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wibo: Täuschend echte Effizienz

Montag, den 31. August 2015

Es ist vielleicht gerade heute bei 34 Grad im Schatten das falsche Thema: Die Hamburger Firma wibo wirbt für die „neue Wärme-Effizienz-Heizung“. Es geht um Elektroheizungen per Postwurf

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und um „heimelige Atmosphäre auf Knopfdruck“: Das „täuschend echte Flammenspiel – brandneu entwickelt“ ist die „erste elektrische Kamin-Serie mit Wärme-Effizienz-System“:

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Die Geräte sind „Partner der Energiewende“, wie das Siegel rechts unten in der Ecke verrät, sie sind „eco Systems Niedrigenergie“ und vor allem zeichnen sie sich aus durch

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„Jetzt von den Sommer-Angeboten profitieren“, rät die Firma wibo. Besser nicht, raten wir: Heizen mit Strom ist extrem ineffizient und obendrein teuer. Verbraucherzentralen warnen deshalb seit Langem vor der Anschaffung solcher Geräte. Und weil der Strom natürlich nicht einfach aus der Steckdose kommt, sondern hierzulande immer noch vor allem aus Kohlekraftwerken, sind Elektroheizungen und -kamine alles andere als „Partner der Energiewende“.

Laut einer Studie des Instituts für Zukunftsenergiesysteme (IZES) verursachen Elektroheizungen 3,6-mal mehr Treibhausgase als moderne Gasbrennwertheizungen und 13-mal mehr als Holzpelletheizungen. In Deutschland sind sie für den Ausstoß von jährlich 30 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich, das sind mehr als drei Prozent der gesamten bundesdeutschen Emissionen.

Früher hieß es in den wibo-Postwurfsendungen, die Öfen sorgten für „CO2-freie“ Wärme. Heute werben die Elektroheizer mit dem Slogan:

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Der Bund der Energieverbraucher hatte 2004 geurteilt: „Eine Stromheizung als wirtschaftlich und umweltschonend anzupreisen stellt nach Auffassung des Bundes der Energieverbraucher eine Irreführung von Verbrauchern dar.“ Aus diesem Grund hat der Verbraucherverband einen bayerischen Hersteller abgemahnt, der daraufhin seine Werbebroschüren ändern musste.

Bund der Engieverbraucher: Bitte übernehmen!

PS: Die auf der Werbung verwendeten Siegel „eco Systems Niedrigenergie“, „Wärme-Effizienz-Heizung“ und „Partner der Energiewende“ gibt es nur bei wibo. Und als „Partner der Energiewende“ sieht sich auch die deutsche Steinkohlenwirtschaft.

Danke an Michael M. aus Lechbruck am See für den Hinweis


Klein, aber oho (2): Wibo-Werk Hamburg

Sonntag, den 9. März 2008

Im Spielfilm „Ödipussi“ kauft der Stoffhändler Paul Winkelmann (gespielt von Loriot) einen Elektrokamin mit künstlicher Glut, um eine gemütliche Atmosphäre für den bevorstehenden Besuch der Psychologin Margarethe Tietze (Evelyn Hamann) zu schaffen, die er auf einen Hefezopf eingeladen hat. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Effizienz und Umweltschädlichkeit verschiedener Heizungstypen dagegen sind messbar. Deshalb ist die Postwurfsendung des Hamburger Wibo-Werkes einfach zu widerlegen: Ihre Elektrokamine und andere Stromheizungen seien „Feinstaub und CO2 frei“, so die dreiste Behauptung. „Einfach hinstellen und einschalten“, heißt es weiter. Und das Hirn ausschalten, möchten wir hinzufügen.

In Wahrheit ist Heizen mit Strom extrem ineffizient und obendrein teuer. Verbraucherzentralen warnen deshalb seit Langem vor der Anschaffung solcher Geräte. Und weil der Strom nicht einfach aus der Steckdose kommt, sondern hierzulande immer noch vor allem aus Kohlekraftwerken, sind Elektroheizungen und -kamine alles andere als CO2-frei.

Laut einer Studie des Instituts für Zukunftsenergiesysteme (IZES) verursachen Elektroheizungen 3,6-mal mehr CO2 als moderne Gasbrennwertheizungen und 13-mal mehr als Holzpelletheizungen. In Deutschland sind sie für den Ausstoß von jährlich 30 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich, das sind mehr als drei Prozent der gesamten Emissionen. Aus Gründen des Klimaschutzes möchte deshalb die Bundesregierung Elektroheizungen baldmöglichst verbieten. Für das Klima ist es schließlich egal, ob das CO2 im Wohnzimmer von Herrn Winkelmann entsteht oder in einem Kohlekraftwerk.

Darauf angesprochen, erwidert eine freundliche Dame am Servicetelefon des Wibo-Werks: „Es gibt doch heute Biostrom, das kann jeder selbst wählen.“ Zwar stimmt es, dass man mit einem Anbieterwechsel seine strombedingten CO2-Emissionen um zwei Drittel und mehr senken kann (und sollte!). Wie ernst es der Hamburger Firma aber mit diesem Hinweis ist, zeigt ein Blick auf deren Internetseite.

10 Gründe für das Heizen mit Strom“ sind dort aufgeführt, zum Beispiel: „Sie haben beim Heizen ein Bewusstsein für die Umwelt. Denn mit Strom nutzen Sie die hohen technischen Wirkungsgrade von modernen, staatlich streng kontrollierten Kraftwerken.“ Das ist ziemlicher Humbug, denn für Wirkungsgrade gibt es – leider – in Deutschland keine staatlichen Vorschriften. Ein Hinweis auf Ökostrom ist auch nirgends zu finden. Im übrigen hält Günther Frey, der Autor der IZES-Studie, selbst das Betreiben einer Elektroheizung mit Strom aus regenerativen Quellen für eine „erhebliche Verschwendung von Ressourcen“.

Das angepeilte Verbot der Bundesregierung wird sich vermutlich nur auf Nachtspeicherheizungen beziehen, das weiß auch die Dame am Wibo-Service-Telefon. Ist das vielleicht der Grund, warum die Firma schon mal verstärkt ihre Kamin-Imitate anpreist?

Danke an Torsten M. für den Hinweis