Archiv des Schlagwortes ‘Berliner Zeitung’

Berliner Zeitung: Bitte noch mal nachdenken

Donnerstag, den 12. Januar 2017

Falls Sie mit Ihren Geschenken zum letztjährigen Weihnachtsfest nicht zufrieden sind, dann haben wir heute etwas für Sie:

Wer die Berliner Zeitung jetzt zwei Jahre zum Preis von monatlich 18,99 € als E-Paper bestellt, der bekommt von der Berliner Zeitung gratis ein Samsung-Tablet dazu.

Wenn das nichts ist! Auf dem Tablet gibt es ein 1:1-Abbild der gedruckten Ausgabe, das man auf drei Geräten gleichzeitig lesen kann. Die neueste Ausgabe kann man bereits ab 20 Uhr des Vorabends lesen. Und dann denkt die Berliner Zeitung auch noch an die Umwelt:

Wie jetzt: „kein Papier und kein Transport (CO2-Ausstoß)“? Ohne Transport kann man das E-Paper doch gar nicht nutzen! Natürlich müsst auch ihr von der Berliner Zeitung Inhalte zu euren Lesern transportieren. Dafür ist Strom notwendig, der – weil in der Hauptstadt nicht so viel Elektrizität produziert wird – wiederum über große Entfernungen nach Berlin transportiert werden muss!

Und Strom bedeutet CO2-Ausstoß! Nach Polen, Estland und der Tschechischen Republik produziert Deutschland den viertdreckigsten Strom in der Europäischen Union. 455 Gramm CO2 Ausstoß entstehen hierzulande für jede Kilowattstunde. Zum Vergleich: In Schweden sind es nur 62 Gramm!

Wir vom Klima-Lügendetektor freuen uns natürlich, dass ihr bei der Berliner Zeitung jetzt auch schon an die Umwelt denkt. Bitte aber: Denkt doch vorher ein bisschen gründlicher nach! Denn vermutlich ist die Ökobilanz eines hinterhergeschmissenen Tablets schlechter als die vom Radfahrer ausgefahrene, auf Recycling-Papier mit Ökostrom gedruckte, gute alte Berliner Zeitung.

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2017 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER.


Berliner Zeitung: Durch die lila Brille sehen

Donnerstag, den 9. Juni 2016

Berlin kann sich glücklich schätzen, jährlich Gastgeber eines der größten Umwelt-Festivals Europas zu sein. Organisator ist die Grüne Liga, auch in diesem Jahr strömten wieder 140.000 Menschen mit dem Fahrrad zum Brandenburger Tor. Und natürlich gibt es Medienpartner zu solchen Festivitäten – diesmal die Berliner Zeitung, die zum Umweltfestival eine kleine Sonderzeitung – im Verlagssprech „Anzeigen-Sonderveröffentlichung“ – gedruckt hat.

In dieser geht es zum Beispiel um Schüler, die lernen sollen, „sich selbst zu hinterfragen“. Im Interview stellt die Berliner Zeitung auf Seite 3 folgende Frage:

„Deren Umweltwissen [das der Schüler, die Red.] hat oft keinen besonders guten Ruf. Glauben Berliner Schüler wirklich, Kühe seien lila?“

Auf Seite 9 der Beilage findet sich dann folgende Anzeige:

umweltfestival

Och nö! Nicht schon wieder die Mär von der klimafreundlichen Kartonverpackung! Der Klima-Lügendetektor hat sich schon mehrfach mit diesen Verpackungen befasst, zum Beispiel ging es dabei um den Kartonverpacker Tetra Pak. Damals hieß es:

„Tetra Pak macht seine Produkte grüner als sie sind“, hatte … vor Jahresfrist Rechtsanwalt Remo Klinger erklärt und Tetra Pak im Auftrag der DUH verklagt. Damals hatte das Unternehmen in seiner Werbung noch von einem „vollständigen Recycling“ gesprochen, was sich nicht als besonders zukunftsweisend herausstellte – die DUH bekam nämlich Recht, Tetra Pak änderte den Anzeigentext.“

