Archiv des Schlagwortes ‘Fliegen’

SPD: Den Anfänge(r)n wehren

Mittwoch, den 16. Oktober 2019

„Alle reden über Klimaschutz: Wir setzen ihn seit 35 Jahren um.“

Mit diesem Slogan warb die Union für Stimmen zur Europawahl. Das Ergebnis ist bekannt, CDU/CSU fuhren ihr schlechtestes Wahlresultat ever ein.

Für die SPD lief es sogar noch schlechter. Trotzdem dachten sich die Sozialdemokraten, dass der Spruch zum Klimaschutz ganz gut ist – und schrieben ihn jetzt bei der Union ab:

Alle reden über Klimaschutz: Die SPD legt jetzt los?

Wir haben mal kurz im Archiv nachgeschlagen und deshalb ein paar Fragen an die Genossen:

  • War es nicht euer Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der vor 12 Jahren das neue Klimaziel für Deutschland ausrief? Minus 40 Prozent bis 2020 – hat er das nur so dahingesagt, oder wollte Gabriel loslegen?
  • Haben eure Spitzenpolitiker nicht im August 2007 auf Schloss Meseberg das „Integrierte Energie- und Klimaprogramm – IEKP“ verabschiedet, um loszulegen mit dem Klimaschutz? Wie formulierte es der spätere SPD-Vorsitzende damals doch gleich: „Ein solch umfassendes und weitreichendes Klima- und Energiepaket hat es in der Geschichte unseres Landes noch nicht gegeben.“
  • Wie lautet gleich nochmal die Passage, die ihr euch zum neuen Aufbruch, zur zweiten GroKo 2013 in den Koalitionsvertrag geschrieben hattet? „National wollen wir die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um mindestens 40 Prozent gegenüber dem Stand 1990 reduzieren.“
  • War es nicht euer Parteivorsitzender, der 2014 mit mutiger Politik loslegte, um das beschlossene Klimaschutz-Ziel zu erreichen? Grafisch sah das damals so aus: Bild
  • Mit dem „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020″, das 2014 eure Bundesumweltministerin Barbara Hendricks erarbeitet hatte, wolltet ihr gar nicht loslegen? Wofür war es denn dann gedacht?
  • „Wir müssen mehr tun“, forderte ebenjene SPD-Spitzenpolitikerin Hendricks vor der Klimakonferenz 2015 in Paris. Und da legt ihr erst jetzt los?
  • War es nicht eure Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, die all eure Bemühungen, all euren Kampf für den Klimaschutz 2017 stolz zusammenfasste:

Alle reden über Klimaschutz: Ihr aber legt jetzt los! Das ist phantastisch, denn „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“!

Mal gucken, wie die SPD heute für den Klimaschutz losgelegt hat. Beschlossen wurden höhere Steuern auf Flugtickets, eine höhere Pendlerpauschale und günstigere Bahntickets. Konkret wird jeder Kurzstreckenflug 5,53 € teurer, Pendler bekommen ab dem 20. Kilometer 5 Cent mehr, Bahntickets sollen 12 Prozent günstiger werden.

Die Sozialdemokraten hätten ob dieser Peinlichkeit schweigen können. Sie hätten notfalls behaupten können, mehr sei aus dem Koalitionspartner nicht herauszuholen gewesen. Sie hätten versprechen können, die nächsten Schritte konsequenter, mutiger anzugehen. Aber die SPD verkauft das als den Aufbruch.

Principiis obsta. Sero medicina parata, cum mala per longas convaluere moras“, heißt es bei Ovid: Wehre den Anfängen! Zu spät wird die Medizin bereitet, wenn die Übel durch langes Zögern erstarkt sind. Und wenn erwiesenermaßen nicht wirksame Substanzen der Medizin auch noch beim politischen Konkurrenten abgeschrieben werden, kann es nur heißen:

Wehret den Anfängern!

Vielen Dank an Lucia C. aus Karlsruhe für den Hinweis!


Bundesregierung: Berlin zur deutschen Hauptstadt machen

Dienstag, den 23. Juli 2019

Das französische Umweltministerium in Lyon erwägt gerade, das klimaschädliche Fliegen teurer zu machen.

