Monatsarchiv für September 2013

Lügendetektor: Auf Schwarz schalten

Freitag, den 27. September 2013

Heute gibt es das hier auf unserem Blog:

bild-3-schwarz-1920x1080_145527Sie sehen richtig! Es gibt nichts! In diesem Fall ein schwarzes Nichts.

Wir waren vor zwei Jahren ganz schön stolz, dass Sie – unsere Leser – uns so wichtig fanden, dass es klappte mit der Leserfinanzierung. Vor zwei Jahren war uns der Ko-Finanzier abhandengekommen, und wir stellten die Arbeit des Klima-Lügendetektors zur Disposition: Wir machen weiter, wenn ihr dafür zahlt!

Damals kam längst nicht so viel Geld zusammen, wie wir eigentlich gebraucht hätten, um die Arbeit der Macher einigermaßen branchenüblich zu entlohnen. Sozusagen ein Mindestlohn für Klima-Lügendetektor-Autoren. Andererseits kam aber doch so viel zusammen, dass wir ein Maximum an Antrieb verspürten, dieses in Euro und Franken gezahlte Vertrauen auch wieder zurückzuzahlen.

Vom – nicht existenten! – PumpspeicherKRAFTwerk Geesthacht bei Dresden über den Schwindel vom grünen Wachstum bis hin zu Maria (22) und Thomas (25) – seitdem sind mehr als 100 neue Lügen auf dem Klima-Lügendetektor aufgedeckt worden. Und mit dem Otto-Brenner-Preis kam auch die Anerkennung – für die Arbeit der Autoren genauso wie für das Leser-Finanzierungsmodell, wie es ausdrücklich in der Laudatio hieß.

Dumm nur, dass das nicht mehr so richtig klappt: Vielleicht haben Sie ja die Bank gewechselt! Vielleicht wollten Sie schon immer, kamen dann aber doch nicht dazu! Vielleicht haben Sie es aber auch nur aus den Augen verloren: Der ehedem zarte Geldstrom ist zu einem kläglichem Bach verkommen, der – bei direkt proportionaler Weiterentwicklung – demnächst nicht einmal mehr Auslagen wie die Servermiete decken wird.

Die Arbeit unserer Autoren ist sehr aufwändig. Manchmal zieht sich eine Recherche über Tage. Ohne Ihre finanzielle Unterstützung müssen sich die Autoren einen anderen Broterwerb suchen. Wie heißt es oben rechts auf dieser Seite: „Ohne Geld kein Blog“! Und das sieht dann eben so aus:

bild-3-schwarz-1920x1080_145527„Ein Jedes hat seine Zeit“ – heißt es im Alten Testament. Es kann natürlich sein, dass die Zeit für den Klima-Lügendetektor gekommen ist. Falls Sie aber anderer Meinung sind, dann bitten wir Sie, jetzt zu handeln: Unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


BDEW: Für Verstimmung sorgen

Samstag, den 21. September 2013

Der Vorwärts ist seit 1876 die Parteizeitung der deutschen Sozialdemokratie. In seiner Septemberausgabe findet sich folgende Anzeige:

Zeit für Verantwortung. Die Energiewende marktwirtschaftlich gestalten.Geschaltet hat diese Anzeige der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft – kurz BDEW. Glaubt man der Anzeigenpreisliste des Vorwärts, kostete das die Energiewirtschaft 10.710 Euro – inklusive Steuern.

Aber das dürfte gut investiertes Geld sein: Die Chance, dass die SPD am 22. September in das Bundeswirtschafts- oder Umweltministerium gewählt wird, ist zuletzt ja wieder gestiegen.

„1.800 Unternehmen – 1 Stimme“, lautet der Slogan, mit dem sich die Energiewirtschaft den etwaigen SPD-Ministern als Gesprächspartner anbietet. Weiter heißt es in der Anzeige:

Die Energiewende im Realitätstest: Steigende Strompreise, zunehmende Engpässe im Netz, Reservekraftwerke ohne wirtschaftliche Basis. Gleich nach der Bundestagswahl müssen Lösungen kommen. Die Branche hat Vorschläge erarbeitet. Eine immense Herausforderung und eine großartige Chance zugleich - für uns alle.Hildegard Müller, die ehemals enge Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und heutige BDEW-Vorsitzende, hat nun etwas gestelzt erklärt: „Der BDEW wird Ende September ein Konzept für eine tiefgreifende zweistufige Reform des EEG und einen konkreten Vorschlag für ein reformiertes Marktdesign – einen ‚Markt für gesicherte Leistung‘ – mit dem Fokus Versorgungssicherheit vorlegen.“

Toll, die Branche hat schon Lösungsvorschläge. Da kann es ja losgehen mit der Wiederbelebung der Energiewende – gleich nach der Bundestagswahl.

Überhaupt nicht, sagen Umweltverbände. Der Bundesverband der Deutschen Industrie hat nämlich sein Konzept für eine tiefgreifende Reform bereits vor der Wahl vorgestellt. „Energiewende ganzheitlich denken“ ist es überschrieben – und würde die Energiewende „massiv bedrohen“, wie die Umweltschützer sagen: „Unter dem Mantel einer objektiven Abwägung vertritt der BDI knallhart Partikularinteressen bestimmter Industrieakteure.“

Das bringt uns zu dem Fehler, den der „Bundesverband der Energiewirtschaft“ in die Vorwärts-Anzeige eingebaut hat:

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Mitgliedsunternehmen sind zum Beispiel die E.ON Anlagenservice GmbH, die E.ON Kernkraft GmbHE.ON Energie AG und 28 andere Firmen, deren Name mit E.ON beginnt. Mitglieder sind auch Firmen wie die Kraftwerk Plattling GmbH, die Bayernwerk AG oder die E.DIS AG, allesamt Töchter von E.ON. Und dazu kommen noch die Töchter dieser Töchter, wie die e.distherm Wärmedienstleistungen GmbHSüdWasser oder die Regensburger Energie- und Wasserversorgung AG.

Natürlich gibt es auch einige Stadtwerke, die Mitglied im BDEW sind. In erster Linie aber ist die angebotene Stimme die Stimme der Großindustrie: Was für E.ON in der Mitgliedsliste gilt, das gilt genauso für Vattenfall, RWE, EnBW und Co: Die Töchter und Töchterstöchter der großen vier Stromkonzerne bilden das Schwergewicht im BDEW – also nicht die Träger der Energiewende, sondern die Bremser.

Entsprechend gereizt sind die anderen Stimmen der Energiewirtschaft. Der Verband kommunaler Unternehmen – Stimme für 1.400 Mitgliedsfirmen in den Bereichen Energie, Wasser, Abfall – fordert „verbindliche Ausbauziele der erneuerbaren Energien“. Der Bundesverband Erneuerbare Energie – Stimme für 5.000 Unternehmen – nennt den BDI-Vorschlag „eine hilflose Mogelpackung“. Der Bundesverband Windenergie mit über 20.000 Mitgliedern spricht von „Polemik“.

Aber vielleicht ist die ganze Aufregung über die SPD und die Zukunft der Erneuerbaren ja auch umsonst: wenn an diesem Sonntag die Bündnisgrünen ins Bundeswirtschafts- und Umweltministerium gewählt werden.


PS: Seit zwei Jahren ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen Euros, um die Recherche auch 2013 unabhängig zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


Die FAZ: Aktuelles zur Wahl

Donnerstag, den 19. September 2013

Folgende Schlagzeile findet sich heute im Wirtschaftsteil der FAZ:

Energiewende: Keine Spur vom grünen Beschäftigungswunder. 19.09.2013 • Mit der Energiewende sind große Hoffnungen auf neue Arbeitsplätze verbunden. Doch bislang stehen die erneuerbaren Energien nicht einmal für ein Prozent aller Erwerbstätigen. Von SVEN ASTHEIMER

Die FAZ berichtet über eine Studie mit der Überschrift: „Green Jobs: Erlebt Deutschland sein grünes Beschäftigungswunder?“ Bitte beachten Sie das Fragezeichen am Ende des Studien-Titels, denn darüber wird noch zu reden sein!

Zu Wort kommt im Bericht von FAZ-Redakteur Sven Astheimer Studienautor Nico Pestel: „Ich glaube nicht, dass Green Jobs auf absehbare Zeit für ein Beschäftigungswunder sorgen werden“, sagt Pestel. Weiter heißt es in der FAZ, Pestel kritisiere vor allem, „dass es weder einen brauchbaren internationalen Standard für grüne Beschäftigung gibt noch eine solide Datenbasis, mit der Beschäftigungserfolge nachvollzogen werden können“.

