausgedehnt werden“, heißt es etwas umständlich in der Antwort der Sächsischen Staatsregierung auf eine Anfrage der Bündnisgrünen.

Schauen wir also in den gültigen Braunkohlenplan. Die – O-Ton Wikipedia – „für Devastierung vorgesehenen Orte“ sind dort nicht als Abbaugebiet ausgewiesen. Logisch – denn im Gesetzgebungsverfahren waren Pödelwitz, Obertitz und Co als „Schutzgut“ klassifiziert worden: Die Gemeinde Heuersdorf sollte sichtbar das allerletzte abgebaggerte Dorf in Sachsen bleiben; die anderen, angrenzenden Dörfer sollten einen Schutzstatus erhalten. Deshalb 2004 das „Heuersdorf-Gesetz“.

Also ein Fehler der Wikipedia. Vielleicht aus Nachlässigkeit. Oder mit Absicht?

Es wäre nicht das erste Mal. „Inside Wikipedia – Angriff der PR-Industrie“ war 2014 ein Beitrag des ARD-Magazins Monitor überschrieben, der die perfiden Strategien von Lobbyisten und PR-Agenturen zeigt, um Einträge in ihrem Interesse zu verändern und zu beeinflussen. Eine gezielte Desinformation der Wikipedia-Nutzer sei nicht nur eine Gefahr für das Online-Lexikon, sondern eine Gefahr für die demokratische Gesellschaft, so Monitor.

Fest steht in unserem Fall, dass es sich bei dem „Schleenhain“-Eintrag nicht einfach nur um einen Lapsus handelt. Als Quelle der „für Devastierung vorgesehenen Orte“ ist die Leipziger Volkszeitung genannt. Im Text steht allerdings nur, dass der Tagebau-Betreiber MIBRAG die Orte gerne abbaggern möchte – es aber nicht kann, weil dem Konzern dafür die Genehmigungen fehlen.

Die Orte sind also juristisch schlichtweg „für Devastierung nicht vorgesehen“!

Obwohl: Wenn das im Online-Lexikon Wikipedia anders steht und die Leute es lesen und glauben, dann gibt es vielleicht ja doch noch eine Chance für die MIBRAG!?

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2016 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER.


 

Lufthansa: Die Balance suchen

Urlaubszeit!

Endlich mal Zeit, die Seele baumeln zu lassen. Denn schließlich gilt:

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Im Persönlichen wie im Allgemeinen:

Der Ausriss entstammt einer Lufthansa-Anzeige. Fliegen ist die klimaschädlichste aller Mobilitätsarten. Während ein Bahnreisender pro Personenkilometer im Fernverkehr 45 Gramm Kohlendioxid verursacht, sind es bei einem Flugreisenden 231 Gramm pro Kilometer – mehr als das Fünffache. Eine Flugreise nach Lissabon verursacht 1,2 Tonnen Kohlendioxid, fast so viel, wie das Leben eines Inders binnen eines Jahres verursacht. Derzeit ist der Flugverkehr weltweit für zwei Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, Tendenz stark steigend.

„Wer fliegt, zerstört das Leben anderer Menschen“, sagt der britische Umweltaktivist George Monbiot. Das mag rigoros klingen, aber es ist die Wahrheit. Flugzeuge verursachen nicht nur Kohlendioxid, sondern auch andere Treibhausgase, die noch dazu in besonders sensiblen Schichten der Erdatmosphäre ausgebracht werden: Stickoxide zum Beispiel, Sulfat-Aerosole oder auch Rußpartikel und Wasserdampf. Die Konsequenzen sind, so die UNO in ihrem Weltklimabericht, „steigende Zahlen von Todesfällen, Verletzungen und Erkrankungen durch Hitzewellen, Überschwemmungen, Stürmen, Waldbränden und Dürren“.

Insofern ist löblich, was uns die Lufthansa verspricht. Nichts anderes als

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Dummerweise ist das Lufthansa-Versprechen einige Zeit her, die Anzeige fanden wir in der Wochenpost, der „Zeitung für Politik, Kultur, Wirtschaft, Unterhaltung“, die am 23. Dezember 1996 zum letzten Male erschien:

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Unsere Welt braucht Balance.

