Archiv des Schlagwortes ‘Klimakonferenz’

Bundesregierung (CDU/SPD): Reduktion vergessen

Mittwoch, den 15. November 2017

Folgende Zeitungsanzeige erreichte uns mit Bitte um Prüfung:

Klimaschutz ist Unabhängigkeit?

Echt jetzt?

Es geht um Solarkioske, die in Berlin hergestellt und in Afrika aufgestellt werden, damit die Menschen dort in ländlichen Regionen Zugang zu Strom bekommen.

Es geht um eine Kampagne der Bundesregierung, die auf die diesjährige Weltklimakonferenz COP 23 aufmerksam machen will, die noch bis 17. November in Bonn stattfindet.

Und es geht um das Bundesumweltministerium, das die Verbreitung der Solarkioske mit einer Summe von 160.273 Euro fördert.

Im Interview zur Klimakonferenz hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) den Stuttgarter Nachrichten gerade gesagt:

Allerdings muss Hendricks einräumen, dass die Bundesrepublik vor allem von dem Ruhm zehrt, „dass wir es waren, die die erneuerbaren Energien weltweit marktfähig gemacht haben“.

Vielleicht enthält die Kampagne der Bundesregierung zur diesjährigen Klimakonferenz deshalb auch den Slogan „Klimaschutz ist Strom“. Beworben wird das solarthermische Kraftwerk „India One“, das Deutschland mit sechs Millionen Euro fördert.

Außerdem heißt es in der Kampagne auch noch „Klimaschutz ist Antrieb“ und „Klimaschutz ist Leben“. Die Kampagne soll

setzen, schreibt die Bundesregierung. Knapp 200 Millionen Euro stellt sie insgesamt dafür bereit.

Aber, liebe Regierung, sagt bitte: Fehlt da nicht irgendwas? Ist Klimaschutz denn nicht vor allem, Treibhausgase zu reduzieren? Bedeutet Klimaschutz denn nicht, den Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu stoppen? Fehlt also der Slogan „Klimaschutz ist Reduktion“?

Barbara Hendricks räumt im Interview immerhin indirekt ein, dass da etwas dran ist. Sie sagt:

Allerdings hat die zuständige Ministerin während ihrer Dienstzeit den Slogan „Klimaschutz ist Reduktion“ genauso vergessen wie alle anderen Mitglieder der Bundesregierung: In ihrem ersten Dienstjahr stieß Deutschland 904 Millionen Tonnen Treibhausgase aus, im vergangenen Jahr waren es schon 906 Millionen, Schätzungen für dieses Jahr gehen von über 911 Millionen Tonnen aus.

Die Reduktion von Treibhausgasen – das hat diese Bundesregierung glatt vergessen!

Vielen Dank an Jonathan R. aus Berlin für den Hinweis


Neues aus dem Fundus (VII): Wie Grünwaschen entsteht

Montag, den 6. November 2017

„Ökowerbung ist angesagt, besonders in Zeiten von Klimagipfeln: Die grüne Bahncard, der Bioburger von McDonald’s, der klimaneutrale Brief der Post.“

So hatte das Mittagsmagazin von ARD und ZDF in einem Beitrag über den Klima-Lügendetektor vor zwei Jahren berichtet:

Und? Ist irgend etwas besser geworden?

Heute begann wieder ein Weltklimagipfel – COP 23 findet in Bonn statt, weil es auf den Fidschi-Inseln, eigentlich Gastgeber in diesem Jahr, keine geeigneten Konferenzräume für geschätzte 20.000 Teilnehmer gibt.

Die deutsche Regierungsdelegation reiste mit einem Sonderzug der Deutschen Bahn, dem Train to Bonn“ nach Bonn, wie schon vor zwei Jahren, als Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) mit ihrer Entourage mit dem „Train to Paris“ zur COP 21 anreiste. Diesmal sagte die Bundesumweltministerin im Zug: Die Bahn

In Bonn wohlgemerkt sitzt bis heute jenes Ministerium, das für den weltweiten Klimaschutz so wichtig ist und das Barbara Hendricks seit vier Jahren leitet: Deutschland hat sich schon 1991 als viertgrößter Klimasünder der Welt zu seiner Verantwortung bekannt und eine Vorreiterrolle beschlossen. Bis 2020 will die Bundesrepublik ihre Treibhausgas-Produktion um 40 Prozent unter das Niveau von 1990 senken. Und weil es eben jemanden braucht, der zeigt, dass Klimaschutz geht OHNE wirtschaftlich in die Steinzeit zurück versetzt zu werden, ist das Erreichen des deutschen Klimaziels so wichtig.

Als Richtschnur.

Als Modell.

Als strahlendes Beispiel, dass es gelingen kann und dem man nacheifern sollte.

Hendricks übernahm die Leitung des Ministeriums im Dezember 2013. In ihrem ersten Dienstjahr stieß die Bundesrepublik 904 Millionen Tonnen Treibhausgase aus, im vergangenen Jahr waren es schon 906 Millionen, Schätzungen für dieses Jahr gehen von über 911 Millionen Tonnen aus.

