Archiv des Schlagwortes ‘Donald Trump’

Ph. Lengsfeld & CDU-Rechte: Zigarette gefällig?

Sonntag, den 4. Juni 2017

Na, das war doch ein schöner PR-Erfolg für den rechten „Berliner Kreis“ in der CDU/CSU! Am nachrichtenarmen Pfingstsamstag und auf der Aufmerksamkeitswelle, die Donald Trump mit seinem Paris-Austritt ausgelöst hat, sorgte ein (nicht mal ganz neues) Positionspapier zur Klima- und Energiepolitik für gehöriges Aufsehen. Reihenweise berichteten die Medien, bei Spiegel Online war es zeitweise sogar Aufmacherthema.

Enthielte das Papier nur „klima- und energiepolitische Forderungen“, wie es die Überschrift ankündigt, würden es uns hier nicht beschäftigten. Die Debatte um politische Instrumente ist gut und richtig und ja genau die Aufgabe von Parteien. Natürlich kann man, wie der „Berliner Kreis“ in seinem Papier, für die Abschaffung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sein oder für eine Fortsetzung der Atomforschung. Manche Forderung ist auch ziemlich fortschrittlich, etwa die Idee eines globalen Preises (oder einer Steuer) auf Kohlendioxid-Emissionen. Geo-Engineering (also manipulierende Eingriffe ins Klimasystem der Erde) lehnen die Unions-Rechten wegen der unkalkulierbaren Risiken ab – eine für Konservative sehr nachvollziehbare Forderung.

Doch (leider) beginnt das Positionspapier mit einem langen Abschnitt zur „Klimaforschung“. Und da werden Behauptungen zur Klimawissenschaft aufgestellt, die – nun ja – teilweise kruder Blödsinn sind. Ein Großteil davon sind „Argumente“, wie sie schon lange in der Szene der Leugner des Klimawandels kursieren und einem prüfenden, skeptischen Blick nicht standhalten. Dass besonnene Leute wie Wolfgang Bosbach oder Hans-Peter Uhl (beide Mitglied im „Berliner Kreis“) so etwas mittragen, ist schon verwunderlich.

Aber der Hauptautor des Papier war offenbar der Abgeordnete Philipp Lengsfeld, der über die Berliner Landesliste in den Bundestag gewählt wurde. Lengsfeld ist schon öfter durchs Verbreiten Klimawandel-leugnerischer Thesen aufgefallen. Im vergangenen November zum Beispiel beehrte er den Leugner-Verein EIKE mit einem Grußwort. Wir wollen jetzt hier nicht jede der uralten Leugner-Thesen des Papiers an den Lügendetektor anschließen: Dass das Klima sich schon immer gewandelt habe, dass die Sonne eine wesentliche Ursache des gegenwärtigen Klimawandels sei, dass die Erderwärmung doch ganz viele positive Folgen habe und so weiter – all das ist schon dutzendfach anderswo widerlegt und eingeordnet worden.

Wir machen uns stattdessen nur mal schnell den Spaß und modifizieren zentrale Passagen leicht. Wie bizarr dieser Abschnitt des Papiers ist, würde nämlich ganz schnell deutlich, spräche es im selben Duktus und mit denselben logischen Fehlschlüssen beispielsweise über Krebsforschung und Gesundheitspolitik. Also los:


Ohne Ideologie: Die Öffentlichkeit hat eine objektiver geführte Debatte über die Krebs- und Gesundheitspolitik verdient. Wissenschaft darf nicht von der Politik instrumentalisiert werden. Die Freiheit der Forschung und Lehre ist zu respektieren. Krebsforschung darf nicht zu einer Glaubensfrage werden und auch nicht zu einer Arena ideologischer Auseinandersetzungen.

Mehr Einordnung: Das Zellwachstum und der Kreislauf aus Teilung und Absterben von Zellen im menschlichen Körper sind unerlässliche Bestandteile des Lebens. Der menschliche Körper hat sich immer gewandelt. … Im Leben eines Menschen gibt es Phasen sowohl mit mehr als auch mit weniger starkem Wachstum. Die genauen Treiber des Zellwachstums sind noch nicht vollständig erforscht und verstanden, aber eine solitäre Rolle des Rauchens beim Krebs scheint unwahrscheinlich. Es gibt signifikante Einflüsse auf die Gesundheit außerhalb der momentan eng geführten Krebsdiskussion, die sich sehr stark auf sogenannte Tabakgase konzentriert: UV-Strahlen der Sonne, Ernährung, Sport oder Stress sind nur einige Stichworte.