Leider galt das bei der Lufthansa gestern. 20 Jahre später nämlich macht die Lufthansa „Geschäft um des Geschäfts willen“. Pfeif doch auf den Klimaschutz! Man kann jetzt beispielsweise für 99 Euro von Frankfurt am Main nach Stuttgart fliegen:

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Wir hoffen, dass Sie in diesem Sommer Ihre Balance finden! Genauso wie die Lufthansa.

Deshalb verabschiedet sich der Klima-Lügendetektor jetzt erst einmal – ohne Flug – in die Sommerpause.

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Gewerkschaft IG BCE: Immer schön desinformieren

Es gibt Neues von der Energiewende:

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Erschienen ist diese Anzeige auf der letzten Seite des aktuellen RWE-Nachbarschaftsmagazins „hier. Im Kleingedruckten heißt es:

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Donnerwetter! „Der Ausbau der Erneuerbaren läuft schneller als geplant.“

Ob deshalb der Strom, den das abgebildete Windrad produziert, wieder vom abgebildeten Windrad verbraucht wird?

Wir erfahren mehr beim „Innovationsforum Energiewende“:

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„Thermische Kraftwerke“ – vulgo Fossilkraftwerke – besitzen „mittelfristig“ im zukünftigen Energie-Mix „weiterhin einen hohen Stellenwert“? Aber wieso denn? Die Bundesregierung will doch „mittelfristig“ ganz aus der Kohleverstromung aussteigen? Nach dem Klimaschutzplan 2050 strebt sie bis zum Jahr 2030 „eine Halbierung der Emissionen der Stromerzeugung“ gegenüber 2014 an, die Verbrennung von Kohle soll demnach „deutlich vor 2050″ beendet werden.

Klar: Das geht nur mit dem Ausbau der Erneuerbaren. Zuletzt war der ja enorm ins Stocken geraten, unter anderem deshalb waren die bundesdeutschen Emissionen nicht so gesunken, wie es notwendig wäre, um das regierungsamtliche Klimaziel zu schaffen. Die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) bietet leider keinen Grund zur Hoffnung auf Korrektur. Und klar: Speicher und Netzausbau sind die Geschwister des Ausbaus der Erneuerbaren! Aber was hat das mit Kohlekraftwerken zu tun, die „mittelfristig im zukünftigen Energie-Mix … weiterhin einen hohen Stellenwert besitzen werden“?

Worum es den Anzeigenschaltern geht?

Stöbern wir doch noch einmal auf den Seiten des „Innovationsforums Energiewende“:

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Beim „Innovationsforum Energiewende“ handelt es sich also gar nicht um ein „Innovationsforum Energiewende“, sondern um einen Lobbyarm der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Die ist bekanntlich erklärter Gegner der Energiewende und versucht nun ihre Interessen durchzusetzen mit

Desinformationskampagnen.

 

Herzlichen Dank an Udo H. aus Düren für den Hinweis!


 

dpa: Ein „Industrie-Experte“ wird geboren

Zugegeben, es war nicht die Spitzenmeldung des Wochenendes. Doch reihenweise tauchte am Samstagmorgen diese Schlagzeile auf Nachrichten-Seiten auf, etwa bei Zeit Online

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… bei der Frankfurter Rundschau

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… der FAZ

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…, und sogar in Österreich bei der Tiroler Tageszeitung war die Meldung zu lesen:

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Oha! „Noch lange“ müssen laut eines „Industrie-Experten“ hierzulande dreckige Kohlekraftwerke laufen, müssen Jahr für Jahr Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid ausgestoßen werden, außerdem gesundheitsschädliche Stoffe wie Quecksilber, Feinstaub und so weiter. Aber na ja, wenn das ein „Industrie-Experte“ sagt!? Ein Großteil der Web-Nutzer wird vermutlich nicht mehr als diese Überschrift gelesen haben.

Wir lesen natürlich weiter. Dies war der erste Absatz der Nachricht:

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Franz-Josef Wodopia lautet demnach der Name des „Industrie-Experten“. Er meint also, „wir“ bräuchten noch „mindestens bis 2050″ Kohlekraftwerke. Und zwar „trotz Klimabedenken“.

