Archiv des Schlagwortes ‘Wasserkraft’

RWE / enviaM: Wässrige Werbung

Donnerstag, den 14. März 2013

RWE ist ja für besonders originelle Werbung bekannt. Unvergessen ist zum Beispiel das niedliche Kalb Vroni, das ein viel größerer Klimakiller sein sollte als der Kohlekonzern. Der tapsige Trickfilmriese und die barbusige Meerjungfrau. Oder der Versuch, sich ein bisschen in Helmut Schmidts Aura zu sonnen. Bei solchen Vorlagen will sich wohl auch die ostdeutsche RWE-Tochter enviaM nicht lumpen lassen, sie wirbt unter anderem mit diesem Motiv:

enviaM_wasser_gr

Wenn das nicht vollmundig ist!? Auf der Firmenwebsite heißt es im Kleingedruckten darunter:

Die Energiewende in Deutschland sieht vor allem einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien vor. Bereits in den vergangenen Jahren hat die enviaM-Gruppe den Umbau der Energieversorgung im eigenen Erzeugungsbereich aktiv vorangetrieben. Seit 2000 investierte die enviaM-Gruppe rund 93 Millionen Euro in grüne Energien. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien hat sich seitdem von 20 Millionen auf rund 145 Millionen Kilowattstunden pro Jahr erhöht. Heute gehören 14 Wasserkraftwerke, vier Windparks, ein Biomasse-Heizkraftwerk sowie sechs Biogasanlagen zum grünen Erzeugungs-Portfolio des Unternehmensverbundes.

Voll super, die Firma, oder?

Nun ja, die envia Mitteldeutsche Energie AG (kurz: „enviaM“) beliefert in den neuen Bundesländern rund 1,5 Millionen Kunden – aber produziert selbst kaum Strom. Der Unternehmensverbund verfügt nur über eine Handvoll kleinerer Kraftwerke, wie Daten der Bundesnetzagentur zeigen. Bei kraftwerke-online.de sind lediglich sechs Anlagen mit insgesamt gerade 317 Megawatt (MW) verzeichnet. Im Wesentlichen wird von enviaM also bloß Strom vertrieben. (Vermutlich vor allem dreckiger Kohlestrom von RWE, aber das ist eine andere Geschichte …)

Wir konzentrieren uns jetzt mal auf die Aussage: „Die enviaM-Gruppe setzt auf Erneuerbare Energien“ – dem Werbefoto nach zu urteilen wohl besonders auf Wasser. Wir wollten das etwas genauer wissen und fragten die Pressestelle in Chemnitz, welche Kapazitäten denn die auf der Website gepriesenen eigenen Grünstrom-Anlagen haben. Antwort: Das Biomasse-Heizkraftwerk kommt auf 10,6 MW, die sechs Biogasanlagen kommen zusammen auf 3,8 MW, und die vier Windparks ebenso wie die 14 Wasserkraftwerke auf 10,4 MW. Im Klartext, bei allen Erneuerbaren zusammen kommt enviaM also auf gerade einmal 36 Megawatt! Zum Vergleich: Das ist nur gut ein Zehntel der fossilen Kapazitäten. Und entspricht ganzen fünf Exemplaren der neuesten Generation von Groß-Windrädern (etwa der Enercon E-126) – andere Firmen bringen locker mehr als 40 Megawatt in einem einzigen (!) Windpark unter.

Wir fragten dann weiter, wie lange die Wasserkraftwerke der Firma schon in Betrieb sind. Denn alte Anlagen sind ja schön und gut, haben aber wenig mit der notwendigen Energiewende zu tun. Die Pressestelle mailte in ihrer Antwort:

enviaM_wasser_mail1

Hoppla, in der Tat stammt beispielsweise die Anlage im sächsischen Mittweida bereits aus dem Jahr 1923. Eine weitere Nachfrage ergab dann, dass durch Investitionen von enviaM in den vergangenen Jahren die Leistung aller Wasserkraftwerke um insgesamt 450 kW gesteigert wurde – wohlgemerkt insgesamt! Von den 10,4 MW Wasserkraft, so könnte man also sagen, sind lediglich gut 0,4 MW der Firma zu verdanken, die behauptet, bei Ökostrom könne ihr „keiner das Wasser reichen“ – die anderen 10 MW existieren seit vielen Jahrzehnten.