Mehr Sachlichkeit: In den letzten Jahrzehnten wurden Gesundheits- oder Krankheitsereignisse zunehmend systematisch in eine vorgegebene Geschichte (mediales Narrativ) einsortiert. Genannt sei nur die unbestrittene Zunahme des Zigarettenkonsums unter Frauen. Diese Zunahme hat praktisch keinen Einfluss auf ihr Hörvermögen, weil die Hörkraft der Ohren nicht durch Tabakkonsum beeinträchtigt wird. Somit sind die mit der Zunahme des Rauchens verbundenen Chancen (Gewichtsabnahme, Jobs für die Zigarettenwirtschaft, neue Flirtmöglichkeiten durch die vermehrte Anwesenheit rauchender Frauen vor den Türen von Restaurants oder Bürogebäuden) vermutlich sogar größer als mögliche negative gesundheitliche Effekte. Trotzdem wird das Phänomen medial momentan zur Lungenkrebs-Angstmache benutzt. Und das, obwohl das Rauchen von Frauen in den aktuellen Bevölkerungsprognosen des Statistischen Bundesamtes nicht gut abgebildet wird. Die Datenlage über die Reaktion von Frauenkörpern auf Tabak … ist momentan noch sehr unübersichtlich.

Keine moralische Erpressung: Viele angekündigte/erwartete dramatische Folgen des Rauchens basieren auf Modellen und Simulationen, deren Richtigkeit und Belastbarkeit keineswegs so eindeutig ist, wie oft postuliert wird. Trotzdem werden schon seit Jahren zunehmend aggressivere politische Zielsetzungen, insbesondere die Rauch- und Werbeverbote, auf politischen und wissenschaftlichen Annahmen in diesen Modellen aufgebaut. Es ist nicht schlüssig bewiesen, ob die postulierten Rauchverbote etwa für Kinder oder in Gaststätten tatsächlich die sinnvolle und universale Steuerungsmethode sind, als die sie dargestellt werden. Während die modellierten Folgen des Rauchens alles andere als bewiesen sind, sind dagegen die realen Folgen bestimmter Gesundheitspolitik für die Menschen sofort spürbar: Sei es durch Arbeitsplatzverluste in Zigarettenfabriken, den Verlust gewachsener Kneipenkultur oder die Verteuerung von Zeitschriften, weil diese wegfallende Einnahmen aus der Tabakwerbung anderswo kompensieren müssen.

Krebsforschungszentrum (DFKZ) reformieren: Das Deutsche Krebsforschungszentrum (IPCC, äh, nein, DFKZ) hat sich zu einer einflussreichen polit-medial-wissenschaftlichen Supermaschinerie entwickelt: regelmäßige mediale Events und alle paar Jahre sehr umfangreiche Berichte. Das DKFZ ist der Taktgeber der öffentlichen Krebsdebatte. Dabei ist dessen Arbeit beileibe nicht so wissenschaftlich, wie es für ein Beratungsgremium notwendig wäre: Berichte enthielten Fehler und Überhöhungen und unterliegen schon in der Entstehung politischen und medialen Einflüssen. Wissenschaft darf aber nicht zu einer Art ‚Weltrettungszirkus‘ werden. Aus Gründen der Qualitätssicherung und der Entpolitisierung sollte die Arbeit des DKFZ reformiert werden. Sinnvoll wäre es sicherlich, die Frequenz der DKFZ-Aktivitäten zu senken und ihren Charakter wieder auf den Kernauftrag einer wissenschaftlichen Politikberatung zurückzuführen. Dazu scheinen eine primär wissenschaftliche Fach- und Arbeitskonferenz alle 5 Jahre und wissenschaftliche DKFZ-Berichte alle 10 Jahre ausreichend. Die Dominanz einzelner Fachdisziplinen innerhalb des DKFZ sollte verringert werden. Wissenschaftler müssen mögliche Doppelrollen als Forscher und Aktivisten klar trennen.“


Hübsch, oder?

In allen Punkten funktioniert die Analogie von Krebs durch Rauchen und Klimawandel durch menschengemachten Treibhausgas-Ausstoß natürlich nicht – aber in vielen. Nicht zuletzt bei der Gegenpropaganda von Industrie- und Lobbygruppen, wie beispielsweise Naomi Oreskes und Erik Conway in ihrem Klassiker Merchants of Doubt (deutsche Ausgabe: Die Machiavellis der Wissenschaft) zeigten.

