Mercedes: Lokal gelogen

Es gibt Anzeigen, die so dummdreist und offensichtlich lügen, dass sie für den Klima-Lügendetektor eine Beleidigung sind. Zum Beispiel folgende, die heute in der Welt erschienen ist:

merc

Naturschutz trifft Insassenschutz? Es geht um die neue B-Klasse „Electric Drive“ von Mercedes-Benz. „Der 132 kW/180 PS starke Elektro-Van sieht unspektakulär aus, eben wie eine B-Klasse vor dem aktuellen Facelift, und kostet ab 39.151 Euro“, schrieb das Handelsblatt.

180 PS!!! Eine solche Motorleistung schafft es, das B-Klasse-Geschoss in 7,9 Sekunden von Null auf 100 zu beschleunigen. Nirgendwo in der Natur gibt es eine vergleichbare Beschleunigung. Einfach weil das unnatürlich ist. Was hat das denn mit Naturschutz zu tun?

Und schwer ist das Mercedes-Teil! Allein die Lithium-Ionen-Batterieeinheit wiegt 200 Kilogramm, insgesamt bringt es die Nobelkarosse auf mindestens 1,7 Tonnen! Wer ein paar Extras eingebaut haben möchte, schafft es locker über zwei Tonnen.

Ein zwei Tonnen schweres Fahrzeug, um einen 70 Kilogramm schweren Menschen in 7,9 Sekunden von 0 auf 100 zu beschleunigen? Ist absolut unnatürlich, evolutionär nicht überlebensfähig weil unglaublich ineffizient. Eeeh, bitte, Merecedes: Was hat das denn mit Naturschutz zu tun?

In der Anzeige heißt es dazu:

meAußerdem steht da: „Gleichzeitig schützt der 100 % lokal emissionsfreie und 100 % elektrische Antrieb vor allem eines: die Umwelt.“

Im Internet behauptet Mercedes folgendes:

mNun hat die EU 2007 dankenswerterweise die Richtlinie „RL 70/220/EWG“ erlassen, mit der Autobauer verpflichtet werden, die wahren Verbrauchsangaben und somit auch die Emissionen zu veröffentlichen. Das steht dann unten im Kleingedruckten der Anzeige. „Die Verbrauchswerte beziehen sich auf die zur Markteinführung (11/2014) verfügbaren Motoren“, heißt es da bei Mercedes-Benz. Eine Reihe Motoren werden aufgeführt, und dann steht da:

mer

Das ist doch mehr als vom Gesetzgeber erlaubt! Ab 2015 dürfen die Neuwagen nur noch 130 Gramm je Kilometer ausstoßen, was einem Verbrauch von rund 5,5 Litern Benzin beziehungsweise 4,9 Liter Diesel je 100 Kilometer entspricht. Allerdings müssen die Autobauer dies als Durchschnittszielwert erreichen, und bei Mercedes folgen dann in der Anzeige für die anderen Motoren geringere Emissionswerte.

Ganz am Ende der Anzeige bringt es ein Motor sogar auf „0 g/km“. Das heißt allerdings nicht, dass das Auto kein Kohlendioxid erzeugt. Solange die Batterie an öffentlichen Ladestationen aufgeladen wird, so lange „tankt“ der Nutzer öffentlichen Strom. Nach den Daten der Arbeitsgruppe Energiebilanzen stammen mehr als vierzig Prozent des deutschen Stroms aus Kohlekraftwerken. Der „Insassenschutz“ befeuert also die Erderwärmung und zerstört somit die Natur.

Aber natürlich hat Mercedes gegen diesen Vorwurf vorgesorgt: In der Anzeige wird ja – siehe oben – nur behauptet, dass der Motor „lokal“ emissionsfrei ist.

Danke an Daniel B. aus Hamburg für den Hinweis.

PS: Unser Leser Ulf R. aus Berlin merkt an, dass unsere Formulierung „Nirgendwo in der Natur gibt es eine vergleichbare Beschleunigung“ nicht stimmt. Libellen nämlich konnen sehr wohl so schnell beschleunigen. Hier der von Ihm empfohlene Fachartikel:
http://rsbl.royalsocietypublishing.org/content/early/2010/03/09/rsbl.2009.0915