Archiv des Schlagwortes ‘Porsche’

Porsche: Batteriebetriebener Irrsinn

Dienstag, den 31. Mai 2011

Elektromobilität ist grad unglaublich in. Es gibt eine „Nationale Plattform Elektromobilität“, jede Menge Modellregionen und den Regierungsplan, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen rollen zu lassen. Dafür werden etliche Milliarden Euro Steuergelder bereitgestellt, denn es gibt noch viel zu erforschen.

Zum Beispiel bei Porsche: Die schnellen Schwaben haben jetzt mit dem Boxster E ein rollendes Forschungslabor auf die Straße gebracht. Offiziell gehören die drei Autos diesen Typs zum Forschungsprogramm „Modellregion Elektromobilität Region Stuttgart“, weshalb die Bundesregierung einen Teil der sechs Millionen Euro Entwicklungskosten übernommen hat.

Getestet hat den Elektro-Porsche Benjamin Bessinger für die Springer-Zeitung Die Welt.  Unter der Überschrift „Lautes Vorspiel im Elektro-Porsche“ kommt der Tester zu dem Schluss, dass bei der ersten Ausfahrt die Mundwinkel mit jedem Meter weiter nach oben gehen:

Die Begeisterung des Testers hat folgenden Grund: „Gut 200 PS beschleunigen den leisen Batterie-Boliden in 5,5 Sekunden auf Tempo 100.“

Und dann kommt der Tester so richtig ins Schwärmen: „Mit 200 km/h verteidigt der Stromer auch den angestammten Porsche-Platz in der Highway-Hierarchie“, heißt es im Testbericht weiter. Gemeint ist natürlich die linke Überholspur. Und der Tester spricht ein Problem an, was jedem Porsche-Kunden nun wirklich große Akzeptanzsorgen bereiten dürfte: Bei einem Sportwagen mache der Ton die Musik, Motorengedröhn gehöre zum Gesamterlebnis dazu und – tja, leider, leider verströmt der Elektro-Porsche nichts als „himmlische Ruhe“ .

Aber natürlich arbeiten die Porsche-Entwickler auch daran: Sie integrierten ein spezielles Soundsystem. „Auf Knopfdruck meldet sich – synthetisch erzeugt und elektronisch verstärkt – das vertraute Geräusch eines Verbrenners. Nur, dass der Stromer dann nach einem amerikanischen V8 und nicht nach einem schwäbischen Sechszylinder klingt, daran müssen die Entwickler noch arbeiten.“

200 PS im Elektroauto? Mit Soundsystem? Entwicklungsauftrag: Sechszylindersound? Gefördert vom Steuerzahler? Gehts noch?

Nicht, wenns nach der SPD geht. Die hatte Mitte Mai ein Energiekonzept vorgelegt, das Deutschland fit für den Kampf gegen die Erderwärmung machen soll. Im ziemlich detaillierten Sofortprogramm heißt es als Schritt 24 (von 50):

Dass dies längst an der Zeit ist, beweist eine kleine Weltrecherche: Seitdem Ruanda 2001 ein Tempolimit eingeführt hat, gibt es weltweit nur noch elf Staaten ohne ein solches. Es sind Afghanistan, Bhutan, Burundi, Haiti, Libanon, Mauretanien, Myanmar, Nepal, Nordkorea, Somalia – und Deutschland.

Um also der Steuergeldverschwendung einen Riegel vorzuschieben, dem PS-Irrsinn ein Ende zu bereiten und das Land wieder zukunftsfähig zu machen, müssen jetzt nur noch die Sozialdemokraten an die Macht gewählt werden.


Porsche und VW: Hybride nur für Spritschlucker

Montag, den 1. März 2010

Fortschritt komme von oben, behaupten Audi, Mercedes & Co. gern, ohne die deutschen Sport- und Oberklasselimousinen gäbe es keine Innovationen beim Auto. Nur dort bezahle der Kunde teure, neue Technik, die später dann der breiten Masse des automobilen Pöbels nütze. Mit solchen Argumenten versuchen die deutschen Hersteller zu begründen, warum sie auch in Zeiten des Klimawandels unbedingt noch ihre zu großen, schweren, leistungsstarken Gefährte bauen müssen.

