Fiat: Klimaschutz kostet extra

Ach, ist der süß! Wenn der kleine Fiat 500 mit seinen Kulleraugen-Scheinwerfern durch die Großstädte rollt, sind ihm die Sympathien sicher. Und weil es in Berlin, Hamburg und München so viele Ampeln gibt, bieten die Italiener jetzt eine Start-Stopp-Automatik an – bei stehendem Fahrzeug schaltet sich damit der Motor ab:

„Doppelt so viel Spaß“ für die Umwelt, die davon „hin & weg“ ist? Naja. Zwar sinken durch Start-Stopp die (offiziellen) Kohlendioxid-Emissionen von 119 auf 113 g/km. Aber das reicht gerade so, um die läppische EU-Hürde für das Jahr 2015 zu nehmen, die für das Leichtgewicht (940 kg) bei 114 g CO2/km liegt. Und leider ist die Start-Stopp-Automatik eine aufpreispflichtige Sonderausstattung. 2.000 Euro extra sind gegenüber dem Basismodell mit identischem Motor fällig. Zwar liefert Fiat dafür dann auch ein paar Gimmicks wie Leichtmetallfelgen oder Chromleisten. Doch 2.000 Euro sind echt happig – denn eine Start-Stopp-Automatik ist kaum mehr als eine simple Steuerungssoftware für den Anlasser. Doch die Marketing-Experten der Autokonzerne glauben, dass man damit bei ökobewussteren Kunden eine Menge Geld extra absahnen kann.

Die im Kleingedruckten der Fiat-Anzeige versprochenen 110 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer bekommt man bei Fiat dann aber immer noch nicht. Denn hierfür braucht der Wagen noch ein Automatik-Getriebe – wofür der Konzern weitere 900 Euro Aufpreis kassiert. Statt 11.000 Euro kostet solch ein Fiat 500 letztlich 13.900 Euro. Da macht Klimaschutz nur noch halb so viel Spaß.

P.S.: Mit dieser dreisten Preispolitik ist die italienische Marke nicht allein, fast alle Autohersteller fordern für ihre spritsparenden Modelle satte Zuschläge. Dabei sollten Dinge wie Leichtlauföle und rollwiderstandarme Reifen längst überall serienmäßig sein. Und dass eine Start-Stopp-Automatik nicht extra kosten muss, beweisen etwa BMW und Mini mit ihrer serienmäßigen Paket „efficient dynamics“. Die Konkurrenz dagegen lässt sich wohlklingende Namen wie „BlueMotion“ oder „Greenline“ gesondert bezahlen.