Monatsarchiv für Januar 2017

Die AfD: Alternative Fakten verbreiten

Sonntag, den 29. Januar 2017

Der ehemalige US-Senator Daniel Patrick Moynihan sagte einmal: „Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung. Aber keiner hat das Recht auf eigene Fakten.“

Gut gesprochen, Herr Senator! Leider stimmt das aber nicht mehr: 14 Jahre nach seinem Tod – Daniel Patrick Moynihan wurde 2003 in New York beerdigt – wurde die Lüge ganz offiziell in den Zeugenstand der politischen Auseinandersetzung gerufen, wenn auch nicht als Lüge, sondern als „alternative facts“.

Insofern sind wir vom Klima-Lügendetektor uns nicht mehr ganz über unsere Rolle im Klaren. Sind wir jetzt die „Alternative-Klimafakten-Lieferanten“?

Zum Beispiel mit der Zuschrift von Christine S. aus Rostock: Die hat uns auf die Rede des vorpommerschen AfD-Abgeordneten Ralf Borschke aufmerksam gemacht, die Borschke am vergangenen Mittwoch im Schweriner Landtag gehalten hat. Darin sagte der Landtagsabgeordnete aus Stralsund:

Ist absolut richtig. Wenn man an der richtigen Stelle das kleine Wörtchen nicht einfügt: „In Wirklichkeit gibt es keine einzige wissenschaftliche und begutachtete Studie, die nicht den Nachweis erbracht hat, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und Zunahme anthropogener CO2‐Emissionen gibt.“

Das es diesen signifikanten Zusammenhang gibt, können wir – O-Ton Professor Anders Levermann – „ungefähr so klar sagen, wie wir sagen können, dass wir von der Gravitation auf der Erde gehalten werden“. Formuliert hat das der Experte vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung am vergangenen Donnerstag im Deutschlandfunk. Schade eigentlich, dass Ralf Borschke keinen Deutschlandfunk hört. Und schade, dass die Gravitation auf der Erde auch für Leute wie Ralf Borschke gilt.

Oder hier, Borschke zum grünen Grönland:

Wirklich, ein gutes Beispiel! Der berüchtigte Meuchelmörder Erik der Rote (für die Faktenliebhaber: Er hatte einen roten Bart) benutzte schon vor 1.000 Jahren alternative Fakten. Grönland war nur an der Südspitze ein bisschen grün und das auch nur ganz kurz im Sommer. Erik war wegen fortgesetzer Verbrechen mit seiner Familie erst bei den Wikingern rausgeflogen, dann bei den Isländern. Ihm blieb deshalb nur die unwirtliche Insel nordwestlich, die er – um Wikinger und Isländer zu ärgern – Grönland, also „Grünland“ nannte.

Ein PR-Gag, der andere Siedler anlocken sollte. Tatsächlich war der Eispanzer auf Grönland aber damals schon ungefähr zwei Kilometer mächtig – in die Höhe.

Nochmal Ralf Borschke im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern:

Genau, genau! Postfaktisch halt. Hat dieser Weltklimarat IPCC doch einfach so berechnet, wie sich bestimmte Entwicklungen auf unser Leben im Jahr 2100 auswirken werden – ohne das durch reale Messungen zu bestätigen! Die haben noch nicht mal Satellitenmessdaten aus dem Jahr 2065! Geschweige denn aus dem Jahr 2033! Und wollen uns erklären, dass die Erderwärmung unser aller Leben verändert. Aber warum denn nur?

Na ja, auch da kennt der AfD-Abgeordneten Ralf Borschke postfaktisch alternative Fakten, also die Wahrheit und nichts als die Wahrheit:

Vielen Dank an Christine S. aus Rostock für den Hinweis!

PS: Einige Zuschriften zu diesem Post wollen wir Ihnen nicht vorenthalten!

Jochen L. aus Wuppertal schreibt uns, dass „die Aussage des Landtagsabgeordneten Ralf Borschke richtig ist. Der Zusammenhang geht in der Tat nicht über ’steigende THG-Emissionen‘, sondern über ’steigende THG-Konzentrationen‘. Eine Studie, die einen Zusammenhang via ’steigende THG-Emissionen‘ behauptet, wäre grottenfalsch – deshalb gibt es sie in der Tat nicht.“

Georg K. aus dem österreichischen Pöllau schreibt, dass die FPÖ bei der Leugnung des Klimawandels genau so drauf ist wie die AfD.

Craig M. aus Potsdam sandte uns einen Link, nach dem das grüne Stückchen, das Erik der Rote seinerzeit auf Grönland fand, größer als von uns beschrieben war.

Die Zuschriften, die mit Pöbeleien und Beschimpfungen reagieren, veröffentlichen wir aber nicht!


Weißes Haus: Beim Klimawandel „no results“

Samstag, den 21. Januar 2017

Tata!