Ein bemerkenswerter Absatz …

Als „Bedenken“ wird hier bezeichnet, was eine dringende Notwendigkeit ist, jedenfalls wenn man den Klimawandel noch bremsen möchte: Nämlich schnell den Kohlendioxid-Ausstoß herunterzufahren. Es ist gerade mal ein halbes Jahr her, dass sich auf dem Pariser Klimagipfel auch Deutschland ausdrücklich dazu verpflichtet hat, die Netto-Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts auf Null zu senken. Mit Kohlekraftwerken ist das nicht zu machen. Aber das scheint den „Industrie-Experten“ Wodopia irgendwie nicht zu stören.

Moment. Wodopia, Wodopia – irgendwoher kennen wir diesen Namen doch! So jemanden gibts doch bei der Kohlelobby!? Und in der Tat steht dann im zweiten Absatz, wer Herr Wodopia ist:

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Donnerwetter!

Der Herr hat außerdem jahrelang Erfahrung als Geschäftsführer des Gesamtverbandes Steinkohle, der uns schon öfter beschäftigt hat. Wodopia ist also tatsächlich ein echter Experte – allerdings eher auf dem Gebiet des Lobbyismus für die fossilen Energien als für die gesamte deutsche Industrie und ihre Stromversorgung. Noch weiter unten in der Meldung wird dies zwar tatsächlich noch mitgeteilt – aber wie viele Leserinnen und Lesern halten bis zum drittletzten Absatz durch?

Im Verlaufe der Meldung behauptet Herr Wodopia auch noch, dass „schnelle Ausstiegsszenarien“ aus der Kohle „aus technischen Gründen“ kaum umsetzbar seien, dass sie zudem teuer seien und womöglich dem Klima gar nichts brächten. All das darf Franz-Josef Wodopia natürlich gern sagen – aber warum drucken so viele Nachrichtenseiten diese Lobbyisten-Prosa?

Nun, die gesamte Meldung stammt von der Nachrichtenagentur dpa. Viele Verlage lassen deren Tickerdienst automatisch auf ihre Internet-Seiten laufen, um billig aktuelle Inhalte präsentieren zu können. Und am Wochenende füllt die Deutsche Presse-Agentur (wie auch andere Agenturen) ihr Angebot halt gern mit Meldungen auf, die – nunja – zu anderen Zeiten wegen zweifelhaften Nachrichtenwerts eher in den Papierkorb wandern würden.

So weit, so normal im Mediengeschäft. Aber einen der obersten Kohle-Lobbyisten in der Überschrift als „Industrie-Experten“ anzukündigen, das ist schlicht schlechtes Handwerk. Da hatte der samstägliche Frühdienst in der dpa-Zentrale offenbar einen Aussetzer. Genauso gut könnte die Agentur demnächst titeln:

Gesundheits-Experte: Hohe Stickoxid-Werte kein Problem
(über einer Nachricht, in der sich ein VW-Vertreter über die Abgasreinigung bei Dieselmotoren äußert)

oder

Politik-Experte: Brauchen 2017 Gabriel als Kanzler
(über einer Meldung, in der SPD-Vize Stegner zitiert wird)

Wir sind gespannt, wann wir so was zu lesen bekommen.


 

Berliner Zeitung: Durch die lila Brille sehen

Berlin kann sich glücklich schätzen, jährlich Gastgeber eines der größten Umwelt-Festivals Europas zu sein. Organisator ist die Grüne Liga, auch in diesem Jahr strömten wieder 140.000 Menschen mit dem Fahrrad zum Brandenburger Tor. Und natürlich gibt es Medienpartner zu solchen Festivitäten – diesmal die Berliner Zeitung, die zum Umweltfestival eine kleine Sonderzeitung – im Verlagssprech „Anzeigen-Sonderveröffentlichung“ – gedruckt hat.

