RWE: Wir kaufen uns die Bravo

Mit Propaganda-, äh, Informationskampagnen kann man gar nicht früh genug anfangen. Vattenfall oder BP setzen dabei auf Schulbesuche und vorgefertigte Unterrichtsmaterialien. RWE ist cleverer: Weil die Kids auf Lernen sowieso keinen Bock haben, so das offensichtliche Kalkül, fängt man sie halt in ihrer Freizeit. Jedenfalls kooperiert der Essener Energieriese neuerdings mit der Bravo, Deutschlands größter Jugendzeitschrift mit derzeit 555.000 Stück wöchentlicher Auflage.

Das Blatt hatte – mit sicherem Gespür für Interessen und Sorgen der Zielgruppe – im April eine Kampagne „Bravo Goes Green“ gestartet.

rwe_bravo1

Auf Sonderseiten und im Internet wird seitdem über Ursachen und Folgen der Erderwärmung informiert – in jugendgerechter Sprache und Aufmachung natürlich, aber durchaus kompetent. rwe_bravo2Auf der zugehörigen Website etwa tritt Klimaexperte Mojib Latif in kleinen Erklär-Filmchen auf. Unmissverständlich nennt Bravo die Braunkohle, was sie ist: „Gift fürs Klima“. Die Erde sei nur zu retten, heißt es zutreffend, wenn „wir auf alternative Energien setzen“.

Umso überraschender ist, dass sich zeitgleich mit „Bravo Goes Green“ ausgerechnet RWE, der größte Braunkohleförderer Deutschlands, in dem Blatt an die Jugend ranschmeißen darf. „Fun up – Energy down“ heißt eine gemeinsame „Aktion“ des Magazins mit dem Stromriesen, in der es irgendwie um Stromsparen gehen soll.

rwe_bravo3

Unter anderem werden die Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, lustige Stromspartipps einzusenden, wofür es dann Preise geben soll. Das Ganze bewegt sich etwa auf diesem Niveau:

rwe_bravo4

Was im Bereich Strom am meisten fürs Klima brächte, wäre der Wechsel zu einem Ökostromanbieter. Aber davon ist natürlich nirgends die Rede. Ohnehin scheint die Aktion nur einen Zweck zu haben: auf ganz supermegawitzige Weise Jugendliche zu erreichen. Unverblümt wird ringsherum mit blinkenden Bannern geworben: für den „RWE-Autostrom“ – unter dieser Marke will der Kohleriese seinen bislang winzigen Anteil Ökoenergie publikumsträchtig vermarkten. Oder für einen „Schulwettbewerb zur Energieeffizienz“, den RWE regelmäßig veranstaltet. Das Logo der Klima-“s*cooltour“ , die auch Partner bei „Bravo Goes Green“ war, sowie ein paar Starfotos von Johnny Depp, Leonardo di Caprio & Co. gibts noch – das wars.

Auf der Website steht kryptisch „Promotion“ über allen Texten – was wohl bedeutet, dass sie gekauft sind. Im gedruckten Heft findet sich über der Doppelseite zur Aktion immerhin das Wort „Anzeige“ – allerdings klein und unauffällig. Im Inhaltsverzeichnis dagegen ist die RWE-Propaganda aufgeführt wie ein redaktioneller Text.

Wie „Bravo Goes Green“ und die Kooperation mit Europas größtem Verursacher von Kohlendioxid zusammenpassen, fragten wir den Bauer-Verlag, wo das Blatt erscheint. Beide Aktionen liefen „unabhängig“ voneinander, lautete die Antwort der Sprecherin, man möge das bitte „nicht vermischen“. Laut Anzeigenpreisliste bringt eine verkaufte Doppelseite in der Bravo dem Verlag 73.713 Euro (zzgl. MwSt.) – vielleicht ist das auch eine Antwort.

Danke an Clara G. für den Hinweis