Dong Energy in der FAZ: Getarnte Propaganda

Heute hat der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) eine 28-seitige „Sonderveröffentlichung“ zum Thema „Klimaschutz & CCS“ beigelegen. Die als Informationsblatt getarnte PR-Broschüre enthält eine Mischung von redaktionellen Artikeln und „Gastbeiträgen“ verschiedener Firmen. Zum Beispiel darf sich die Daimler AG über den „Weg zum emissionsfreien Fahren“ auslassen. An anderer Stelle – unter der unauffälligen Überschrift „Regional und saisonal einkaufen“ – wird netterweise beschrieben, wie unser Lügendetektor Grünfärbereien von Unternehmen entlarvt.

Nun denn, schreiten wir also wieder zur Tat: Ein großer Teil der Beilage behandelt das Thema CCS – also die umstrittenen Technologien zur Abscheidung und unterirdischen Endlagerung von Kohlendioxid, die (irgendwann einmal) Kohlekraftwerke klimaverträglicher machen sollen. Da gibt es, merkwürdig, gleich zwei Interviews mit Charles Nielsen von Dong Energy und außerdem noch einen längeren Gastbeitrag dieses dänischen Unternehmens. Dessen Charmeoffensive in Deutschland hat einen Grund: Dong möchte in Lubmin bei Greifswald ein 1500-Megawatt-Kohlekraftwerk bauen, das jährlich sieben Millionen Tonnen CO2 ausstoßen wird – und dagegen regt sich Widerstand. Ein weiterer Klimakiller ist in Emden geplant.

Dong verkündet in seinem „Gastbeitrag“: „Heute basiert die konzerneigene Energieerzeugung auf 15% erneuerbarer und 85% konventioneller Energie. Dieses Verhältnis will der Konzern auf den Kopf stellen.“ Erst beim Lesen der nächsten Sätze stellt sich heraus, dass das Unternehmen dabei neben Windenergie auch CCS-Kohlekraftwerke im Sinn hat, also keineswegs 85 Prozent erneuerbare Energien plant – obwohl dies gerade im windigen Dänemark durchaus möglich wäre.

Der Artikel mündet in unverhohlener Werbung für das geplante Kraftwerk Lubmin: Die Region könne „eine Menge Vorteile daraus ziehen“. Es entstünden „zirka 140 zukunftsorientierte langfristig sichere Arbeitsplätze.“ Dumm nur, dass am gleichen Tag der WWF eine Studie zum Kohlekraftwerk Lubmin veröffentlicht hat, die vor den ökonomischen Risiken des Projekts warnt: Weil für den CO2-Ausstoß des Kohlekraftwerkes im Rahmen des Emissionshandels zukünftig voraussichtlich jährliche Kosten von 140 bis 280 Millionen Euro anfallen, drohe das Kraftwerk zu einer Investitionsruine zu werden. Die Kohleabhängigkeit des Unternehmens werde sich mit dem Kraftwerk von 57 auf 65 Prozent erhöhen. Achso: Die Erzeugung derselben Menge Strom aus erneuerbaren Energien brächte sicherlich viel mehr Jobs.

Illustriert ist der Dong-Gastbeitrag mit einer Computersimulation, die das geplante Kraftwerk in Lubmin „mit Fullsize-CCS-Anlage“ zeigt. Hm. Leider steht in den Sternen, ob es solch eine Anlage zur CO2-Abscheidung in Lubmin jemals geben wird. Und das nicht nur, weil das CCS-Gesetz der Großen Koalition gescheitert ist, sondern weil darüber hinaus völlig unklar ist, ob CCS jemals wirtschaftlich machbar sein wird. In einem aktuellen Hintergrundpapier stellt das Umweltbundesamt fest, es sei „derzeit unklar, ob CCS eine Option zur großtechnischen CO2-Emissionsminderung und damit eine bedeutende Maßnahme des Klimaschutzes werden kann“.

Auch in den scheinbar neutralen Redaktionsbeiträgen der FAZ-Beilage aus dem „Reflex Verlag“ – die vor sachlichen Fehlern nur so strotzen – taucht Dong übrigens immer wieder auf. So ist unter der Zeile „Lösung CCS-Technologie“ zu lesen: „Auch wenn die Entwicklung noch in vollem Gang ist, gibt es bereits CCS-Kraftwerke wie das dänische Kohlekraftwerk Esbjerg, die eine Prozesskette mit CO2-Abtrennung realisiert haben.“ Eine Seite später erfährt man dann allerdings in einem anderen Text, dass es sich dabei nur um eine Pilotanlage handelt, in der „stündlich eine Tonne CO2“ abgeschieden wird. Wer aber wissen will, wie viel das ist, muss schon im Internet recherchieren: Da erklärt Dong-Mitarbeiter Charles Nielson: „Obwohl die Anlage in Esbjerg die größte in Betrieb befindliche Pilotanlage ist, werden nur 0,5 Prozent der Rauchgase im Kraftwerk aufgefangen.“

Schließlich thematisiert der Artikel, scheinbar kritisch, auch die zu erwartenden Probleme bei der unterirdischen Ablagerung von Kohlendioxid. Er endet mit den Sätzen: „Umweltbundesamt und das Fraunhofer-Institut sind der Meinung, dass es eine totale Dichtigkeit nicht geben kann. Eine mögliche Leckagerate von weniger als 0,1 Prozent sei aber grundsätzlich als unbedenklich einzustufen.“ Das sollte machbar sein?

Leider wurde eine Null vergessen. Das Umweltbundesamt fordert in Wahrheit, dass jährlich maximal 0,01 Prozent, also ein Zehntausendstel des gespeicherten Kohlendioxids austreten dürfen – und stellt fest: „Selbst niedrige Leckageraten können den Nutzen für den Klimaschutz in Frage stellen.“