RWE: Eiskalte Imagepflege

Die von der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt konzipierte Imagekampagne für RWE treibt seltsame Blüten – neuerdings auch Eisblumen. Der Essener Energiekonzern ließ im März elf Mitarbeiter für zwei Wochen in die Antarktis reisen – und präsentiert deren Selbsterfahrungstrip nun unter dem Motto „VoRWEg gehen und sich aktiv für den Klimaschutz engagieren“ auf einer eigens eingerichteten Internetseite.

screenshot - schiff im eismeer mit rwe-slogan 

Wow, die auserwählten RWEler durften an einer „Leadership Expedition“ mit Robert Swan teilnehmen, nach eigenen Angaben „einer der führenden Motivationstrainer der Welt“. Swan lief als erster Mensch zu Fuß zum Nordpol und zum Südpol, er engagiert sich seit Jahren für den Schutz der Antarktis und gründete das Projekt 2041. Dessen Name bezieht sich auf das Jahr, in dem der Antarktisvertrag ausläuft, der den Kontinent vor Ausbeutung und Umweltzerstörung schützen soll. Regelmäßig bietet Swan Expeditionen nach King George Island nahe der Antarktischen Halbinsel an, auf denen die Teilnehmer unter anderem für die Themen Recycling, Ressourcenschonung und Klimaschutz sensibilisiert werden sollen.

Dabei plagen den charismatischen „Polarforscher und Umweltführer“ offenbar keinerlei Berührungsängste. Zu seinen Sponsoren zählen neben Coca-Cola der Ölkonzern BP – und eben RWE. Die Mitarbeiter des Konzerns beziehungsweise dessen englischer Tochter bauten an Swans Feldstation zwei kleine Windräder auf. Im Gegenzug lobt der Klimamahner seine Gönner per Videobotschaft in höchsten Tönen: „Wie auch RWE hatten wir die Wahl: Wir hätten den herkömmlichen, den bekannten Weg gehen können (…). Aber nein: Wie RWE haben wir uns entschlossen, etwas zu wagen und anders zu agieren als andere. Die RWE-Mitarbeiter vertreten ein führendes Unternehmen der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen und Kernenergie. Nun weitet RWE seine Vorreiterrolle auf das Gebiet der erneuerbaren Energien aus.“ Dann erklingt ein Popsong: „Wir haben nur eine Chance, lass sie uns ergreifen. Wir haben nur eine Chance die Welt zu retten.“

Ausgerechnet RWE! Der dreckigste Stromversorger Deutschlands, der bei Erzeugung jeder Kilowattstunde durchschnittlich 816 Gramm CO2 freisetzt. RWE ist zudem größter CO2-Verursacher Europas und baut derzeit nahe Düsseldorf die größte CO2-Schleuder des Kontinents. Solche neuen Kraftwerke laufen übrigens weit über das Jahr 2041 – hohe Treibhausgasemissionen werden mit solchen Projekten über Jahrzehnte zementiert. Führende Klimaforscher fordern deshalb ein Kohlemoratorium, der Nasa-Klimaexperte James Hansen nannte neue Kohlekraftwerke kürzlich Todesfabriken.

Aber was haben denn nun die RWE-Mitarbeiter in der Antarktis gemacht? In einem Blog berichteten sie von Begegnungen mit Seeleoparden und bedankten sich artig bei Robert Swan.

Um die Erderwärmung und deren Verursacher ging es offenbar nur oberflächlich. Kostprobe: „Heute haben wir die Lösungen für den Klimawandel diskutiert und die Rolle, die Politiker, Unternehmen und wir alle haben, wenn wir von unserer Abhängigkeit vom CO2-intensiven Leben loskommen wollen. Dann sind wir wieder mit den Schlauchbooten raus…“

Danke an H. für den Hinweis