Aber noch etwas war uns aufgefallen: Die Anlagenkapazität von 10,4 MW reicht niemals für die 215.000 Haushalte, die enviaM laut Werbung „in Ostdeutschland mit Strom aus Wasserkraft“ beliefert. Selbst wenn man nicht nur den Wasserstrom der Firma gelten ließe, sondern ihren gesamten Ökostrom (die auf der Website genannten 145 Millionen kWh), dann müsste der Durchschnittsverbrauch der ostdeutschen Ökostrom-Kunden bei sensationell niedrigen 675 kWh pro Haushalt liegen – weniger als ein Viertel des Bundesschnitts. Tatsächlich verbrauchen Ostdeutsche weniger Strom als Westler, aber nicht so deutlich; irgendwas, schwante uns, kann da nicht stimmen. Und tatsächlich, weitere Nachfragen ergaben, dass die 215.000 Haushalte gar nicht mit Strom von enviaM versorgt werden. Sondern? Hier die Antwort:

enviaM_wasser_mail3

Ui, das versteht man bei RWE also unter

enviaM_wasser_kl

Wir bohrten noch ein bisschen weiter, fragten beispielsweise nach der exakten Anlage in Frankreich und deren Alter (andere Ökostrom-Anbieter geben darüber standardmäßig Auskunft), wir wollten die Zertifizierungsurkunde des vertriebenen Wasserstroms für 2012 oder zur Not auch nur für 2011 sehen (die Konkurrenz stellt solche Dokumente häufig zum Download auf ihre Website) und so weiter. Bedauerlicherweise endete an diesem Punkt die Auskunftsbereitschaft von enviaM, die letzte Mail der Pressestelle lautete:

enviaM_wasser_mail2

Ja, danke, liebe enviaM, das waren „alle notwendigen Angaben“ für eine Beurteilung Ihrer Werbung.

Danke an Charlotte S. aus Riesa für den Hinweis


Eon: Mit Drecksstrom sofort durchstarten

Montag, den 29. Oktober 2012

Hier also ein weiteres Motiv der aktuellen Eon-Kampagne, diesmal aus der Oktober-Nummer der ADAC Motorwelt, mit einer Auflage von mehr als 13 Millionen Stück immerhin Deutschlands größter Zeitschrift:

Okay, es war ja zu erwarten, dass sich auch Eon irgendwann mit dem hippen Thema Elektromobilität schmücken will – wie zuvor schon die Konkurrenz von RWE oder Vattenfall. Deutschlands größter Energieversorger schreibt also:

Klingt gut, oder? Aber lesen Sie die drei Zeilen bitte nochmal. Fällt Ihnen etwas auf? Der Konzern verspricht dort – streng genommen – nicht „CO2-freies Fahren“, sondern nur die Möglichkeit dazu.  Wer nämlich wirklich „sofort durchstarten“ will, wer dafür bei Eon ein Elektroauto bucht und den normalen Eon-Strommix tankt, der fährt alles andere als „CO2-frei“. Unter der Rubrik „Rechtliche Veröffentlichungspflichten“ heißt es nämlich auf der Firmenwebsite lediglich: „ Im Jahr 2030 werden wir 36 Prozent unseres Stroms in Erneuerbare-Energien-Anlagen produzieren.“ Und: „Bereits ab 2015 stehen uns über 10.000 Megawatt Windkraftkapazitäten zur Verfügung.“

Ja, ja, liebe Eon-Leute, aber wie hoch ist der Öko-Anteil am Eon-Strom heute?? Die Antwort hängt ab vom Wohnort des Kunden. Würde der freundlich lächelnde Paul Wagner aus der Annonce zum Beispiel in 22769 Hamburg wohnen, dann wären es (neben dem Anteil gesetzlichem EEG-Stroms) schlappe 4,2 Prozent – pro Kilowattstunde würden dann 453 Gramm CO2 freigesetzt. Wohnte Herr Wagner in 69221 Heidelberg, läge die Quote Eon-eigenen Ökostroms bei 7,1 Prozent (CO2-Emission pro kWh dort: 438 Gramm). Neben etlichen Atommeilern betreibt nämlich Eon einen großen Kohlekraftwerkspark – und steckt am hessischen Standort Staudinger oder im nordrhein-westfälischen Datteln sogar noch weitere Milliarden in neue CO2-Schleudern. Wer bei Eon einfach und sofort losfahren will, tut das also mit ziemlichem Drecksstrom.