Und dann steht da folgende Zwischenüberschrift:

Fazz
Um eine Vergleichsgröße zu bekommen: In der gesamten Automobilindustrie in Deutschland waren zum Anfang dieses Jahres 747.000 Menschen beschäftigt. Im Maschinenbau waren es 970.000 Beschäftigte, in der gesamten Braunkohlenwirtschaft nur noch rund 22.000 Menschen.

Zwei Millionen Erwerbstätige im Umweltschutz sind also eine ganze Menge, könnte man meinen, aber die FAZ schreibt unter Berufung auf Pestels Studie: Kein „grünes Beschäftigungswunder“ in Sicht.

Wir möchten die geneigte Leserschaft auf zwei wichtige Details hinweisen: „Aktuell“, heißt es im Ausriss ganz am Anfang und am Beginn des Teasers steht das heutige Datum: „19.09.2013″. Die Studie ist aber gar nicht aktuell: Der Klima-Lügendetektor hatte sich bereits vor vier Wochen mit Pestels Arbeit befassen müssen. Und war dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass Pestels Aussage, ein grünes Jobwunder bleibe aus, gar nicht gedeckt ist durch Pestels Arbeit. Dort heißt es am Schluss als Fazit:

 Somit bleibt die Frage, ob Deutschland sein „grünes Beschäftigungswunder“ erlebt, vorerst also noch offen."

Entweder haben FAZ-Redakteure wie Sven Astheimer nicht mehr genügend Recherchezeit, um eine zwölfseitige Studie erst einmal zu lesen, bevor sie darüber schreiben. Oder aber solche Journalisten wollen selbst gern ein bisschen Wahlkampf machen.

Vielen Dank an Lukas W. aus Berlin für den Hinweis


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Der Spiesser: Nicht vertretbar

Montag, den 9. September 2013

„Es geht eben doch, eine glaubwürdige Jugendzeitschrift zu machen“, schrieb die taz 2005. Und interviewte Frank Haring, Herausgeber der Zeitschrift Spiesser: 1994 in Dresden als Schülerzeitung gegründet, machte sich der Spiesser gerade auf, das Bravo-Land aufzumischen – also Westdeutschland.

Herausgeber Haring sagte damals zum Erfolgsrezept der Dresdner Schülerzeitschrift: „Bei Spiesser definieren Jugendliche selbst, was sie im Heft sehen wollen. Klar, mit fachlicher Begleitung. Aber am Ende ist das eben selbst gemacht.“

Mittlerweile liest faktisch jeder deutsche Schüler in den oberen Klassenstufen den kostenlosen Spiesser, die Auflage liegt bei 500.000 Stück. In der aktuellen Ausgabe wollten die Jugendlichen beispielsweise auf Seite 46 das hier sehen:

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„Es ist Wahljahr – und damit Wahlkampf“, heißt es im Kleingedruckten: „Manche Inhalte kommen dabei traditionell zu kurz.“

Und dann stellen der Spiesser respektive seine Macher oder die Jugendlichen eine sehr wichtige Frage: „Doch ist dies“ – also das Zu-kurz-Kommen – „im Falle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) vertretbar? Und wo wir schon dabei sind: Ist das EEG in seiner jetzigen Form überhaupt vertretbar?“

Zu Wort kommt der Jugendliche Thomas (25), der „Hände weg vom EEG!“ sagt: 200 Milliarden Euro müssten her, um die Erneuerbaren auszubauen. „Mit der EEG-Umlage finanzieren wir alle die Energiewende mit. Ich mach das gerne.“

Zu Wort kommt auch Maria (22), die das nicht so gerne macht und auf der nächsten Seite Kontra gibt:

Darf ich mal kurz in die Runde fragen: Ist das fair? Wer ein Windrad oder eine Solaranlage besitzt, bekommt immer Geld – auch im tiefsten, dunkelsten Winter, wenn das Zeug gar keinen Strom produziert.

