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Infrarot-Heizungen: Alles andere als grün

Freitag, den 28. Januar 2011

Dass Elektroheizungen und insbesondere Nachtspeicheröfen echte Öko-Schweinereien sind, ist mittlerweile allgemein bekannt. Aber Unternehmen sind ja erfinderisch. Auf Handzetteln in Baumärkten preist beispielsweise die britische Firma Tansun ihre „Quarzheizungen mit neuester Kurzwellen-Technologie“ an.

Oder Redwell aus Österreich, die ihre Infrarot-Heizkörper zum Beispiel als freihängende Kugeln liefert oder mit Bildern bedruckt, damit sie Wände verzieren können. Eine „Innovation“ sei das, „effektiv“ und „energiesparend“, sogar „wohltuend“ und „gesundheitsfördernd“.

Phänomenal, oder? Dabei ist das Heizen mit Infrarot-Strahlern ein ziemlich alter Hut, in Ställen oder Gewerbehallen zum Beispiel seit Jahrzehnten üblich. Infrarot-Heizungen haben den Vorteil, dass ihre Strahlen nicht die Raumluft erwärmen, sondern direkt die Körper, auf die sie treffen. Das Prinzip ist vom Gletschersonnenbad bekannt: Trotz frostiger Luft ist es in der Sonne angenehm warm.

Dieses direkte Erwärmen spare eine Menge Energie, behaupten nun die Hersteller. Als „kostengünstig und äußerst ökonomisch“, bewirbt etwa Tansun seine Produkte, sie seien „40 Prozent effektiver als herkömmliche Systeme“. Verbraucherschützern stehen dabei die Haare zu Berge. Allenfalls im Vergleich zu anderen Elektroheizungen sind die Infrarot-Strahler vielleicht effizienter – doch selbst daran habe er „große Zweifel“, sagt Peter Kafke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Theoretische Vorteile der Strahler seien in der Praxis wenig bedeutsam. Denn um in Wohnungen ein behagliches Raumklima zu schaffen, würden Nutzer immer auch die Luft indirekt miterwärmen müssen. „Der reale Stromverbrauch dürfte deshalb kaum unter dem konventioneller Elektroheizungen liegen.“ Und weil die Strahler teuren Tagstrom verbrauchen, lägen die Betriebskosten „sogar über denen von Nachtspeicheröfen“.

Um Kritiker zu kontern, hat Redwell sich von einer griechischen Universität eine Studie erstellen lassen. Die Heizer aus Österreich, heißt es darin vollmundig, seien „sämtlichen sonstigen Heizsystemen … unter Berücksichtigung aller wirtschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Aspekte eindeutig überlegen“. Doch liest man das 24-seitige Papier genau, dann fällt auf, dass selbst in dieser Auftragsarbeit moderne Erdgasheizungen deutlich ökologischer abschneiden als die Infrarot-Heizer. Ein Vorteil für die Redwell-Produkte ergab sich nur, als in dem fiktiven Testhaus die Heizstrahler mit Solarkollektoren und einer Photovoltaik-Anlage kombiniert wurden.

Tansun behauptet auf seiner Internetseite sogar, seine Heizstrahler lieferten „CO2-freie“ Wärme. Das ist natürlich gelogen. Sie verursachten „keine direkten CO2-Emissionen“, heißt es präziser auf den Werbezetteln aus dem Baumarkt. Denn indirekt verursachen Elektroheizungen sehr wohl Kohlendioxid, ein Großteil des Stroms kommt hierzulande schließlich aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken. Unterm Strich liegen die CO2-Emissionen von Elektroheizungen pro Kilowattstunde mehr als doppelt so hoch wie bei modernen Erdgasheizungen. Außerdem ist es Quatsch, Stromheizer als „effizient“ zu bezeichnen. Selbst wenn das einzelne Gerät nahezu hundert Prozent des eingesetzten Stroms in Wärme umwandelt, bleibt das Gesamtsystem extrem ineffizient – denn selbst moderne Großkraftwerke haben Wirkungsgrade von unter 50 Prozent, d.h. dort geht mehr als die Hälfte der eingesetzten Primärenergie verloren. Heizen mit Strom sei daher unverantwortlich, sagt Peter Mellwig von der Energieberatungsgesellschaft co2online, auch ein Wechsel zu Ökostrom ändere daran nichts. „Elektrizität ist eine aufwändig erzeugte Energieform, die zur Wärmeerzeugung einfach zu schade ist.“

Und das gilt für konventionelle wie unkonventionelle Elektroheizer gleichermaßen.