Kaum im Amt, kann der neue US-Präsident Donald Trump schon den ersten Erfolg verbuchen. Ab sofort nämlich gibt es den Klimawandel nicht mehr!

Wer sich noch am Donnerstag auf den Seiten des Weißen Hauses über das Problem der Erderwärmung kundig machen wollte, den erschlug das Material förmlich, das die Obama-Administration zum Thema bereithielt.

Hier ein Auszug:

Wer 24 Stunden nach der Amtseinführung Trumps auf den Seiten des Weißen Hauses ins Suchfeld „climate change“ eingibt, der erhält folgende Auswahl:

Ist das nicht phantastisch? Noch keine 24 Stunden im Amt und schon existiert das Problem nicht mehr?

Mr. Trump, du Teufelskerl!

PS: Es gibt natürlich immer noch ein paar Störenfriede, wie den Potsdamer Professor Stefan Rahmstorf, der es wagt, sich über den neuen US-Präsidenten zu stellen – mit Fakten, Daten, Kurven, ja sogar mit Wissenschaft!!!

 


Berliner Zeitung: Bitte noch mal nachdenken

Donnerstag, den 12. Januar 2017

Falls Sie mit Ihren Geschenken zum letztjährigen Weihnachtsfest nicht zufrieden sind, dann haben wir heute etwas für Sie:

Wer die Berliner Zeitung jetzt zwei Jahre zum Preis von monatlich 18,99 € als E-Paper bestellt, der bekommt von der Berliner Zeitung gratis ein Samsung-Tablet dazu.

Wenn das nichts ist! Auf dem Tablet gibt es ein 1:1-Abbild der gedruckten Ausgabe, das man auf drei Geräten gleichzeitig lesen kann. Die neueste Ausgabe kann man bereits ab 20 Uhr des Vorabends lesen. Und dann denkt die Berliner Zeitung auch noch an die Umwelt:

Wie jetzt: „kein Papier und kein Transport (CO2-Ausstoß)“? Ohne Transport kann man das E-Paper doch gar nicht nutzen! Natürlich müsst auch ihr von der Berliner Zeitung Inhalte zu euren Lesern transportieren. Dafür ist Strom notwendig, der – weil in der Hauptstadt nicht so viel Elektrizität produziert wird – wiederum über große Entfernungen nach Berlin transportiert werden muss!

Und Strom bedeutet CO2-Ausstoß! Nach Polen, Estland und der Tschechischen Republik produziert Deutschland den viertdreckigsten Strom in der Europäischen Union. 455 Gramm CO2 Ausstoß entstehen hierzulande für jede Kilowattstunde. Zum Vergleich: In Schweden sind es nur 62 Gramm!

Wir vom Klima-Lügendetektor freuen uns natürlich, dass ihr bei der Berliner Zeitung jetzt auch schon an die Umwelt denkt. Bitte aber: Denkt doch vorher ein bisschen gründlicher nach! Denn vermutlich ist die Ökobilanz eines hinterhergeschmissenen Tablets schlechter als die vom Radfahrer ausgefahrene, auf Recycling-Papier mit Ökostrom gedruckte, gute alte Berliner Zeitung.

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2017 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER.


Neues aus dem Fundus (VI): Nicht mehr voRWEg

Donnerstag, den 5. Januar 2017

Kennen Sie den noch?

Den Witz hatten sich schlaue Werbeköpfe im Sommer 2013 ausgedacht.

Gut ist auch der hier aus dem Jahr 2008:

Es gibt auf dem Klima-Lügendetektor unzählige VoRWEg-Geh-Witze (dieser stammt aus dem Jahr 2009).

Wir haben dafür sogar eine eigene Rubrik eingerichtet!

Damit könnte nun Schluss sein. Einerseits gibt es diese RWE so nämlich nicht mehr. Weil der Konzern immer nur hinterherhinkte, ist er in schwere wirtschaftliche Turbulenzen geraten und hat sich aufgespalten. Der moderne Teil, also der mit Windkraft und der Energiewende, nennt sich jetzt Innogy.

Der andere Teil, also der mit den alten Kohlemöhren, heißt immer noch RWE. Dessen neuer Vorstandsboss Rolf Martin Schmitz hat nun im Interview erklärt, dass er nicht mehr „voRWEg gehen“ will. „‚VoRWEg gehen‘ verwenden wir nicht mehr“, sagte Schmitz der Welt. Wäre ja auch blöd – mit Atomkraftwerken wie Gundremmingen im Portfolio, dessen Block B Ende dieses Jahres in Rente geht.

Wir meinen: Ach, bitte nicht doch! Liebe RWE, macht weiter, „voRWEg gehen“ ist doch wirklich schick!!! Wollt ihr denn wirklich die Arbeit des Klima-Lügendetektors unnötig verkomplizieren?

Vielen Dank an Matthias B. aus Berlin für den Hinweis!