porsche_gthybridAuch beim diesjährigen Autosalon in Genf wird das Märchen wieder aufgetischt. Porsche zum Beispiel präsentiert dort seinen GT3 R mit Hybridantrieb. Statt der gewohnten Stromakkus speichert ein Schwungrad Energie, um sie beim Beschleunigen wieder abzugeben. Die ohnehin üppigen 480 PS aus dem regulären Sechs-Zylinder-Motor werden so um weitere 163 PS aufgestockt. Der Wagen „verbindet Effizienz und Performance auf intelligente Weise“, zitiert  auto, motor und sport den Porsche-Manager Hartmut Kristen. „Auf der Rennstrecke … erproben wir unter härtesten Bedingungen neue Technologien für künftige Straßenautos.“ Das kann glauben, wer will. Wir gehen jede Wette, dass man den Schwungrad-Hybrid auf absehbare Zeit nicht wird kaufen können. Das ramponierte Porsche-Image poliert er trotzdem auf – und lenkt ab von der rauen Realität: In den USA drohen der Firma ab 2016 drastische Strafen für seine Spritschlucker.

Was Porsche-Kunden in diesem Jahr tatsächlich ordern können, ist lediglich der überschwere Geländewagen Cayenne mit Hybrid. Unter der Haube hat dieser aber bloß die bei anderen Marken längst verfügbare Elektro-Technologie – übernommen vom Touareg der Mutter Volkswagen. vw_cayenne_hybridMit diesem versuchen nun auch die Wolfsburger, der zweiten Generation ihres Straßenpanzers etwas grüne Tünche zu verpassen.

Irgendeinen Nutzen für Massenfahrzeuge a la Polo oder Golf haben diese angeblichen Technikvorreiter bislang nicht. Die japanische Konkurrenz hat währenddessen mit dem Honda Insight längst einen familientauglichen Hybrid für 20.000 Euro im Angebot, der nur halb soviel Kohlendioxid emittiert wie der Touareg/Cayenne-Zwilling. Und ein paar Schritte entfernt von den Messeständen von Porsche und VW stehen in Genf bereits die erstenkleinen Serien-Elektroautos. Echter Fortschritt kommt eben von unten.


VDA: Neusprech für Klimakiller, Lektion 2

Montag, den 14. September 2009

Diese Woche beginnt in Frankfurt/Main die IAA, alle zwei Jahre trifft sich dort die Branche zum Schaulaufen. Und weil inzwischen nicht einmal die deutsche Autoindustrie mehr am Thema Klimawandel vorbeikommt, hat sie grad ihre Website „Unsere Autos“ runderneuert. Vor ein paar Wochen berichteten wir darüber und baten unsere LeserInnen, sich doch dieses Wunderwerk der Grünfärberei genauer anzuschauen. Hier also, pünktlich zur IAA, Teil 2 des „Neusprech für Klimakiller“.

Auf der Internetseite steht zum Beispiel:

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Übersetzung: „Es ist zwar schon zehn Jahre her, dass Volkswagen dieses – damals ziemlich teure – Öko-Auto auf den Markt brachte. Und bereits vor fünf Jahren wurde der Lupo 3L TDI wieder aus dem Programm genommen. In den letzten Jahren konzentrierte VW sich eher auf Spritschlucker wie Phaeton, Touareg und Tiguan. Aber mit dem Trick eines ‚Zeitstrahls‘ können wir dieses Versagen kaschieren und den Lupo präsentieren, als habe er gerade eben die Drei-Liter-Marke geknackt.“

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Übersetzung: „Die Zahl klingt schön, nicht wahr!? Und ist eine prima Ablenkung davon, dass die deutschen Autofirmen Emissionssenkungen auch besonders nötig haben. Unsere Fahrzeugpalette stößt nämlich deutlich mehr Kohlendioxid aus als die der ausländischen Konkurrenz. Fiat, Renault oder Toyota beispielsweise haben schon lange niedrigere CO2-Flottenwerte als Audi, BMW, Ford, Opel, Mercedes, VW oder gar Porsche. Dies zeigt auch immer wieder der Branchenvergleich der Umweltdachorganisation Transport&Environment.“

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Übersetzung: „In der Tat, niemand ist effizienter beim Verhindern strenger Klimavorschriften für Autos als der deutsche Lobbyverband VDA. Durch massiven Druck ist es etwa gelungen, die von der EU geplante Grenze von 120 Gramm pro Kilometer für Neuwagen ab 2012 zu verhindern. Dank bester Kontakte kämpfte sogar die Klima-, äh, Autokanzlerin Merkel ‚mit aller Härte‘ an der Seite von Audi, BMW & Co. gegen die Vorschläge von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas.“

