Genfer Autosalon: The same procedure …

… as every fair. Die Autoindustrie sieht sich durch Klimakollaps, Ressourcenknappheit und Wirtschaftskrise bedroht – und sie tut: nichts. Wie ein verängstigtes Tier stellt sich ein ganzer Wirtschaftszweig tot, statt mit zukunftsfähigen Produkten sein Überleben zu sichern.

Aber der Reihe nach. Jedes Jahr trifft sich die Branche zum Autosalon in Genf, jedes Jahr gibt es reihenweise Ankündigungen grüner Autos. Aber jedes Jahr ist es dasselbe, wenn man genauer hinschaut: Volkswagen hat heute am Vorabend der Messe in Genf seinen neuen Polo präsentiert. Ein Massenauto wie dieses ist für die deutsche Klimabilanz wirklich relevant. Und, was macht VW? Die Wolfsburger zelebrieren wieder mal den Grundfehler der Branche: Statt technologische Fortschritte zur Senkung von Emissionen und Verbrauch zu nutzen, wird die Leistung bei gleichem Verbrauch gesteigert. Am Ende steht beispielsweise der neue Polo TSI, auf dessen offizielle 129 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer VW auch noch stolz ist. Dabei liegt dieser Wert nicht nur über dem EU-Ziel für 2012 und der ab Juli hierzulande geltenden Schwelle für die Kfz-Steuerbefreiung (beide 120 g CO2/km), sondern der TSI steht auch noch schlechter da als der Basis-Polo (128 g CO2/km). Ganz davon abgesehen, dass der neue Polo heute etwa so groß und schwer ist wie einst der Golf. Ach so, der neue Spar-Polo BlueMotion (87 g/km) wurde in Genf erst als „Studie“ präsentiert – lieferbar ist er erst in einem Jahr.

Dasselbe Prinzip findet sich bei den Hybridautos aus deutscher Produktion. Die gibt es zwar noch nicht zu kaufen, sie werden der Presse aber bereits zur Probefahrt gestellt. Beispiel Porsche Cayenne und VW Touareg: Hier wird der alte Motor in der Leistung gesteigert und mit einem Elektromotor kombiniert. Das Ergebnis sind fast 400 PS insgesamt, die über 2,5 Tonnen Ballast noch schneller fortbewegen können. Ein Downsizing in allen Bereichen – also die gezielte Reduktion von Gewicht, Fahrzeuggröße und Motorleistung – findet nicht statt.

Dasselbe gilt für Elektroautos, die in Genf gar in einem „grünen Pavillon“ gefeiert werden: Energie ist und bleibt ein knappes Gut. Selbst mit Strom aus Wind oder Sonne wird es darum niemals sinnvoll sein, zwei Tonnen Blech im Renntempo auf ICE-Geschwindigkeit zu beschleunigen. Bei vielen ihrer elektrischen Visionen wiederholt die Autoindustrie ihre Fehler – unnötig groß, schwer und stark. Ändert sich das nicht bis zur Serienproduktion, bleiben Elektroautos das, was sie jetzt sind: ein Feigenblatt fürs grüne Gewissen und ein Ablenkungsmanöver zur Vertuschung der klimakillenden Bestseller vom laufenden Montageband.