In dieser geht es zum Beispiel um Schüler, die lernen sollen, „sich selbst zu hinterfragen“. Im Interview stellt die Berliner Zeitung auf Seite 3 folgende Frage:

„Deren Umweltwissen [das der Schüler, die Red.] hat oft keinen besonders guten Ruf. Glauben Berliner Schüler wirklich, Kühe seien lila?“

Auf Seite 9 der Beilage findet sich dann folgende Anzeige:

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Och nö! Nicht schon wieder die Mär von der klimafreundlichen Kartonverpackung! Der Klima-Lügendetektor hat sich schon mehrfach mit diesen Verpackungen befasst, zum Beispiel ging es dabei um den Kartonverpacker Tetra Pak. Damals hieß es:

„Tetra Pak macht seine Produkte grüner als sie sind“, hatte … vor Jahresfrist Rechtsanwalt Remo Klinger erklärt und Tetra Pak im Auftrag der DUH verklagt. Damals hatte das Unternehmen in seiner Werbung noch von einem „vollständigen Recycling“ gesprochen, was sich nicht als besonders zukunftsweisend herausstellte – die DUH bekam nämlich Recht, Tetra Pak änderte den Anzeigentext.“

OK: Diesmal ist der Anzeigenkunde nicht Tetra Pak, sondern die Lobby der Kartonverpackungen. Diese behauptet:

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Nun gibt es Werbung, die schummelt – und im Getränkeverpackungsbusiness ist das augenscheinlich häufig der Fall. In diesem Fall aber ist die Anzeige auf einer Zeitungsseite veröffentlicht, die die Überschrift „Eine Verpackung, die nachwächst“ trägt.

Die Journalistin, die auf Seite 3 noch fragte: „Glauben Berliner Schüler wirklich, Kühe seien lila?“, schreibt nun:

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Es folgt ein Loblied auf das Recycling der Getränkekartons, das technisch nicht viel aufwendiger sei „als das Recycling von alten Zeitungen“. Und dann kommt auch noch die „nachhaltige Forstwirtschaft“ ins Spiel, die eben dafür sorgt, dass – O-Ton der Anzeige – fürs Klima bislang „eine Mio. Tonnen CO2“ eingespart wurde:

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Aber stimmt das denn? Nun: Die Kollegin der Berliner Zeitung hatte offenbar eine lila Brille auf. Denn nicht einmal die kartonbasierte Getränkewirtschaft behauptet, so grün zu sein, wie es die Berliner Zeitung behauptet:

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Folgen Sie uns bitte kurz auf dem oben vorgegebenen Rechenweg: Von 100 Gramm Getränkekarton-Material werden maximal 80 Prozent „aus dem nachwachsenden und klimaneutralen Rohstoff Holz hergestellt“ – also höchstens 80 Gramm.

Von diesen 80 Gramm sind maximal 70 Prozent aus Holz mit dem FSC-Siegel für klimaverträgliche Holzwirtschaft – macht maximal 56 Gramm.

Von diesen 56 Gramm werden nach der ungeprüften Eigendarstellung der Getränkekarton-Wirtschaft nur 70 Prozent tatsächlich recyclet, also 39 Gramm. Das bedeutet: Bestenfalls zu 39 Prozent sind die Kartons nach der Eigendarstellung rundum klimafreundlich.

Und natürlich muss diese Eigendarstellung bezweifelt werden: Die Kartons tragen in der Regel das FSC-Mix-Siegel, bei dem nur 70 Prozent des Holzes ein FSC-Zertifikat haben müssen. Von den 100 Gramm in unserer Rechnung blieben damit am Ende nur noch 27 Gramm übrig, die nachhaltig hergestellt und entsorgt werden.

Und vor allem: Die für den Prozess eingesetzte Energie ist nicht recyclebar. Die Kollegin der Berliner Zeitung zählt auf:

  • „beim Herstellen von Aluminium [zur Aluminiumfolienbeschichtung der Kartons, die Red.] benötigt man viel Energie …“
  • „Füllgut wird in ultrakurzer Zeit hoch erhitzt, sofort wieder heruntergekühlt …“
  • „Damit sich die zur Keimabtötung notwendige Temperatur gleichmäßig im Produkt verteilen kann, ist eine lange Erhitzungszeit notwendig …“

Gut ist, dass es in Berlin eines der größten Umweltfestivals Europas gibt. Schön, dass Medien wie die Berliner Zeitung solche Veranstaltungen so wichtig nehmen, dass sie extra eine eigene Festivalzeitung verlegen. Blöd ist allerdings, wenn die MacherInnen ein Umweltwissen vermitteln, das der Hauptstadtzeitung keinen besonders guten Ruf einbringt.