Mercedes: Wir machen Hamburg nicht sauberer

Mittwoch, den 31. März 2010

mercedes_hamburgVor ein paar Wochen verteilte die Hamburger Stadtreinigung in der Hansestadt eine Broschüre, in der es ausgiebig ums Mülltrennen ging und die Sperrmüllabfuhr und so weiter. Dieses offiziöse Umfeld nutzte unter anderem Mercedes-Benz, um sein Umweltimage aufzupolieren.

„Wir machen Hamburg sauber“, so die vollmundige Behauptung in einer ganzseitigen Annonce – die sich nicht nur auf die Mercedes-Lkw der Müllabfuhr bezog, sondern auch auf E-Klasse-Limousinen. Die modernen Müllwagen, hieß es, hülfen dabei, „unsere Stadt noch schneller und effizienter sauberzuhalten“. Außerdem seien ihre Motoren „extrem verbrauchs-, geräusch- und emissionsarm“. Und dann dichteten die Mercedes-Werber:

mercedes_hamburg2

Na, ist es Ihnen aufgefallen? Das Wichtigste an der Aussage ist das Wörtchen „gerade“ am Beginn des zweiten Absatzes. Denn die neue E-Klasse gibt es in vielen Motorenvarianten, deren Emissionswerte alles andere als eindrucksvoll sind – der E 500 mit seinen 254 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer zum Beispiel ist eine wahre CO2-Schleuder. Und im Durchschnitt wäre es für die Hamburger Luft wie auch fürs Weltklima besser, wenn man nicht Mercedes führe, sondern zum Beispiel die direkte Konkurrenz von BMW. „Die Bayern konnten zwischen 2006 und 2008 den CO2-Ausstoß ihrer Flotte von knapp 190 auf 160 Gramm pro Kilometer senken, während die Mercedes-Flotte Ende 2008 immer noch durchschnittlich stolze 188 Gramm pro Kilomater ausblies“, erklärt Immo Terborg von der Hamburger Verbraucherzentrale. Erst seit 2009 versuche Mercedes bzw. die Konzernmutter Daimler, mit der „Blue-Efficiency-Technologie“ nachzuziehen. Die Verbraucherschützer schickten Mercedes wegen der Anzeige denn auch eine Abmahnung. Der Konzern zog daraufhin das Motiv zurück und gab eine Unterlassungserklärung ab. Bei grünfärberischer Werbung, kritisiert Terborg, „werden Verbraucher, die beim Kauf eines Neuwagens auch ans Klima denken, getäuscht“.

Der Slogan „Wir machen Hamburg sauberer“ passt offenbar eher zur Verbraucherzentrale, als zu Mercedes.


Edeka: Etikettenschwindel mit Energieeffizienz

Montag, den 1. Februar 2010

„ÖKO“, prangte groß in einem Prospekt, den die Edeka-Tochter Marktkauf kürzlich in Hamburg verteilen ließ. „Sparsam im Verbrauch“ und „A – Energieeffizienz“. Toll, werden sich etliche Kunden gedacht haben, der Preis des Gefrierschranks stimmt auch, da greif ich zu.

edekakaufland_beko1Aber, halt! Insider wissen, dass die Energieeffizienzklasse „A“ bei Kühlgeräten nur Mittelmaß ist. Die von A bis G reichende Skala hatte ihren Sinn, als sie Mitte der neunziger Jahre EU-weit eingeführt wurde. Seitdem aber ist die Technik viel weiter, nur wenige Geräte fallen überhaupt noch in die Klasse B. Schlechtere gibt es praktisch nicht mehr auf dem Markt, 2003 wurden deshalb zusätzlich die Klassen A+ und A++ eingeführt. Der Verbrauch des beworbenen Gefrierschranks Beko FS 210 liegt mit 247 Kilowattstunden denn auch satte 50 Prozent über dem aktueller A++-Geräte. Das angebliche ÖKO“-Produkt ist also in Wahrheit ein Stromfresser und verursacht unnötige CO2-Emissionen.