Ähhh: Stopp!! Da haben sich zwei Fehler eingeschlichen!

Erstens nämlich hat Frankreich längst gehandelt:

Zweitens ist das französische Umweltministerium – das Ministère de la Transition écologique et solidaire – gar nicht in Lyon ansässig! Schließlich sitzt das britische Umweltministerium ja auch in London, das russische Umweltministerium selbstverständlich in Moskau, das tschechische natürlich in Prag.

Richtig müsste der Satz lauten: „Das deutsche Umweltministerium in Bonn erwägt gerade, das klimaschädliche Fliegen teurer zu machen.“

Wer jetzt glaubt, dass da immer noch ein Fehler liegt, der irrt! Erster Dienstsitz des deutschen Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit ist nämlich Bonn:

Auch im 29. Jahr nach der deutschen Wiedervereinigung sitzen deutsche Ministerien noch in Bonn. Sechs Ministerien residieren am Rhein: das Bundesverteidigungsministerium, das Landwirtschaftsministerium, das Gesundheits- und das Bildungsministerium, das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und eben das Bundesumweltministerium. Alle anderen Ressorts unterhalten einen zusätzlichen Dienstsitz in Bonn.

Dienstlich sind die Mitarbeiter des Bundesumweltministeriums bislang in diesem Jahr 1740 Mal zwischen Bonn und Berlin hin- und hergeflogen. Insgesamt summieren sich die Dienstflüge der Regierungsbeamten zwischen Bonn und Berlin jährlich auf unglaubliche 230.000 Luftgänge.

Es ist ja nett, wenn die Bundesregierung in Person ihrer Umweltministerin darüber nachdenkt, wie man das klimaschädliche Fliegen teurer machen kann. Wäre es nicht aber angebracht, Berlin erst einmal zur deutschen Hauptstadt zu machen? Und das nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes?


Lufthansa: Die Balance suchen

Donnerstag, den 7. Juli 2016

Urlaubszeit!

Endlich mal Zeit, die Seele baumeln zu lassen. Denn schließlich gilt:

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Im Persönlichen wie im Allgemeinen:

Der Ausriss entstammt einer Lufthansa-Anzeige. Fliegen ist die klimaschädlichste aller Mobilitätsarten. Während ein Bahnreisender pro Personenkilometer im Fernverkehr 45 Gramm Kohlendioxid verursacht, sind es bei einem Flugreisenden 231 Gramm pro Kilometer – mehr als das Fünffache. Eine Flugreise nach Lissabon verursacht 1,2 Tonnen Kohlendioxid, fast so viel, wie das Leben eines Inders binnen eines Jahres verursacht. Derzeit ist der Flugverkehr weltweit für zwei Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, Tendenz stark steigend.

„Wer fliegt, zerstört das Leben anderer Menschen“, sagt der britische Umweltaktivist George Monbiot. Das mag rigoros klingen, aber es ist die Wahrheit. Flugzeuge verursachen nicht nur Kohlendioxid, sondern auch andere Treibhausgase, die noch dazu in besonders sensiblen Schichten der Erdatmosphäre ausgebracht werden: Stickoxide zum Beispiel, Sulfat-Aerosole oder auch Rußpartikel und Wasserdampf. Die Konsequenzen sind, so die UNO in ihrem Weltklimabericht, „steigende Zahlen von Todesfällen, Verletzungen und Erkrankungen durch Hitzewellen, Überschwemmungen, Stürmen, Waldbränden und Dürren“.

Insofern ist löblich, was uns die Lufthansa verspricht. Nichts anderes als

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Dummerweise ist das Lufthansa-Versprechen einige Zeit her, die Anzeige fanden wir in der Wochenpost, der „Zeitung für Politik, Kultur, Wirtschaft, Unterhaltung“, die am 23. Dezember 1996 zum letzten Male erschien:

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Unsere Welt braucht Balance.

Leider galt das bei der Lufthansa gestern. 20 Jahre später nämlich macht die Lufthansa „Geschäft um des Geschäfts willen“. Pfeif doch auf den Klimaschutz! Man kann jetzt beispielsweise für 99 Euro von Frankfurt am Main nach Stuttgart fliegen:

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Wir hoffen, dass Sie in diesem Sommer Ihre Balance finden! Genauso wie die Lufthansa.

