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Luftfahrtindustrie: Das Entscheidende weglassen

Freitag, den 29. April 2016

Heute geht es um die Hippies. Also, zumindest um das, was sich verspießerte Werbetreibende und die Luftfahrtindustrie darunter vorstellen:

flieg

Dieser Schauspieler (der angesichts seiner schauspielerischen Leistung in seinem Leben garantiert noch nie ein Hippie-Gefühl unterm Hemd oder den Haaren genießen durfte) hat da mal was vorbereitet. „Ready fürs Festival?“

Autobahn? Oder doch lieber am Meer entlang? Aber die Spritkosten! Und die Maut!!

Aber zum Glück ist ja die Marie auch noch da: „Fliegen ist das neue Öko“.

Glauben Sie jetzt nicht? Ist aber so: „Pro Passagier verbrauchten die Flugzeuge der Mitglieder des Bundesverbandes der deutschen Luftverkehrswirtschaft e.V. im Jahr 2013 für alle In- und Auslandsflüge insgesamt durchschnittlich 3,68 Liter Treibstoff auf 100 Kilometer“, heißt es im Kleingedruckten des Verbandes am Ende des Werbespots:

flie

Wow, 3,68 Liter auf 100 Kilometer! Schafft Ihr Auto garantiert nicht!

Ein lehrbuchmäßiges Beispiel für gute Werbung. Gute Werbung lügt nämlich nicht, gute Werbung lässt einfach die lästigen Details weg. 

In diesem Fall wird unterschlagen, dass sich Verbrennungsabgase von Flugzeugen in großer Höhe weitaus schädlicher aufs Klima auswirken als etwa solche von Autos am Boden. Und zwar deshalb, weil beim Fliegen unter anderem Kondensstreifen und Zirruswolken (Eiswolken) entstehen, die in viel beflogenen Regionen oft den ganzen Himmel bedecken können und verhindern, dass Wärme von der Erdoberfläche in den Weltraum zurückgestrahlt wird. Sie vergrößern somit den Treibhauseffekt, der durch die Verbrennung des Kerosins allein entsteht.

Um die wirkliche Klimawirkung abzuschätzen, muss der Spritverbrauch von Flugzeugen deshalb mit dem sogenannten RFI-Faktor multipliziert werden. Atmosfair nimmt dafür die Zahl 2,7 an, laut Umweltbundesamt ist der gesamte Klimaeffekt des Luftverkehrs sogar drei- bis fünfmal so groß wie der reine CO2-Effekt.

Aber eine dermaßen komplizierte Erläuterung passt natürlich schlecht in eine Werbeanzeige.

So bleibt die Suggestion, Flugzeuge seien nicht schlimmer fürs Klima als ein total ökoeffizientes Auto. Dass ist natürlich Quatsch, zumal mit dem Flugzeug dann auch viel weitere Strecken zurückgelegt werden als mit einem Kleinwagen: Eine Reise nach New York und zurück schlägt inklusive RFI-Faktor laut Atmosfair-Ausgleichsrechner mit 3.158 Kilogramm CO2-Äquivalent zu Buche – das „klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen“ liegt bei gerade mal 2.300 Kilogramm.

Danke an Michael H. und Karsten S. aus Hamburg für den Hinweis


Air Berlin: Das Kerosinsparwunder und die Details

Donnerstag, den 4. Oktober 2012

Toll! 3,5 Liter auf 100 Kilometer sind doch wirklich gut! Vor allem, wenn es sich nicht um einen Kleinwagen handelt, sondern ein ausgewachsenes Flugzeug. Air Berlin, die (noch) von dem früheren Bahnchef Hartmut Mehdorn gemanagte Airline, wirbt gerade in großen Anzeigen mit der Ökoeffizienz ihrer Flugzeugflotte. Schlappe 3,5 Liter pro 100 Passagierkilometer schlügen bei Air Berlin spritmäßig zu Buche, heißt es. Damit sei die Fluggesellschaft so „ökoeffizient wie kein anderer Netzwerk-Carrier in Europa“. Super, denkt sich der von seinem schlechten grünen Gewissen geplagte Leser, da könnte man ja vielleicht doch wieder etwas öfter in den Flieger steigen.

Noch stolzer als auf den Kerosinverbrauch seiner Flotte ist Air Berlin offenbar auf ÖkoGlobe, den, wie es auf der dazugehörigen Homepage heißt,  „ersten internationalen Umweltpreis für Mobilität“. Wie, Sie haben auch noch nichts von dem Preis gehört? Das liegt vielleicht daran, dass er von drei Firmen mit sagenhafter Öko-Kompetenz finanziert wird, der Versicherung DEVK, dem TÜV Rheinland und dem Finanzverlag (u.a. Euro am Sonntag). Ins Leben gerufen wurde der Preis von dem Kölner Aktionskünstler HA Schult, der vor langer Zeit einiges Aufsehen erregte, als er auf das Kölner Stadtmuseum ein Auto mit goldenen Flügeln setzte, um, wie er erklärte, auf den „Fetisch Auto“ aufmerksam zu machen. Ach ja, Wikipedia erinnert uns daran, dass Schult 2009 für eine Fortsetzung von Angela Merkels Kanzlerschaft warb.

Nun, jenseits irgendwelcher Preise bemüht sich Air Berlin offenbar wirklich um Effizienz. Das hat auch die Klima-Ausgleichsagentur Atmosfair herausgefunden, in deren Umweltranking es Air Berlin dieses Jahr immerhin auf Platz 13 (von 125 Fluggesellschaften) schaffte. Im Internet listet Air Berlin eine ganze Latte ökologischer Maßnahmen auf: höhere Reiseflughöhe, größere Genauigkeit beim Landeanflug, Leichtbausitze zur Gewichtsverringerung und ein papierarmes Cockpit (Flugkarten und Bord-Handbücher werden auf Computern angezeigt). Außerdem sei die eigene Flugzeugflotte mit fünf Jahren viel jünger als die der meisten Konkurrenten (globaler Durchschnitt: 14 Jahre).

So weit, so gut. Allerdings gibt es da schon noch ein paar Details, die Air Berlin verschweigt. Denn gute Werbung lügt nicht, wie regelmäßige Leserinnen und Leser wissen, sondern lässt einfach Dinge weg. Zur Wahrheit der„ökoeffzienten“ Fliegerei gehört nämlich auch, dass sich Verbrennungsabgase von Flugzeugen in großer Höhe weitaus schädlicher aufs Klima auswirken als etwa solche von Autos am Boden. Und zwar deshalb, weil beim Fliegen unter anderem Kondensstreifen und Zirruswolken (Eiswolken) entstehen, die in viel beflogenen Regionen oft den ganzen Himmel bedecken können und verhindern, dass Wärme von der Erdoberfläche in den Weltraum zurückgestrahlt wird. Sie vergrößern somit den Treibhauseffekt, der durch die Verbrennung des Kerosins allein entsteht. Um die wirkliche Klimawirkung abzuschätzen, muss der Spritverbrauch von Flugzeugen deshalb mit dem sogenannten RFI-Faktor multipliziert werden. Atmosfair nimmt dafür die Zahl 2,7 an, laut Umweltbundesamt ist der gesamte „Strahlungsantrieb“ (Klimaeffekt) des Luftverkehr sogar drei bis fünf mal so groß sei wie der reine CO2-Effekt.

Aber eine derart komplizierte Erläuterung passt natürlich schlecht in eine Werbeanzeige.

So bleibt die Suggestion, Flugzeuge seien nicht schlimmer fürs Klima als ein total ökoeffizientes Auto. Dass ist natürlich Quatsch, zumal mit dem Flugzeug viel weitere Strecken zurückgelegt werden als mit einem Kleinwagen: Schickte man ein Auto mit Durchschnittsverbrauch von 3,5 l/100 km auf die 6.380 Kilometer weite Reise nach New York und zurück, käme sowieso ganz schön was zusammen an Abgasen. Inklusive RFI-Faktor ermittelt der Atmosfair-Ausgleichsrechner sogar 4.260 Kilogramm CO2-Äquivalentdas „klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen“ liegt bei gerade mal 3 000 Kilogramm.