Und wo wir schon einmal dabei sind: „Für Verbraucher – also für mich! – wird der Strom gleichzeitig ganz schön teuer. Und das verdanken wir dem EEG.“ Maria lässt voll schülerzeitungsmäßig ihren Taschenrechner sprechen. Der sagt: „Das entspricht einem Anstieg von 50 Prozent.“

Die überfällige Reform des EEG sei verschoben worden, schreibt Maria. „Mich macht das fassungslos. Denn die Liste der Probleme ist lang“, so die 22-Jährige. Die dann Beispiele für all die Probleme gibt: „Bis das EEG reformiert wird, produzieren Photovoltaik und Windkraftanlagen munter weiter grünen Strom, der von Marktpreisen unabhängig ist und sogar dann teuer eingekauft werden muss, wenn man ihn gar nicht braucht – wie zum Beispiel am sonnigen Pfingstmontag, an dem viele Fabriken stillstehen.“

Was für ein Satzbau! Welch phantastisches Mäandertum!! Und was für eine energiewirtschaftliche Detailkenntnis!!!

Maria (22) kennt sich sogar mit den Marktpreisen beim Strom im komplizierten Börsengeflecht aus!!!!!!!!

Oder vielleicht doch nicht? Weiter unten heißt es im Text des Spiesser nämlich:

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Und wer jetzt genau nachschaut, der wird ganz oben in der Ecke ein graues, verstecktes Wort finden: „Anzeige“. Weder Thomas (25) noch Maria (22) gibt es wirklich, sondern nur eine Werbeagentur von RWE, die bei Deutschlands Oberschülern mal ein bisschen auf Panik in Sachen Energiewende macht. Was Maria behauptet, stimmt alles nicht so richtig, aber es bringt der Spiesser-Redaktion gemäß Anzeigenpreis-Liste satte 49.800 Euro netto ein.

So gedruckt würden Thomas (25) oder Maria (22) in echt natürlich niemals lügen. Das tut schon weh, aber RWE zahlt gerne: Deutschlands Oberschüler könnten ja die Konterrevolutionäre der Energiemarkt-Revolution werden. Man muss nur zeitig genug anfangen, die falsche Fährte richtig zu legen.

Wir wollten von Eva Weber, Chefredakteurin des Spiesser, wissen, ob die Arbeit ihrer Redaktion in der „jetzigen Form überhaupt vertretbar“ ist, wie es in der Anzeige von RWE so moralisch schwergewichtig heißt.

Diese Frage solle doch bitte per Mail an die für Presseanfragen zuständige Mitarbeiterin des Verlages eingereicht werden, hieß es als Antwort aus der Chefredaktion in Dresden.

Vielen Dank an Björn O. aus Berlin für den Hinweis

PS: Beim Spiesser definieren zum Thema Energie übrigens NICHT die Jugendlichen selbst, was sie im Heft lesen wollen – das tut die Firma RWE für sie.


Der Spiegel: Im Quotenwahn

Donnerstag, den 5. September 2013

„Luxus Strom“ titelt Der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe. Unter dieser Überschrift heißt es:

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In einer neunseitigen Titelgeschichte erklären fünf Autoren die Probleme der Energiewende: die Unrentabilität von Gaskraftwerken, die Rentabilität alter Braunkohlekraftwerke, die fehlende Anbindung von Offshore-Windkraftwerken …

Und natürlich die industriestandortzerstörende Explosion der Förderung für Regenerativkraftwerke – fachdeutsch EEG-Umlage genannt. Die Spiegel-Realität in den letzten 16 Jahren stellt sich folgendermaßen dar:

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Umgotteswillen: Das sind ja fast 1.000 Prozent mehr, die Kuno Stromkunde 2014 im Vergleich zu 2004 abdrücken muss! Das kann doch nicht sein, und schon gar nicht beim Spiegel, der ja auch titelt: „Was die Politik dagegen tun muss“.

Weg mit dem seit Jahren bewährten EEG, her mit einer Ökostrom-Quote: Anders als die Einspeisevergütung gibt ein Quotensystem nicht feste Preise für Sonne, Wind und Co vor. Sondern Strom-Mengen: Jeder Stromanbieter müsste dann auf dem Strommarkt X Prozent Ökostrom einkaufen. Das X legt die Regierung fest.

Als Paradebeispiel dient dem Spiegel Schweden, das 2003 die Quote eingeführt hat:

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Klingt nicht schlecht, oder? Einer der größten Befürworter der Quote in Deutschland ist übrigens Rainer Brüderle. Der FDP-Spitzenkandidat lässt kaum eine Gelegenheit verstreichen, um die Mengenlösung anzupreisen. Auch die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, laut Lobbypedia eine marktliberale Lobbyorganisation der Metall- und Elektroindustrie, macht sich für die Quote stark. Genauso wie die Lobby von RWE, Eon, Vattenfall und Co.