Deshalb verabschiedet sich der Klima-Lügendetektor jetzt erst einmal – ohne Flug – in die Sommerpause.

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2016 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER.


ADAC-Motorwelt: Den Vereinsstatus gefährden

Samstag, den 24. Mai 2014

Erinnern Sie sich noch an Ihre Führerscheinausbildung? Den Theorieteil? Da ging es nicht immer nur um die Vorfahrt, sondern auch mal um Umweltschutz. Eine Frage spricht zum Beispiel indirekt das ökologische Desaster des fehlenden Tempolimits in Deutschland an: „Um wie viel Prozent erhöht sich bei Tempo 160 km/h im Allgemeinen der Kraftstoffverbrauch (l/100 km) eines Mittelklasse-Pkw gegenüber der Fahrt mit Richtgeschwindigkeit 130 km/h?“

(a) um bis zu 5 %
(b) um bis zu 10 %
(c) um bis zu 35 %?

Jetzt sind Sie dran!

Kleiner Hinweis gefällig? Es ist mehr, als Sie vermutlich denken!

Ja, richtig ist Antwort (c).

Für Interessierte: Die Ursache hierfür liegt in der Physik. Bewegt sich ein Objekt immer schneller durch den Raum, wächst der Luftwiderstand, gegen den das Objekt ankämpfen muss, nicht linear, sondern exponentiell. Das heißt, auch der Energiebedarf steigt mit zunehmender Geschwindigkeit nicht stetig, sondern exponentiell. Die Sprit-Verbrauchskurve schießt damit steil nach oben – und mit ihr der Treibhausgas-Ausstoß.

Fahrschulprüfung und Physikunterricht scheinen bei den Redakteuren der ADAC Motorwelt schon sehr lange zurückzuliegen. Die nämlich erklären uns in ihrer Mai-Ausgabe der Mitgliederzeitung heute schon die Mobilität von „morgen“:

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„Von London nach New York in drei Stunden“, heißt es da. „Mit dem Jet Spike Aerospace S-512 soll das bald möglich werden.“ Toll! Da lohnt dann nach dem Ende der Concorde-Flüge im Jahr 2003 auch endlich wieder der Wochenendtrip über den großen Teich. Freitag um 16 Uhr Büroschluss machen und um 20 Uhr schon am Broadway schick ins Musical gehen. Und pünktlich am Sonntagabend zum „Tatort“ zurück. Natürlich nur für gut betuchte Ausflügler.

Und zwar 18 an der Zahl. So viele Fluggäste sollen maximal in den Überschall-Jet passen, der mit mehr als 1.900 Kilometern pro Stunde „durch die Luft düsen“ soll, wie der ADAC schreibt. Spaß machen soll das auch noch: Zwar wird es in der Kabine keine Fenster geben, aber die Passagiere sollen „auf Großbildschirmen wahrnehmen, was draußen los ist“. Das sei der „besondere Gag“, wie die Motorwelt-Redakteure frohlocken.

Das Klima kommt dieses locker-flockige Kontinent-Hopping mit „Gag“-Faktor teuer zu stehen. Zwar macht der US-Konzern Spike Aerospace keine Angaben zum Spritverbrauch des Überschall-Jets. Aber die Gesetze der Physik (siehe oben) wird auch er nicht aushebeln können: Die rund 1.000 km/h, die der Überschall-Jet schneller fliegt als, sagen wir, eine herkömmliche Boeing 747, werden für eine verheerende Spritverbrauchs- und ergo Klimabilanz sorgen. A propos Spritverbrauch: Die Karriere des Überschall-Vorbilds Concorde bekam erstmals während des Ölschocks in den 1970er Jahren einen empfindlichen Dämpfer. Damals gestand sogar einer der Topmanager von Air France zu, dass ihr Sprit-Durst der Concorde noch zum Verhängnis werden könnte.

Lieber ADAC, wir vom Klima-Lügendetektor haben deshalb ein paar Fragen!

