Monatsarchiv für Dezember 2020

Vattenfall: Der (Un-)Held des Jahres

Montag, den 28. Dezember 2020

Und hier, verehrte Leserinnen und Leser: unser Held des Jahres 2020.

Vattenfall!

In seiner Werbung verspricht der schwedische Staatskonzern:

zu sein. Und setzt das dann auch ganz konsequent Schritt für Schritt um.

Anfang August unkten wir noch, Vattenfall wolle im Zuge der neuen Werbekampagne sein Kraftwerk Moorburg dichtmachen – Sie wissen schon, dieses hochumstrittene Steinkohlemonstrum, das Vattenfall in der Hansestadt vor mehr als zehn Jahren errichtete, um den Klimaschutz voranzubringen:

Das war schon damals gelogen, und im Jahr 2018 produzierte das Kraftwerk Moorburg 6,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid – etwa so viel wie das afrikanische Land Ruanda in einem Jahr. In Ruanda leben mehr als zwölf Millionen Menschen, in Hamburg noch nicht einmal zwei Millionen.

Aber jetzt macht Vattenfall ja Ernst: Obwohl das Kraftwerk erst 2015 in Betrieb genommen wurde und damit eines der modernsten in Deutschland ist, wird es abgeschaltet:

Kurze Frage an die Regie: Stimmt da etwas mit der Überschrift nicht?

Die sieht zerhackstückt aus.

Regie?

Könnt ihr mal bitte überprüfen, was da los ist?

Jaja, den Moment haben wir.

Danke:

Ach! Vattenfall hat gar nicht wegen seiner Firmenpolitik, wegen seinem „Weg zum fossilfreien Leben“ entschieden, Moorburg abzuschalten – sondern sich darum beworben? Bei der Bundesnetzagentur, die Geld für die Stilllegung von Kohlekraftwerken zahlt? Geld vom Steuerzahler für verfehlte Firmenpolitik, also Geld von uns, um Moorburg dichtzumachen?

Anna Borg, die neue Präsidentin von Vattenfall, begrüßt die Entscheidung der Bundesnetzagentur: „Sie ermöglicht es uns, das Kraftwerk Moorburg früher als bisher geplant vom Netz zu nehmen.“

Zu gut Deutsch: Ohne die Knete aus unserem Portemonnaie würde Vattenfall Moorburg 2021 auf seinem „Weg zum fossilfreien Leben“ niemals dichtmachen.

Na: Gut, dass wir das noch rechtzeitig geklärt haben. Vattenfall eignet sich dann nur zum „Unhelden des Jahres“!

P.S.: Herzlichen Dank an unsere Leser:innen. Und einen besonderen Dank an die, die unsere Arbeit beim Klima-Lügendetektor auch unterstützen. Wir müssen Sie bitten, die notwendige Recherche auch im Jahr 2021 zu fördern: Bitte helfen Sie uns bei dieser Arbeit HIER. Auf dass 2021 ein in jeder Hinsicht besseres Jahr werde: Das wünschen wir allen!


Merkel: Ein Fehler in der Rede

Donnerstag, den 10. Dezember 2020

Angela Merkel, die Bundeskanzlerin, ist bekanntlich von Haus aus Naturwissenschaftlerin. In der DDR war sie vor mehr als 30 Jahren am Zentralinstitut für Physikalische Chemie tätig. Im Deutschen Bundestag hat sie jetzt erklärt, wie es dazu kam:

Das ist eine Erklärung, die das Dilemma jenes Landes ziemlich gut beschreibt: Bekanntlich waren in der DDR die Wirtschaftspläne immer zu 120 Prozent übererfüllt, die Läden aber zu zwei Dritteln leer. Die „immer bessere Befriedigung der materiellen und kulturellen Bedürfnisse“ war zwar Staatsziel, wer kulturell aber etwa lieber auf Jazz, Blues oder Punk statt Blasmusik stand, der bekam schnell mit der Stasi Zoff.

Doch bevor wir in die Vergangenheit abdriften: In dieser Woche hat das UN-Umweltprogramm UNEP den „Emissions-Gap-Report“ veröffentlicht, einen Bericht, der die ganze Dramatik des Klimaschutzes auf den Punkt bringt. Die Welt hat sich zwar exakt vor fünf Jahren mit dem Übereinkommen von Paris dazu verpflichtet, die Klimaerhitzung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Die Wissenschaftler der UNO konstatieren aber nun in diesem Report, dass sich niemand daran hält. „Das Jahr 2020 ist auf dem Weg, eines der rekordwärmsten zu werden“, erklärte Inger Andersen, Executive Director der UNEP.

Auch Inger Andersen ist von Haus aus Wissenschaftlerin, wie Angela Merkel ging auch die Dänin später in die Politik. Aber hören wir mal, was Angela Merkel weiter in ihrer Rede sagte.

(Achtung! Den vom Manuskript abweichenden Sprechfehler haben wir für Sie rot markiert!)