Monatsarchiv für März 2016

Donald Trump: Vom Tweet eingeholt werden

Mittwoch, den 23. März 2016

Och, Mann! Und natürlich: Menno, Frauen!

Sich mit der AfD befassen zu müssen war schon grausam. Dann die Klima“skeptiker“ von EIKE zu bearbeiten – harter Tobak! Wir dachten: Schlimmer kann’s nicht werden! Doch dann kam Donald Trump:

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„Stammt das wirklich von DEM Trump?“, will Marlene J. aus Hamburg wissen. „Die Position des nächsten US-Präsidenten“, kommentierte Jan P. aus Moers. Charlotte S. aus Schkopau schickte uns den Tweed ohne Kommentar.

Zunächst: NEIN, wir wissen nicht, ob das die Position des nächsten US-Präsidenten ist. Zwar baute Donald Trump als republikanischer Präsidentschaftskandidat dank der Vorwahlen in Arizona seinen Vorsprung auf den parteiinternen Konkurrenten Ted Cruz weiter aus. Richtig ist auch, dass seit dem Demokraten John F. Kennedy nie wieder nach einem demokratischen Präsidenten ein Demokrat Präsident der USA wurde: Es siegte stets ein Republikaner. Nach dem Gesetz der Serie folgt damit auf Obama ein Republikaner, und der wird alles tun, um den Klimaschutz und den Paris-Vertrag zu zerstören. Aber ob Trump tatsächlich nächster US-Präsident wird, wissen auch wir natürlich nicht vor dem 9. November.

Aber: JA, @realDonaldTrump ist der Twitter-Account des wahren Donald Trump. Und genau dort findet sich die obige Aussage, nach der die Erderwärmung eine „Erfindung der Chinesen“ ist.

Donald Trump twittert gern. Und viel. Am 24. Februar beispielsweise:

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Es gibt Leute, die das als glatte Lüge bezeichen, „persönlich hat er sich nur 250.000 Dollar gegeben“, behauptet beispielsweise der Satiriker John Oliver in seiner Late Night Show. Aber das ist nicht das Feld des Klima-Lügendetektors, weshalb wir bei den Tweets von @realDonaldTrump bleiben: Am 15. März twitterte er:

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Jobs „zurück nach Amerika“? Doch nicht etwa von den Chinesen, die – das haben wir ja im erstzitierten Tweet gelernt – durch die Erfindung des Klimawandels jede Menge Aufträge geklaut haben? Trump verspricht im Tweet außerdem, auf Kriegsveteranen aufzupassen, Obamas Gesundheitsreform zurückzudrehen und eine Mauer an der mexikanischen Grenze zu bauen. Eine Analyse der Carnegie Mellon University bescheinigt Donald Trump übrigens das Sprachniveau eines Sechstklässlers (die Demokratin Hillary Clinton ist in ihrem Wahlkampf lediglich zwei Klassen besser, ihr Parteikollege Bernie Sanders erreicht immerhin das Niveau der elften Klasse).

Gucken wir uns den fraglichen Tweet noch einmal genauer an: „Das Konzept der globalen Erwärmung wurde erschaffen von und für die Chinesen, um die US-Wirtschaft ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu berauben“, steht da.

Jepp: DAS ist ein Trump, wie er im Buche steht.

Allerdings mit einem kleinen Schönheitsfehler. Wir MÜSSEN fairerweise sagen, dass der jetzt rausgekramte Tweet vom 6. November 2012 stammt – und damit aus einer Zeit, in der der Milliardär nichts als ein Milliardär war:

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Damals hatte Trump gerade mal 2.800 Follower, für den Weltverlauf waren solche Aussagen egal. Was das dusselige Gezwitscher zwar nicht besser macht. Aber es ist der Tweet von gestern. Und heute hat Trump dazu nichts abgesetzt.