OK: Diesmal ist der Anzeigenkunde nicht Tetra Pak, sondern die Lobby der Kartonverpackungen. Diese behauptet:

umweltfestival1

Nun gibt es Werbung, die schummelt – und im Getränkeverpackungsbusiness ist das augenscheinlich häufig der Fall. In diesem Fall aber ist die Anzeige auf einer Zeitungsseite veröffentlicht, die die Überschrift „Eine Verpackung, die nachwächst“ trägt.

Die Journalistin, die auf Seite 3 noch fragte: „Glauben Berliner Schüler wirklich, Kühe seien lila?“, schreibt nun:

getr

Es folgt ein Loblied auf das Recycling der Getränkekartons, das technisch nicht viel aufwendiger sei „als das Recycling von alten Zeitungen“. Und dann kommt auch noch die „nachhaltige Forstwirtschaft“ ins Spiel, die eben dafür sorgt, dass – O-Ton der Anzeige – fürs Klima bislang „eine Mio. Tonnen CO2“ eingespart wurde:

fsc

Aber stimmt das denn? Nun: Die Kollegin der Berliner Zeitung hatte offenbar eine lila Brille auf. Denn nicht einmal die kartonbasierte Getränkewirtschaft behauptet, so grün zu sein, wie es die Berliner Zeitung behauptet:

geträn

Folgen Sie uns bitte kurz auf dem oben vorgegebenen Rechenweg: Von 100 Gramm Getränkekarton-Material werden maximal 80 Prozent „aus dem nachwachsenden und klimaneutralen Rohstoff Holz hergestellt“ – also höchstens 80 Gramm.

Von diesen 80 Gramm sind maximal 70 Prozent aus Holz mit dem FSC-Siegel für klimaverträgliche Holzwirtschaft – macht maximal 56 Gramm.

Von diesen 56 Gramm werden nach der ungeprüften Eigendarstellung der Getränkekarton-Wirtschaft nur 70 Prozent tatsächlich recyclet, also 39 Gramm. Das bedeutet: Bestenfalls zu 39 Prozent sind die Kartons nach der Eigendarstellung rundum klimafreundlich.

Und natürlich muss diese Eigendarstellung bezweifelt werden: Die Kartons tragen in der Regel das FSC-Mix-Siegel, bei dem nur 70 Prozent des Holzes ein FSC-Zertifikat haben müssen. Von den 100 Gramm in unserer Rechnung blieben damit am Ende nur noch 27 Gramm übrig, die nachhaltig hergestellt und entsorgt werden.

Und vor allem: Die für den Prozess eingesetzte Energie ist nicht recyclebar. Die Kollegin der Berliner Zeitung zählt auf:

  • „beim Herstellen von Aluminium [zur Aluminiumfolienbeschichtung der Kartons, die Red.] benötigt man viel Energie …“
  • „Füllgut wird in ultrakurzer Zeit hoch erhitzt, sofort wieder heruntergekühlt …“
  • „Damit sich die zur Keimabtötung notwendige Temperatur gleichmäßig im Produkt verteilen kann, ist eine lange Erhitzungszeit notwendig …“

Gut ist, dass es in Berlin eines der größten Umweltfestivals Europas gibt. Schön, dass Medien wie die Berliner Zeitung solche Veranstaltungen so wichtig nehmen, dass sie extra eine eigene Festivalzeitung verlegen. Blöd ist allerdings, wenn die MacherInnen ein Umweltwissen vermitteln, das der Hauptstadtzeitung keinen besonders guten Ruf einbringt.

Oder glauben Berliner Schüler wirklich, das Umweltkartons „lila“ sind?

