Archiv des Schlagwortes ‘Smart’

VDA: Mit Neusprech für Klimakiller

Sonntag, den 16. August 2009

Ein Jahr ist es her, dass der Verband der Automobilindustrie (VDA) gemeinsam mit der Bild in patriotischem Schwarz-Rot-Gold  für „Unsere Autos“ trommelte. Ausgiebig haben die Lobbyisten seither an ihrer Propaganda-Website gearbeitet.
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Inzwischen präsentiert sie sich in so ausgefeiltem Neusprech, dass selbst George Orwell erblassen würde. Äußerst gekonnt werden da Aussagen über Fahrzeugsicherheit, Elektronikspielereien und Klimaschutz vermixt, um im Vorfeld der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt/Main das Bild einer wahren Öko-Industrie zu hinterlassen. Irgendwie scheinen die „Träger der Initiative“ – laut Website Audi, BMW, Bosch, Daimler, Ford, Opel, Porsche und Volkswagen – solche Tricks nötig zu haben.

Jedenfalls sind viele Aussagen der Website ohne Dolmetscher kaum zu verstehen:

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Übersetzung: „Ein Glück, dass es auch andere Treibhausgase gibt neben Kohlendioxid und andere Klimasünder neben unseren Spritschleudern – sonst hätten wir kein Material für krude Vergleiche und schwer nachprüfbare Rechenspiele. Um die Verwirrung zu komplettieren liefern wir als Hintergrundinformationen zu dieser Aussage nicht etwa Grafiken über den CO2-Ausstoß ‚unserer Autos‘, sondern über Kohlenwasserstoff-Emissionen und andere Gifte – es fällt bestimmt keinem auf, wenn wir hier nur die Ergebnisse gesetzlicher Auflagen präsentieren.“vda_unsereautos09_2gr

Übersetzung: „Der hohe CO2-Ausstoß unserer Fahrzeugflotte – bei Audi waren es 2008 z.B. 176 g/km, bei Mercedes 188 g/km oder bei VW 166 g/km – beschämt uns so sehr, dass wir die einzelnen Zahlen nirgends auf diese Website gestellt haben. Denn dann würde jeder merken, dass wir mit dem Smart nur ein einziges 88-Gramm-Auto herstellen – das neben dem viel größeren Toyota Prius (89 Gramm) ziemlich alt aussieht.“
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Übersetzung: „Garantiert bekommt niemand mit, dass mit dem ‚wir‘ in diesem Satz diesmal nicht die deutschen Autos gemeint ist, sondern sich die Aussage zur Treibhausgasreduktion auf die deutsche Gesamtbilanz bezieht. Dass Experten den Rückgang der Verkehrsemissionen vor allem auf die Wirkung der rot-grünen Ökosteuer (die wir vom VDA stets bekämpften) zurückführen und auf die Umstellung vieler Pkw auf effizientere Dieselmotoren, das erwähnen wir natürlich nicht.“
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Übersetzung: „So richtig geht es zwar nicht voran mit der Forschung an den sogenannten ‚Biokraftstoffen der zweiten Generation‘. Wir machen trotzdem weiter Werbung damit – und sparen uns die Entwicklung wirklich verbrauchsarmer Autos. Obwohl viele Experten vor einer Überschätzung des CO2-Sparpotenzial von Biokraftstoffen warnen, schreiben wir 90 Prozent – mit den Wörtchen ‚bis zu‘ ist schließlich jedes noch so hochtrabende Versprechen irgendwie wahr.“

vda_unsereautos09_7grSo geht es weiter und weiter. Die Textakrobaten vom VDA verdrehen, verbiegen, lassen weg. Besonders phantasievoll waren sie bei einer kleinen Grafik, in der sie die weltweiten Verursacher von Kohlendioxid darstellen. Die Stromerzeugung liegt – dank dreckiger Kohlekraftwerke – mit großem Abstand auf dem Spitzenplatz, deutlich vor dem Straßenverkehr auf Platz 5. In der VDA-Illustration symbolisiert ein kleines Windrad den Energiesektor. Deutsche Autos, soll das wohl suggerieren, sind noch klimaschonender als Windkraftanlagen…

Wir wollen Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht mit weiteren Beispielen ermüden. Sondern zum Mitmachen aufrufen. Schicken Sie weitere Zitate von der Propaganda-Website des VDA und die zugehörige Übersetzung an: hinweise(at)klima-luegendetektor.de. Die drei „besten“ Einsendungen werden veröffentlicht – als Dank gibt es zudem je ein Exemplar des Buches zum Blog: „Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen“.