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und weiter:

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Übersetzung: „Der letzte Satz ist völliger Quark. Wird aber keiner merken. Denn natürlich hat der Luftwiderstand Einfluss auf den Verbrauch und damit den CO2-Ausstoß, doch ‚die größten Reserven‘ liegen ganz woanders: zum Beispiel in kleineren Motoren – die gerade bei deutschen Herstellern üblichen PS-Zahlen braucht kein Mensch, und längst könnte es flotte Autos mit nur drei Zylindern geben. Vor allem aber beim Gewicht – doch das würde ein komplettes Umdenken der Branche bedeuten, die deutschen Firmen bauen offenbar am liebsten Straßenpanzer wie den VW Touareg.“

Doch am dreistesten ist wahrscheinlich dies:

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Übersetzung: „Wir präsentieren auf unserer Website ein bisschen technischen Schnickschnack, um von einer Riesensauerei abzulenken. Vor zwei Jahren, anlässlich der letzten IAA, versprachen wir zwar, auf Kohlendioxid als umweltfreundliches Kältemittel umzusteigen. Heute interessiert uns das nicht mehr. Statt das im Überfluss verfügbare, sichere, billige und klimaschonende CO2 bald in den Klimaanlagen unserer Autos einzusetzen, favorisieren wir gefährliche Chemikalien. Zum Glück bekommt das außer der Deutschen Umwelthilfe und einigen Journalisten des ARD-Magazins Kontraste (hier ihr Film) kaum jemand mit.“

Danke an Sabine P., Barbara M. und Gunhild P. für die Hinweise


VDA: Mit Neusprech für Klimakiller

Sonntag, den 16. August 2009

Ein Jahr ist es her, dass der Verband der Automobilindustrie (VDA) gemeinsam mit der Bild in patriotischem Schwarz-Rot-Gold  für „Unsere Autos“ trommelte. Ausgiebig haben die Lobbyisten seither an ihrer Propaganda-Website gearbeitet.
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Inzwischen präsentiert sie sich in so ausgefeiltem Neusprech, dass selbst George Orwell erblassen würde. Äußerst gekonnt werden da Aussagen über Fahrzeugsicherheit, Elektronikspielereien und Klimaschutz vermixt, um im Vorfeld der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt/Main das Bild einer wahren Öko-Industrie zu hinterlassen. Irgendwie scheinen die „Träger der Initiative“ – laut Website Audi, BMW, Bosch, Daimler, Ford, Opel, Porsche und Volkswagen – solche Tricks nötig zu haben.

Jedenfalls sind viele Aussagen der Website ohne Dolmetscher kaum zu verstehen:

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Übersetzung: „Ein Glück, dass es auch andere Treibhausgase gibt neben Kohlendioxid und andere Klimasünder neben unseren Spritschleudern – sonst hätten wir kein Material für krude Vergleiche und schwer nachprüfbare Rechenspiele. Um die Verwirrung zu komplettieren liefern wir als Hintergrundinformationen zu dieser Aussage nicht etwa Grafiken über den CO2-Ausstoß ‚unserer Autos‘, sondern über Kohlenwasserstoff-Emissionen und andere Gifte – es fällt bestimmt keinem auf, wenn wir hier nur die Ergebnisse gesetzlicher Auflagen präsentieren.“vda_unsereautos09_2gr