Oder glauben Berliner Schüler wirklich, das Umweltkartons „lila“ sind?

Danke an Jonathan R. aus Berlin für den Hinweis


 

Sigmar Gabriel: Mit Sprache verstecken

Jedes Handwerk setzt Talente oder Tugenden voraus, die bestimmen, wie erfolgreich jemand seinen Beruf ausüben wird. Uhrmacher müssen zum Beispiel unglaublich geduldig sein, Klavierstimmer ein ausgezeichnetes Gehör besitzen, Bauern den Mutterboden lieben.

In der Politik ist eines dieser bestimmenden Talente die Sprache: Um für die eigenen Positionen zu werben, sind klug vorgetragene Argumente genauso hilfreich wie dafür, dem Wahlvolk politische Entscheidungen zu erklären und um sein Verständnis zu werben.

Insofern muss zu denken geben, was Bundesenergieminister Sigmar Gabriel (SPD) zum Ausbau der erneuerbaren Energien sagt:

„Das sind keine jungen Welpen mehr, die Welpenschutz brauchen, sondern das sind ziemlich flinke Jagdhunde, die jetzt am Markt in Ausschreibungen zeigen müssen, dass sie sich dem Wettbewerb stellen. Das ist, glaube ich, dringend nötig, denn am Ende des Tages wollen wir die effizienteste Form von Technologie und Standorten fördern und damit auch die kostengünstigste.“

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Sie verstehen den Gedankengang Welpenschutz – Jagdhund – Ausschreibung – effizienteste Form nicht?

Es geht um das neue EEG, das Erneuerbare-Energien-Gesetz: Am Mittwoch hatte sich die Regierung mit den Bundesländern getroffen, um über die strittigen Punkte zur neuen EEG-Novelle zu beraten. Das hatte ganz schön lange gedauert. Okay also, vielleicht war Sigmar Gabriel nicht mehr ganz frisch, als er mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und zwei Länderchefs die Kompromisse dem Wahlvolk vorstellte.

Aber Sigmar Gabriel ist der erste Bundesminister für Wirtschaft und Energie, bis dahin gab es entweder Bundeswirtschaftsminister oder Bundesminister für Wirtschaft und Technologie (und einmal ganz kurz einen für Wirtschaft und Arbeit). Insofern ist dem Politiker Gabriel also der Energiebereich offenbar besonders wichtig. Schalten wir also nochmal rein, in seine Argumentation ab Minute sieben:

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… „heute einen Prozess in Gang gesetzt haben, bei dem wir jedenfalls dadurch, dass wir die Infrastruktur und den Ausbau der Erneuerbaren in ein Verhälnis bringen, dafür sorgen, dass in Zukunft wir nicht steigende Kosten dadurch haben, dass wir zwar erneuerbaren Strom produzieren, den aber nicht an die Kunden bringen können und dann hinterher den Strom zweimal bezahlen – einmal für den, der den Strom produziert, und einmal für den, für den wir uns den Strom sozusagen von der Ersatzbank holen müssen, damit er am Ende die Versorgsorgungssicherheit garantiert …“

Verstehen Sie nicht?

Sollen sie auch gar nicht. Denn das ist die zweite Kunst, die Politiker mit der Sprache können müssen: Schwindeleien verstecken. Sigmar Gabriel spricht in der Passage nämlich mit „heute einen Prozess in Gang gesetzt“ den Netzausbau an, den er bereits 2009 „heute in Gang gesetzt“ hatte.

Damals hatte das Bundeskabinett das Energieleitungsausbaugesetz verabschiedet. Gabriel war damals Bundesumweltminister und sah in dem Gesetz einen „wichtigen Schritt für die überfällige Modernisierung des deutschen Elektrizitätsnetzes“. Durch das Gesetz sollten Plan- und Genehmigungsverfahren für besonders leistungsfähige Stromnetze beschleunigt werden.

