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Berliner Zeitung: Schulden in die Tasche lügen

Mittlerweile hat die Euro-Rettung eine gewisse Routine entwickelt. Täglich wird gerettet [1] und täglich wird an der Rettbarkeit gezweifelt [2] – ohne dass die persönliche Aufregungskurve noch besonders ausschlägt. Manchmal allerdings wird dieses routinierte Zurkenntnisnehmen dann doch in seinen Grundfesten erschüttert. Zum Beispiel heute von der Berliner Zeitung. Auf Seite 1 heißt es:

[3]

Wow! Super! Spitze! Alle machen Schulden in Europa außer wir Deutschen. Die Berliner Zeitung schreibt: „Das Plus entspricht 0,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.“

Nun sind wir vom Klima-Lügendetektor natürlich keine Haushaltsexperten. Aber soweit reicht unser Sachverstand dann doch: Zustande ist der Bundeshaushalt des Jahres 2012 doch nur dank der sogenannten „Nettokreditaufnahme“ des Bundes gekommen. Nach der Datenlage des Bundesfinanzministeriums (Seite 74 [4]) verschuldete sich der Staat im ersten Halbjahr 2012 mit 16,05 Milliarden Euro.  In dieser Summe sind die Landeshaushalte noch gar nicht eingerechnet: Auch die verschulden sich Jahr für Jahr, um mehr Geld ausgeben zu können als sie haben. Beim Bundesfinanzministerium heißt es dazu: [5] „Derzeit planen die Länder für das Haushaltsjahr 2012 ein Finanzierungsdefizit von rd. -14,9 Mrd. €.“

Die gute Konjunktur beschert dem deutschen Staat ein Milliarden-Plus?

Liebe Berliner Zeitungsmacher, Ihr meint vermutlich: „Die gute Konjunktur sorgt dafür, dass der deutsche Staat ein bisschen weniger stark über seine Verhältnisse lebt [6].“

Sie fragen sich, was das alles hier auf unserem Blog zu suchen hat? Nun, mit Umwelt und Klima läuft es ganz genau so: In dieser Woche gab das Global Foodprint Network [7] bekannt, dass der World Overshoot Day erreicht sei. Holz, Fisch, Frischluft, Wasser, Getreide, Platz für den Müll, auch für den Klimamüll in der Atmosphäre -  am 22. August hatte die Menschheit alle natürlichen und regenerierbaren Ressourcen verbraucht, die uns die Erde für das gesamte Jahr zur Verfügung stellen kann. Das bedeutet: Ab sofort ist der Planet ökologisch im roten Bereich. Nach Berechnungen der Umweltorganisation Germanwatch bräuchte die Menschheit derzeit 1,5 Erden, um den Planeten nicht zu überlasten.

Den ersten „World Overshoot Day“, den „Tag der ökologischen Überschuldung“, erlebte die Menschheit 1987 am 19. Dezember. 1995 fiel der Tag schon auf den 21. November, 2006 war es der 9. Oktober, 2009 der 25. September [8]. Jedes Jahr erschrecken die Wissenschaftler aus Oakland, Kalifornien, neu, wenn sie den Menschheitsbedarf an Acker- und Weideland, Wäldern und Fisch der weltweiten biologischen Kapazität gegenüberstellen. Die Schulden steigen immer schneller.

Aber davon stand natürlich nichts in der Berliner Zeitung.