Danke an Jonathan R. aus Berlin für den Hinweis


Berliner Zeitung: Schulden in die Tasche lügen

Freitag, den 24. August 2012

Mittlerweile hat die Euro-Rettung eine gewisse Routine entwickelt. Täglich wird gerettet und täglich wird an der Rettbarkeit gezweifelt – ohne dass die persönliche Aufregungskurve noch besonders ausschlägt. Manchmal allerdings wird dieses routinierte Zurkenntnisnehmen dann doch in seinen Grundfesten erschüttert. Zum Beispiel heute von der Berliner Zeitung. Auf Seite 1 heißt es:

Wow! Super! Spitze! Alle machen Schulden in Europa außer wir Deutschen. Die Berliner Zeitung schreibt: „Das Plus entspricht 0,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.“

Nun sind wir vom Klima-Lügendetektor natürlich keine Haushaltsexperten. Aber soweit reicht unser Sachverstand dann doch: Zustande ist der Bundeshaushalt des Jahres 2012 doch nur dank der sogenannten „Nettokreditaufnahme“ des Bundes gekommen. Nach der Datenlage des Bundesfinanzministeriums (Seite 74) verschuldete sich der Staat im ersten Halbjahr 2012 mit 16,05 Milliarden Euro.  In dieser Summe sind die Landeshaushalte noch gar nicht eingerechnet: Auch die verschulden sich Jahr für Jahr, um mehr Geld ausgeben zu können als sie haben. Beim Bundesfinanzministerium heißt es dazu: „Derzeit planen die Länder für das Haushaltsjahr 2012 ein Finanzierungsdefizit von rd. -14,9 Mrd. €.“

Die gute Konjunktur beschert dem deutschen Staat ein Milliarden-Plus?

Liebe Berliner Zeitungsmacher, Ihr meint vermutlich: „Die gute Konjunktur sorgt dafür, dass der deutsche Staat ein bisschen weniger stark über seine Verhältnisse lebt.“

Sie fragen sich, was das alles hier auf unserem Blog zu suchen hat? Nun, mit Umwelt und Klima läuft es ganz genau so: In dieser Woche gab das Global Foodprint Network bekannt, dass der World Overshoot Day erreicht sei. Holz, Fisch, Frischluft, Wasser, Getreide, Platz für den Müll, auch für den Klimamüll in der Atmosphäre -  am 22. August hatte die Menschheit alle natürlichen und regenerierbaren Ressourcen verbraucht, die uns die Erde für das gesamte Jahr zur Verfügung stellen kann. Das bedeutet: Ab sofort ist der Planet ökologisch im roten Bereich. Nach Berechnungen der Umweltorganisation Germanwatch bräuchte die Menschheit derzeit 1,5 Erden, um den Planeten nicht zu überlasten.

Den ersten „World Overshoot Day“, den „Tag der ökologischen Überschuldung“, erlebte die Menschheit 1987 am 19. Dezember. 1995 fiel der Tag schon auf den 21. November, 2006 war es der 9. Oktober, 2009 der 25. September. Jedes Jahr erschrecken die Wissenschaftler aus Oakland, Kalifornien, neu, wenn sie den Menschheitsbedarf an Acker- und Weideland, Wäldern und Fisch der weltweiten biologischen Kapazität gegenüberstellen. Die Schulden steigen immer schneller.

Aber davon stand natürlich nichts in der Berliner Zeitung.


Linkspartei: Klimaheuchelnd ins Neue Jahr

Montag, den 4. Januar 2010

Jahreswechsel sind bekanntlich Gelegenheiten für besinnliche Rückblicke und gute Vorsätze. Dementsprechend hat die Berliner Zeitung in ihrer Neujahrsausgabe den Ministerinnen und Ministern der neuen Brandenburger Landesregierung einen kleinen Fragebogen vorgelegt. Worüber sie sich denn 2009 am meisten geärgert hätten, sollten die Politiker von SPD und Linkspartei dort aufschreiben. linkspartei_berlztg1„Ärgernisse vergesse ich meist schnell“, antwortete etwa Finanzminister Helmuth Markov (Die Linke). „Nur nicht die Scheinheiligkeit der Bundesregierung zum Einsatz in Afghanistan.“ Und seinen Genossen Justizminister Volkmar Schöneburg wurmte im vergangenen Jahr am meisten „das dürftige Ergebnis der Weltklimakonferenz“.