Man muss ein Weilchen suchen, um auf der Firmen-Website reinen „Eon-Ökostrom“ zu finden ( zum Beispiel hier, dann ganz runterscrollen und auf „Ökostrom“ klicken) . Und da steht dann:

Nun sind Wasserkraftwerke nicht schlecht, und tatsächlich kann man den dort erzeugten Strom „CO2-frei“ nennen. Den Haken an Eons Wasser-Strom aber haben wir an dieser Stelle schon mehrfach erklärt, zum Beispiel 2008 oder 2009. Kurzgesagt ist das Problem, dass die meisten Anlagen schon einige Jahrzehnte alt sind. Und wenn ein Elektroauto-Kunde diesen Wasserstrom bucht, dann wird er aus dem ohnehin mageren Öko-Anteil des Eon-Strommixes herausgelöst: „Paul Wagner“ würde auf dem Papier tatsächlich „CO2-freie“ Elektrizität für sein Elektroauto kriegen – er würde aber im Gegenzug bei den anderen Eon-Kunden fehlen, ihr Energiemix würde im selben Maße dreckiger. Unterm Strich haben Umwelt und Klima deshalb gar nichts davon, wenn ein neues Elektroauto mit Strom aus alten Wasserkraftwerken fährt.

Liebe Leute von Eon, wirklich durchdacht ist diese „Lösung für CO2-freies Fahren“ also nicht!


Wirtschaftsministerium: Wirres zur Wasserkraft

Donnerstag, den 11. März 2010

bmwi_ee-broschuere1Erneuerbare Energien sind eine feine Sache. Deshalb hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie eine Druckschrift angefertigt. Um mal so richtig zu zeigen, was für eine feine Sache die Erneuerbaren sind. Nebenbei möchte das Haus mit der 44-seitigen Broschüre wohl auch beweisen, dass es sich nicht nur für Kohle- und Atomkraft interessiert.

Der Ausbau Erneuerbarer Energien in Deutschland sei „eine Erfolgsgeschichte“, heißt es beispielsweise. Wie wahr. Die Wasserkraft sei „eine wichtige regenerative Energiequelle“. Stimmt. Auf den Seiten 8 und 9 wird dann versucht, verschiedene Anlagentypen zu erklären: 1. Laufwasserkraftwerke, die „das natürliche Gefälle von Flüssen ausnutzen“; 2. Speicherkraftwerke, die „aus einem höher gelegenen Wasserreservoir (…) über Rohrleitungen Wasser in Turbinen“ leiten und in Strom verwandeln; 3. Pumpspeicherkraftwerke, die „zeitliche Differenzen im Strombedarf ausgleichen“ helfen. Soweit auch korrekt.

Aber dann steht da:bmwi_ee-broschuere2

Wie bitte? Pumpspeicherkraftwerke produzieren Strom? Falsch. Pumpspeicherkraftwerke können Energie speichern, aber eben nicht erzeugen. Denn die Energie, mittels derer sie bei Stromüberangebot das Wasser in höhergelegene Becken pumpen, um es bei Bedarf wieder abzulassen, in Strom zurückzuverwandeln und diesen ins Netz zu speisen – diese Energie kam ja vorher aus anderen Kraftwerken. Bislang waren es vor allem Kohle- und Atomeiler, die schwer regelbar sind und deshalb kaum auf Bedarfsschwankungen reagieren können. Künftig sollen Pumpspeicherwerke verstärkt dazu dienen, Strom aus Windparks zwischenzuspeichern - dann, aber auch nur dann, ist es korrekt, ihren Strom unter  „Erneuerbare Energien“ zu verbuchen. Derzeit aber ist die Formulierung einfach verkehrt. Auf Anfrage erklärte das Ministerium, man habe die Zahlen aus anderen, anerkannten Statistiken übernommen.