Übersetzung: „Der hohe CO2-Ausstoß unserer Fahrzeugflotte – bei Audi waren es 2008 z.B. 176 g/km, bei Mercedes 188 g/km oder bei VW 166 g/km – beschämt uns so sehr, dass wir die einzelnen Zahlen nirgends auf diese Website gestellt haben. Denn dann würde jeder merken, dass wir mit dem Smart nur ein einziges 88-Gramm-Auto herstellen – das neben dem viel größeren Toyota Prius (89 Gramm) ziemlich alt aussieht.“
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Übersetzung: „Garantiert bekommt niemand mit, dass mit dem ‚wir‘ in diesem Satz diesmal nicht die deutschen Autos gemeint ist, sondern sich die Aussage zur Treibhausgasreduktion auf die deutsche Gesamtbilanz bezieht. Dass Experten den Rückgang der Verkehrsemissionen vor allem auf die Wirkung der rot-grünen Ökosteuer (die wir vom VDA stets bekämpften) zurückführen und auf die Umstellung vieler Pkw auf effizientere Dieselmotoren, das erwähnen wir natürlich nicht.“
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Übersetzung: „So richtig geht es zwar nicht voran mit der Forschung an den sogenannten ‚Biokraftstoffen der zweiten Generation‘. Wir machen trotzdem weiter Werbung damit – und sparen uns die Entwicklung wirklich verbrauchsarmer Autos. Obwohl viele Experten vor einer Überschätzung des CO2-Sparpotenzial von Biokraftstoffen warnen, schreiben wir 90 Prozent – mit den Wörtchen ‚bis zu‘ ist schließlich jedes noch so hochtrabende Versprechen irgendwie wahr.“

vda_unsereautos09_7grSo geht es weiter und weiter. Die Textakrobaten vom VDA verdrehen, verbiegen, lassen weg. Besonders phantasievoll waren sie bei einer kleinen Grafik, in der sie die weltweiten Verursacher von Kohlendioxid darstellen. Die Stromerzeugung liegt – dank dreckiger Kohlekraftwerke – mit großem Abstand auf dem Spitzenplatz, deutlich vor dem Straßenverkehr auf Platz 5. In der VDA-Illustration symbolisiert ein kleines Windrad den Energiesektor. Deutsche Autos, soll das wohl suggerieren, sind noch klimaschonender als Windkraftanlagen…

Wir wollen Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht mit weiteren Beispielen ermüden. Sondern zum Mitmachen aufrufen. Schicken Sie weitere Zitate von der Propaganda-Website des VDA und die zugehörige Übersetzung an: hinweise(at)klima-luegendetektor.de. Die drei „besten“ Einsendungen werden veröffentlicht – als Dank gibt es zudem je ein Exemplar des Buches zum Blog: „Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen“.

Danke an Barbara M. aus Berlin für den Hinweis


Mercedes SLS eDrive: Neue Technik, alte Fehler

Dienstag, den 21. Juli 2009

Beim Ampelstart werden Autos mit Benzin- oder Dieselmotor bald sehr alt aussehen. Weil Elektroantriebe ihre Kraft von der ersten Umdrehung an abgeben, wird die kommende Autogeneration den Verbrennungs-Veteranen gnadenlos davonziehen. Das weiß auch Mercedes – und stellt seinem neuen Kraftmeier SLS (zwei Sitze, 571 PS, V8-Benziner) bei der Premiere auf der Automesse IAA im Frankfurt/Main einen Elektro-Zwilling namens „eDrive“ zur Seite.

Die Stuttgarter Ingenieure versprechen eine Beschleunigung in weniger als vier Sekunden von null auf hundert. „Grüner rasen“, betitelt Spiegel Online einen begeisterten Bericht des Auto-Autors Tom Grünweg. Seht her, lautet die Botschaft, wir gehen herrlichen Zeiten entgegen: geräuscharm! CO2-frei!! Und das alles bis weit über 200 Stundenkilometer!!!

mercedes_slsRecht haben die Entwickler von der Marke mit dem Stern. Was den Krach angeht aber nur bei niedrigen Geschwindigkeiten – denn ein Gutteil des Verkehrslärms kommt gar nicht von den Motoren, sondern von den Abrollgeräuschen der Reifen. Und einen niedrigen Treibhausgas-Ausstoß haben Elektroautos natürlich nur, wenn der Antriebsstrom aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind- oder Wasserkraft stammt. Wirklich energieeffizient aber ist ein Mercedes-Bolide auch dann nicht, wenn er mit Strom fährt. Zwar geht in einem Elektromotor weniger Energie verloren als in Verbrennungsantrieben, aber im Fahrzeugkonzept des Mercedes SLS eDrive begeht der Konzern mit neuer Technik auch nur wieder die alten Fehler: Viel zu viel unnutzbare Motorleistung, die zu monströser Energieverschwendung führt. Solange Strom ein knappes Gut ist (und das wird er auch bei hundertprozentig erneuerbarer Energieversorgung noch lange bleiben), kann ein solcher Schlitten kein grünes Auto sein.

Der SLS ist keine Energiesparlampe auf Rädern, sondern eine rollende Flak-Beleuchtung. Daran ändert sich auch nichts, wenn die AutoBild die IAA („Internationale Automobil-Ausstellung“) in Frankfurt schon in EAA („Elektro-Automobil-Ausstellung“) umtauft und Konkurrent Audi den gleichen Trick mit dem Extremsportler R8 versucht. Sogar Porsche bzw. die Nürnberger Tuning-Firma Ruf versucht, sich mit dem Elektro-Renner „eRUF Greenster“ ein grünes Mäntelchen umzuhängen – worauf der Bayerische Rundfunk in seiner Berichterstattung auch prompt hereinfiel.

Aber betrachten wir es mal positiv: Vielleicht sorgt der Kraftfetischismus von Mercedes, Audi & Co. zumindest dafür, dass die zumindest potenziell klimaschonenden Elektroautos ein flottes Image bekommen.

Danke an Michael M. für den Hinweis zum Porsche


AutoBild Greencars: Werbeblatt für Klimasäue

Dienstag, den 7. April 2009

Für alle, die an „blitzsaubere Autos voller Technik-Faszination“ glauben, gibts jetzt AutoBild Greencars. Nach dem Vorbild von Schwesterblättern wie AutoBild Sportscars versucht der Axel-Springer-Verlag nun also ein Heft für Fahrer mit grünem Herz. Leider ist das Blatt aber nur Ausweis der Untätigkeit der Autohersteller – und der doch sehr begrenzten Öko-Kompetenz von AutoBild.

Da macht sich etwa Redakteurin Margret Hucko zur Lautsprecherin der deutschen Autoindustrie, indem sie die EU-Vorgaben zum künftigen Kohlendioxidausstoß verbiegt. Diese seien für

Das ist gleich zweifacher Quatsch. Denn der Grenzwert, den einzelne Hersteller erreichen müssen, bemisst sich dank des Drucks der deutschen Autolobby am Leergewicht der Fahrzeuge – mit der Folge, dass Produzenten kleiner Autos deutlich unter den EU-Zielwert von 120 g/km kommen müssen. Die sogenannten „Premium-Marken“ wie Audi, BMW und Mercedes mit ihrer Ausrichtung auf große und schwere Autos dürfen dagegen deutlich mehr emittieren. Und für Porsche gibt es sogar ein Sondergesetz, wonach der Sportwagenbauer seinen exorbitanten Flottenverbrauch (284 g/km im Jahr 2008) bis 2015 nur um ein Viertel senken muss. Quatsch ist auch, dass VW bloß auf Diesel zu setzen bräuchte – beim derzeitigen Angebot zu großer und zu schwerer und ineffizienter Autos wird das nie ausreichen.

Kompletter Blödsinn ist auch dieser Versuch, die Klimaschweinerei durchs Porsche-Fahren kleinzureden:

Erstens müsste es „Rindfleisch“ heißen, denn die Methanausdünstungen von Wiederkäuern tragen am meisten zur Treibhauswirkung der Tierzucht bei. Zweitens sollte jemand mit wirklich grünem Herz natürlich beides vermeiden: zuviel Fleisch und zu große Autos.

Wie wenig ernst es AutoBild meint, zeigen auch die Testberichte. Erdgasautos werden dort als Öko-Alternative gepriesen, dabei sind sie allenfalls eine Scheinlösung: Fahren mit Gas senkt zwar die CO2-Emissionen schlagartig um 25 Prozent, aber damit versuchen sich viele Autohersteller nur um die Entwicklung von wirklich sparsamen Modellen herumzudrücken. Auch Fahrzeuge, die neben Benzin Ethanol-Gemische (E85) vertragen, gelten der Redaktion undifferenziert als Umweltschoner – trotz zweifelhafter Klimabilanz, hohem Wasser- und Pestizidverbrauch beim Anbau und schlimmen Arbeitsbedingungen etwa auf brasilianischen Zuckerrohrplantagen.

Selbst für die scheinheiligen Geländewagen mit Hybridantrieb oder Start-Stopp-Automatik findet AutoBild Greencars lobende Worte. Trotz satter 185 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer bekommt etwa der Mercedes ML 450 Hybrid das grüne Blättchen aufgepappt.

