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ADAC-Motorwelt: Den Vereinsstatus gefährden

Samstag, den 24. Mai 2014

Erinnern Sie sich noch an Ihre Führerscheinausbildung? Den Theorieteil? Da ging es nicht immer nur um die Vorfahrt, sondern auch mal um Umweltschutz. Eine Frage spricht zum Beispiel indirekt das ökologische Desaster des fehlenden Tempolimits in Deutschland an: „Um wie viel Prozent erhöht sich bei Tempo 160 km/h im Allgemeinen der Kraftstoffverbrauch (l/100 km) eines Mittelklasse-Pkw gegenüber der Fahrt mit Richtgeschwindigkeit 130 km/h?“

(a) um bis zu 5 %
(b) um bis zu 10 %
(c) um bis zu 35 %?

Jetzt sind Sie dran!

Kleiner Hinweis gefällig? Es ist mehr, als Sie vermutlich denken!

Ja, richtig ist Antwort (c).

Für Interessierte: Die Ursache hierfür liegt in der Physik. Bewegt sich ein Objekt immer schneller durch den Raum, wächst der Luftwiderstand, gegen den das Objekt ankämpfen muss, nicht linear, sondern exponentiell. Das heißt, auch der Energiebedarf steigt mit zunehmender Geschwindigkeit nicht stetig, sondern exponentiell. Die Sprit-Verbrauchskurve schießt damit steil nach oben – und mit ihr der Treibhausgas-Ausstoß.

Fahrschulprüfung und Physikunterricht scheinen bei den Redakteuren der ADAC Motorwelt schon sehr lange zurückzuliegen. Die nämlich erklären uns in ihrer Mai-Ausgabe der Mitgliederzeitung heute schon die Mobilität von „morgen“:

Scan_ADAC-Motorwelt_zugeschnitten

„Von London nach New York in drei Stunden“, heißt es da. „Mit dem Jet Spike Aerospace S-512 soll das bald möglich werden.“ Toll! Da lohnt dann nach dem Ende der Concorde-Flüge im Jahr 2003 auch endlich wieder der Wochenendtrip über den großen Teich. Freitag um 16 Uhr Büroschluss machen und um 20 Uhr schon am Broadway schick ins Musical gehen. Und pünktlich am Sonntagabend zum „Tatort“ zurück. Natürlich nur für gut betuchte Ausflügler.

Und zwar 18 an der Zahl. So viele Fluggäste sollen maximal in den Überschall-Jet passen, der mit mehr als 1.900 Kilometern pro Stunde „durch die Luft düsen“ soll, wie der ADAC schreibt. Spaß machen soll das auch noch: Zwar wird es in der Kabine keine Fenster geben, aber die Passagiere sollen „auf Großbildschirmen wahrnehmen, was draußen los ist“. Das sei der „besondere Gag“, wie die Motorwelt-Redakteure frohlocken.

Das Klima kommt dieses locker-flockige Kontinent-Hopping mit „Gag“-Faktor teuer zu stehen. Zwar macht der US-Konzern Spike Aerospace keine Angaben zum Spritverbrauch des Überschall-Jets. Aber die Gesetze der Physik (siehe oben) wird auch er nicht aushebeln können: Die rund 1.000 km/h, die der Überschall-Jet schneller fliegt als, sagen wir, eine herkömmliche Boeing 747, werden für eine verheerende Spritverbrauchs- und ergo Klimabilanz sorgen. A propos Spritverbrauch: Die Karriere des Überschall-Vorbilds Concorde bekam erstmals während des Ölschocks in den 1970er Jahren einen empfindlichen Dämpfer. Damals gestand sogar einer der Topmanager von Air France zu, dass ihr Sprit-Durst der Concorde noch zum Verhängnis werden könnte.

Lieber ADAC, wir vom Klima-Lügendetektor haben deshalb ein paar Fragen!

1. Ihr kämpft doch darum, den Vereinsstatus behalten zu dürfen, und wollt nachweisen, im Interesse des Gemeinwohls zu handeln? Angesichts der Erderwärmung ist doch klar, dass der Spike-Aerospace-Quatsch niemals Realität werden darf. Schon heute ist der internationale Flugverkehr für mindestens fünf Prozent des menschengemachten Emissionen verantwortlich (krititische Quellen sagen sogar: 14 Prozent) – Tendenz steigend. Euch ist also das Allgemeinwohl egal, ihr wollt mit solchen Geschichten den Vereinsstatus verlieren?