Zugegeben, die Broschüre erschien noch unter Michael Glos (CSU). Bleibt zu hoffen, dass das Ministerium in den kommenden Monaten mehr Kompetenz für Erneuerbare beweist, wo es doch gemeinsam mit dem Umweltressort das schwarz-gelbe Energiekonzept für die nächsten Jahrzehnte erarbeiten soll.

Danke an Martin R. für den Hinweis


E.on WasserKraft: Alter Strom in neuen Schläuchen

Mittwoch, den 16. Juli 2008

„Wir freuen uns, treuen Kunden ein ganz besonderes Angebot zu machen“, heißt es in einem Brief, den E.on Bayern in diesen Wochen verschickt. „Wie wäre es, wenn Sie ganz unkompliziert einen Beitrag für eine saubere Zukunft leisten könnten?“ Prima Idee, denkt man. E.on sei, preist sich das Unternehmen in dem Brief, „Deutschlands größter Betreiber von Wasserkraftwerken“ – dabei sollte es für den größten Energieversorger Deutschlands eigentlich selbstverständlich sein, auch die meisten Wasserkraftwerke zu haben. Aber E.on versucht sich ja neuerdings mit vielerlei Mitteln ein grünes Image zu geben.

Egal. Unter dem Namen „E.on WasserKraft“ bietet das Unternehmen nun Strom an, der „komplett aus Wasserkraft gewonnen“ wird. Und dies zu „fairen Konditionen“, wie E.on schreibt – unter „fair“ versteht der Konzern offenbar, den eigenen Preis knapp unter dem von unabhängigen Ökostrom-Anbietern wie GreenpeaceEnergy oder Lichtblick zu kalkulieren. Auf deren umweltbewusste, potenzielle Kundschaft hat der Energieriese es offenbar abgesehen.

Auf dem  Hochglanz-Faltblatt, das dem Brief beiliegt, finden sich liebliche Fotos und blumige Worte – aber auch ein Versprechen, das dieser Zielgruppe besonders wichtig sein dürfte:

Dies Versprechen aber ist zumindest zweifelhaft. Der Strom, den E.on seinen Kunden hier anbietet, stammt nämlich aus den 133 Wasserkraftanlagen, die der Konzern ohnehin betreibt – das sagt E.on auf Anfrage auch ganz offen, und ebenso offen gibt man zu, dass die Einnahmen auch nicht direkt in neue Ökostrom-Erzeugungsanlagen fließen. Die Produktidee von E.on WasserKraft ist so schlicht wie profitabel: Den Wasserstrom, den man ohnehin produziert und der bisher anteilig an alle E.on-Kunden floss, löst der Konzern einfach aus seinem allgemeinen Strommix heraus und verkauft ihn teurer an umweltbewusste Abnehmer.

Im Kleingedruckten des Faltblatts ist dies auch – mit etwas Mühe – zu erkennen. Laut Gesetz müssen Stromanbieter offenlegen, wieviel Gramm des Klimakillers Kohlendioxid sie pro erzeugter Kilowattstunde ausstoßen. Für die von E.on insgesamt in Deutschland erzeugte Elektrizität sind es 299 Gramm. Für Bezieher von „E.on WasserKraft“ werden in dem Werbeblatt null Gramm angegeben – dafür schlagen im Gegenzug bei den restlichen E.on-Kunden 303 Gramm zu Buche. Sie erhalten in ihrem persönlichen Energiemix einfach ein Prozent weniger Wasserstrom – und dafür ein Prozent mehr Atom- und Kohlestrom. Im Klartext: Je mehr E.on-Kunden zum teureren Wasserstrom wechseln, desto höher steigt bei den weniger umweltbewussten Kunden der Kohlendioxid-Wert - aber die interessiert das ja sowieso nicht. Insgesamt und damit fürs Klima ändert sich dadurch nichts.

