Monatsarchiv für Februar 2016

AfD: Läddagschwäddz für Deutschland

Donnerstag, den 25. Februar 2016

Sie selbst nennt sich ja „Alternative für Deutschland“. Zurzeit ist die Partei auch mit populistischen Attacken auf die Energiewende auf Wählerfang. Im Wahlprogramm der baden-württembergischen AfD heißt es auf Seite 47:

AFDGanz Deutschland zittere unter der „Angst vor Treibhausgasen und der Kernenergie“, die zur „einseitigen Bevorzugung der sogenannten Erneuerbaren Energien“ führen würde. Wen „die Politik“ meint, ob nur die deutsche Regierung oder die gesamte deutsche Parteienlandschaft – oder gar die 195 Staaten, die im Dezember 2015 einen Weltklimavertrag in Paris unterzeichneten – bleibt im „Alternative für Deutschland“-Programm unklar.

Stattdessen wird dort das alte Lied der „überreichlichen Subventionierungen“ für Erneuerbare angestimmt. Sämtliche Milliarden, die in den letzten Jahrzehnten an die Atom- und Kohleindustrie gingen, bleiben jedoch selbstverständlich unerwähnt. Dümmer gehts nimmer – oder wie der Schwabe sagen würde: So a Läddagschwäddz, ein saudummes Gerede halt.

AFD1Diese Aussage zum Start besagter Klimakonferenz in Paris stammt von der AfD-Frontfrau Frauke Petry.

AFD2Kann die Frau nicht lesen? Oder: Versteht sie einfach nicht, was jeder lesen kann?

Auf die Beschlüsse von Paris reagierte die Partei gar nicht – wahrscheinlich zu viel Lesestoff.

Ein Sammelbecken für Klimaskeptiker und Läddagschwäddz war die AfD schon bei ihrer Gründung.  Im Bundesparteiprogramm wird diese Haltung noch diplomatisch verpackt. Dort heißt es:

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Immerhin wird hier eingeschränkt, dass „im Rahmen internationaler Abkommen eine graduelle Reduktion von CO2-Emissionen vereinbart werden“ könne.

Allerdings lassen es die Mitglieder der Partei in öffentlichen Statements an Läddagschwäddz zum Thema Klima und Energie nicht fehlen: Der Klimawandel sei Panikmache und die Anstrengungen Deutschlands, Kohlendioxid einzusparen, ergäben wenig Sinn, meinte Stephan Boyens, Vertreter des Fachausschusses für Energiepolitik der Partei AfD, im Jahr 2013: „Das hat ungefähr so viel Wirkung, als würde eine Dreijährige Pipi in einen Baggersee machen“, schwurbelte der damalige Manager der Rheinenergie AG, die von den Kölner Stadtwerken und RWE betriebenen werden.

So ausgewählt drücken sich hochgebildete Manager und Lobbyisten aus, die – aus purem Altruismus – mithalfen, die sogenannte „Alternative für Deutschland“ aus der Taufe zu heben. Dazu gehören auch Klima“skeptiker“ wie Michael Limburg, der Vizepräsident des klimaskeptischen „Europäischen Instituts für Klima und Energie“ (EIKE) – seit Jahren Mitglied in der AfD-Arbeitsgruppe für Energiepolitik.

Die deutsche Tea Party AfD kann mit ihrem Läddagschwäddz vielleicht den einen oder andern Protestwähler in seinem Frust für sich gewinnen. Doch die Erkenntnis, dass die Erde keine Scheibe ist, wird sich auch mit ein paar regionalen Wahlerfolgen nicht mehr kippen lassen.

Dank an Susanne G. aus Berlin für ihren Hinweis!


Lidl: Zu den Flaschen zählen

Donnerstag, den 18. Februar 2016

Heute geht es um Lidl. Konkret um die

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Lidl argumentiert: „Jede Flasche zählt!“ Für den Klimaschutz. Und der zweitgrößte Discounter der Welt (nach Aldi) mit etwa 9.900 Filialen sagt uns auch warum. Die Lidl-Kreislaufflasche funktioniert nämlich so:

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Im zugehörigen Film erklärt uns Lidl: „Es gibt viele Wege, CO2 zu sparen!“ Kürzer duschen. Weniger heizen. Weniger Licht.

Oder aber den oben beschriebenen Kreislauf wählen, für den „jede Flasche“ zählt. Im Film heißt es: „50.000 Tonnen CO2-Ersparnis!“

Natürlich nicht! Geht auch gar nicht: Die Werber verraten nämlich sicherheitshalber nicht, gegenüber welchem Vergleichswert die Einsparung überhaupt auftreten soll. Etwa pro Flasche, die nach einmaligem Benutzen nicht einfach verbrannt (sondern nach einmaliger Nutzung recycelt) wird? In einem Monat Einwegflaschen-Recycling? Als Prognose für das Lidl-Kreislaufflaschen-Kreislaufen bis zur nächsten Eiszeit?

Ist aber eigentlich auch egal, denn es ist ganz klar, dass Lidl-Kreislaufflaschen nicht das Klima retten. Gewiss: Recycling entlastet erst mal die Umwelt. Selbst die Kreislaufwirtschaft schafft es aber nicht, die Wachstumsspirale zu durchbrechen, also wirtschaftliches Wachstum vom Rohstoffverbrauch zu entkoppeln. Das liegt an gleich drei Blindstellen der Kreislaufphilosophie.