1. Ihr kämpft doch darum, den Vereinsstatus behalten zu dürfen, und wollt nachweisen, im Interesse des Gemeinwohls zu handeln? Angesichts der Erderwärmung ist doch klar, dass der Spike-Aerospace-Quatsch niemals Realität werden darf. Schon heute ist der internationale Flugverkehr für mindestens fünf Prozent des menschengemachten Emissionen verantwortlich (krititische Quellen sagen sogar: 14 Prozent) – Tendenz steigend. Euch ist also das Allgemeinwohl egal, ihr wollt mit solchen Geschichten den Vereinsstatus verlieren?

2. Nach all den Lügen, die ihr euren Mitgliedern aufgetischt habt, wolltet ihr doch seriöser werden! Sagt mal: Glaubt ihr den Ultraschall-Quatsch wirklich, den ihr da als „Mobilität von morgen“ verkauft? Oder ist das genauso seriös wie eure Wahl zum „Auto des Jahres“?

3. Spike Aerospace ist seit Jahren auf der Suche nach Investoren, um ihre nicht realisierbaren Mobilitätsvorstellungen von gestern doch noch irgendwie gewinnbringend an den Mann zu bringen. Und ihr vom ADAC wollt dabei helfen? Euren Mitgliedern noch mehr Geld als ohnehin schon aus den Taschen ziehen?

4. Kann es sein, dass es sich bei der „Vision“ für MORGEN gar nicht um EURE Vision handelt, sondern nur um eine Schleichwerbung, die HEUTE Geld in die ADAC-Kassen spülen soll und deshalb nicht als solche gekennzeichnet ist? (Das nämlich ist die Vermutung des Klima-Lügendetektors, die wir allerdings nicht als solche bezeichnen können – weil sie nicht beweisbar ist! Wir fragen deshalb nach.)

Antworten schicken Sie bitte an unser Hinweis-Portal! Sie können gewiss sein: Wir veröffentlichen sie!

PS: Die Arbeit des Klima-Lügendetektors wird seit 2011 von seiner Leserschaft finanziert. Noch aber fehlt Geld, um die Recherche auch 2014 unabhängig zu leisten. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


Die Bahn: Von der Schiene auf die Straße

Freitag, den 25. April 2014

Heute geht es um die Deutsche Bahn. Die wirbt im Internet mit folgendem Angebot:

bahnDer Autozug ist eine ziemlich privilegierte Form moderner Mobilität: Wer nicht ohne sein eigenes Auto sein kann, Kilometer aber dennoch hundertfach und unfallfrei wegschrubben möchte, der parkt in München, Berlin, Hamburg oder Düsseldorf seinen Pkw auf einem Spezial-Waggon der Deutschen Bahn. Um dann umweltschonend und klimafreundlicher und ganz entspannt im Liegewagen durch das Land zu rauschen. Motto der Bahn: „Sie machen Urlaub, wir machen Strecke“:

bahn2Dummerweise ist das klimaschädliche Fliegen auf vielen Strecken viel billiger als der Autozug: Ein Einzelplatz im Liegewagen, 5er Belegung, kostet von Berlin nach München 156,50 Euro. Wer intimer im Schlafwagen reisen möchte, muss für diese Strecke sogar 256,50 Euro zahlen. Zudem sind die Mietwagen immer billiger geworden, weshalb die Kombination Fliegen plus Mietwagen am Zielort oft die gleiche Mobilität ermöglicht – sieht man mal vom eigenen Auto ab.

Der Autozug ist deshalb ganz schön unter Druck geraten, an diesem Freitag beispielsweise waren es gerade noch ein Dutzend Fahrgäste, die in Berlin die Schlafwagenabteile Richtung München enterten. „Leider werden es immer weniger Kunden“, klagt Bahnsprecher Jürgen Kornmann, „und deswegen haben wir in den letzten Jahren hier rote Zahlen geschrieben.“

Ein Grund wohl, warum die Bahn ihr Angebot nun umgestellt hat. Seit diesem Samstag werden die Autos per Lkw nach München transportiert. „DB Autozug: Benzin sparen und Umwelt schonen“ – das war einmal, die Bahn verlagert neuerdings ihren Verkehr von der Schiene auf die Straße.