Ensprechend grotesk sieht die Empfehlungsliste für „alle aktuellen Sparmodelle“ aus – hier ein Ausriss für BMW-Modelle (CO2-Werte in der rechten Spalte):

Alle diese „Sparmodell“ emittieren mehr als 200 Gramm Kohlendioxid!

Zum Schluss noch ein Gesundheits-Tipp an AutoBild-Reporter Claudius Maintz: Der hat sich fotografieren lassen, wie er am Auspuff eines BMW Hydrogen 7 schnüffelt. Lieber Kollege, das sollten Sie besser nicht tun! Dieser Prototyp, den die Münchner gern zu Showzwecken nutzen, verbrennt den getankten Wasserstoff nämlich nicht in einer Brennstoffzelle, sondern in einem umgerüsteten Zwölfzylinder. Und dabei entsteht nicht nur Wasserdampf, sondern auch atemwegsschädigendes Stickoxid.

Aber dass es mit Sachkompetenz in der AutoBild Greencars nicht so weit her ist, hatten wir ja schon verstanden. Im übrigen gehört der ökologische Gedanke nicht in eine irgendeine Sonderausgabe, sondern ins vielhunderttausendfach verkaufte Standard-Heft!


Mercedes-Benz: Die neue Ineffizienz-Klasse

Donnerstag, den 26. März 2009

Auf der Haube ein glänzender Stern, am Heck die rote Laterne – Mercedes ist unter den großen deutschen Automarken jene mit der miesesten Klimabilanz: Neuwagen stießen im vergangenen Jahr durchschnittlich 189 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus, weit mehr als Audi mit 176 g/km oder BMW mit 160 g/km (der Nischenhersteller Porsche liegt mit 284 g/km jenseits von Gut und Böse).

Nun aber verkünden die Stuttgarter mit stolz geschwellter Brust den Aufbruch in eine neue Zeit. Bei der neuen E-Klasse, dem Rückgrat der Mercedes-Verkäufe, stehe das „E“ ab sofort für „Effizienz“.

Effizienz, das ist Nutzen pro Aufwand. Tatsächlich holen die Ingenieure beim Modell E 250 CDI dank doppelter Turboaufladung aus 2.143 Kubikzentimetern Hubraum 204 PS heraus. Sie kommen damit auf rund 95 PS pro Liter Hubraum. Und mit einem Verbrauch von 5,3 Liter Diesel auf hundert Kilometer (und CO2-Emissionen von 139 g/km) ist Mercedes endlich in vernünftigen Größenordnungen angekommen.

Ein Blick auf den vermeintlich kleineren Bruder E 200 CDI zeigt aber, wo die wahre Chance gelegen hätte: Dieses Modell kommt auf „nur“ 136 PS – der Motor aber hat exakt denselben Hubraum wie der 250er (ihm fehlt nur der zweite Turbolader). Auch Verbrauchs- und CO2-Werte sind identisch. Hätten die Stuttgarter Ingenieure beim 200er denselben technischen Aufwand betrieben wie bei ihrem Spitzenmodell, wären sie mit einem viel kleineren Motor ausgekommen – bei derselben Turboaufladung müssten die 136 PS aus 1,4 Liter herauszuholen sein. Verbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß wären entsprechend geringer. Das wäre dann wirklich

gewesen. So aber wurde wieder einmal eine Technik (hier die Doppelaufladung des Diesels) nur benutzt, um mehr Leistung bei gleichem Verbrauch zu erzeugen. Echte Effizienz aber wäre: gleiche Leistung bei weniger Verbrauch.

Wahrscheinlich hat die Mutlosigkeit der Mercedes-Entscheider auch mit dem hierzulande immer noch verbreiteten Macho-Autojournalismus zu tun. Auto Bild etwa mokiert sich über den E 200 CDI, das sei ein Wagen für „Fahrer, die es nicht eilig haben“ – bei 215 km/h Spitzentempo und einer Beschleunigung von nur gut 10 Sekunden (0-100 km/h)! Doch für Autor Wolfgang König reicht dies gerade, um den Status einer „Wanderdüne“ abzulegen.