Dafür hat die Washington Post ihn in dieser Woche nach dem Klimawandel gefragt. In dem langen und reichlich konfusen Gespräch sticht die Antwort sogar hervor, denn Trump geht hier tatsächlich einmal auf die gestellte Frage ein. „Ich bin kein großer Anhänger des vom Menschen verursachten Klimawandels“, sagt der Kandidat. „Es gab eine globale Abkühlung in den 1920er Jahren, und jetzt gibt es eine globale Erwärmung, obwohl man heute nicht weiß, ob es eine globale Erwärmung gibt.“ Mit anderen Worten: Trump ist Klimaskeptiker geblieben – und er hat vom Klimawandel immer noch keine Ahnung.

Danke für den Hinweis an Marlene J. aus Hamburg, Charlotte S. aus Schkopau, Reinhold L. aus Berlin und Jan P. aus Moers


EIKE: Auf den Fake hoffen

Freitag, den 18. März 2016

Folgende Meldung war auf den Seiten des „Europäischen Instituts für Klima und Energie“ zu finden:

„Edward Snowden: Globale Erwärmung ist eine Erfindung der CIA“.

Donnerwetter! Der Whistleblower und Ex-Geheimdienst-Mitarbeiter hat ja schon einiges ans Licht gebracht, was wir uns niemals im Leben hätten denken können. Deshalb wurde er zu Recht vielfach geehrt und ausgezeichnet, vom Stuttgarter Friedenspreis über die Carl-von-Ossietzky-Medaille bis hin zum Alternativen Nobelpreis. Nun kommt raus: Edward Snowden verfügt über als geheim eingestufte Informationen, nach denen hinter der „Theorie der globalen Erwärmung“ niemand anderes als der US-Geheimdienst CIA steckt:

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Eine Meldung, die ganz nach dem Geschmack des „Europäischen Instituts für Klima und Energie“ sein dürfte. Denn EIKE – wie sich das „Institut“ abkürzt – ist ein „Zusammenschluss einer wachsenden Zahl von Natur-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaftlern, Ingenieuren, Publizisten und Politikern, die die Behauptung eines ‚menschengemachten Klimawandels‘ als naturwissenschaftlich nicht begründbar und daher als Schwindel gegenüber der Bevölkerung“ brandmarkt, wie es im Selbstbild des selbsternannten Instituts heißt

Die brisante „Snowden-Meldung“ hat EIKE fast wortwörtlich von der Webseite worldnewsdailyreport.com übernommen.

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Auf den Seiten von worldnewsdailyreport.com findet sich neben der Snowden-Story jede Menge weiteres brisantes Material. Beispielsweise wird über Zoomitarbeiter aus Florida berichtet, die beim Versuch starben, einen Alligator zur vergewaltigen. Es gibt einen Text über Hitlers Schädel, der in Stalins Familien-Nachlass gefunden wurde. Und einen Bericht über die zwölf Ehefrauen des Jesus von Nazareth.

Lauter Exklusiv-Meldungen also, die unschwer als Fake zu erkennen sind. Schließlich zählt worldnewsdailyreport.com zu den schärfsten Fake-Seiten, die es im englischsprachigen Web gibt. Das „Europäische Institut für Klima und Energie“ nahm den Snowden-Fake von worldnewsdailyreport.com ernst – einfach weil die EIKE-Leute sich so sehr wünschten, dass ihre kruden Theorien eben doch die Wahrheit und kein Fake sind? 

Er habe den Hinweis auf die Snowden-Meldung „von dritter Seite“ bekommen, aber erst später erfahren, dass es sich vermutlich um einen Fake handele, sagt EIKE-Vize-Präsident Michael Limburg auf Nachfrage des Klima-Lügendetektors. „Deswegen habe ich die Meldung vorsichtshalber runtergenommen“, betont der Diplom-Ingenieur, der gerne angebliche „systematische Fehler“ der Klimaforschung nachzuweisen versucht und seit einiger Zeit die AfD energie- und klimapolitisch berät.

Nein, er habe die Meldung vorab nicht auf Plausibilität überprüft, räumt Limburg ein. Gleichwohl müsse EIKE aus dem Fehler keine Konsequenzen ziehen. Limburg: „Wir werden weiter möglichst wahrheitsgetreu berichten.“

So lange, bis die kruden EIKE-Thesen endlich wahr werden.