Lügt E.on also mit dem Versprechen, „WasserKraft“-Kunden erhöhten den „Anteil von sauberem Strom am Gesamtstromaufkommen“? Nein, natürlich nicht, darauf achtet das Unternehmen selbstverständlich. Auf Anfrage erläutert E.on, man schenke doch jedem neuen WasserKraft-Kunden ein Guthaben von 25 Euro. Dies könnten sie auf Wunsch spenden, und zwar für ein „innovatives Wasserkraftprojekt“, sie müssten auf dem Bestellschein nur ein entsprechendes Kästchen ankreuzen. Welche Wasserkraftprojekt dies denn sei und wo es entstehen werde, konnte der Unternehmensvertreter auf die Schnelle aber nicht sagen. Und erwähnte beiläufig, dass sowieso kaum jemand die 25 Euro spende…

Danke an Carl P. für den Hinweis


EnBW: Zahlenspiele mit Atom- und Wasserkraft

Donnerstag, den 10. Januar 2008

Die „German Times“ ist eine englischsprachige Monatszeitung, die seit Frühjahr 2007 in Berlin erscheint. Sie richtet sich an die politische Klasse Europas. Ein guter Teil der Auflage (nach eigenen Angaben 50.000 Stück) wird kostenlos an alle Abgeordneten des Europaparlaments verteilt, außerdem an alle Parlamentarier und Regierungen der Mitgliedsstaaten, an die EU-Kommission und, wie der Verlag beim Start des Blattes mitteilte, „nicht zuletzt an die wichtigsten europäischen Entscheider der Wirtschaft“.

Ein höchst attraktives Medium also für die Imagewerbung von Großunternehmen. Und so findet sich in der Ausgabe 1/2008 eine ganzseitige Anzeige von EnBW, dem viertgrößten Energiekonzern Deutschlands. Unter einem riesigen Foto von der Baustelle des Wasserkraftwerkes Rheinfelden steht da: Do we have...

 

 

 

 

(Zu deutsch etwa: „Haben wir die Energie, neue Energien zu entwickeln?“) Und weiter: „EnBW hat mehr CO2-freie Energie als jeder andere deutsche Energieversorger. Vor allem Wasserkraft. Aber auch Atomenergie. Das hilft uns, Erneuerbare Energiequellen zu entwickeln. Ohne dass uns in der Gegenwart die Energie ausgeht.“

Das alles ist mit Bedacht formuliert, denn will EnBW nicht lügen. Denn natürlich gibt es Anbieter, die pro Kilowattstunde (kWh) erzeugten Stroms weniger Kohlendioxid ausstoßen als EnBW. Oder bei denen der Anteil von klimaschonendem Strom am Gesamtabsatz größer ist. Die sogar zu hundert Prozent CO2-freien Strom verkaufen. (Im EnBW-Konzern beträgt der Anteil Erneuerbarer Energien laut eigener Homepage nur 17 Prozent.) Aber diese Öko-Konkurrenten sind viel kleiner als EnBW, in absoluter Menge gerechnet „haben“ sie deshalb tatsächlich weniger CO2-freie Energie als der Branchenriese aus Karlsruhe.

Mehr als die Hälfte der Anzeige füllt ein Bild des Wasserkraftwerkes. Und auch im Anzeigentext heißt es, man habe „vor allem Wasserkraft“. Das aber darf man nun nicht mengenmäßig verstehen. Denn der Anteil von Atomstrom am EnBW-Konzernmix ist mit 51 Prozent dreimal so hoch wie alle Erneuerbaren Energien zusammengenommen. Und höher als bei allen anderen deutschen Stromkonzernen – weshalb pro kWh EnBW-Strom fast doppelt so viel Atommüll anfällt als im Bundesdurchschnitt.

Da fällt der offensichtlichste Fehler Schnitzer fast nicht mehr ins Gewicht: Atomkraftwerke mögen zwar weniger Kohlendioxid ausstoßen als Kohlekraftwerke, doch „CO2-frei“ sind sie nicht. Das Öko-Institut hat für deutsche AKW einen Ausstoß von mindestens 31 Gramm Kohlendioxid pro erzeugter Kilowattstunde ermittelt (wenn das Uran aus Russland kommt, erhöht sich der Wert wegen des dort wenig ökologischen Brennstoffgewinnung schon auf 62 Gramm).