Danke an Barbara M. aus Berlin für den Hinweis


Daimler & RWE: Elektro-Autos mit Drecksstrom

Freitag, den 5. September 2008

Schick sieht er aus, der grau-weiße Smart, den Daimler-Chef Dieter Zetsche zusammen mit Jürgen Großmann, dem Vorstandsvorsitzenden von RWE, heute in Berlin präsentierte. Matthias Wissmann, der Chef der Autolobby VDA, war ebenfalls ins feine Grand Hotel Esplanade gekommen. Ach so, die Kanzlerin natürlich auch, denn es gab ja einen wichtigen Foto-Termin in Sachen Klima.

Im kommenden Jahr soll nämlich in der Hauptstadt ein Projekt namens „e-mobility Berlin“ starten, das in den Presseerklärungen der beiden Firmen als

und

gepriesen wurde. Hundert Daimler-Fahrzeuge der Marken Smart und Mercedes-Benz mit Elektroantrieb sollen bis 2010 auf die Straßen kommen, RWE steuert 500 Strom-Zapfsäulen bei.

Wow, tolle Sache! Solch ein RWE-Elektro-Smart hat dann doch sicherlich einen erheblich niedrigeren co2-Ausstoß als ein konventioneller Smart, oder?

Schau‘n wir mal: Laut Daimler stößt ein handelsüblicher Smart cdi mit Dieselmotor (Werbeslogan: „co2-Champion“) pro gefahrenem Kilometer 88 Gramm Kohlendioxid aus. Die Elektro-Smarts, die seit einigen Monaten bereits in London unterwegs sind, kommen nach Unternehmensangaben mit den 15 Kilowattstunden (kWh) Strom, die die Bordakkus speichern können, etwa 115 Kilometer weit. Pro hundert Kilometer ergibt das einen Verbrauch von etwa 13 kWh.

Um klimaschonender als ein Diesel-Smart zu sein, dürfte der Strom für den Elektro-Smart demnach allerhöchstens mit 677 Gramm Kohlendioxid pro kWh zu Buche schlagen. Denn Elektroautos sind zwar „lokal emissionsfrei“; wie klimafreundlich sie aber insgesamt sind, entscheidet sich bei der Erzeugung des „getankten“ Stroms. Fährt ein Elektro-Smart mit Ökostrom, ist er tatsächlich eine feine Sache. Selbst mit dem deutschen Durchschnittsstrom wäre er noch ein – kleiner – Gewinn fürs Klima. Pro kWh hierzulande erzeugten Stroms wurden 2007 nämlich laut Umweltbundesamt rund 600 Gramm co2 emittiert – damit käme ein E-Smart auf etwa 78 g/km Kohlendioxid-Ausstoß.

Daimler zeigt auf seiner Internetseite das Foto eines Elektro-Smart, der vor einem Windrad steht – doch Projektpartner RWE hat im vergangenen Jahr lediglich 2,4 Prozent seines gesamten Stromes mit regenerativen Quellen erzeugt. Dagegen stammte 2007 mehr als ein Drittel des RWE-Stroms aus der besonders klimaschädlichen Braunkohle. Auf Anfrage mochte die Pressestelle nicht verraten, wieviel Kohlendioxid im Unternehmen pro Kilowattstunde anfällt. Der RWE-Geschäftsbericht für 2007 aber enthält alle Daten (S.61ff.), um den Wert selbst zu errechnen: Bei 216 Milliarden kWh erzeugtem Strom fielen 187 Millionen Tonnen des Klimagases an – pro Kilowattstunde stieß RWE also 866 Gramm Kohlendioxid aus. Der RWE-Elektrosmart kommt folglich auf co2-Emissionen von 113 Gramm pro gefahrenem Kilometer – etwa 30 Prozent mehr als beim selben Fahrzeug mit Dieselmotor.