2. Nach all den Lügen, die ihr euren Mitgliedern aufgetischt habt, wolltet ihr doch seriöser werden! Sagt mal: Glaubt ihr den Ultraschall-Quatsch wirklich, den ihr da als „Mobilität von morgen“ verkauft? Oder ist das genauso seriös wie eure Wahl zum „Auto des Jahres“?

3. Spike Aerospace ist seit Jahren auf der Suche nach Investoren, um ihre nicht realisierbaren Mobilitätsvorstellungen von gestern doch noch irgendwie gewinnbringend an den Mann zu bringen. Und ihr vom ADAC wollt dabei helfen? Euren Mitgliedern noch mehr Geld als ohnehin schon aus den Taschen ziehen?

4. Kann es sein, dass es sich bei der „Vision“ für MORGEN gar nicht um EURE Vision handelt, sondern nur um eine Schleichwerbung, die HEUTE Geld in die ADAC-Kassen spülen soll und deshalb nicht als solche gekennzeichnet ist? (Das nämlich ist die Vermutung des Klima-Lügendetektors, die wir allerdings nicht als solche bezeichnen können – weil sie nicht beweisbar ist! Wir fragen deshalb nach.)

Antworten schicken Sie bitte an unser Hinweis-Portal! Sie können gewiss sein: Wir veröffentlichen sie!

PS: Die Arbeit des Klima-Lügendetektors wird seit 2011 von seiner Leserschaft finanziert. Noch aber fehlt Geld, um die Recherche auch 2014 unabhängig zu leisten. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


ADAC: Brüllen für Mercedes

Mittwoch, den 8. Juni 2011

Stolz vermeldet der Allgemeine Deutsche Automobilclub  (ADAC) 494.000 neue Mitglieder,  die er im vergangenen Jahr gewonnen habe. Macht nunmehr 17,4  Millionen Beitragszahler.  Damit ist der ADAC der zweitgrößte Automobilclub der Welt (nach dem US-amerikanischen), und damit ist die Verbandszeitschrift das auflagenstärkste Druck-Organ, das es in der Bundesrepublik überhaupt gibt.

Auch wenn es ein wenig angestaubt klingt: „Druck-Organ“ ist die genau richtige  Bezeichnung für die „Motorwelt“, wie das ADAC-Blatt heißt. Nach eigenen Angaben erreicht es mit einer Gesamtauflage von monatlich 13.970.057 Exemplaren mehr als ein Viertel aller Deutschen. Nach dem Motto „Es steht in der Motorwelt, also stimmt es“ versucht der ADAC, die Meinung des motorisierten Deutschlands zu prägen.

In der Juni-Ausgabe heißt es beispielsweise:

Wie jetzt:  Mercedes verteidigt Platz 1? Der ADAC schreibt: Mercedes habe es geschafft, „durch neu entwickelte sparsame Diesel, Start-Stopp-Automatik, Hybridtechnik und das Ersetzen großvolumiger Motoren durch kleinere die CO2-Werte der Flotte drastisch zu senken“. Und weiter: „Die C-Klasse kommt nach ihrem Face-Lifting auf einen CO2-Ausstoß von rund 147 g/km und hat damit die Hauptkonkurrenten Audi A4 (170 g) und BMW Dreier (172 g) klar überholt. In der Umweltwertung des AutoMarxX punktet Mercedes mit der Traumnote von 1,5.“ Der Automobilclub urteilt:

Das aber ist wirklich sehr verwunderlich. Der EU-Internetdienst Europe’s Energy Portal kommt nämlich zu ganz anderen Schlüssen in der C-Klasse: Beispielsweise stoßen C-Klasse-Wagen des Typs 63 AMG 319 Gramm je Kilometer aus. Der 350er Elegance ist mit 232 Gramm genauso Klimasünder wie das 350er Coupe. Das CL-Klasse-Coupe 63 AMG sorgt für 355 Gramm je Kilometer, der Geländewagen ML 63 AMG sogar für sagenhafte 390 Gramm, und und und …

Aber wie sieht eigentlich die ADAC-Wertung für kleinere Autos aus, etwa Fiat? „Weil die Umweltbewertung nach Fahrzeugklassen erfolgt, hat Fiat hier eine vergleichsweise schlechte Note (2,7)“, so das ADAC-Organ. „Zwar stellen die Turiner fast nur kleinere Fahrzeuge her und haben absolut gesehen keine so hohen CO2-Werte. Von Kleinwagen erwartet der ADAC aber deutlich bessere Zahlen, das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft.“ Die Italiener kommen im ADAC-Ranking gerade so auf Platz 29.