P.S.: Das Fachmagazin auto, motor und sport hat für seine aktuelle Ausgabe den E 250 CDI getestet. Statt der großspurig beworbenen 5,3 Liter Diesel flossen auf hundert Kilometern durchschnittlich 8,5 Liter durch die Einspritzpumpe – satte 62 Prozent mehr als in der Annonce. Selbst bei äußerst sanfter Fahrweise nahm der Mercedes noch 6 Liter – ein Aufschlag von 13 Prozent. Aber in der Anzeige steht ja auch nur „ab“ 5,3 Liter…


Genfer Autosalon: The same procedure …

Dienstag, den 3. März 2009

… as every fair. Die Autoindustrie sieht sich durch Klimakollaps, Ressourcenknappheit und Wirtschaftskrise bedroht – und sie tut: nichts. Wie ein verängstigtes Tier stellt sich ein ganzer Wirtschaftszweig tot, statt mit zukunftsfähigen Produkten sein Überleben zu sichern.

Aber der Reihe nach. Jedes Jahr trifft sich die Branche zum Autosalon in Genf, jedes Jahr gibt es reihenweise Ankündigungen grüner Autos. Aber jedes Jahr ist es dasselbe, wenn man genauer hinschaut: Volkswagen hat heute am Vorabend der Messe in Genf seinen neuen Polo präsentiert. Ein Massenauto wie dieses ist für die deutsche Klimabilanz wirklich relevant. Und, was macht VW? Die Wolfsburger zelebrieren wieder mal den Grundfehler der Branche: Statt technologische Fortschritte zur Senkung von Emissionen und Verbrauch zu nutzen, wird die Leistung bei gleichem Verbrauch gesteigert. Am Ende steht beispielsweise der neue Polo TSI, auf dessen offizielle 129 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer VW auch noch stolz ist. Dabei liegt dieser Wert nicht nur über dem EU-Ziel für 2012 und der ab Juli hierzulande geltenden Schwelle für die Kfz-Steuerbefreiung (beide 120 g CO2/km), sondern der TSI steht auch noch schlechter da als der Basis-Polo (128 g CO2/km). Ganz davon abgesehen, dass der neue Polo heute etwa so groß und schwer ist wie einst der Golf. Ach so, der neue Spar-Polo BlueMotion (87 g/km) wurde in Genf erst als „Studie“ präsentiert – lieferbar ist er erst in einem Jahr.

Dasselbe Prinzip findet sich bei den Hybridautos aus deutscher Produktion. Die gibt es zwar noch nicht zu kaufen, sie werden der Presse aber bereits zur Probefahrt gestellt. Beispiel Porsche Cayenne und VW Touareg: Hier wird der alte Motor in der Leistung gesteigert und mit einem Elektromotor kombiniert. Das Ergebnis sind fast 400 PS insgesamt, die über 2,5 Tonnen Ballast noch schneller fortbewegen können. Ein Downsizing in allen Bereichen – also die gezielte Reduktion von Gewicht, Fahrzeuggröße und Motorleistung – findet nicht statt.

Dasselbe gilt für Elektroautos, die in Genf gar in einem „grünen Pavillon“ gefeiert werden: Energie ist und bleibt ein knappes Gut. Selbst mit Strom aus Wind oder Sonne wird es darum niemals sinnvoll sein, zwei Tonnen Blech im Renntempo auf ICE-Geschwindigkeit zu beschleunigen. Bei vielen ihrer elektrischen Visionen wiederholt die Autoindustrie ihre Fehler – unnötig groß, schwer und stark. Ändert sich das nicht bis zur Serienproduktion, bleiben Elektroautos das, was sie jetzt sind: ein Feigenblatt fürs grüne Gewissen und ein Ablenkungsmanöver zur Vertuschung der klimakillenden Bestseller vom laufenden Montageband.


Porsche: Panzer fürs Arztköfferchen

Donnerstag, den 25. Dezember 2008

Hersteller von Luxusartikeln inserieren sehr gern im Deutschen Ärzteblatt, das alle deutschen Ärzte einmal wöchentlich gratis erhalten. Kürzlich schaltete dort Porsche eine Anzeige für seinen Gelände-Sport-Wagen Cayenne – und lieferte damit ein Beispiel für einen neuen Werbetrend: Wenn Grünfärberei keinen Sinn macht, weil das Produkt sich selbst beim besten Willen nicht als umweltschonend verkaufen lässt und die Zielgruppe zu intelligent erscheint, dann kokettiert man eben mit der Öko-Sünde.

