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Eon: Professionelle 0,00613 Prozent

Donnerstag, den 8. Oktober 2015

Eon entdeckt jetzt die Solarkraft.

„Bei uns gibt’s ja immer mehr Solaranlagen“, sagt ein von dieser Entwicklung sichtlich überraschter Bartträger namens „Herr Koch“ im neuen Eon-TV-Clip. Um dann zu fragen: „Aber wer sorgt dafür, dass die auch nach Jahren noch in Form sind?“

Dann folgt jene viereckige Sprechblase, in die schon Julia Weiß, die fotogene Anna Kuhn, der coole Paul Wagner und, und, und … im Eon-Werbeformat gesprochen haben: „Sagt mal Eon: Packt ihr das an?“

eon

Leider versäumt es Eon, die „Packt-Ihr-das-an“-Frage zu beantworten. Der Sprecher sagt stattdessen: „Schon heute erzeugen die Solaranlagen in Deutschland grünen Strom für 20 Millionen Menschen“. Die Frage war doch aber: „Eon: Packt ihr das an?“

Also muss der Klima-Lügendetektor ran!

Photovoltaikanlagen speisten im Jahr 2014 insgesamt 32,8 Terawattstunden Solarstrom ins öffentliche Netz ein. Eine Terawattstunde, das sind eine Milliarde Kilowattstunden. Wie das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ermittelte, stieg die Sonnenstromproduktion gegenüber dem Vorjahr damit um 1,8 Terawattstunden – 5,9 Prozent mehr. Insgesamt wurden 2014 in der Bundesrepublik 521 Terawattstunden Strom produziert, die Sonnenkraftwerke trugen also 6,3 Prozent bei.

Ob das tatsächlich, wie von Eon behauptet, für 20 Millionen Menschen reicht – das ist zu bezweifeln. Erstens muss man von der produzierten Strommenge den Exportüberschuss abziehen. Der lag 2014 bei einem neuen Rekord: 34 Terawattstunden. Das meiste dieses Stroms ging nach Polen, den Niederlanden und Tschechien. Rechnerisch hätten also auch 20 Millionen Polen, Niederländer oder Tschechen mit grünem Strom verorgt werden können. Welcher Strom nämlich physikalisch tatsächlich exportiert wurde, dass kann niemand wirklich sagen. Es könnte auch Strom aus Solaranlagen sein.

Zweitens ist der Pro-Kopf-Stromverbrauch für einen Zwei-Personen-Haushalt ein ganz anderer als für einen Vier-Personen-Haushalt. Deshalb gibt es keine seriöse Angabe zum Stromverbrauch von – sagen wir – einer Million Deutscher. Eon ist bei seinen „20 Millionen Menschen“ wohl eher grob mit dem Schätzdaumen vorgegangen.

Die entscheidende Information aber unterdrückt der Eon-Werbeclip geschickt: Unterstellen wir Eons Behauptung einmal, dass Solaranlagen in Deutschland grünen Strom tatsächlich für 20 Millionen Menschen erzeugen. Weil aber Eon die solare Wende eben nicht angepackt hat, trägt der Atom- und Kohlekonzern so gut wie nichts dazu bei – aus Mangel an eigenen Solaranlagen. „Sagt mal Eon: Wieviel Solarkraft habt ihr eigentlich?“

„Aus Wettbewerbsgründen veröffentlichen wir unsere genauen Installationszahlen nicht“, erklärt ein Eon-Sprecher dem Klima-Lügendetektor. Immerhin gibt es eine Liste mit Referenz-Projekten, die fast alle erst seit letztem Jahr am Netz sind. Dachanlagen auf Autohäusern zum Beispiel mit einer installierten Maximal-Leistung von 29 Kilowatt, die 28.000 Kilowattstunden im Jahr produzieren kann. Oder auf Firmendächern, wo 150.000 Kilowattstunden im Jahr produziert werden sollen. Die installierte Eon-Referenzleistung zusammengerechnet ergibt eine Jahres-Stromproduktion von 2.010 Megawattstunden. Damit trug Deutschlands größter Stromkonzern mit 0,00613 Prozent zur deutschen Solarstromproduktion bei.

Das ist natürlich nicht der Rede wert. Und trotzdem werden – werbetechnisch – daraus „Solarprofis“:

eo

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2015 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER