Archiv des Schlagwortes ‘SUV’

Schon wieder Audi: Mehr Ablenkung vom Klima

Donnerstag, den 2. Juli 2009

Audi entwickelt sich langsam zu unserem Liebling: Die Ingolstädter pflegen nach wie vor die Raserkultur. Konzernchef Rupert Stadler schwadroniert in Interviews, die böse Physik hindere ihn am Klimaschutz. Und mit einem Flottendurchschnitt von 176 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer für seine Neuwagen gehört die Marke unter den deutschen Autobauern (die ohnehin miese Werte haben) zu den Schlusslichtern. Die bayerische Konkurrenz von BMW etwa, die beileibe keine un“sportlichen“ Autos baut, liegt mit 160,2 Gramm zwar auch weit unter der einst feierlich verkündeten Selbstverpflichtung (140 Gramm für 2008), aber schneidet eben doch weit besser ab als die Firma mit den vier Ringen.

Nun bringt Audi seinen Straßenpanzer Q7 als „TDI clean diesel quattro“ und bewirbt ihn mit Riesenanzeigen, etwa in der Süddeutschen Zeitung.

Leider heißt „clean“ immer noch nicht klimafreundlich. Der 2,5-Tonnen-Moloch hat lediglich einen sogenannten SCR-Kat bekommen. Man könnte das Ding auch Urin-Brause nennen, denn bei dieser Technologie werden schädliche Stickoxide mittels einer Harnstofflösung in harmlosen Wasserdampf und Stickstoff umgewandelt. Weil Harnstoff vermutlich zu sehr nach Klo klingt, hat sich die deutsche Autobranche für den Zusatzstoff, der extra getankt werden muss, den hübschen Namen „AdBlue“ ausgedacht. Übrigens ist, was Audi hier anpreist, bei Lkw seit Jahren Standard – ohnehin wird dieser zusätzliche Kat nur bei Monstern wie dem Q7 gebraucht, weil bei niedrigerem Verbrauch auch die absolut anfallende Menge der Stickoxide geringer ist. Und Anlass für die Entwicklung der neuen Technologie war nicht die Umweltliebe von Audi&Co., sondern eine strenge US-Abgasnorm.

Wie gesagt: Fürs Klima, die größte umweltpolitische Herausforderung der Gegenwart, bringt das alles herzlich wenig – was dann auch aus dem Kleingedruckten der Audi-Annonce hervorgeht:

Dies ist fast das Doppelte jener 120 Gramm, die seit ein paar Tagen in der deutschen Kfz-Steuer als klimafreundlicher Schwellenwert verankert sind. So gesehen, ist der Slogan der Anzeige ganz passend:

Das ist der wahrhaftigste Audi-Werbespruch, den wir seit langem gesehen haben. Mehr Audi heißt mehr Kohlendioxid.


Porsche: Panzer fürs Arztköfferchen

Donnerstag, den 25. Dezember 2008

Hersteller von Luxusartikeln inserieren sehr gern im Deutschen Ärzteblatt, das alle deutschen Ärzte einmal wöchentlich gratis erhalten. Kürzlich schaltete dort Porsche eine Anzeige für seinen Gelände-Sport-Wagen Cayenne – und lieferte damit ein Beispiel für einen neuen Werbetrend: Wenn Grünfärberei keinen Sinn macht, weil das Produkt sich selbst beim besten Willen nicht als umweltschonend verkaufen lässt und die Zielgruppe zu intelligent erscheint, dann kokettiert man eben mit der Öko-Sünde.

„Verschwendung kann man Ihnen nun wirklich nicht vorwerfen“, lautet der Porsche-Slogan. Dabei schwant vermutlich den meisten Cayenne-Fahrern unter den Medizinern, dass es eigentlich nicht okay ist, mit so einem Zweieinhalb-Tonnen-Panzer das Arztköfferchen (oder gelegentlich auch mal die ganze Familie) durch die Gegend zu kutschieren. Im Kleingedruckten steht ja auch unübersehbar, was der Spaß für Folgen hat: Nach offizieller Messung schluckt der kleinste Cayenne 18,3 Liter auf 100 Kilometern innerorts und 9,9 Liter außerorts – und wenn man ordentlich auf die Tube drückt, kann man den Verbrauch mit dem Modell Turbo S sogar auf 66,7 Liter steigern. Wer einen Cayenne fährt, verheizt also ziemlich großzügig eine Ressource, die sich bekanntlich dem Ende zuneigt. (Und nun stelle man sich einen Notarztwagen vor, sagen wir mal im Jahr 2057, der ein schwer verletztes Kind nicht mehr in die Klinik bringen kann, weil kein Sprit mehr da ist…)

Außerdem gibt es da ja noch ein weiteres Problem: Das abgebildete Auto emittiert 310 Gramm CO2 pro Kilometer, etwa dreimal so viel wie beispielsweise ein Toyota Prius oder der VW Golf BlueMotion. Damit trägt ein Arzt im Cayenne das Dreifache zum Klimawandel bei – der laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon jetzt jährlich 150.000 Menschen das Leben kostet – als ein rücksichtsvoller Kollege.

Achja, und noch was: Der ADAC warnt, dass Geländewagen extrem gefährlich für Fußgänger sind, weil ihre Frontpartien bei Kollisionen „fahrenden Mauern“ gleichen.

Hm. Man kann also – wenn man auch bloß ein bisschen nachdenkt – Ärzten mit einem Porsche Cayenne sehr wohl Verschwendung vorwerfen. Von Menschenleben.

P.S.: Interessanterweise schaltete Mercedes-Benz kurze Zeit später ebenfalls im Ärzteblatt eine Anzeige mit dem gleichen Foto, nur seitenverkehrt.


Oder ist das doch ein anderes Auto? Der Mercedes-AMG schafft es tatsächlich, den Porsche nicht nur bei Spritverbrauch (innerorts 24,1 Liter) und CO2-Emissionen (392 Gramm/Kilometer) klar abzuhängen, sondern auch in der Dämlichkeit des Werbetextes.

P.P.S.: Allen SUV-Hassern sei als Feiertagslektüre dieser Beitrag auf Spiegel-Online empfohlen.

Danke an P.+A. B. aus Eutin und an Axel L. aus Bremen für die Hinweise


Lexus: Weniger Emissionen in der Suff-Klasse

Donnerstag, den 10. April 2008

„Mehr Leistung bei weniger Emissionen“, wirbt Lexus, die Luxusmarke aus dem Hause Toyota, zurzeit in ganzseitigen Anzeigen für sein Modell RX 400h.

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Eine so wolkige Formulierung wirft natürlich Fragen auf. Mehr Leistung als wer? Weniger Emissionen als was?

Was die Leistung angeht – das ist schnell geklärt. Denn, so beschreibt es die Internetplattform saubereAutos.at, „der Lexus hebt sich beim Gaspedal-Kickdown nahezu lautlos in eine bisher ungeahnte Art von Bewegung, die ohne Unterlass vorwärts drängt – wie ein Flieger auf der Startbahn, wenn man sich das lästige Geräusch der Triebwerke wegdenkt“.

Aha, denkt man sich, Leistung fast wie ein Flieger. Und der Verbrauch? Ganz unten auf der Seite steht das Kleingedruckte: „Niedrigste CO2-Werte in der Klasse der Premium-SUVs mit mehr als 4 Zylindern. Kraftstoffverbrauch in l/100 km: innerorts 9,1, außerorts 7,6, kombiniert 8,1; CO2-Emissionen in g/km kombiniert 192.“

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Da liegt der Lexus zwar hinter üblichen Passagierjets (wenn man die Emissionen umrechnet auf den einzelnen Passagier), aber weit vor jenem Durchschnittswert von 120 g/km, den die EU-Kommission der europäischen Neuwagenflotte ab 2012 verordnen möchte (und der auf Druck der Autolobby und willfähriger Politiker bereits verwässert wurde).

Übrigens ließ Auto Bild 2005 den Lexus RX 400h gegen einen Mercedes Diesel von ähnlichem Kaliber (ML 320 CDI) antreten. Ergebnis: „Auf der Landstraße fuhr der ML mit 8,8 Liter Diesel/100 km, der RX 400h mit 9,0 Liter Super/100 km. In der Stadt begnügte sich der Lexus mit 8,2 Litern, der Mercedes brauchte 11,5. Dann aber die Autobahn: 14,4 Liter nahm der Mercedes, der Lexus gönnte sich 23,2.“ Auch bei Focus online schneiden Diesel mit Rußpartikelfilter umweltmäßig nicht unbedingt schlechter ab als Hybridautos.

Was lernen wir daraus?

Erstens: Die Heuchel-Hybride bringen für das Klima nichts, wenn sie in Fahrzeuge der Schluckspecht-Klasse eingebaut werden. Zwei-Tonnen-Autos fahren und Sprit sparen geht nicht, jedenfalls nicht gleichzeitig.

Zweitens: Das selbst gesetzte hehre Ziel – „eines Tages einen emissionsfreien Lexus bauen zu können“ – liegt noch in weiter Ferne. Das Streben nach Vollendung (Lexus-Werbelyrik) ist in Wahrheit ein Streben zur nächsten Zapfsäule.