Archiv des Schlagwortes ‘Elektroheizungen’

wibo: Täuschend echte Effizienz

Montag, den 31. August 2015

Es ist vielleicht gerade heute bei 34 Grad im Schatten das falsche Thema: Die Hamburger Firma wibo wirbt für die „neue Wärme-Effizienz-Heizung“. Es geht um Elektroheizungen per Postwurf

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und um „heimelige Atmosphäre auf Knopfdruck“: Das „täuschend echte Flammenspiel – brandneu entwickelt“ ist die „erste elektrische Kamin-Serie mit Wärme-Effizienz-System“:

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Die Geräte sind „Partner der Energiewende“, wie das Siegel rechts unten in der Ecke verrät, sie sind „eco Systems Niedrigenergie“ und vor allem zeichnen sie sich aus durch

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„Jetzt von den Sommer-Angeboten profitieren“, rät die Firma wibo. Besser nicht, raten wir: Heizen mit Strom ist extrem ineffizient und obendrein teuer. Verbraucherzentralen warnen deshalb seit Langem vor der Anschaffung solcher Geräte. Und weil der Strom natürlich nicht einfach aus der Steckdose kommt, sondern hierzulande immer noch vor allem aus Kohlekraftwerken, sind Elektroheizungen und -kamine alles andere als „Partner der Energiewende“.

Laut einer Studie des Instituts für Zukunftsenergiesysteme (IZES) verursachen Elektroheizungen 3,6-mal mehr Treibhausgase als moderne Gasbrennwertheizungen und 13-mal mehr als Holzpelletheizungen. In Deutschland sind sie für den Ausstoß von jährlich 30 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich, das sind mehr als drei Prozent der gesamten bundesdeutschen Emissionen.

Früher hieß es in den wibo-Postwurfsendungen, die Öfen sorgten für „CO2-freie“ Wärme. Heute werben die Elektroheizer mit dem Slogan:

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Der Bund der Energieverbraucher hatte 2004 geurteilt: „Eine Stromheizung als wirtschaftlich und umweltschonend anzupreisen stellt nach Auffassung des Bundes der Energieverbraucher eine Irreführung von Verbrauchern dar.“ Aus diesem Grund hat der Verbraucherverband einen bayerischen Hersteller abgemahnt, der daraufhin seine Werbebroschüren ändern musste.

Bund der Engieverbraucher: Bitte übernehmen!

PS: Die auf der Werbung verwendeten Siegel „eco Systems Niedrigenergie“, „Wärme-Effizienz-Heizung“ und „Partner der Energiewende“ gibt es nur bei wibo. Und als „Partner der Energiewende“ sieht sich auch die deutsche Steinkohlenwirtschaft.

Danke an Michael M. aus Lechbruck am See für den Hinweis


Thermotec: Die Ökostrom-Verschwender

Mittwoch, den 4. April 2012

Elektroheizungen sind ja ein Dauerbrenner hier auf dem Blog. Aber der letzte Text liegt tatsächlich schon mehr als ein Jahr zurück, deshalb schauen wir mal wieder auf das Thema. Schließlich wirbt auch die Elektroofen-Branche trotz aller Warnungen von Verbraucherschützern und Umweltverbänden und entgegen eindeutiger Forschungsergebnisse weiter für ihre Stromfresser.

Diesmal hat uns ein Leser auf die Internetseite der sächsischen Firma Thermotec hingewiesen:

Im Kleingedruckten der Homepage heißt es:

Hübsch, oder? Weil es sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass Elektroheizungen die Schadstoffemissionen lediglich aus dem eigenen Heizungskeller ins Kraftwerk verschieben, legen viele Hersteller ihren Kunden mittlerweile einen Ökostrom-Vertrag nahe (aber meist nur im Kleingedruckten). Thermotec verzichtet sogar darauf und verweist einfach auf die 20 Prozent sauberen Stroms, die sich dank des Erneuerbare-Energien-Gesetzes mittlerweile im normalen Strommix finden.