Nunja, bei den Worten „Scheinheiligkeit“ und „dürftiges Ergebnis“ fällt Klimaschützern in Brandenburg vor allem die Linkspartei selbst ein: Im vergangenen Jahr nämlich hatte sie ein Volksbegehren gegen neue Braunkohletagebaue unterstützt, die Vattenfall in Brandenburg plant. In den Wahlkampf zog die Linkspartei dann – siehe Seite 13 des Wahlprogramms – mit dem Slogan: „Keine neuen Tagebaue!“ Wörtlich hieß es dort: „Der Abbau der Braunkohle schädigt den Grundwasserhaushalt für Jahrhunderte, ihre Verbrennung ist energetisch wenig effektiv und beschleunigt den Klimawandel durch den Ausstoß von Millionen Tonnen Kohlendioxid.“

Wohl wahr. Was aber passierte, als die Linkspartei nach der Wahl Gelegenheit zur Regierungsbeteiligung bekam? Genau, sie stimmte einem Koalitionsvertrag mit der Brandenburger Braunkohle-SPD zu – der natürlich nicht den zügigen Ausstieg aus diesem klimaschädlichen Brennstoff festschreibt, die versprochene Energiewende vollzieht, neue Tagebaue verhindert oder Vattenfalls CCS-Alibiforschung stoppt. Der schwedische Staatskonzern darf deshalb auch in den kommenden Jahrzehnten in Brandenburg Milliardenprofite einfahren – auf Kosten der Umwelt, der Tagebauvertriebenen und natürlich auf Kosten des Weltklimas.

Maliziös fragten die Kollegen der Berliner Zeitung noch: „Was ist Ihr persönlicher Beitrag zur Rettung des Weltklimas?“ Zugegeben, auch von Sozialdemokraten kamen schräge Antworten, Ministerpräsident Matthias Platzeck etwa will „kalt duschen“. Aber die SPD hatte im Wahlkampf zumindest nie einen Hehl daraus gemacht, dass in Brandenburg unter ihr einige der größten Kohlendioxid-Schleudern Europas weiterlaufen dürfen. Die Antworten der Linkspartei dagegen sind angesichts ihres klimapolitischen Wortbruchs pure Heuchelei. Umweltministerin Anita Tack:

linkspartei_berlztg2

Ja, ja, sie verspricht zu kämpfen – hat aber längst verloren. Die anderen Minister der Ex-PDS bleiben deshalb gleich im Privaten: Finanzminister Markov verweist auf sein Solardach und eine Holzheizung, Justizminister Schöneburg will „am Wochenende auf das Auto verzichten“. Die Solaranlage des Finanzspezialisten Markov dürfte (neben dem unbestrittenen Umweltnutzen) für ihn privat ein hübsches Geschäft sein. Und der Autoverzicht von Justizminister Schöneburg brächte hochgerechnet (fünf Jahre Amtszeit, 52 Wochenende pro Jahr, 250 km pro Wochenende, durchschnittlicher CO2-Ausstoß ca. 160 Gramm pro km) insgesamt gut zehn Tonnen Kohlendioxid-Einsparung. Dagegen stößt allein das Vattenfall-Kraftwerk Jänschwalde, das dank der Umfaller von der Linkspartei noch weit über das Jahr 2020 laufen wird, jährlich mehr als 20 MILLIONEN Tonnen des Klimagases aus.

Politiker sollten lieber gute Politik machen, statt ihr Privatleben klimaschützerisch zu optimieren.