Mitmachen: Verbraucherschützer vs. Grünfärber

Was man lange ahnen konnte, ist nun belegt: Klima-Werbung verwirrt die Konsumenten. Der Verbraucherzentralen-Bundesverband (vzbv) hat gut 1.100 repräsentativ ausgewählte Personen befragen lassen, was sie denn unter „klimaneutral“ und „klimafreundlich“ verstehen. Ergebnis: die Begriffe führen „Verbraucher hinters Licht“. Der vzbv hat deshalb eine Website geschaltet, auf der jedermann und jedefrau zweifelhafte Klimawerbung melden kann – sie wird dann rechtlich geprüft und die entsprechende Firma im Zweifelsfall abgemahnt. vzbv_kl(Über besonders „schöne“ Fälle werden wir auch auf diesem Blog berichten.)

Die Grünfärber in Industrie und Werbeagenturen können sich angesichts der Umfrage-Ergebnisse jedenfalls die Hände reiben. Ihre Werbeslogans klingen prima – aber kaum ein Verbraucher weiß, was sie bedeuten. Fast 30 Prozent der Befragten hatte keine Ahnung, was „klimafreundlich“ heißt. Gut zehn Prozent glaubten gar, „klimafreundliche“ Produkte belasteten das Klima überhaupt nicht. In der Realität dagegen pappt dieses Wort so ziemlich auf allem, was auch nur ein kleines bisschen weniger klimaschädlich ist als der Durchschnitt.

Besonders erfolgreich sind in der Vergangenheit offenbar die Greenwashing-Mühen der Autolobby gewesen. Auf die Frage, welche Produkte Konsumenten denn mit dem Begriff „klimafreundlich“ verbinden, lautete die zweithäufigste Antwort „neue Autos“ (elf Prozent). Auch Fluggesellschaften und Stromkonzerne haben ganze Arbeit geleistet – ihre miese Klimabilanz fällt kaum einem Verbraucher auf. Jedenfalls bezeichneten bloße vier Prozent der Befragten Flugzeuge als „nicht klimafreundlich“ (die häufigste Antwort mit über 20 Prozent lautete: „alte Autos/Lkw, Busse, Motorräder“) – dabei ist Fliegen die klimaschädlichste Art der Fortbewegung überhaupt. Und Kohlekraftwerke wurden lediglich von sieben Prozent der Verbraucher als „nicht klimafreundlich“ genannt – dabei ist die Kohleverstromung hierzulande für viel mehr Kohlendioxid verantwortlich als alle „alten Autos“.

„Mehr Transparenz“, fordert deshalb vzbv-Chef Gerd Billen. „Erforderlich sind verbindliche Standards für Werbung mit Klimaschutzargumenten.“ Das ist doch ein schöner Wunsch fürs Neue Jahr!

Apropos: Unseren Leserinnen und Lesern (und ganz besonders allen unseren Hinweisgebern) danken wir für das Interesse im vergangenen Jahr und wünschen alles Gute für 2010!