Herzlichen Dank an Peter H. aus Bochum für den Hinweis!


Deutsche Bank: Zu wenig wissen

Mittwoch, den 2. März 2016

Die Deutsche Bank schaltet derzeit eine Anzeige mit einem wirklich traumhaften Motiv:

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Zu sehen sind die „Gärten an der Bucht“ in Singapur, ein 101 Hektar großes Parkparadies, das dem Meer abgetrotzt wurde. Auf dem Motiv sehen wir die bis zu 50 Meter hohen Super Trees - pflanzenbewachsene Stahlgerüste, die unter anderem der Aufzucht von seltenen Pflanzen dienen. Aber per Photovoltaik gewinnen diese „Superbäume“ auch noch die Elektrizität für Beleuchtung und Kühlsysteme, sie sammeln in ihren offenen „Baumkronen“ Niederschläge zur Bewässerung der Pflanzen. Einige der „Superbäume“ dienen außerdem als Kühltürme für die Klimasysteme der benachbarten Glashäuser, in denen alpine Berg-Flora wie Orchideen, Bromeliengewächse oder Flamingoblumen gezeigt werden – in einem künstlich geschaffenen alpinen Klima, wie es sonst in einer Höhe von bis zu 3.000 Metern über dem Meeresspiegel herrscht.

Ein echter Knaller für Umweltfreunde, irgendwie wie „Ökotopia in echt“. „Das Wissen zu den Anlagetrends von morgen“, lautet der Slogan, den die Deutsche Bank mit diesem real gewordenen Zukunftstraum kombinierte. Und im Kleingedruckten steht dann:

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Sicherlich: Grafisch ist das mit dem Kleingedruckten nicht optimal gelöst. Aber es geht ja ohnehin darum, die Aufmerksamkeit des Betrachters auf den Jahresausblick 2016 zu lenken. Damit der dann sein Geld in “Das Wissen zu den Anlagetrends von morgen“ investiert.

Unsere Bitte: Lassen Sie die Finger davon!

DRINGEND!

Schließlich hört beim Geld der Spaß auf. Tatsächlich nämlich plant die Deutsche Bank eine gigantische Geldvernichtung. Mit Kohlekraftwerken, also dem Gegenteil des Anzeigenmotivs. Wir wollen nicht, dass Sie unter den Opfern sind! Auf den Seiten der Deutschen Bank heißt es:

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Kohlekraftwerke müssen in der Regel 40 Jahre laufen, um sich zu refinanzieren. Nach den Klimabeschlüssen von Paris ist aber klar, dass keines der heute gebauten Fossil-Kraftwerke dann noch am Netz sein kann. Für die „zweite Hälfte des Jahrhunderts“ schreibt das Paris-Abkommen „Klimaneutralität“ vor.

Die Deutsche Bank ist einer der größten Kreditgeber für Konzerne mit großem Kohlendioxid-Ausstoß. Zwischen Jahresbeginn 2012 und Ende 2014 hat die Bank mehr als 1,4 Milliarden Euro Kredite an international tätige Energieriesen wie RWE, Gazprom, Shell, Chevron und Saudi Aramco vergeben. Das geht aus dem Bericht „Dirty Profits“ der Nichtregierungsorganisation Facing Finance hervor. Zum „Wissen zu den Anlagetrends von morgen“ gehört aber: Klimaschädliche Investitionen sind nicht nur klimaschädlich, sie lohnen auch einfach nicht mehr. RWE oder Vattenfall, die in Deutschland ihr Kohlegeschäft loswerden wollen, können davon ein Lied singen!

Wer sich trotz dieses Wissens immer noch so offen zur Kohlefinanzierung bekennt wie die Deutsche Bank, dem sollte man UM GOTTES WILLEN sein Geld nicht mehr anvertrauen.

Unser Tipp für Ihr sauer Erspartes: Wechseln Sie zu einer Zukunftsbank!

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2016 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER (besonders, wenn Sie immer noch Kunde bei der Deutschen Bank sind: Dort ist Ihr Geld augenscheinlich eh nicht mehr sicher!)