Falls es Daimler ernst meint mit der Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes, hätte sich das Unternehmen kaum einen schlechteren Partner für das Projekt „e-mobility Berlin“ aussuchen können als RWE. Doch PR-mäßig hat sich die Berliner Veranstaltung für beide Unternehmen gelohnt. Dutzende Medien berichteten. Und Die Welt titelte besonders schön: „Daimler und RWE starten Klima-Smart in Berlin“.

P.S.: Noch negativer würde übrigens die co2-Bilanz des Elektro-Smart ausfallen, wenn man nur den Strom berücksichtigt, den RWE die nächsten 40 jahre in seinem neuen Braunkohle-Kraftwerk Neurath (Werbeslogan: „Klimavorsorge mit Hightech“) erzeugen will. Schätzungsweise werden dort pro kWh 950 Gramm emittiert (genaue Zahlen möchte das Unternehmen nicht nennen), das ergäbe dann sogar 124 Gramm pro gefahrenem Kilometer.


Mercedes-Benz: Die mit dem Sternchen

Mittwoch, den 23. Juli 2008

Vor ein paar Wochen schrieben wir über eine Mercedes-Benz-Annonce in der ZEIT; mit einer – nun ja – äußerst vorteilhaft gestalteten Grafik hatte der Konzern darin den Kohlendioxid-Ausstoß seiner Fahrzeuge dargestellt. Ein Konzernsprecher hatte damals reichlich gereizt reagiert, als wir diese hinterfragten.

In der letzten ZEIT nun fand sich erneut eine ganzseitige Anzeige zum Thema, erneut stellte die Daimler AG darin die Effizienzfortschritte ihrer Mercedes-Autos heraus. Und erneut rechnete man in einer Grafik den niedrigen Verbrauch der Smart-Baureihen in die Mercedes-Benz-Bilanz hinein. Aber diesmal wurde es wenigstens explizit vermerkt – mit einem kleinen Sternchen.

Eine Darstellung der Verbrauchswerte ausschließlich der Mercedes-Benz-Flotte ist das zwar immer noch nicht. Aber wir rufen trotzdem nach Stuttgart: „Gratulation zu mehr Ehrlichkeit!“


Audi, BMW & Co: Das sind nicht `unsere Autos´

Samstag, den 5. Juli 2008

Seit mindestens hundertfünfzig Jahren kennen Politiker in aller Welt diese erfolgversprechende Strategie: Wenn man von hausgemachten Problemen ablenken, seine Macht sichern oder andere Interessen bemänteln will, dann ziehe man einfach die nationalistische Karte. In der – wie sich gezeigt hat, häufig begründeten – Hoffnung, das Volk werde schon drauf reinfallen.

Nun haben die deutschen Autokonzerne den Klimawandel so gründlich verschlafen, dass es selbst der Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion kritisiert. Andere Hersteller bauen längst die gefragteren Wagen. Der deutsche Branchenverband VDA versucht nun, mit einer PR-Kampagne und halbseitigen Zeitungsannoncen dagegenzuhalten.

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Die Internetseite zur Kampagne hat die hübsche Adresse www.unsere-autos.de, und auch das schwarz-rot-goldene Logo appelliert an das Nationalgefühl der Autokäufer.

unsereautos_kl.jpgAuf der Homepage und in der Bild-Zeitung stellt die deutsche Autobranche ihre – vergleichsweise wenigen – klimaschonenden Modelle vor. Bei einem Preisausschreiben sind fünf Autos zu gewinnen, außerdem 500 Testfahrten plus Tankgutscheine. „Dank neuester Technologien aus deutschen Entwicklungsabteilungen sind unsere neuen Autos besonders effizient, spritsparend und umweltfreundlich“, heißt es im Kleingedruckten der Zeitungsannonce.

In der Tat haben die deutschen Autobauer mittlerweile eine Reihe von Fahrzeugen im Angebot, die weniger als 140 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer ausstoßen. Aber besonders eifrig beworben und nach wie vor am häufigsten verkauft werden Modelle mit größeren und deshalb klimaschädlichen Motoren. Und den Wert von 140 g/km hatten sich die Konzerne vor zehn Jahren in einer Selbstverpflichtung nicht für einzelne Autos gesetzt, sondern für ihre gesamte Neuwagenflotte. Seit klar ist, dass sie dieses Ziel um Längen verfehlen, ist von dem einstigen Versprechen kaum noch die Rede.

