Eon: Frau Jung veralbern

Neues von Eon: Der Konzern wird jetzt ganz grün. Im Dezember hatte der größte Energiekonzerns Europas eine neue Konzernausrichtung verkündet, nach der er sich künftig auf erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen konzentrieren will. In den kommenden elf Monaten soll der Konzern in zwei Gesellschaften aufgespalten werden: Die Geschäftsfelder „konventionelle Erzeugung“ und „globaler Energiehandel“ soll in eine neue, eigenständige Gesellschaft ausgegliedert werden.

Toll! Grüne Energie will jetzt jeder, sogar Eon. Und das läuft nun auch:

eonTatsächlich hatte der Konzern im vergangenen Jahr 180 neue regelbare Ortsnetztransformatoren neu in Betrieb genommen, weshalb sich Eon auch als „Technikpionier“ bezeichnet: Die RONTS genannten Transformatoren könnten nach Berechnung der Deutschen Energieagentur „bis 2030 allein im Niederspannungsnetz Kosten für den Netzausbau in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro“ einsparen, wie der Konzern stolz mitteilt.

Trotzdem stimmt etwas nicht mit der Antwort an Frau Jung. Dort heißt es nämlich erstens:

eon1Und zweitens steht in dieser Antwort: eon2Im Mai steht in Eons größtem Atomkraftwerk, dem AKW Grafenrheinfeld, der Wechsel der Brennelemente an. Dummerweise muss Eons 1.345 Megawatt starke Stromproduktionsmaschine am linken Mainufer nach dem Atomausstiegsgesetz Anfang 2016 abgeschaltet werden. Und dummerweise verstößt die deutsche Brennelementesteuer auch nicht gegen Europarecht, wie jetzt Maciej Szpunar, der Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof (EuGH), festgestellt hat.

Wechselt Eon im Mai die Brennstäbe, müsste das Unternehmen also Steuern zahlen – 80 Millionen Euro. Um das zu vermeiden, will der Konzern das AKW Grafenrheinfeld lieber schon jetzt vom Netz nehmen. Mit gravierenden Folgen.

Zu zweitens: Eon verliert klimafreundliche Erzeugerkapazität, der ohnehin noch nicht sehr grüne Strommix von Eon wird dann noch kohlelastiger.

Zu erstens: Es müssen dringend neue Leitungen nach Bayern gebaut werden. Denn wenn dort, wo die Industrie brummt, solch ein großes Kraftwerk wegfällt, muss der Strom ja irgendwo herkommen. Suedlink“ heißt das Trassenprojekt, das an die abgeschalteten AKWs in Bayern Windstrom aus dem Norden liefern soll.

Nicht falsch verstehen, liebe Eons: Natürlich finden wir den neuen, von euch eingeschlagenen Kurs super! Und natürlich wissen wir, dass ihr auf diesem Weg eine Menge Probleme bekommt! Aber gerade deshalb fänden wir´s nicht schlecht, wenn ihr Technikpioniere uns nicht für dumm verkaufen würdet!

Danke an Susanne S. aus Zossen für diesen Tipp!