Erstens kommt sie an 70 Prozent der Stoffströme gar nicht ran – Bodenaushub auf dem Bau zum Beispiel oder Abraum im Braunkohletagebau. Zweitens gewinnt kein noch so guter Recyclingprozess hundert Prozent des eingesetzten Rohstoffs zurück – nicht mal beim Gold. Legt man am Beispiel der Einwegflaschen eine – schon ziemlich anspruchsvolle – Rückführquote von 75 Prozent zugrunde, sind nach 15 Durchläufen von der ursprünglich eingesetzten Menge 99 Prozent verschwunden.

Drittens schließlich: Energie ist nicht recycelbar. Und die Kreislaufwirtschaft selbst ist sehr energieintensiv: Einsammeln der Flaschen, Transport, Trennen, Wiederaufarbeiten, überall wird Energie gebraucht. Zwar sagt der erste Hauptsatz der Thermodynamik, dass Energie niemals verloren gehen kann. Geht sie auch nicht – sie wird an die Umwelt abgegeben und heizt das Klima weiter auf.

Richtigerweise hätten die Lidl-Werber also so plakatieren müssen:

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Um das noch für den Alltag zu übersetzen: Im Falle von Trinkflaschen ist das Recycling nach einmaliger Nutzung schlicht unnötig, das Verbrennen natürlich sowieso. Am besten für die Umwelt ist es, die nötigen Getränke in Mehrweg-Pfandflaschen von einem regionalen Hersteller zu kaufen. Die werden nach der Rückgabe gereinigt und wieder befüllt.

Danke an unseren Leser Thorsten K. für den Hinweis!


Neues aus dem Fundus (IV): Das vorhergesagte RWE-Drama

Mittwoch, den 17. Februar 2016

„Energiekonzern spielen“ war früher (also kurz nach unserer Kindheit) sehr beliebt. Man gewann immer. Zum Beispiel, wenn man die RWE-Spielkarte gezogen hatte: 2010 brachte allein die Dividende für die Aktie 8,14 Prozent Rendite

Nun hat die RWE heute ihre Geschäftszahlen für das Jahr 2015 vorgelegt. Und: Ätschätschätsch – wer sich früher immer die RWE-Spielkarte ermogelt hatte, ist jetzt der Looser. Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern musste 2015 nämlich einen Verlust in Höhe von 200 Millionen Euro verbuchen. Dividende nun: 0,00 Euro. Rendite nun: 0,0000 Prozent …

Sie fragen sich, wie so etwas (in so extrem kurzer Zeit) passieren konnte? Ganz hinten im Hinterkopf erinnert uns das an eine Sache aus dem Jahr 2008.

Wir zitieren einmal uns selbst:

RWE-Chef Jürgen Großmann hat dolle Sachen angekündigt. So will der Essener Stromriese in den kommenden Jahren viel etwas Geld in erneuerbare Energien stecken, beispielsweise in Windkraftprojekte oder Biomasse-Kraftwerke. Energieeffizienz ist laut Großmann ebenso eine der zentralen „Herausforderungen“ – eine eigene Tochtergesellschaft für dieses Feld soll entstehen, der Universität Dortmund hat der Konzern kürzlich für eine halbe Million Euro eine Professur für Energieeffizienz gestiftet.

Fast hätten wir RWE dieses Engagement abgekauft. Denn auch mit der Dienstleistung Energiesparen kann ein Konzern ja gutes Geld verdienen. Und nun das: Für seine Kunden hat RWE einen fast 100 Seiten dicken „Energiekatalog 2009″ aufgelegt. Dass das Unternehmen sich darin selbst feiert – klar. Dass man Atomkraftpropaganda unterbringt („Kernenergie hilft, die Erneuerbaren in der Grundlast abzusichern“, heißt es etwa – was völliger Humbug ist, denn in Wahrheit taugen unflexibel laufende Reaktoren eben NICHT als Ergänzung von schwankender Wind- oder Solarenergie), o.k. – auch das war nicht anders zu erwarten. Doch dann, auf Seite 59 des Katalogs, preist RWE Nachtspeicherheizungen an – und das sogar in der Rubrik „Energie sparen“!

Auf einer ganzen Seite werden dort die falschen Argumente ausgebreitet, die Hersteller von Stromheizungen so gern bemühen: „Effizient und nahezu vollständig wandelt die Elektrospeicherheizung Strom in Wärme um“, heißt es etwa. Was streng genommen sogar stimmt – aber eben verschweigt, dass die vorherige Elektrizitätserzeugung durch Umwandlung von Wärme in Strom in den von RWE bevorzugten Kohlekraftwerken extrem ineffizient ist. „Die Elektro-Speicherheizung ist das Heizsystem der kurzen Wege“, schreibt RWE weiter, es entstehe „kein Verteilungsverlust, denn die Wärme wird dort erzeugt, wo sie verbraucht wird.“ Auch das ist Käse, denn bevor die Wärme in der Nachtspeicherheizung entsteht, ist der Strom aus den RWE-Kraftwerken oft über weite Strecken dorthin transportiert worden – mit entsprechenden Leitungsverlusten.

Aber wir brauchen hier gar nicht viele Worte zu machen. RWE weiß nämlich selbst, worauf Umwelt- und Verbraucherschützer immer wieder hinweisen – dass nämlich Elektroheizungen ineffizient, klimaschädlich und außerdem teuer sind. Auf seiner eigenen Internetseite bietet der Stromkonzern einen „Heizsystem-Vergleich“. Und dort ist zu der – im Energiekatalog so hochgelobten – Elektro-Speicherheizung dies zu lesen:

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen – erstmals in der Geschichte des Klima-Lügendetektors können wir RWE voll und ganz zustimmen! Dass der Konzern trotzdem versucht, den Leserinnen und Lesern seines „Energiekatalogs“ unwirtschaftliche und ökologisch problematische Heizungen anzudrehen, kann man wohl nur als versuchte Ankurbelung des Stromabsatzes erklären.