Wir fragten beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg, wie denn die aktuellen Zahlen aussehen für die deutschen Automobilhersteller. Daten für 2007, hieß es bedauernd, existierten nicht. Aber auch für die vorherigen Jahre gebe es nichts, weil man amtlicherseits nur einen Durchschnittswert für Neuzulassungen ermittle – eine Aufschlüsselung nach einzelnen Marken sei brisant und deshalb politisch nicht gewollt.

Zumindest für das Jahr 2006 aber können wir hier die Zahlen liefern. Durch ein Versehen wurde nämlich im vergangenen Jahr auf der Internetseite der EU-Kommission kurzzeitig eine mehr als 700-seitige Tabelle veröffentlicht, die detailliert Auskunft gibt über den Ausstoß der europäischen Fahrzeugflotten der vergangenen Jahre. Sie kursiert seitdem in Fachkreisen. Für die Marken, die ihre Autos in der Kampagne „Unsere Autos“ anpreisen, ergeben sich daraus diese Zahlen (in der Annonce von links nach rechts): Ford – 157 g/km, Audi – 188 g/km, Mercedes Benz – 192 g/km, Volkswagen – 172 g/km, BMW – 187 g/km, Opel – 161 g/km. Einzig die Marke Smart (ganz rechts) hat mit einem Wert von 119 g/km die Klima-Selbstverpflichtung der Autoindustrie erfüllt. Ausgerechnet diese Autos aber werden nicht in Deutschland, sondern im französischen Lothringen gebaut.

P.S.: Natürlich finden wir es prima, dass die deutschen Automobilhersteller endlich auch Werbung für klimafreundliche Fahrzeuge machen.


Daimler: Smarte Kohlendioxid-Grafik

Montag, den 19. Mai 2008

Für Mercedes-Benz arbeiten fähige Ingenieure – und ebensolche Werbetexter. Das sah man zum Beispiel vorletzte Woche in der ZEIT, wo eine ganzseitige Anzeige im Stil eines Zeitungsartikels erschien.
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Das „Advertorial“, wie solche Annoncen im Werberjargon heißen, stellte den neuen Begriff „TrueBlueSolutions“ vor, unter dem ab sofort die „Umweltaktivitäten“ der Marke firmieren. „Die Schonung von Ressourcen ist seit Langem ein fester Bestandteil der Produktentwicklung von Mercedes-Benz“, heißt es gleich in der Überschrift. Unten auf der Seite werden mit kleinen Fotos „Meilensteine von Mercedes-Benz“ in Sachen Umwelt präsentiert, die der Text dann auf der Seite detailliert ausbreitet. Blickfang ist ein Foto der neuen C-Klasse, die es neuerdings mit „BlueEfficiency“-Maßnahmen gibt – diese senken u.a. Gewicht und Luftwiderstand und damit Kraftstoffverbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß.

In der Tat ist die neue C-Klasse weniger klimaschädlich als ihre Vorgänger – das sparsamste Modell CDI 200 zum Beispiel stößt nun 135 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus (vorher: 167 g/km). Die anderen Motorenvarianten aber liegen deutlich darüber, der protzige C 350 kommt auf 237 g/km. Die Senkungen beim Kohlendioxid-Ausstoß im Laufe der letzten zwölf Jahre werden in der Annonce durch eine Grafik illustriert:

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Gar nicht übel, denkt man sich. Von der Selbstverpflichtung der Autoindustrie, die im Jahr 2008 für Neuwagen eigentlich einen Flottenwert von 140 g/km erreichen wollte, ist das aber noch weit entfernt. Und ein genauer Blick macht dann stutzig: Die Grafik beziehe sich, so die Legende, auf den Durchschnitts-Kohlendioxid-Ausstoß

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Nanu? Was ist denn damit gemeint? Es brauchte mehrere Tage, rund ein Dutzend Mails und Gespräche mit insgesamt vier Sprechern von Unternehmen und Werbeagentur, bis schließlich bestätigt wurde, was wir gleich vermutet hatten: Nicht in die Grafik eingeflossen sind die Fahrzeuge der zeitweise zu Daimler gehörende Marke Chrysler und deren drastisch höhere CO2-Werte. Sehr wohl einbezogen wurde aber die zu Daimler gehörende Marke Smart, deren seit 1998 gebaute Stadtflitzer nur relativ wenig Kohlendioxid ausstoßen. Eine Grafik ausschließlich über den CO2-Ausstoß der Mercedes-Benz-Flotte enthielte deshalb deutlich höhere Werte.