Formal stimmt ja auch, dass für diese Elektrizität keine Treibhausgas-Emissionen anfallen (jedenfalls nach der üblichen Bilanzierungsmethode). Trotzdem wäre es falsch, mit Ökostrom zu heizen (jedenfalls wenn es sich nicht um ein Niedrigenergiehaus handelt, wo für den minimalen Wärmebedarf manchmal tatsächlich eine Elektroheizung sinnvoll sein kann). Von „Verschwendung“ spricht klar und deutlich beispielsweise Jens Schuberth vom Umweltbundesamt. Stattdessen sollte Ökostrom, solange es ihn noch nicht im Überfluss gibt, im Interesse des Klimaschutzes dort eingesetzt werden, wo er am meisten Kohlendioxid vermeidet. Und das ist nunmal nicht beim Heizen – denn hierfür gibt es eine ganze Reihe relativ klimaschonender Möglichkeiten: Fernwärme (aus effizienten Gaskraftwerken) zum Beispiel oder Sonnenkollektoren in Kombination mit einem Erdgas-Brennwertkessel oder einer Holzpellet-Heizungen oder ähnliches. “Der wertvolle Ökostrom sollte zur Substitution des Kohle- und Atomstroms verwenden werden in Bereichen, wo man keine andere Energie einsetzen kann“, erklärt Birgit Holfert von der Energieberatung des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes (vzbv), „beispielsweise bei der Beleuchtung oder bei Elektromotoren.“ Wer Ökostrom hingegen zum Heizen nutzt, treibt den Gesamt-Elektrizitätsbedarf hoch und sorgt dafür, dass dreckige Stein- oder Braunkohlekraftwerke unnötig am Netz bleiben.

Achso, Elektroheizungen als „heimliche Klimaschützer“ zu bezeichnen, ist in jedem Falle falsch. Selbst unter Berücksichtigung des 20-prozentigen Ökostrom-Anteils ist der deutsche Strommix mit gut 560 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde immer noch so dreckig, dass die (indirekten) CO2-Emissionen fürs Heizen mit Strom mehr als doppelt so hoch sind wie beispielsweise einer modernen Erdgasheizung.

Danke für Mario Sedlak aus Wien für den Hinweis


Infrarot-Heizungen: Alles andere als grün

Freitag, den 28. Januar 2011

Dass Elektroheizungen und insbesondere Nachtspeicheröfen echte Öko-Schweinereien sind, ist mittlerweile allgemein bekannt. Aber Unternehmen sind ja erfinderisch. Auf Handzetteln in Baumärkten preist beispielsweise die britische Firma Tansun ihre „Quarzheizungen mit neuester Kurzwellen-Technologie“ an.

Oder Redwell aus Österreich, die ihre Infrarot-Heizkörper zum Beispiel als freihängende Kugeln liefert oder mit Bildern bedruckt, damit sie Wände verzieren können. Eine „Innovation“ sei das, „effektiv“ und „energiesparend“, sogar „wohltuend“ und „gesundheitsfördernd“.

Phänomenal, oder? Dabei ist das Heizen mit Infrarot-Strahlern ein ziemlich alter Hut, in Ställen oder Gewerbehallen zum Beispiel seit Jahrzehnten üblich. Infrarot-Heizungen haben den Vorteil, dass ihre Strahlen nicht die Raumluft erwärmen, sondern direkt die Körper, auf die sie treffen. Das Prinzip ist vom Gletschersonnenbad bekannt: Trotz frostiger Luft ist es in der Sonne angenehm warm.

Dieses direkte Erwärmen spare eine Menge Energie, behaupten nun die Hersteller. Als „kostengünstig und äußerst ökonomisch“, bewirbt etwa Tansun seine Produkte, sie seien „40 Prozent effektiver als herkömmliche Systeme“. Verbraucherschützern stehen dabei die Haare zu Berge. Allenfalls im Vergleich zu anderen Elektroheizungen sind die Infrarot-Strahler vielleicht effizienter – doch selbst daran habe er „große Zweifel“, sagt Peter Kafke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Theoretische Vorteile der Strahler seien in der Praxis wenig bedeutsam. Denn um in Wohnungen ein behagliches Raumklima zu schaffen, würden Nutzer immer auch die Luft indirekt miterwärmen müssen. „Der reale Stromverbrauch dürfte deshalb kaum unter dem konventioneller Elektroheizungen liegen.“ Und weil die Strahler teuren Tagstrom verbrauchen, lägen die Betriebskosten „sogar über denen von Nachtspeicheröfen“.

Um Kritiker zu kontern, hat Redwell sich von einer griechischen Universität eine Studie erstellen lassen. Die Heizer aus Österreich, heißt es darin vollmundig, seien „sämtlichen sonstigen Heizsystemen … unter Berücksichtigung aller wirtschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Aspekte eindeutig überlegen“. Doch liest man das 24-seitige Papier genau, dann fällt auf, dass selbst in dieser Auftragsarbeit moderne Erdgasheizungen deutlich ökologischer abschneiden als die Infrarot-Heizer. Ein Vorteil für die Redwell-Produkte ergab sich nur, als in dem fiktiven Testhaus die Heizstrahler mit Solarkollektoren und einer Photovoltaik-Anlage kombiniert wurden.

Tansun behauptet auf seiner Internetseite sogar, seine Heizstrahler lieferten „CO2-freie“ Wärme. Das ist natürlich gelogen. Sie verursachten „keine direkten CO2-Emissionen“, heißt es präziser auf den Werbezetteln aus dem Baumarkt. Denn indirekt verursachen Elektroheizungen sehr wohl Kohlendioxid, ein Großteil des Stroms kommt hierzulande schließlich aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken. Unterm Strich liegen die CO2-Emissionen von Elektroheizungen pro Kilowattstunde mehr als doppelt so hoch wie bei modernen Erdgasheizungen. Außerdem ist es Quatsch, Stromheizer als „effizient“ zu bezeichnen. Selbst wenn das einzelne Gerät nahezu hundert Prozent des eingesetzten Stroms in Wärme umwandelt, bleibt das Gesamtsystem extrem ineffizient – denn selbst moderne Großkraftwerke haben Wirkungsgrade von unter 50 Prozent, d.h. dort geht mehr als die Hälfte der eingesetzten Primärenergie verloren. Heizen mit Strom sei daher unverantwortlich, sagt Peter Mellwig von der Energieberatungsgesellschaft co2online, auch ein Wechsel zu Ökostrom ändere daran nichts. „Elektrizität ist eine aufwändig erzeugte Energieform, die zur Wärmeerzeugung einfach zu schade ist.“

Und das gilt für konventionelle wie unkonventionelle Elektroheizer gleichermaßen.


RWE: Falsche Werbung für Strom(ver)heizer

Freitag, den 5. Juni 2009

RWE-Chef Jürgen Großmann hat dolle Sache angekündigt. So will der Essener Stromriese in den kommenden Jahren viel etwas Geld in Erneuerbare Energien stecken, beispielsweise in Windkraftprojekte oder Biomasse-Kraftwerke. Energieeffizienz ist laut Großmann ebenso eine der zentralen „Herausforderungen“ – eine eigene Tochtergesellschaft für dieses Feld soll entstehen, der Universität Dortmund hat der Konzern kürzlich für eine halbe Million Euro eine Professur für Energieeffizienz gestiftet.

Fast hätten wir RWE dieses Engagement abgekauft. Denn auch mit der Dienstleistung Energiesparen kann ein Konzern ja gutes Geld verdienen. Und nun das: Für seine Kunden hat RWE einen fast 100 Seiten dicken „Energiekatalog 2009″ aufgelegt. Dass das Unternehmen sich darin selbst feiert – klar. Dass man Atomkraftpropaganda unterbringt („Kernenergie hilft, die Erneuerbaren in der Grundlast abzusichern“, heißt es etwa – was völliger Humbug ist, denn in Wahrheit taugen unflexibel laufende Reaktoren eben NICHT als Ergänzung von schwankender Wind- oder Solarenergie); aber o.k. – auch das war nicht anders zu erwarten. Doch dann, auf Seite 59 des Katalogs, preist RWE Nachtspeicherheizungen an – und das sogar in der Rubrik „Energie sparen“!

Auf einer ganzen Seite werden dort die falschen Argumente ausgebreitet, die Hersteller von Stromheizungen so gern bemühen: „Effizient und nahezu vollständig wandelt die Elektrospeicherheizung Strom in Wärme um“, heißt es etwa. Was streng genommen sogar stimmt – aber eben verschweigt, dass die vorherige Elektrizitätserzeugung durch Umwandlung von Wärme in Strom in den von RWE bevorzugten Kohlekraftwerken extrem ineffizient ist. „Die Elektro-Speicherheizung ist das Heizsystem der kurzen Wege“, schreibt RWE weiter, es entstehe „kein Verteilungsverlust, denn die Wärme wird dort erzeugt, wo sie verbraucht wird.“ Auch das ist Käse, denn bevor die Wärme in der Nachtspeicherheizung entsteht, ist der Strom aus den RWE-Kraftwerken oft über weite Strecken dorthin transportiert worden – mit entsprechenden Leitungsverlusten.