Das unterschlägt der Spiegel. Aber vor allem auch, was GEGEN ein Quotenmodell spricht.

1. Das Beispiel Schweden (Quote ab 2003): In der Tat decken hier erneuerbare Energien mehr als die Hälfte des Strommixes ab. Das ist hier aber schon lange so: Dank Schwedens Geografie liefern die Wasserkraftwerke an den Flüssen 44 Prozent. Unter den zehn restlichen Prozent Erneuerbaren ragt die Biomasse heraus, die in konventionellen Anlagen verbrannt wird – Schwedens Wald, beziehungsweise die Reste der Holzwirtschaft. Der Ausbau von Wind- oder Solarkraft? Fehlanzeige! Schwedens Quotenmodell brachte es gerade mal auf vier Prozent Wind-Anteil. Zum Vergleich: Nachbar Dänemark deckt inzwischen 30 Prozent seines Stromverbrauchs durch die Windkraft – dank Einspeisevergütung.

2. Das Beispiel Großbritannien (Quote ab 2002): Die Stromanbieter waren hier eher bereit, die Strafe bei Nichterfüllung der Quote zu zahlen, als in Wind, Sonne und Biomasse zu investieren. Deshalb kamen die Erneuerbaren im Vereinigten Königreich einfach nicht voran. Großbritannien hat sich deshalb 2010 von der Quote verabschiedet – und schrittweise eine Einspeisevergütung nach deutschem Vorbild eingeführt.

3. Das Quotensystem führt dazu, dass Stadtwerke und Energiekonzerne auf den billigsten erneuerbaren Energieträger setzen – große Windparks an Land. Andere Technologien wie die Photovoltaik und die Offshore-Windenergie würden so abgewürgt. Aber niemand kann heute sagen, ob die Solarkraft Effizienzschübe erreicht, die Strom aus Sonne irgendwann billiger machen als Windstrom.

4. Das Quotenmodell hat Grünstrom nicht billiger, sondern teurer gemacht. Untersuchungen haben auch den Grund gefunden: Weil Investoren die Sicherheit verlieren, dass sie immer und uneingeschränkt ihren Strom zu einem festen Preis ins Stromnetz einspeisen können – wie bei der Einspeisevergütung –, haben sie einen Risikoaufschlag in ihre Kalkulation eingepreist – und das verteuert die Kilowattstunde aus Sonne oder Wind.

Eine Handwerksregel für guten Journalismus besagt: Immer auch die Gegenseite befragen, immer auch die Nachteile schildern. Gegen das Quotenmodell lässt sich noch viel vorbringen. Zum Beispiel über Italien, wo es nach einer teilweisen Abschaffung des Quotenmodells zu einem Solarkraftboom kam. Aber das interessiert den Spiegel nicht. Obwohl es in Schweden überhaupt keinen Ausbau der Erneuerbaren gegeben hat, urteilen die Autoren:

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„Bei meinem früheren Arbeitgeber war die Verbreitung von Behauptungen zum Schutz der Interessen der betroffenen Konzerne die offizielle Blattlinie.“ Das sagte der ehemalige Spiegel-Redakteur Harald Schumann in seiner Laudatio, als 2012 der Klima-Lügendetektor mit dem Otto-Brenner-Preis ausgezeichnet wurde. Schumann hatte 2004 aus Protest gegen Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust gekündigt, weil Aust eine negative Windkraft-Geschichte bei einem Autor bestellt hatte. Schumann sagte zu dieser Spiegel-Verbreitung von Behauptungen zum Schutz der Interessen der betroffenen Konzerne: „Das gilt teilweise auch heute.“

PS: Einer der Autoren der 2004 bestellten negativen Windkraft-Geschichte – Frank Dohmen – hat wieder an der Nummer „Luxus Strom“ mitgeschrieben. Ein anderer ist Alexander Neubacher, Autor des Buches „Ökofimmel: Wie wir versuchen, die Welt zu retten – und was wir damit anrichten“. Beteiligt war außerdem Gerald Traufetter, der 2012 die Vattenfall-Lesetage moderiert hat, eine Greenwash-Veranstaltung, von der sich immer mehr Autoren abwenden.