Leider war das Gesetz so schlecht, dass es nicht voranging mit dem Netzausbau, weshalb die nächste Regierung dann 2011 das „Netzausbaubeschleunigungsgesetz Übertragungsnetz“ beschließen musste. Leider brachte das auch keinen Fortschritt beim Netzausbau, weshalb Gabriel im Juli 2015 – dann als Bundesenergieminister – der Energiewende ein „festes Uhrwerk“ geben musste: „Wir haben heute ein ziemlich großes Kind der großen Koalition geboren, deswegen hat es auch zweimal neun Monate gedauert“, sagte Gabriel zum Eckpunktepapier.

Was aber auch keine neuen Leitungen zur Folge hatte. Deshalb gibt es im neuen EEG nun neben den Ausschreibungen eine zweite große Veränderung, wie Gabriel bei Minute 9:50 sagt: „Eine Synchronisation vom Ausbau der Erneuerbaren mit dem Netzausbau.“

Im Klartext: Weil es die Politik nicht schafft, Platz für Erneuerbaren-Strom im Netz zu schaffen, wird jetzt der Ausbau von Sonne, Wind und Biomasse gedrosselt. Das soll am 8. Juni vom Bundeskabinett so beschlossen werden.

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Deutsche Bahn: Die Verantwortung vergessen

Die Deutsche Bahn hat sich ein neues Klimaziel gegeben: „Bis 2020 wollen wir unsere spezifischen CO₂-Emissionen, also pro Personen- und Tonnenkilometer, unserer weltweiten Verkehre um 30 % im Vergleich zu 2006 senken“, heißt es bei der Bahn. Und zur Begründung:

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„Auch die DB ist hier in der Verantwortung“: Die Bahn klärt uns auch auf, wie sie das Klima-Ziel erreichen will. „Unsere wichtigen Stellhebel zur Reduktion von CO₂ sind, mehr moderne und energieeffizientere Fahrzeuge einzusetzen, die Auslastung zu optimieren, energieeffiziente Fahrweise in allen Verkehren und der Einsatz erneuerbarer Energien. Den Ökostromanteil im Bahnstrommix wollen wir bezogen auf die DB eigenen Transporteure bis 2020 auf 45 Prozent erhöhen.“

Ohnehin ist die Bahn ja bereits eine Klimaschutz-Institution. Während ein Bahnreisender pro Personenkilometer im Fernverkehr 45 Gramm Kohlendioxid verursacht, sind es bei einem Flugreisenden 231 Gramm je Kilometer – mehr als das Fünffache. Bahnfahren ist damit eine der klimafreundlichsten Fortbewegungsarten, lediglich der Reisebus ist für noch weniger Kohlendioxid verantwortlich.

Neben dem Klima-Vorteil hat Bahnfahren aber auch noch andere. Zum Beispiel in den Nachtzügen. Deutschlandradio Wissen beschreibt deren andere Vorteile so:

  • Die Bahnfahrer können ohne Umsteigen lange Strecken zurücklegen,
  • sie kommen morgens ausgeschlafen an
  • und haben eine Nacht Hotelkosten weniger.

Also eine Win-win-win-win-Situation. Für den Geldbeutel, den Nachtschlaf, die Mobilität und das Klima.

Nun hat die Bahn aber bekannt gegeben, ihre Nachtzüge zum Jahresende stillzulegen.

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Wer am nächsten Morgen also in Amsterdam, Rom, Zürich oder Warschau sein will oder muss, dem bleibt künftig nur das Flugzeug.

Halt! Stopp! Schnell nochmal zurückgespult!

Erstens: Reisen mit dem Nachtzug hat ausgeruhte Reisende zur Folge. Zweitens: Fliegen ist mehr als fünfmal so klimaschädlich wie eine Nachtzugreise. Drittens – und hier zitieren wir gern die Bahn noch einmal: „Der Klimaschutz ist eine der größten Herausforderungen, denen die Menschheit gegenübersteht.“

Wir meinen: Die DB ist hier auch mit ihren Nachtzügen in der Verantwortung.


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