Schräg nur, dass just diese Woche die französischen Behörde für Umwelt und Energiesicherheit ADEME einen Bericht über den Kohlendioxid-Ausstoß der europäischen Autoflotten vorgestellt hat. Europas klimafreundlichster Autobauer bringt es – die gesamte Produktpalette in die Berechnung einbezogen – auf durchschnittlich 122 Gramm je Kilometer. Das sind heute schon acht Gramm weniger, als die EU für das Jahr 2015 als Grenzwert festgelegt hat. Der Name des Autobauers: Fiat.

Das Motto des ADAC lautet also offenbar: Man muss nur mit der knalligsten Überschrift laut und auflagenstark genug fürs grüne Image von Mercedes brüllen, dann glaubt es die Auto-Nation Nr. 1 auch irgendwann!

P.S.: Die französische Untersuchung hat übrigens auch Länderwerte ermittelt. Den geringsten CO2-Ausstoß je Kilometer haben demnach die Portugiesen (mit 129 g), der europäische Durchschnitt lag 2010 bei 141 Gramm – die deutschen Autofahrer (und ADAC-Mitglieder) gehören mit durchschnittlich 152 Gramm je Kilometer zu den Schlusslichtern.


Porsche: Panzer fürs Arztköfferchen

Donnerstag, den 25. Dezember 2008

Hersteller von Luxusartikeln inserieren sehr gern im Deutschen Ärzteblatt, das alle deutschen Ärzte einmal wöchentlich gratis erhalten. Kürzlich schaltete dort Porsche eine Anzeige für seinen Gelände-Sport-Wagen Cayenne – und lieferte damit ein Beispiel für einen neuen Werbetrend: Wenn Grünfärberei keinen Sinn macht, weil das Produkt sich selbst beim besten Willen nicht als umweltschonend verkaufen lässt und die Zielgruppe zu intelligent erscheint, dann kokettiert man eben mit der Öko-Sünde.

„Verschwendung kann man Ihnen nun wirklich nicht vorwerfen“, lautet der Porsche-Slogan. Dabei schwant vermutlich den meisten Cayenne-Fahrern unter den Medizinern, dass es eigentlich nicht okay ist, mit so einem Zweieinhalb-Tonnen-Panzer das Arztköfferchen (oder gelegentlich auch mal die ganze Familie) durch die Gegend zu kutschieren. Im Kleingedruckten steht ja auch unübersehbar, was der Spaß für Folgen hat: Nach offizieller Messung schluckt der kleinste Cayenne 18,3 Liter auf 100 Kilometern innerorts und 9,9 Liter außerorts – und wenn man ordentlich auf die Tube drückt, kann man den Verbrauch mit dem Modell Turbo S sogar auf 66,7 Liter steigern. Wer einen Cayenne fährt, verheizt also ziemlich großzügig eine Ressource, die sich bekanntlich dem Ende zuneigt. (Und nun stelle man sich einen Notarztwagen vor, sagen wir mal im Jahr 2057, der ein schwer verletztes Kind nicht mehr in die Klinik bringen kann, weil kein Sprit mehr da ist…)

Außerdem gibt es da ja noch ein weiteres Problem: Das abgebildete Auto emittiert 310 Gramm CO2 pro Kilometer, etwa dreimal so viel wie beispielsweise ein Toyota Prius oder der VW Golf BlueMotion. Damit trägt ein Arzt im Cayenne das Dreifache zum Klimawandel bei – der laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon jetzt jährlich 150.000 Menschen das Leben kostet – als ein rücksichtsvoller Kollege.

Achja, und noch was: Der ADAC warnt, dass Geländewagen extrem gefährlich für Fußgänger sind, weil ihre Frontpartien bei Kollisionen „fahrenden Mauern“ gleichen.

Hm. Man kann also – wenn man auch bloß ein bisschen nachdenkt – Ärzten mit einem Porsche Cayenne sehr wohl Verschwendung vorwerfen. Von Menschenleben.

P.S.: Interessanterweise schaltete Mercedes-Benz kurze Zeit später ebenfalls im Ärzteblatt eine Anzeige mit dem gleichen Foto, nur seitenverkehrt.


Oder ist das doch ein anderes Auto? Der Mercedes-AMG schafft es tatsächlich, den Porsche nicht nur bei Spritverbrauch (innerorts 24,1 Liter) und CO2-Emissionen (392 Gramm/Kilometer) klar abzuhängen, sondern auch in der Dämlichkeit des Werbetextes.

P.P.S.: Allen SUV-Hassern sei als Feiertagslektüre dieser Beitrag auf Spiegel-Online empfohlen.

Danke an P.+A. B. aus Eutin und an Axel L. aus Bremen für die Hinweise