Aber wir brauchen hier gar nicht viele Worte machen. RWE weiß nämlich selbst, worauf Umwelt- und Verbraucherschützer immer wieder hinweisen – dass nämlich Elektroheizungen ineffizient, klimaschädlich und außerdem teuer sind. Auf seiner eigenen Internetseite bietet der Stromkonzern einen „Heizsystem-Vergleich“. Und dort ist zu der – im Energiekatalog so hochgelobten – Elektro-Speicherheizung dies zu lesen:

 

 

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen – erstmals in der Geschichte des Klima-Lügendetektors können wir RWE voll und ganz zustimmen! Dass der Konzern trotzdem versucht, den Leserinnen und Lesern seines „Energiekatalogs“ unwirtschaftliche und ökologisch problematische Heizungen anzudrehen, kann man wohl nur als versuchte Ankurbelung des Stromabsatzes erklären.

Danke an Udo H. aus Düren für den Hinweis


EVO: Wirre Werbung für Elektroheizungen

Freitag, den 20. März 2009

Das ist Herr Barth. Herr Barth schreibt viele Briefe. Genauer gesagt bekommen viele Menschen in der ganzen Republik seinen Brief als Postwurfsendung. Zwei Seiten lang ist er, und oben drüber steht: „Warum Heizen mit Strom billiger ist“. Leider geht es im ganzen Brief dann nicht ein einziges Mal um Energiepreise – vielleicht, weil ein direkter Vergleich etwa mit Heizöl, Fernwärme oder Holzpellets in Wahrheit (jedenfalls in dieser Übersicht der Verbraucherzentrale NRW) zeigt, dass Strom extrem teuer ist. Eine möglicherweise billigere Anschaffung von Elektroheizern, so warnen Verbraucherschützer unisono, wird durch die hohen laufenden Kosten mehr als ausgeglichen.

Herr Barth preist in seinem Brief Teilspeicherheizungen der Firma EVO an – die mit „dem berühmten Speicherkern aus EVOLiT“! Wahnsinn, echt revolutionär, diese Mischung aus gutem alten Speckstein und Schamott! Unter Umwelt- und Verbraucherschützern ist EVO übrigens nicht für innovative Produkte berühmt, sondern für „sehr aggressive“ Werbung zugunsten von „Elektroheizungen, Nachtspeicheröfen, elektrische Radiatoren und andere Formen der Energieverschwendung“.

Werfen wir also einen Blick auf ein paar Passagen in Barths Brief:

Den ersten Satz, sorry, verstehen wir auch nach mehrmaligem Lesen nicht. Unter der im Brief angegebenen Telefonnummer haben wir Herrn Barth leider nicht erreicht, um ihn zu fragen, was er meint – eine nette Telefonistin bot uns lediglich die Zusendung eines EVO-Katalogs an. Am zweiten Satz stimmt lediglich, dass Strom verlustlos in Wärme umgewandelt werden kann – aber bei der Erzeugung des Stroms in den üblichen Atom- oder Kohlekraftwerken gehen in der Regel zwei Drittel der Energie als Abwärme verloren. Aus der Steckdose kommt nur etwa ein Drittel der Energie an, die im Kraftwerk verfeuert wurde – egal wie toll der Elektroheizkörper konstruiert ist, er bleibt immer Teil einer verschwenderischen Heiztechnologie. Und zum „vernünftigen Umgang mit Energie“ regen Stromöfen vielleicht wirklich an – weil sie im Betrieb so teuer sind.