Man muss also konstatieren: Diese Ministerin hat den weltweiten Klimaschutz nicht vorangebracht, sondern gestoppt. Hören wir doch nochmal zu, was sie im „Train to Bonn“ erklärte:

Mit dem klimafreundlichen Sonderzug? Und mit der dazugehörigen „Ökowerbung“ der Deutschen Bahn?

Nochmal zu den Fakten: Unter Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ist Deutschland zum Weltmeister im Kohlestrom-Export geworden. Der Strommix der Deutschen Bahn ist nur minimal klimafreundlicher als der im bundesweiten Durchschnitt – jedenfalls in der Summe des Gesamtkonzerns mitnichten „klimaneutral“. Und dank der Deutschen Bahn wird nun sogar noch ein neues Kohlekraftwerk ans deutsche Netz gebracht.

Die Klimakonferenz in Bonn, der klimaneutrale „Train to Bonn“: Wie hieß es doch gleich nochmal im Beitrag des Mittagsmagazins von ARD und ZDF vor zwei Jahren?

„Die Strategie von Greenwashing ist, besser dazustehen, als man eigentlich dasteht.“

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AfD: Läddagschwäddz für Deutschland

Donnerstag, den 25. Februar 2016

Sie selbst nennt sich ja „Alternative für Deutschland“. Zurzeit ist die Partei auch mit populistischen Attacken auf die Energiewende auf Wählerfang. Im Wahlprogramm der baden-württembergischen AfD heißt es auf Seite 47:

AFDGanz Deutschland zittere unter der „Angst vor Treibhausgasen und der Kernenergie“, die zur „einseitigen Bevorzugung der sogenannten Erneuerbaren Energien“ führen würde. Wen „die Politik“ meint, ob nur die deutsche Regierung oder die gesamte deutsche Parteienlandschaft – oder gar die 195 Staaten, die im Dezember 2015 einen Weltklimavertrag in Paris unterzeichneten – bleibt im „Alternative für Deutschland“-Programm unklar.

Stattdessen wird dort das alte Lied der „überreichlichen Subventionierungen“ für Erneuerbare angestimmt. Sämtliche Milliarden, die in den letzten Jahrzehnten an die Atom- und Kohleindustrie gingen, bleiben jedoch selbstverständlich unerwähnt. Dümmer gehts nimmer – oder wie der Schwabe sagen würde: So a Läddagschwäddz, ein saudummes Gerede halt.

AFD1Diese Aussage zum Start besagter Klimakonferenz in Paris stammt von der AfD-Frontfrau Frauke Petry.

AFD2Kann die Frau nicht lesen? Oder: Versteht sie einfach nicht, was jeder lesen kann?

Auf die Beschlüsse von Paris reagierte die Partei gar nicht – wahrscheinlich zu viel Lesestoff.

Ein Sammelbecken für Klimaskeptiker und Läddagschwäddz war die AfD schon bei ihrer Gründung.  Im Bundesparteiprogramm wird diese Haltung noch diplomatisch verpackt. Dort heißt es:

AFD3

Immerhin wird hier eingeschränkt, dass „im Rahmen internationaler Abkommen eine graduelle Reduktion von CO2-Emissionen vereinbart werden“ könne.

Allerdings lassen es die Mitglieder der Partei in öffentlichen Statements an Läddagschwäddz zum Thema Klima und Energie nicht fehlen: Der Klimawandel sei Panikmache und die Anstrengungen Deutschlands, Kohlendioxid einzusparen, ergäben wenig Sinn, meinte Stephan Boyens, Vertreter des Fachausschusses für Energiepolitik der Partei AfD, im Jahr 2013: „Das hat ungefähr so viel Wirkung, als würde eine Dreijährige Pipi in einen Baggersee machen“, schwurbelte der damalige Manager der Rheinenergie AG, die von den Kölner Stadtwerken und RWE betriebenen werden.

So ausgewählt drücken sich hochgebildete Manager und Lobbyisten aus, die – aus purem Altruismus – mithalfen, die sogenannte „Alternative für Deutschland“ aus der Taufe zu heben. Dazu gehören auch Klima“skeptiker“ wie Michael Limburg, der Vizepräsident des klimaskeptischen „Europäischen Instituts für Klima und Energie“ (EIKE) – seit Jahren Mitglied in der AfD-Arbeitsgruppe für Energiepolitik.

Die deutsche Tea Party AfD kann mit ihrem Läddagschwäddz vielleicht den einen oder andern Protestwähler in seinem Frust für sich gewinnen. Doch die Erkenntnis, dass die Erde keine Scheibe ist, wird sich auch mit ein paar regionalen Wahlerfolgen nicht mehr kippen lassen.

Dank an Susanne G. aus Berlin für ihren Hinweis!