Wibo-Werk: Verschwendung – jetzt noch besser!

Schon vor fast einem Jahr beschäftigte uns das Hamburger Wibo-Werk, ein Anbieter von Stromheizungen. Die Produkte sorgten für „co2-freie“ Wärme, hieß es damals auf Postwurfsendungen. Was natürlich Blödsinn ist – jedenfalls solange wie in Deutschland etwa die Hälfte des verbrauchten Stroms aus Kohlekraftwerken stammt.

In ihrer neuen Werbung behauptet das Wibo-Werk nun die Klimafreundlichkeit nur noch für Kunden von Ökostrom-Anbietern. Energieverschwendung ist das dann immer noch, weil in den Stromnetzen bei der Übertragung Elektrizität verloren geht und Strom ohnehin eine viel zu wertvolle Energieform ist, um damit Räume zu heizen. Aber egal.

Auch die anderen „Vorteile“, die Wibo in seiner Werbung aufführt, sind zweifelhaft: Mit Strom zu heizen sei „günstig“ – Verbraucherzentralen dagegen warnen regelmäßig vor diesem „Märchen“. Wer mit Strom heizt, zeige „ein Bewusstsein für die Umwelt“, behauptet die Firma, denn die „staatlich streng kontrollierten Kraftwerke“ hätten „hohe technische Wirkungsgrade“. Auch dies stimmt nicht, die üblichen Großkraftwerke auf Kohle- oder Atom-Basis haben lausige Wirkungsgrade, meist geht dort mehr als die Hälfte der eingesetzten Primärenergie verloren.

Besonders schräg aber ist die Behauptung, mit Wibo-Stromheizungen seien „Einsparungen bis zu 40 Prozent“ möglich. Nicht ohne Grund findet sich hinter der Zahl ein Sternchen. Es verweist auf dieses Kleingedruckte:

Damit ist wohl gemeint: Die „hochentwickelten“ Wibo-Produkte verfügen über Thermostate, die den Heizkörper ab und zu auch mal abschalten, weshalb gegenüber einem ständig laufenden Stromfresser natürlich etwas weniger Energie verbraten wird. Das ist seit langem technischer Standard, auch bei anderen Heizungen.

Mit der Einsparung im Regelbetrieb, wie sie etwa Energiesparlampen gegenüber konventionellen Glühbirnen aufweisen, hat das nichts zu tun. Trotzdem wirbt das Wibo-Werk auf seinen Postwurfsendung mit diesem Motiv:

Danke an Michael M. aus Lechbruck für den Hinweis

P.S.: In einer früheren Version dieses Textes schrieben wir, das Wibo-Werk biete auch Nachtspeicheröfen an. Das war nicht korrekt. Im Sortiment der Firma finden sich – neben Elektrokaminen und „Elektro-Kachel-Öfen“ – nur „Elektrische Speicher-Flach-Heizungen“, die aber mit normalem Tagstrom betrieben werden. Das sei ökologisch „ja noch viel schlimmer“, sagt dazu Prof. Uwe Leprich, Heizungsexperte von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken. Denn wenn Elektroheizungen tagsüber ihren Strom ziehen, erhöhen sie den Elektrizitätsbedarf, wenn er ohnehin hoch ist. Für die Stromnetze und den Kraftwerkspark wäre das „verheerend“. Auch die Beratungsgesellschaft co2online.de warnt davor, mit Tagstrom zu heizen. Dies sei, wie eine Grafik auf deren Internetseite zeigt, für Verbraucher der mit Abstand teuerste Energieträger. Immerhin will die Bundesregierung im Rahmen ihres Klimapakets festschreiben, dass besonders ineffiziente Nachtspeicherheizungen auf lange Sicht verboten werden.