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RWE: Wir kaufen uns die Bravo

Sonntag, den 1. November 2009

Mit Propaganda-, äh, Informationskampagnen kann man gar nicht früh genug anfangen. Vattenfall oder BP setzen dabei auf Schulbesuche und vorgefertigte Unterrichtsmaterialien. RWE ist cleverer: Weil die Kids auf Lernen sowieso keinen Bock haben, so das offensichtliche Kalkül, fängt man sie halt in ihrer Freizeit. Jedenfalls kooperiert der Essener Energieriese neuerdings mit der Bravo, Deutschlands größter Jugendzeitschrift mit derzeit 555.000 Stück wöchentlicher Auflage.

Das Blatt hatte – mit sicherem Gespür für Interessen und Sorgen der Zielgruppe – im April eine Kampagne „Bravo Goes Green“ gestartet.

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Auf Sonderseiten und im Internet wird seitdem über Ursachen und Folgen der Erderwärmung informiert – in jugendgerechter Sprache und Aufmachung natürlich, aber durchaus kompetent. rwe_bravo2Auf der zugehörigen Website etwa tritt Klimaexperte Mojib Latif in kleinen Erklär-Filmchen auf. Unmissverständlich nennt Bravo die Braunkohle, was sie ist: „Gift fürs Klima“. Die Erde sei nur zu retten, heißt es zutreffend, wenn „wir auf alternative Energien setzen“.

Umso überraschender ist, dass sich zeitgleich mit „Bravo Goes Green“ ausgerechnet RWE, der größte Braunkohleförderer Deutschlands, in dem Blatt an die Jugend ranschmeißen darf. „Fun up – Energy down“ heißt eine gemeinsame „Aktion“ des Magazins mit dem Stromriesen, in der es irgendwie um Stromsparen gehen soll.

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Unter anderem werden die Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, lustige Stromspartipps einzusenden, wofür es dann Preise geben soll. Das Ganze bewegt sich etwa auf diesem Niveau:

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Was im Bereich Strom am meisten fürs Klima brächte, wäre der Wechsel zu einem Ökostromanbieter. Aber davon ist natürlich nirgends die Rede. Ohnehin scheint die Aktion nur einen Zweck zu haben: auf ganz supermegawitzige Weise Jugendliche zu erreichen. Unverblümt wird ringsherum mit blinkenden Bannern geworben: für den „RWE-Autostrom“ – unter dieser Marke will der Kohleriese seinen bislang winzigen Anteil Ökoenergie publikumsträchtig vermarkten. Oder für einen „Schulwettbewerb zur Energieeffizienz“, den RWE regelmäßig veranstaltet. Das Logo der Klima-“s*cooltour“ , die auch Partner bei „Bravo Goes Green“ war, sowie ein paar Starfotos von Johnny Depp, Leonardo di Caprio & Co. gibts noch – das wars.

Auf der Website steht kryptisch „Promotion“ über allen Texten – was wohl bedeutet, dass sie gekauft sind. Im gedruckten Heft findet sich über der Doppelseite zur Aktion immerhin das Wort „Anzeige“ – allerdings klein und unauffällig. Im Inhaltsverzeichnis dagegen ist die RWE-Propaganda aufgeführt wie ein redaktioneller Text.

Wie „Bravo Goes Green“ und die Kooperation mit Europas größtem Verursacher von Kohlendioxid zusammenpassen, fragten wir den Bauer-Verlag, wo das Blatt erscheint. Beide Aktionen liefen „unabhängig“ voneinander, lautete die Antwort der Sprecherin, man möge das bitte „nicht vermischen“. Laut Anzeigenpreisliste bringt eine verkaufte Doppelseite in der Bravo dem Verlag 73.713 Euro (zzgl. MwSt.) – vielleicht ist das auch eine Antwort.

Danke an Clara G. für den Hinweis


RWE: Autostrom aus unbekannter Quelle

Freitag, den 18. September 2009

Stets „voRWEg gehen“ möchte der Essener Energieriese RWE nach eigener Darstellung, weswegen der Konzern nun auch damit beginnt, in deutschen Großstädten Ladestationen für Autostrom zu installieren. In Berlin gibt es laut Unternehmenswebsite bereits 56 E-Tankstellen, bis 2010 sollen es stolze 500 sein – obwohl bundesweit 2008 gerade einmal 1436 Elektroautos zugelassen waren. Und fast alle neuen E-Wagen, um die etwa auf der Automesse IAA so viel Wind gemacht wird, sind bisher lediglich Prototypen. Trotzdem lässt RWE in einer aufwändigen Werbekampagne schon mal „Super-Ingo“ für sich auftreten.

