Archiv des Schlagwortes ‘Mehrweg’

Lidl: Zu den Flaschen zählen

Donnerstag, den 18. Februar 2016

Heute geht es um Lidl. Konkret um die

lidl

Lidl argumentiert: „Jede Flasche zählt!“ Für den Klimaschutz. Und der zweitgrößte Discounter der Welt (nach Aldi) mit etwa 9.900 Filialen sagt uns auch warum. Die Lidl-Kreislaufflasche funktioniert nämlich so:

lidl3

Im zugehörigen Film erklärt uns Lidl: „Es gibt viele Wege, CO2 zu sparen!“ Kürzer duschen. Weniger heizen. Weniger Licht.

Oder aber den oben beschriebenen Kreislauf wählen, für den „jede Flasche“ zählt. Im Film heißt es: „50.000 Tonnen CO2-Ersparnis!“

Natürlich nicht! Geht auch gar nicht: Die Werber verraten nämlich sicherheitshalber nicht, gegenüber welchem Vergleichswert die Einsparung überhaupt auftreten soll. Etwa pro Flasche, die nach einmaligem Benutzen nicht einfach verbrannt (sondern nach einmaliger Nutzung recycelt) wird? In einem Monat Einwegflaschen-Recycling? Als Prognose für das Lidl-Kreislaufflaschen-Kreislaufen bis zur nächsten Eiszeit?

Ist aber eigentlich auch egal, denn es ist ganz klar, dass Lidl-Kreislaufflaschen nicht das Klima retten. Gewiss: Recycling entlastet erst mal die Umwelt. Selbst die Kreislaufwirtschaft schafft es aber nicht, die Wachstumsspirale zu durchbrechen, also wirtschaftliches Wachstum vom Rohstoffverbrauch zu entkoppeln. Das liegt an gleich drei Blindstellen der Kreislaufphilosophie.

Erstens kommt sie an 70 Prozent der Stoffströme gar nicht ran – Bodenaushub auf dem Bau zum Beispiel oder Abraum im Braunkohletagebau. Zweitens gewinnt kein noch so guter Recyclingprozess hundert Prozent des eingesetzten Rohstoffs zurück – nicht mal beim Gold. Legt man am Beispiel der Einwegflaschen eine – schon ziemlich anspruchsvolle – Rückführquote von 75 Prozent zugrunde, sind nach 15 Durchläufen von der ursprünglich eingesetzten Menge 99 Prozent verschwunden.

Drittens schließlich: Energie ist nicht recycelbar. Und die Kreislaufwirtschaft selbst ist sehr energieintensiv: Einsammeln der Flaschen, Transport, Trennen, Wiederaufarbeiten, überall wird Energie gebraucht. Zwar sagt der erste Hauptsatz der Thermodynamik, dass Energie niemals verloren gehen kann. Geht sie auch nicht – sie wird an die Umwelt abgegeben und heizt das Klima weiter auf.

Richtigerweise hätten die Lidl-Werber also so plakatieren müssen:

lidl3-rot

Um das noch für den Alltag zu übersetzen: Im Falle von Trinkflaschen ist das Recycling nach einmaliger Nutzung schlicht unnötig, das Verbrennen natürlich sowieso. Am besten für die Umwelt ist es, die nötigen Getränke in Mehrweg-Pfandflaschen von einem regionalen Hersteller zu kaufen. Die werden nach der Rückgabe gereinigt und wieder befüllt.

Danke an unseren Leser Thorsten K. für den Hinweis!


Coca-Cola: Den Preis verschweigen

Montag, den 19. Oktober 2015

Heute geht es um die Alltagspraxis. Es geht um Coca-Cola:
:
stef

Nun werden Sie vielleicht anmerken, dass Ihnen im persönlichen Alltag „Coca-Cola Zero“ in etwa genau so schnurz ist wie der FC Bayern. Aber es geht hier weder um ein „kalorienfreies Erfrischungsgetränk“ noch um eine geldgeschmierte Fußballmaschinerie, die Samstag für Samstag gewinnt.

Hier geht es um Betrug. Konkret um das Pfand.

Die Verpackungsverordnung schreibt nämlich Folgendes vor: „Vertreiber haben Getränke in Einweggetränkeverpackungen, die nach Satz 1 der Pfandpflicht unterliegen, vor dem Inverkehrbringen deutlich lesbar und an gut sichtbarer Stelle als pfandpflichtig zu kennzeichnen und sich an einem bundesweit tätigen Pfandsystem zu beteiligen, das Systemteilnehmern die Abwicklung von Pfanderstattungsansprüchen untereinander ermöglicht.“

Das könnte dann genau so aussehen:

versu

Kein Hinweis aber auf der Flasche des US-Getränkekonzerns. Coca-Cola verschweigt bei seiner Einweg-Kennzeichnung schlichtweg, dass das Pfand 25 Cent beträgt. 25 Cent, die der Kunde zurückbekommt, wenn er die Flasche abgibt. Wenn der Kunde aber gar nicht weiß, dass der Weg zurück 25 Cent in sein Portemonnaie spült, dann wird er sie vielleicht auch nicht zurückbringen?

Eine repräsentative Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung hatte im Mai ergeben, dass 59 Prozent der Kunden das Logo allein nicht in Verbindung mit 25 Cent Pfand bringen. Wird die Flasche einfach in den Müll geworfen, bekommt diese 25 Cent Coca-Cola – ein Millionengeschäft jedes Jahr. Und weil Branchenprimus Coca-Cola damit durchgekommen ist, machen inzwischen so ziemlich alle Einweg-Flaschenanbieter mit bei der unkorrekten Logo-Schau.

Deshalb hat die Deutsche Umwelthilfe jetzt Klage beim Landgericht Berlin eingereicht. „Wir wollen in einem Musterprozess erreichen, dass Coca-Cola das Pfand-Logo wie vom Gesetzgeber vorgesehen verwendet“, erklärt Thomas Fischer, Leiter des Bereichs Kreislaufwirtschaft bei der Umwelthilfe. Schließlich geht es hier um mehr als nur zusätzliche Millionen für den nordamerikanischen Getränkekonzern: „Mehrweg schont natürliche Ressourcen und vermeidet Verpackungsmüll“, sagt Bereichsleiter Fischer: „Mehrweg ist Klimaschutz.“

Dass Coca-Cola übrigens weiß, wie es geht, zeigt ein „Damals versus heute“-Vergleich:

Coce_2003_2015

PS: Unser skeptischer Leser Sebastian W. fragte nach: „Ist es wirklich so, dass das gesamte Pfandgeld von nicht zurückgebrachten Flaschen zugunsten von Coca-Cola verbucht wird?“ Darauf antwortet Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe:

„Wenn der Verbraucher eine bepfandete Flasche nicht zurückgibt, verbleiben seine 25 Cent Pfandgeld beim Abfüller des Getränks. Denn dieser hat als Erstinverkehrbringer das Einwegpfand erhoben und 25 Cent beim Weiterkauf erhalten. Wird die Flasche vom Kunden nicht zurückgegeben, so muss das Pfandgeld nicht rückabgewickelt werden und verbleibt beim Abfüller.“ Also bei Coca-Cola. 

Achtung: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2015 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER