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Leonie: Falsch eingeparkt

Montag, den 12. Oktober 2020

Heute erreichte den Klima-Lügendetektor eine ungewöhnliche Anfrage:

Leonie von „ParkenAmFlughafen“ möchte auf dem Klima-Lügendetektor gern eine Anzeige mit dem Ankertext „Parken Flughafen Düsseldorf“ veröffentlichen. Das überrascht gleich in mehrerlei Hinsicht:

Erstens scheint es so, dass es immer noch Zeitgenossen gibt, die mit dem Auto zum Flughafen fahren – und ihre Vierräder dann für die Dauer der Reise dort kostenpflichtig stehen lassen. Das flasht uns vom Klima-Lügendetektor total: Dem Vernehmen nach sind doch auch Flugreisende auf Schnäppchen aus. Warum also für 64 € am Ring parken, wenn der Trip nach Malaga nur doppelt so teuer ist?

Egal ob in Frankfurt am Main, Köln, Wien, Hamburg oder demnächst in Berlin: Flughäfen sind gut mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar. Warum also sollte jemand so deppert sein, mit dem Auto zum Flughafen zu fahren?

Zweitens gibt es derzeit doch sicherlich genügend freie Parkplätze an den Flughäfen? Wegen Corona ist der Luftverkehr sehr stark eingeschränkt. Man kann das gut an den Flugbewegungen sehen. Das erste Bild stammt aus dem Vor-Corona-Leben:

Das zweite zeigt die zivilen Flugbewegungen danach:

Warum in aller Welt will Leonie ausgerechnet jetzt für den Parkraum einer längst überkommenen Mobilität werben?

Drittens hat der Klima-Lügendetektor noch nie eine Anzeige veröffentlicht, die als „Anzeige“ im presserechtlichen Sinn gekennzeichnet werden muss: Wir veröffentlichen lediglich die Lügen, die hinter den Anzeigen stecken, die unsere Leserinnen und Leser uns zur Prüfung einreichen.

An dieser Stelle wird es problematisch. Ist Leonie eine unserer Leserinnen? Möchte sie, dass wir uns ernsthaft mit „ParkenAmFlughafen“ befassen? Sollten wir vom Klima-Lügendetektor an einem Linktausch interessiert sein?

Immerhin: Der Klima-Lügendetektor könnte in dieser „Gegenanzeige“ einiges klarstellen:

  1. Fliegen ist die klimaschädlichste Methode, mit der Menschen je ihren Standort wechselten: Die globale Luftfahrt trägt mindestens 3,5 Prozent zur Klimaerwärmung bei.
  2. Fliegen ist die klimaschädlichste Fortbewegungsart, die es je gab. Deshalb gibt es heute Worte wie „Flugscham“, Ausgleichsagenturen wie „Atmosfair“ und eine Debatte, wie die Luftfahrtbranche klimafreundlicher werden könnte.
  3. Mit dem eigenen Auto zur klimaschädlichsten aller Fortbewegungsarten fahren zu wollen, ist das Dümmste, was die Dümmsten zuwege bringen.

Nein, liebe Leonie, „ParkenAmFlughafen“ wird der Klima-Lügendetektor nicht bewerben. Wir sind für das Gegenteil!

P.S.: Die Arbeit des Klima-Lügendetektors ist seit vielen Jahren leserfinanziert. Noch aber fehlen uns einige Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2020 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER

 


Luftfahrtindustrie: Der Witz des Jahres!

Montag, den 30. Dezember 2019

Verehrte Leserschaft, wir sind nicht allein. Es gibt jetzt nämlich ein neues Klimaschutz-Portal! Mit dem schönen Namen:

Interessanter Name, interessantes Logo.

Und der Inhalt, der ist interessant!

Na, das gibt’s ja wohl nicht! „Die Emissionen des Luftverkehrs KÖNNEN sich auf das Klima auswirken“? Wo sind wir denn da reingeraten?

RFI ist die Abkürzung für Radiative Forcing Index. Dieser ist eine Methode, um die Klimawirkungen von Flugzeugen vollständig zu erfassen. Die „Erwärmungswirkung“ (englisch radiative forcing) der Emissionen des Flugverkehrs hängt nämlich nicht allein von der Menge des ausgestoßenen Kohlendioxids ab. Flugzeuge verursachen daneben noch andere Treibhausgase, die noch dazu in besonders sensiblen Schichten der Erdatmosphäre ausgebracht werden: Stickoxide zum Beispiel oder auch Rußpartikel und Wasserdampf.

Um die gesamten Klimaschäden durchs Fliegen abzuschätzen, werden die CO2-Emissionen des Luftverkehrs mit dem RFI-Faktor multipliziert. Über die exakte Höhe dieses Faktors bestehen noch wissenschaftliche Unsicherheiten. Der Weltklimarat IPCC hat sich schon 1999 in einem Report ausführlich dazu geäußert und nannte einen Faktor von 2,7. Auf der Basis des IPCC-Berichts von 2007 haben Hartmut Graßl vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und der Berliner Luftverkehrsexperte Dietrich Brockhagen in einem Aufsatz einen RFI-Faktor von 1,9 bis 4,7 vorgeschlagen. Das Umweltbundesamt schrieb 2008 in einem Leitfaden zur freiwilligen Kompensation von Treibhausgasen:

„Bedeutsam für den RFI sind unter anderem die Emission von Stickoxiden und die Förderung vermehrter Wolkenbildung durch den Ausstoß von Rußpartikeln und Wasserdampf. Die Wirkung letzterer lässt sich allerdings bisher noch nicht mit der gleichen Sicherheit wie die anderen Effekte des Flugverkehrs bestimmen, weshalb der RFI nach derzeitigem Wissensstand nur als Spanne angegeben werden kann. Nach Schätzung des Umweltbundesamtes liegt er zwischen 3 und 5, das heißt, die Klimawirkung des Flugverkehrs ist mindestens 3-mal und höchstens 5-mal so groß wie die Wirkung des ausgestoßenen Kohlendioxids allein.“

Die Emissionen des Luftverkehrs wirken sich also auf das Klima aus. Auf den Seiten des Klimaschutz-Portals erfahren wir dazu:

Kritiker bedienen sich einer simplen Methode? Aber der Weltklimarat IPCC ist doch genauso wenig „Kritiker“ wie das Umweltbundesamt! Faktor 2? Das ist doch glatt gelogen! Also wer bittschön verantwortet das neue Klimaschutz-Portal?

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft betreibt ein Klimaschutz-Portal, in dem man erfährt, das Fliegen sich auf das Klima auswirken könnte.

Für uns ist das eindeutig der Witz des Jahres!

Vielen Dank an Achim W. aus Düsseldorf für den Hinweis!