Nach Angaben des Unternehmens gehen „die RWE-Experten … davon aus, dass schon 2020 bis zu 2,5 Millionen Elektro-Autos auf Deutschlands Straßen fahren werden“. Das ist – gelinde gesagt – sehr optimistisch. Nach Prognosen des Instituts für Entsorgung und Umwelttechnik (IFEU) und der Bundesregierung werden in elf Jahren nur rund eine Million E-Autos unterwegs sein. So oder so wird die Elektromobilität fürs Klima vorerst ziemlich egal bleiben. Selbst im RWE-Szenario würden 2020 immer noch mehr als 90 Prozent der hierzulande zugelassenen PKW mit Verbrennungsmotoren fahren. „Kurzfristig und in der nahen Zukunft ist von Elektromobilität kein nennenswerter klimaschützender Beitrag zu erwarten“, so Wolfgang Lohbeck, Verkehrsexperte bei Greenpeace.

Die wichtigste Frage ist freilich, woher der Strom für die Elektroautos kommen soll. RWE wirbt neuerdings mit „100 Prozent Strommengen aus regenerativen Energiequellen“, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass sich die Vorstellung des neuen Projekts „e-mobility Berlin“ vor ziemlich genau einem Jahr, bei der RWE und Daimler stolz einen neuen stromgetriebenen Smart präsentierten, ziemlich schnell als grüne Nebelkerze erwies. Denn: Fährt ein E-Smart mit Strom aus dem konventionellen RWE-Mix, stößt dieser sogar mehr CO2 aus als das gleiche Modell mit Dieselmotor.

Doch selbst wenn der neue Autostrom tatsächlich ausschließlich aus erneuerbaren Quellen stammt, bedeutet das nicht automatisch einen Nutzen fürs Klima. Einen positiven Klimaeffekt haben Elektroautos nämlich nur, wenn für sie auch wirklich neue Ökostromkapazitäten installiert wurden. Andernfalls würde der grüne Autostrom ja lediglich aus dem bisherigen Energiemix ausgekoppelt, andere Kunden bekämen dann einfach etwas dreckigere Elektrizität. Ohnehin sollte man Ökostrom dort verwenden, wo er am meisten Kohlendioxid vermeiden kann – und das ist eher nicht der Autoverkehr. Wenn grüne Elektriztität etwa in Haushalten den bisherigen Strom aus Braunkohlekraftwerken ersetzt, wird vermutlich mehr CO2 vermieden, als wenn ein Elektroauto damit ein paar Kilometer fährt und das Benzin spart. Wir hätten zu gern gewusst, woher genau der RWE-Autostrom denn nun stammt. Unsere Frage danach ließ das Unternehmen leider unbeantwortet.

Auch Eon hat bereits ein eigenes Projekt mit E-Minis in Bayern gestartet. Dort hieß es in einer Pressemitteilung zum Start, die Fahrzeuge sollten mit „vorzugsweise regenerativ erzeugtem Strom“ versorgt werden. „Wir wissen selbst noch nicht, mit welchem Strom die Tankstellen in Zukunft betrieben werden könnten“, sagte Eon-Sprecher Stefan Pursche auf Anfrage und war damit wenigstens ehrlich. „In den nächsten drei bis vier Jahren wird sich auf dem Elektroautomarkt ohnehin nicht viel tun.“ Zwar sei vorstellbar, künftige Eon-Tankstellen mit Erneuerbaren zu versorgen, aber „man muss ja nicht alles erneuerbar machen“, so Pursche.

In der Tat. Vor allem dann nicht, wenn man hier und dort noch Kohlekraftwerke herumzustehen hat – oder für seine hochprofitablen Akw von einer möglichen schwarz-gelben Bundesregierung grad eine Laufzeitverlängerung geschenkt bekommen hat.

Danke an Christian B. für den Hinweis