Die Bahn nennt den Autozug jetzt Betriebskonzept „Auto+Zug“, aus dem Zug sind zwei mobile Einheiten geworden, die gleichzeitig nach München rollen auf Schiene und Straße. Aber das hängt die Bahn lieber nicht an die große Glocke: Auf der Webseite „So funktioniert Autozug“ werden die Autos immer noch auf die Spezialwaggons gefahren, die es im wirklichen Leben zwischen Berlin, Düsseldorf und München gar nicht mehr gibt.

Das ist nichts anderes als Betrug!

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Tagesspiegel: Ein wenig schwanger

Mittwoch, den 2. April 2014

Das Fliegen ist bekanntlich die klimaschädlichste Art des Reisens: Zum einen ist es gegenüber den meisten anderen Verkehrsträgern relativ energieaufwendig, sodass der Treibhausgas-Ausstoß ohnehin sehr hoch ist. Zum anderen entstehen zusätzlich Kondensstreifen und Stickoxide durch die Kerosin-Verbrennung in den Flugzeugtriebwerken – was die Treibhauswirksamkeit vervierfacht.

Insofern interessiert sich auch die Redaktion des Klima-Lügendetektors für den Pilotenstreik und die veröffentlichte Meinung dazu. Im Berliner Tagesspiegel ist auf der Kommentarseite zu lesen:

tagesspiegel
Der Kommentator führt aus, dass die Piloten „sehr komfortabel vergütet“ werden, dass sie an „Besitzständen“ festhalten wollen und „ihrem Arbeitgeber massiv“ schaden. Fazit: „Insofern ist der Kurs der Piloten wenig nachhaltig“. Und das wurde dann schlagzeilengebend.

„Wenig nachhaltig“ ist in etwa dasselbe wie „ein bisschen schwanger“: großer Unfug. Entweder ist etwas nachhaltig oder es ist nicht nachhaltig. “Wenig schwanger“ würde der Kollege vom Tagesspiegel bestimmt nicht schreiben!

Das Wort „nachhaltig“ ist zerfleddert wie kaum ein anderes in unserer Sprache: Die Deutsche Bank will nachhaltig Wert schaffen: für unsere Kunden und Mitarbeiter, unsere Aktionäre“ – und spekulierte deshalb mit Lebensmitteln und finanziert die Atmosphärenschädigung durch Kohlekraft. Vattenfall behauptet, sich laufend und intensiv darum zu bemühen, „unsere Aktivitäten gesellschaftlich nachhaltig zu gestalten“ – und will noch mehr Menschen vertreiben, um ihre Heimat wegzubaggern. Daimler erhielt für Deutschlands nachhaltigstes Produkt 2010 den Nachhaltigkeitspreisund baut weiter die schlimmsten Klimasünder. Der FC Bayern ist selbstverständlich „nachhaltig rentabel“. Und das Wikiwörterbuch Wiktionary hat sogar eine Steigerung zu bieten: nachhaltig, nachhaltiger, am nachhaltigsten. Schwanger, schwangerer, am schwangersten …

Für das ständige Missbrauchen des Begriffs nachhaltig ist die Verkürzung der Wortbedeutung verantwortlich. Nachhaltig bedeutet eben nicht „anhaltend, lange nachwirkend, dauernd“, wie uns Wörterbücher glauben machen wollen. Nachhaltig geht auf ein Handlungsprinzip aus der Forstwirtschaft zurück, das die natürliche Regenerationsfähigkeit eines Waldes ins Zentrum rückt: Abgeholzt werden darf nie mehr als nachwachsen kann. Im 18. Jahrhundert im sächsischen Freiberg entwickelt, entdeckte dieses Prinzip die Brundtland-Kommission der UNO in den 1980er Jahren wieder: Eine nachhaltige Entwicklung sei eine, „Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“, heißt es im Bericht „Our Common Future“.

Nachhaltig im Zusammenhang mit Flugzeugen und dem Kurs der Piloten wäre also allenfalls, wenn die für immer am Boden blieben. Oder wenigstens innerdeutsche Flüge unterbleiben würden. Und die atmosphärenschädigenden Emissionen aus der Luftfahrt endlich einmal sinken würden, statt immer nur zu steigen. Statt „Wenig nachhaltig“ könnte der Tagesspiegel dann titeln: „Richtig schwanger“.

Das wäre dann immerhin sprachlich korrekt.


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