„Verschwendung kann man Ihnen nun wirklich nicht vorwerfen“, lautet der Porsche-Slogan. Dabei schwant vermutlich den meisten Cayenne-Fahrern unter den Medizinern, dass es eigentlich nicht okay ist, mit so einem Zweieinhalb-Tonnen-Panzer das Arztköfferchen (oder gelegentlich auch mal die ganze Familie) durch die Gegend zu kutschieren. Im Kleingedruckten steht ja auch unübersehbar, was der Spaß für Folgen hat: Nach offizieller Messung schluckt der kleinste Cayenne 18,3 Liter auf 100 Kilometern innerorts und 9,9 Liter außerorts – und wenn man ordentlich auf die Tube drückt, kann man den Verbrauch mit dem Modell Turbo S sogar auf 66,7 Liter steigern. Wer einen Cayenne fährt, verheizt also ziemlich großzügig eine Ressource, die sich bekanntlich dem Ende zuneigt. (Und nun stelle man sich einen Notarztwagen vor, sagen wir mal im Jahr 2057, der ein schwer verletztes Kind nicht mehr in die Klinik bringen kann, weil kein Sprit mehr da ist…)

Außerdem gibt es da ja noch ein weiteres Problem: Das abgebildete Auto emittiert 310 Gramm CO2 pro Kilometer, etwa dreimal so viel wie beispielsweise ein Toyota Prius oder der VW Golf BlueMotion. Damit trägt ein Arzt im Cayenne das Dreifache zum Klimawandel bei – der laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon jetzt jährlich 150.000 Menschen das Leben kostet – als ein rücksichtsvoller Kollege.

Achja, und noch was: Der ADAC warnt, dass Geländewagen extrem gefährlich für Fußgänger sind, weil ihre Frontpartien bei Kollisionen „fahrenden Mauern“ gleichen.

Hm. Man kann also – wenn man auch bloß ein bisschen nachdenkt – Ärzten mit einem Porsche Cayenne sehr wohl Verschwendung vorwerfen. Von Menschenleben.

P.S.: Interessanterweise schaltete Mercedes-Benz kurze Zeit später ebenfalls im Ärzteblatt eine Anzeige mit dem gleichen Foto, nur seitenverkehrt.


Oder ist das doch ein anderes Auto? Der Mercedes-AMG schafft es tatsächlich, den Porsche nicht nur bei Spritverbrauch (innerorts 24,1 Liter) und CO2-Emissionen (392 Gramm/Kilometer) klar abzuhängen, sondern auch in der Dämlichkeit des Werbetextes.

P.P.S.: Allen SUV-Hassern sei als Feiertagslektüre dieser Beitrag auf Spiegel-Online empfohlen.

Danke an P.+A. B. aus Eutin und an Axel L. aus Bremen für die Hinweise


RWE: Millionen Tönnchen Emissiönchen

Sonntag, den 14. Dezember 2008

Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt ist einer der beliebtesten Deutschen (wieso eigentlich?), aus Anlass seines bevorstehenden 90. Geburtstags machten ihn vergangene Woche sowohl Spiegel („Über Schmidt“) wie auch ZEIT („Unser Schmidt“) zum Cover-Boy. In diesem Glanz sonnt man sich gern – weshalb in einer ZEIT-Beilage zu Schmidt gleich eine ganze Reihe der führenden deutschen Klimakiller großformatige Anzeigen geschaltet haben. Neben Porsche, E.on und Vattenfall war dort auch RWE vertreten.

Das Kokettieren mit „Emissiönchen“ hat der Essener Stromriese bitter nötig: Mit seiner Vielzahl von Braun- und Steinkohlekraftwerken ist RWE der europaweit größte Emittent von Kohlendioxid. Darauf wies – wie der Zufall so spielt – just am vergangenen Donnerstag, als auch die ZEIT-Festschrift erschien, die International Herald Tribune hin. Sie druckte eine gründliche Analyse des EU-Emissionshandels, der RWE bis 2012 milliardenschwere Sondergewinne beschert. Aus der zugehörigen Grafik gehen nicht nur die seit 2002 stark gestiegenen Gewinne des Konzerns hervor (rechts), sondern auch die wachsenden CO2-Emissiönchen von RWE (links in absoluten Zahlen, mittig bezogen auf jede erzeugte Megawattstunde Strom):

Danke an Stefan H. für den Hinweis