Wir hätten an dieser Stelle sehr gern autorisierte Daten nur für Mercedes Benz geliefert – denn um diese Marke geht es im ganzen Rest der Annonce, der „Smart“ wird in deren Text nirgends erwähnt. Doch selbst auf mehrmalige Nachfrage wollte Daimler diese nicht herausgeben. „Wir möchten die Daten nicht weiter aufdröseln“, hieß es. Mit dieser Linie halte man sich an die einschlägigen EU-Vorschriften und den Brauch der Branche, wonach Flottenverbräuche nicht für einzelne Marken errechnet würden, sondern für Gesamtkonzerne.

Dank einer Studie des BUND aus dem vergangenen Jahr sind Werte bekannt: Demnach stieß die deutsche Mercedes-Benz-Flotte im Jahr 2001 durchschnittlich 207 g/km aus, 2005 waren es 191 g/km – jeweils rund zehn Gramm mehr als die Angaben in der Annonce.

Weil der Daimler-Sprecher riet, wir mögen uns diesen Text auch juristisch gut überlegen, betonen wir explizit, dass wir die Grafik in der Annonce keineswegs anzweifeln oder für gelogen halten.


Smart: Umweltschutz bleibt was anderes

Dienstag, den 29. April 2008

Die aktuelle Fernsehwerbung des „Smart“ zeigt nostalgische Aufnahmen von Hippies und Demonstranten mit ihren typischen Fahrzeugen – vom Schlauchboot bis zum Trecker. In die verwackelten Bilder wird der Spritverbrauch der Protestmobile eingeblendet, und der liegt natürlich viel höher als beim Smart. Am Schluss verlässt ein Hippie-VW-Bus (13 l/100 km) eine Tankstelle…

… und gibt den Blick auf einen Smart fortwo cdi (3,3 l/100 km) frei. Dann wird der Slogan eingeblendet: „Umweltschutz bleibt dufte.“

Hierzu folgende Rechnung: Ein T1 Bulli aus den 60er-Jahren verfügte über neun Sitzplätze. Pro Person ergibt das bei voller Besetzung einen Spritverbrauch von 1,44 Litern. Der Smart cdi mit seinen zwei Sitzen kommt - 40 Jahre später - auf 1,65 Liter Diesel pro Person.

Und: Anders als die meisten VW-Busse sind Smarts in aller Regel völlig überflüssig. Sie wurden als Stadtautos und typische Zweitwagen konzipiert und müssen sich einem Testbericht des Manager-Magazins zufolge auf der Autobahn „jeden Kilometer erkämpfen“. Kinder können nicht mit, weil die Rückbank fehlt. Typischerweise werden Smarts für die Fahrt ins Büro genutzt – auf Distanzen also, die angesichts der drohenden Klimakatastrophe jeder Mensch bei Verstand und guter Gesundheit mit Bus, Bahn oder Fahrrad zurücklegt. Auf der Smart-Internetseite kann man ausrechnen, wie viel CO2 ein fortwo cdi „einspart“: Fährt man damit zum Beispiel sechs Kilometer weit, stößt er 243 Gramm weniger aus als ein anderer (viersitziger) Kleinwagen. Er emittiert aber immer noch 528 Gramm CO2.

Das Manager-Magazin kommt übrigens zu dem Ergebnis, dass der Smart fortwo cdi „unter realistischen Bedingungen“ nicht 3,3, sondern 4,9 Liter verbraucht – das macht 129 Gramm CO2 pro Kilometer. Der sparsamste aller Smarts verfehlt also in der Praxis sogar die EU-Zielmarke von 120 Gramm, die Neuwagen demnächst im Schnitt erreichen sollen.

Fazit: Lustige Werbung, traurige Realität.