Archiv des Schlagwortes ‘Spritverbrauch’

Michelin: Große Werbung, kleine Wirkung

Montag, den 11. Oktober 2010

Das Michelin-Männchen ist eine Ikone der Werbegeschichte: Vor mehr als hundert Jahren, auf der Weltausstellung 1894 in Lyon, soll ein Stapel Reifen in Menschenform den Firmengründer Edouard Michelin auf die Idee für sein Firmenmaskottchen gebracht haben. Seitdem steht ein reifenwülstiges Männchen namens „Bibendum“ für Michelin. Im Laufe der Jahrzehnte wurde es schlanker, und als Rauchen nicht mehr en vogue war, büßte es irgendwann seine Zigarre ein. „Bib“, so sein Kosename, strahle eine „klare, offene und herzliche Persönlichkeit aus“, heißt es auf der Firmenwebsite. Ganz dem Zeitgeist folgend, kämpft das Michelin-Männchen heutzutage gegen Spritverschwendung und fürs Klima: Großformatige Anzeigen im Comic-Stil zeigen einen freundlich lächelnden Bib, der eine grimmig-rote Zapfsäule so richtig vermöbelt.

Mit dem Motiv, erschienen beispielsweise in der ZEIT, wirbt der Reifenhersteller für sein Modell „Energy Saver“. Durch ein geringeres Gewicht und ausgeklügelte Gummi-Mischungen hat dieser Pneu einen geringeren Rollwiderstand – Autos mit solchen Reifen verbrauchen deshalb weniger Antriebsenergie. Im Anzeigentext heißt es vollmundig:

Achtzig Liter, das macht was her! Doch hinter der Zahl steht ein Sternchen. Und ein Blick in die zugehörige Fußnote im Klitzekleingedruckten der Annonce sorgt dann für ziemliche Ernüchterung. Die achtzig Liter sind nämlich über die durchschnittliche Lebensdauer solcher Reifen kalkuliert, also über

Rechnet man davon ausgehend zurück, ergibt sich: Der Michelin Energy Saver sorgt für eine Verbrauchsminderung von bestenfalls 0,17 Liter pro hundert Kilometer. Und setzt man dies in Relation zum durchschnittlichen Spritverbrauch deutscher Autos von 7,6 Litern, dann sorgt der „echte Kraftstoffsparer“ für eine Ersparnis von höchstens 2,2 Prozent. Michelin schaltet also ziemlich große Anzeigen für einen ziemlich begrenzten Effekt.

Natürlich sind jeder unverbrannte Liter Mineralöl und jedes vermiedene Gramm Kohlendioxid eine feine Sache. Doch andere Dinge bringen viel mehr fürs Klima als Michelins Spritsparreifen: Nach Angaben des ADAC kann etwa eine kluge Fahrweise den Kraftstoffverbrauch um zehn bis 20 Prozent drücken, das Abschalten der Autoklimaanlage spart zwischen 0,1 und 2,1 Liter auf hundert Kilometer. Noch mehr brächte es, auf ein kleineres Fahrzeug umzusteigen oder das Auto öfter ganz stehenzulassen. Werbung wie die von Michelin birgt hingegen die Gefahr, dass sich Autofahrer einen Satz „Ökoreifen“ kaufen – und dann mit gutem Gewissen umso mehr rasen.


Lexus: Weniger Emissionen in der Suff-Klasse

Donnerstag, den 10. April 2008

„Mehr Leistung bei weniger Emissionen“, wirbt Lexus, die Luxusmarke aus dem Hause Toyota, zurzeit in ganzseitigen Anzeigen für sein Modell RX 400h.

rtemagicc_lexus-2.jpg

Eine so wolkige Formulierung wirft natürlich Fragen auf. Mehr Leistung als wer? Weniger Emissionen als was?

Was die Leistung angeht – das ist schnell geklärt. Denn, so beschreibt es die Internetplattform saubereAutos.at, „der Lexus hebt sich beim Gaspedal-Kickdown nahezu lautlos in eine bisher ungeahnte Art von Bewegung, die ohne Unterlass vorwärts drängt – wie ein Flieger auf der Startbahn, wenn man sich das lästige Geräusch der Triebwerke wegdenkt“.

Aha, denkt man sich, Leistung fast wie ein Flieger. Und der Verbrauch? Ganz unten auf der Seite steht das Kleingedruckte: „Niedrigste CO2-Werte in der Klasse der Premium-SUVs mit mehr als 4 Zylindern. Kraftstoffverbrauch in l/100 km: innerorts 9,1, außerorts 7,6, kombiniert 8,1; CO2-Emissionen in g/km kombiniert 192.“

rtemagicc_lexus.jpg
Da liegt der Lexus zwar hinter üblichen Passagierjets (wenn man die Emissionen umrechnet auf den einzelnen Passagier), aber weit vor jenem Durchschnittswert von 120 g/km, den die EU-Kommission der europäischen Neuwagenflotte ab 2012 verordnen möchte (und der auf Druck der Autolobby und willfähriger Politiker bereits verwässert wurde).

Übrigens ließ Auto Bild 2005 den Lexus RX 400h gegen einen Mercedes Diesel von ähnlichem Kaliber (ML 320 CDI) antreten. Ergebnis: „Auf der Landstraße fuhr der ML mit 8,8 Liter Diesel/100 km, der RX 400h mit 9,0 Liter Super/100 km. In der Stadt begnügte sich der Lexus mit 8,2 Litern, der Mercedes brauchte 11,5. Dann aber die Autobahn: 14,4 Liter nahm der Mercedes, der Lexus gönnte sich 23,2.“ Auch bei Focus online schneiden Diesel mit Rußpartikelfilter umweltmäßig nicht unbedingt schlechter ab als Hybridautos.

Was lernen wir daraus?

Erstens: Die Heuchel-Hybride bringen für das Klima nichts, wenn sie in Fahrzeuge der Schluckspecht-Klasse eingebaut werden. Zwei-Tonnen-Autos fahren und Sprit sparen geht nicht, jedenfalls nicht gleichzeitig.

Zweitens: Das selbst gesetzte hehre Ziel – „eines Tages einen emissionsfreien Lexus bauen zu können“ – liegt noch in weiter Ferne. Das Streben nach Vollendung (Lexus-Werbelyrik) ist in Wahrheit ein Streben zur nächsten Zapfsäule.