Das Traurigste an diesem Positionspapier ist, wie schon erwähnt, dass es so wenig originell ist. Seine „Argumente“ werden seit Jahren und Jahrzehnten von Klimawandel-Leugnern hoch- und runtergebetet, vor allem in den USA. Dort ist die Klimafrage inzwischen hoch ideologisiert (befeuert durch eine professionelle Industriekampagne, wie die New York Times just gestern in einem großen Bericht nachzeichnete). Das Abstreiten selbst grundlegender wissenschaftlicher Fakten gehört dort für Konservative inzwischen fast zur politischen Identität.

In Deutschland war das bisher anders. Hierzulande sind konservative oder liberale Gegner der Energiewende bislang nicht so tief gesunken, für ihre Kritik die Erkenntnisse der Klimaforschung zu verbiegen. (Die AfD lassen wir hier mal beiseite, weil sie weder konservativ noch liberal ist.) Aber dank Philipp Lengsfeld und dem rechten „Berliner Kreis“ scheint sich das gerade zu ändern und die Klimaleugnerei nach Art von Donald Trump und der US-Republikaner nun auch in Deutschland anzukommen


Weißes Haus: Bei Exxon Mobil abschreiben

Dienstag, den 7. März 2017

Bekanntlich regiert derzeit Donald Trump die Vereinigten Staaten von Amerika. Oder etwa doch nicht?

Das Weiße Haus hat gestern folgende Stellungnahme verschickt:

Unstrittig jedenfalls ist: Trump sitzt jetzt im Weißen Haus, von dort lässt er sich als US-Präsident verlauten. Und er macht das, was er seinen Landsleuten im Wahlkampf angekündigt hatte. Zum Beispiel Jobs schaffen.

Präsident Trump gratuliert Exxon Mobil in seiner Stellungnahme vom Montag zu einem „Arbeitsplätze schaffenden Investitionsprogramm“. Weiter heißt es aus dem Hause des US-Präsidenten:

Nun, das klingt ein bisschen nach Firmen-PR, wenn der Präsident der USA erklärt, Exxon Mobil investiere „strategisch in neue Raffinerie- und Chemieproduktions-Projekte in der Golfküstenregion der Vereinigten Staaten, um seine Produktions- und Exportkapazitäten zu erweitern“. Ist doch klar, schließlich sind strategische Investitionen in der Regel dazu da, um Kapazitäten zu erweitern. 

Schauen wir also bei Exxon Mobil nach, welche Details der weltgrößte Energiekonzern zu seinem Investitionsprogramm verrät:

Ups, das ist ja Wort für Wort das Gleiche!

Das Weiße Haus verzichtet lediglich auf das Wort expansion – Exxon Mobils Erweiterungs-Programm ist in der Sprache des US-Präsidenten einfach nur das Golf-Wachstums-Programm. So, als ob der Chef persönlich Hand angelegt hätte.

„Der Geist des Optimismus fegt durch das Land, und das ist erst der Anfang“, heißt es auf Trumps Facebook-Seite zu dem Investitions-Programm.

Was er damit nun wieder meint!? Vielleicht, dass Exxon Mobil sich demnächst auch die Gesetzestexte im Weißen Haus selber schreibt? Dass die Pipelines „Dakota Access“ und „Keystone XL“ von der US-Administration persönlich gebaut werden wie die Mauer nach Mexiko? Ex-Exxon-Mobil-Chef Rex Tillerson jetzt als US-Außenminister ganz offiziell Politik für die „Vereinigten Aktionäre von Exxon Mobil“ macht? Dass er, Donald John Trump, gar nicht der 45. US-Präsident ist, sondern nur eine Marionette?

Wir werden dranbleiben, versprochen!

Danke an Matthias R. aus Hamburg für den Hinweis.


Weißes Haus: Beim Klimawandel „no results“

Samstag, den 21. Januar 2017

Tata!

Kaum im Amt, kann der neue US-Präsident Donald Trump schon den ersten Erfolg verbuchen. Ab sofort nämlich gibt es den Klimawandel nicht mehr!

Wer sich noch am Donnerstag auf den Seiten des Weißen Hauses über das Problem der Erderwärmung kundig machen wollte, den erschlug das Material förmlich, das die Obama-Administration zum Thema bereithielt.

Hier ein Auszug:

Wer 24 Stunden nach der Amtseinführung Trumps auf den Seiten des Weißen Hauses ins Suchfeld „climate change“ eingibt, der erhält folgende Auswahl:

Ist das nicht phantastisch? Noch keine 24 Stunden im Amt und schon existiert das Problem nicht mehr?

Mr. Trump, du Teufelskerl!

PS: Es gibt natürlich immer noch ein paar Störenfriede, wie den Potsdamer Professor Stefan Rahmstorf, der es wagt, sich über den neuen US-Präsidenten zu stellen – mit Fakten, Daten, Kurven, ja sogar mit Wissenschaft!!!