Diese Passage ist ähnlich wirr: Die Frage des Umweltnutzens von Elektroautos entscheidet sich nicht an den Ladeverlusten der Bordbatterien, sondern die Art und Weise der Stromerzeugung. Aber das haben sie mit Elektroheizungen gemein. – Weiter gehts:

Ja, ja, stimmt schon, Herr Barth. Aber warum erwähnen Sie nicht die Umweltschäden, die beim Uranabbau entstehen? Die Energie, die beim heute üblichen Import von Steinkohle aus Australien oder Südafrika aufgewendet wird? Die schwefeligen Abgasfahnen der Schiffsdiesel? Klar, Strom KANN überwiegend mit heimischen Energien erzeugt werden – derzeit ist dies leider vor allem Braunkohle, der dreckigste Energieträger überhaupt. Und, Herr Barth, wenn Sie schon Transportverluste thematisieren: Die derzeit in Deutschland üblichen Großkraftwerke führen dazu, dass Strom über weite Strecken geleitet werden muss – und dabei geht im Netz natürlich eine Menge Energie verloren.

Genau, Strom kommt jederzeit und überall einfach so aus der Steckdose. Die Zukunft liegt jedenfalls nicht in der Möglichkeit, den wertvollen Strom in ineffizienten Elektroheizungen zu verbraten.

Danke an Michael M. und Andreas S. für die Hinweise

P.S.: Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat EVO kürzlich wegen zweifelhafter Aussagen abgemahnt. In Broschüren hatte die Firma unter anderem behauptet, Strom sei „das einzige Medium welches sich zu 100 % in Wärme wandeln lässt“ oder „Elektrisch heizen ist nicht teuer“.


Wibo-Werk: Verschwendung – jetzt noch besser!

Mittwoch, den 21. Januar 2009

Schon vor fast einem Jahr beschäftigte uns das Hamburger Wibo-Werk, ein Anbieter von Stromheizungen. Die Produkte sorgten für „co2-freie“ Wärme, hieß es damals auf Postwurfsendungen. Was natürlich Blödsinn ist – jedenfalls solange wie in Deutschland etwa die Hälfte des verbrauchten Stroms aus Kohlekraftwerken stammt.

In ihrer neuen Werbung behauptet das Wibo-Werk nun die Klimafreundlichkeit nur noch für Kunden von Ökostrom-Anbietern. Energieverschwendung ist das dann immer noch, weil in den Stromnetzen bei der Übertragung Elektrizität verloren geht und Strom ohnehin eine viel zu wertvolle Energieform ist, um damit Räume zu heizen. Aber egal.

Auch die anderen „Vorteile“, die Wibo in seiner Werbung aufführt, sind zweifelhaft: Mit Strom zu heizen sei „günstig“ – Verbraucherzentralen dagegen warnen regelmäßig vor diesem „Märchen“. Wer mit Strom heizt, zeige „ein Bewusstsein für die Umwelt“, behauptet die Firma, denn die „staatlich streng kontrollierten Kraftwerke“ hätten „hohe technische Wirkungsgrade“. Auch dies stimmt nicht, die üblichen Großkraftwerke auf Kohle- oder Atom-Basis haben lausige Wirkungsgrade, meist geht dort mehr als die Hälfte der eingesetzten Primärenergie verloren.

Besonders schräg aber ist die Behauptung, mit Wibo-Stromheizungen seien „Einsparungen bis zu 40 Prozent“ möglich. Nicht ohne Grund findet sich hinter der Zahl ein Sternchen. Es verweist auf dieses Kleingedruckte:

Damit ist wohl gemeint: Die „hochentwickelten“ Wibo-Produkte verfügen über Thermostate, die den Heizkörper ab und zu auch mal abschalten, weshalb gegenüber einem ständig laufenden Stromfresser natürlich etwas weniger Energie verbraten wird. Das ist seit langem technischer Standard, auch bei anderen Heizungen.

Mit der Einsparung im Regelbetrieb, wie sie etwa Energiesparlampen gegenüber konventionellen Glühbirnen aufweisen, hat das nichts zu tun. Trotzdem wirbt das Wibo-Werk auf seinen Postwurfsendung mit diesem Motiv:

Danke an Michael M. aus Lechbruck für den Hinweis

P.S.: In einer früheren Version dieses Textes schrieben wir, das Wibo-Werk biete auch Nachtspeicheröfen an. Das war nicht korrekt. Im Sortiment der Firma finden sich – neben Elektrokaminen und „Elektro-Kachel-Öfen“ – nur „Elektrische Speicher-Flach-Heizungen“, die aber mit normalem Tagstrom betrieben werden. Das sei ökologisch „ja noch viel schlimmer“, sagt dazu Prof. Uwe Leprich, Heizungsexperte von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken. Denn wenn Elektroheizungen tagsüber ihren Strom ziehen, erhöhen sie den Elektrizitätsbedarf, wenn er ohnehin hoch ist. Für die Stromnetze und den Kraftwerkspark wäre das „verheerend“. Auch die Beratungsgesellschaft co2online.de warnt davor, mit Tagstrom zu heizen. Dies sei, wie eine Grafik auf deren Internetseite zeigt, für Verbraucher der mit Abstand teuerste Energieträger. Immerhin will die Bundesregierung im Rahmen ihres Klimapakets festschreiben, dass besonders ineffiziente Nachtspeicherheizungen auf lange Sicht verboten werden.


Klein, aber oho (2): Wibo-Werk Hamburg

Sonntag, den 9. März 2008

Im Spielfilm „Ödipussi“ kauft der Stoffhändler Paul Winkelmann (gespielt von Loriot) einen Elektrokamin mit künstlicher Glut, um eine gemütliche Atmosphäre für den bevorstehenden Besuch der Psychologin Margarethe Tietze (Evelyn Hamann) zu schaffen, die er auf einen Hefezopf eingeladen hat. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Effizienz und Umweltschädlichkeit verschiedener Heizungstypen dagegen sind messbar. Deshalb ist die Postwurfsendung des Hamburger Wibo-Werkes einfach zu widerlegen: Ihre Elektrokamine und andere Stromheizungen seien „Feinstaub und CO2 frei“, so die dreiste Behauptung. „Einfach hinstellen und einschalten“, heißt es weiter. Und das Hirn ausschalten, möchten wir hinzufügen.

In Wahrheit ist Heizen mit Strom extrem ineffizient und obendrein teuer. Verbraucherzentralen warnen deshalb seit Langem vor der Anschaffung solcher Geräte. Und weil der Strom nicht einfach aus der Steckdose kommt, sondern hierzulande immer noch vor allem aus Kohlekraftwerken, sind Elektroheizungen und -kamine alles andere als CO2-frei.

Laut einer Studie des Instituts für Zukunftsenergiesysteme (IZES) verursachen Elektroheizungen 3,6-mal mehr CO2 als moderne Gasbrennwertheizungen und 13-mal mehr als Holzpelletheizungen. In Deutschland sind sie für den Ausstoß von jährlich 30 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich, das sind mehr als drei Prozent der gesamten Emissionen. Aus Gründen des Klimaschutzes möchte deshalb die Bundesregierung Elektroheizungen baldmöglichst verbieten. Für das Klima ist es schließlich egal, ob das CO2 im Wohnzimmer von Herrn Winkelmann entsteht oder in einem Kohlekraftwerk.

Darauf angesprochen, erwidert eine freundliche Dame am Servicetelefon des Wibo-Werks: „Es gibt doch heute Biostrom, das kann jeder selbst wählen.“ Zwar stimmt es, dass man mit einem Anbieterwechsel seine strombedingten CO2-Emissionen um zwei Drittel und mehr senken kann (und sollte!). Wie ernst es der Hamburger Firma aber mit diesem Hinweis ist, zeigt ein Blick auf deren Internetseite.

10 Gründe für das Heizen mit Strom“ sind dort aufgeführt, zum Beispiel: „Sie haben beim Heizen ein Bewusstsein für die Umwelt. Denn mit Strom nutzen Sie die hohen technischen Wirkungsgrade von modernen, staatlich streng kontrollierten Kraftwerken.“ Das ist ziemlicher Humbug, denn für Wirkungsgrade gibt es – leider – in Deutschland keine staatlichen Vorschriften. Ein Hinweis auf Ökostrom ist auch nirgends zu finden. Im übrigen hält Günther Frey, der Autor der IZES-Studie, selbst das Betreiben einer Elektroheizung mit Strom aus regenerativen Quellen für eine „erhebliche Verschwendung von Ressourcen“.

Das angepeilte Verbot der Bundesregierung wird sich vermutlich nur auf Nachtspeicherheizungen beziehen, das weiß auch die Dame am Wibo-Service-Telefon. Ist das vielleicht der Grund, warum die Firma schon mal verstärkt ihre Kamin-Imitate anpreist?

Danke an Torsten M. für den Hinweis