Als „grünen Etikettenschwindel und irreführend“ bezeichnet deshalb Immo Terborg von der Verbraucherzentrale Hamburg die Werbung. Er hat Edeka/Marktkauf wegen des Prospekts abgemahnt, die Firma gab daraufhin eine Unterlassungserklärung ab. Eine grundsätzliche Lösung der verwirrenden Kennzeichnungspraxis aber ist das nicht. Dabei wäre sie ganz einfach: Die EU könnte die Label-Regeln so ändern, dass sich der jeweils pro Effizienzklasse erlaubte Verbrauch automatisch dem Fortschritt anpasst. Schlechte Geräte würden dann mit der Zeit in der Skala nach unten rutschen. Umwelt- und Verbraucherschützer fordern solche „dynamischen Labels“ seit langem, können sich jedoch nicht durchsetzen. Auf der anderen Seite nämlich macht die Industrie Druck. Für sie sind die veralteten Klassen sehr bequem, denn mit ihr lassen sich selbst Stromverschwender noch mit dem positiv klingenden A-Siegel vermarkten. Eine gründliche Reform wurde Ende 2009 vereitelt, stattdessen wird es künftig noch komplizierter: Wer einen wirklich sparsamen Kühlschrank kaufen will, muss bald nach einem A mit drei Plus-Zeichen Ausschau halten.

Verständlich für Kunden ist dies nicht, und der Umwelt schadet die Unklarheit. Nur Hersteller und Händler ineffizienter Produkte können sich freuen – und natürlich die Energieversorger, die weiterhin schön viel Strom verkaufen können.


Mitmachen: Verbraucherschützer vs. Grünfärber

Dienstag, den 29. Dezember 2009

Was man lange ahnen konnte, ist nun belegt: Klima-Werbung verwirrt die Konsumenten. Der Verbraucherzentralen-Bundesverband (vzbv) hat gut 1.100 repräsentativ ausgewählte Personen befragen lassen, was sie denn unter „klimaneutral“ und „klimafreundlich“ verstehen. Ergebnis: die Begriffe führen „Verbraucher hinters Licht“. Der vzbv hat deshalb eine Website geschaltet, auf der jedermann und jedefrau zweifelhafte Klimawerbung melden kann – sie wird dann rechtlich geprüft und die entsprechende Firma im Zweifelsfall abgemahnt. vzbv_kl(Über besonders „schöne“ Fälle werden wir auch auf diesem Blog berichten.)

Die Grünfärber in Industrie und Werbeagenturen können sich angesichts der Umfrage-Ergebnisse jedenfalls die Hände reiben. Ihre Werbeslogans klingen prima – aber kaum ein Verbraucher weiß, was sie bedeuten. Fast 30 Prozent der Befragten hatte keine Ahnung, was „klimafreundlich“ heißt. Gut zehn Prozent glaubten gar, „klimafreundliche“ Produkte belasteten das Klima überhaupt nicht. In der Realität dagegen pappt dieses Wort so ziemlich auf allem, was auch nur ein kleines bisschen weniger klimaschädlich ist als der Durchschnitt.

Besonders erfolgreich sind in der Vergangenheit offenbar die Greenwashing-Mühen der Autolobby gewesen. Auf die Frage, welche Produkte Konsumenten denn mit dem Begriff „klimafreundlich“ verbinden, lautete die zweithäufigste Antwort „neue Autos“ (elf Prozent). Auch Fluggesellschaften und Stromkonzerne haben ganze Arbeit geleistet – ihre miese Klimabilanz fällt kaum einem Verbraucher auf. Jedenfalls bezeichneten bloße vier Prozent der Befragten Flugzeuge als „nicht klimafreundlich“ (die häufigste Antwort mit über 20 Prozent lautete: „alte Autos/Lkw, Busse, Motorräder“) – dabei ist Fliegen die klimaschädlichste Art der Fortbewegung überhaupt. Und Kohlekraftwerke wurden lediglich von sieben Prozent der Verbraucher als „nicht klimafreundlich“ genannt – dabei ist die Kohleverstromung hierzulande für viel mehr Kohlendioxid verantwortlich als alle „alten Autos“.

„Mehr Transparenz“, fordert deshalb vzbv-Chef Gerd Billen. „Erforderlich sind verbindliche Standards für Werbung mit Klimaschutzargumenten.“ Das ist doch ein schöner Wunsch fürs Neue Jahr!

Apropos: Unseren Leserinnen und Lesern (und ganz besonders allen unseren Hinweisgebern) danken wir für das Interesse im vergangenen Jahr und wünschen alles Gute für 2010!