 


Donald Trump: Vom Tweet eingeholt werden

Mittwoch, den 23. März 2016

Och, Mann! Und natürlich: Menno, Frauen!

Sich mit der AfD befassen zu müssen war schon grausam. Dann die Klima“skeptiker“ von EIKE zu bearbeiten – harter Tobak! Wir dachten: Schlimmer kann’s nicht werden! Doch dann kam Donald Trump:

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„Stammt das wirklich von DEM Trump?“, will Marlene J. aus Hamburg wissen. „Die Position des nächsten US-Präsidenten“, kommentierte Jan P. aus Moers. Charlotte S. aus Schkopau schickte uns den Tweed ohne Kommentar.

Zunächst: NEIN, wir wissen nicht, ob das die Position des nächsten US-Präsidenten ist. Zwar baute Donald Trump als republikanischer Präsidentschaftskandidat dank der Vorwahlen in Arizona seinen Vorsprung auf den parteiinternen Konkurrenten Ted Cruz weiter aus. Richtig ist auch, dass seit dem Demokraten John F. Kennedy nie wieder nach einem demokratischen Präsidenten ein Demokrat Präsident der USA wurde: Es siegte stets ein Republikaner. Nach dem Gesetz der Serie folgt damit auf Obama ein Republikaner, und der wird alles tun, um den Klimaschutz und den Paris-Vertrag zu zerstören. Aber ob Trump tatsächlich nächster US-Präsident wird, wissen auch wir natürlich nicht vor dem 9. November.

Aber: JA, @realDonaldTrump ist der Twitter-Account des wahren Donald Trump. Und genau dort findet sich die obige Aussage, nach der die Erderwärmung eine „Erfindung der Chinesen“ ist.

Donald Trump twittert gern. Und viel. Am 24. Februar beispielsweise:

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Es gibt Leute, die das als glatte Lüge bezeichen, „persönlich hat er sich nur 250.000 Dollar gegeben“, behauptet beispielsweise der Satiriker John Oliver in seiner Late Night Show. Aber das ist nicht das Feld des Klima-Lügendetektors, weshalb wir bei den Tweets von @realDonaldTrump bleiben: Am 15. März twitterte er:

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Jobs „zurück nach Amerika“? Doch nicht etwa von den Chinesen, die – das haben wir ja im erstzitierten Tweet gelernt – durch die Erfindung des Klimawandels jede Menge Aufträge geklaut haben? Trump verspricht im Tweet außerdem, auf Kriegsveteranen aufzupassen, Obamas Gesundheitsreform zurückzudrehen und eine Mauer an der mexikanischen Grenze zu bauen. Eine Analyse der Carnegie Mellon University bescheinigt Donald Trump übrigens das Sprachniveau eines Sechstklässlers (die Demokratin Hillary Clinton ist in ihrem Wahlkampf lediglich zwei Klassen besser, ihr Parteikollege Bernie Sanders erreicht immerhin das Niveau der elften Klasse).

Gucken wir uns den fraglichen Tweet noch einmal genauer an: „Das Konzept der globalen Erwärmung wurde erschaffen von und für die Chinesen, um die US-Wirtschaft ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu berauben“, steht da.

Jepp: DAS ist ein Trump, wie er im Buche steht.

Allerdings mit einem kleinen Schönheitsfehler. Wir MÜSSEN fairerweise sagen, dass der jetzt rausgekramte Tweet vom 6. November 2012 stammt – und damit aus einer Zeit, in der der Milliardär nichts als ein Milliardär war:

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Damals hatte Trump gerade mal 2.800 Follower, für den Weltverlauf waren solche Aussagen egal. Was das dusselige Gezwitscher zwar nicht besser macht. Aber es ist der Tweet von gestern. Und heute hat Trump dazu nichts abgesetzt.

Dafür hat die Washington Post ihn in dieser Woche nach dem Klimawandel gefragt. In dem langen und reichlich konfusen Gespräch sticht die Antwort sogar hervor, denn Trump geht hier tatsächlich einmal auf die gestellte Frage ein. „Ich bin kein großer Anhänger des vom Menschen verursachten Klimawandels“, sagt der Kandidat. „Es gab eine globale Abkühlung in den 1920er Jahren, und jetzt gibt es eine globale Erwärmung, obwohl man heute nicht weiß, ob es eine globale Erwärmung gibt.“ Mit anderen Worten: Trump ist Klimaskeptiker geblieben – und er hat vom Klimawandel immer noch keine Ahnung.

Danke für den Hinweis an Marlene J. aus Hamburg, Charlotte S. aus Schkopau, Reinhold L. aus Berlin und Jan P. aus Moers